Klappentext: „Fastnacht - grandioses Schauspiel aus Farben und Formen, unerschöpfliche Vielfalt an wertvollen Masken und Narrenkleidern. Städte verwandeln sich in Narrennester, tausende schlüpfen in Häs und Larve, Zehntausende feiern mit. Dieses Buch entfaltet den gesamten kulturellen Reichtum des größten Brauchereignisses in Südwestdeutschland und der angrenzenden Schweiz. Faszinierend bebildert, unterhaltsam geschrieben und wissenschaftlich fundiert schildert es die Geschichte der Fastnacht von ihren Anfängen bis heute. Es erklärt die Bedeutung der vermummten Gestalten - Narren, Teufel, Hansel, Butzen, Hexen - , entschlüsselt den Sinn ihrer Attribute von den Schellen bis zur Schweinsblase und erläutert die närrischen Bräuche in ihrer jeweiligen regionalen Besonderheit. Eine einmalige Reise zu allen wichtigen Schauplätzen der schwäbisch-alemannischen Fastnacht.“ Werner Mezger, ein Meister seines Fachs, hat dieses wunderschöne Buch verfasst. Seine Texte sind unheimlich aufschlussreich, wissenswert und klar verständlich. Er befasst sich mehr als ausführlich mit der Thematik und nimmt uns Leser mit in eine fast vergessene Tradition. Fast vergessen, weil kaum ein Außenstehender weiß was es mit den wunderschönen, gruseligen Masken auf sich hat. Es stecken jahrhundertealte Familiengeschichten zum Teil dahinter und genau das ist es was das Buch aus macht. Mezger blickt hinter die Masken und in sie hinein. Seine detaillierten Beschreibungen, untermalt mit wunderschönen Fotografien, sind einmalig. Durch seine lange Erfahrung bezüglich dieser Tradition weiß Mezger genau, was der Leser erfahren möchte und was nicht. Dieses Buch ist ein echter Schatz für jeden der Kultur mag und der gerne hinter die Kulissen blickt! Zur Optik und Haptik: vorab, das Buch hat ein immenses Gewicht! Es ist schon eher ein Coffee-table-Book als ein normales Lesebuch. Man muss es auf einem Tisch lesen. Es einfach in der Hand halten war für mich nicht ohne weiteres möglich. Es wirkt durch die edle Aufmachung sehr wertig und besonders. Die Seitendicke ist hervorragend und die Texte sowie die Bilder fügen sich harmonisch und gut strukturiert ein. Dieses Buch wirkt einfach schon allein durch das tolle Cover und der Inhalt ist dann die Krönung des Ganzen! Dieses Buch erhält eine klare Leseempfehlung!
Werner Mezger
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Werner Mezger
Schwäbisch-alemannische Fastnacht
Das grosse Buch der schwäbisch-alemannischen Fasnet
Neue Rezensionen zu Werner Mezger
Einzelne Figuren sind von Region zu Region unterschiedlich, wie die Teufel mit Eckzähnen oder Widderhörnern. Hexen bilden das weibliche Pendant zu den Teufeln. Sie gehören ebenfalls zu jeder Fasend. Ihre Holzlarven sind ähnlich geschnitzt, mit Warzen und schiefen Zähnen. Ihre Erkennungszeichen sind das Kopftuch und der ausgestopfte Busen, denn Hexen sind meist männlich. Obligatorisch ist der breite Rock mit Schürze, darunter dicke Strümpfe an Beinen, die in Strohschuhen stecken. Den Hexenbesen nutzen sie als Stab für ihre Sprünge, die schon mal auf einem Laternenpfahl oder im geöffneten Fenster der Zuschauer landen können.
Weiterlesen im Kulturmagazin 8ung.info -> http://www.8ung.info/6414/fotobuch-tipp-schwaebisch-alemannische-fastnacht
Werner Mezger ist - vielleicht neben Dietz-Rüdiger Moser - DER Experte für die schwäbisch-alemannische Fasnet. Für das vorliegende Buch, das einen hervorragenden, reich bebilderten Überblick über die Vielfalt der Fastnacht gibt, hat er 2003 auch den Bodensee-Literaturpreis erhalten.
Den hätte der Volkskunde-Professor aber noch mehr für seine Ende der 80er Jahre erschienene Habilitationsschrift: "Narrenidee und Fastnachtsbrauch" verdient. Ein beispiellos umfassendes, fundiert recherchiertes Buch - und neben aller wissenschaftlichen Tiefe gleichzeitig so hervorragend geschrieben, dass es nicht nur Professoren verstehen können, sondern JEDER einigermaßen gebildete Laie. Leider, leider vergriffen, sollte dringend neu aufgelegt werden!
Mezgers großes Verdienst ist, dass er ein für allemal mit der vor allem im Dritten Reich begeistert propagierten "Kontinuitätstheorie" aufräumt, der Vorstellung also, dass die Fasnet von den alten Germanen bis heute eine ununterbrochene Tradition des Winteraustreibens darstelle. Dafür gibt es keinen einzigen Beweis, Mezger führt vielmehr sämtliche Bräuche und Narrenattribute ins christliche Umfeld, in die Vorfastenzeit zurück: Vor dem großen Fasten, der Zeit der inneren Einkehr und Askese vor dem Osterfest, herrscht eine Woche lang die verkehrte Welt, in welcher der Narr, der Gottesleugner, (Psalm 52) regiert.
Wer sich zudem dafür interessiert, was eine Marotte ist oder warum das englische Wort "fool" oder das französische "fou" (Narr, Verrückter) und die Schweinsblase, die viele schwäbisch-alemannische Narren mit sich führen, durchaus etwas gemeinsam haben, dem seien Mezgers spannende und so gar nicht professoral-belehrende Veröffentlichungen aufs Närrischste empfohlen - übrigens auch rheinischen Jecken, denn so ungern's die "alefänzigen" Schwaben und Alemannen hören: Ob Fasnet, Fasching oder Karneval, die Wurzeln sind die gleichen.
(Und wer jetzt noch genau wissen will, was "alefänzig" ist, der sollte sich das Vergnügen gönnen, in Walter Fröhlichs "Alemannisch für Anfänger" nachzuschlagen")





