Werner Peterich

 3 Sterne bei 2 Bewertungen
Autor*in von Die Libelle.

Neue Bücher

Cover des Buches Die unbekannte Sally Hemings (ISBN: 9783257073713)

Die unbekannte Sally Hemings

Erscheint am 20.05.2026 als Gebundenes Buch bei Diogenes.

Alle Bücher von Werner Peterich

Neue Rezensionen zu Werner Peterich

Cover des Buches Zimmer mit Aussicht (ISBN: 9783596521432)
mnikkims avatar

Rezension zu "Zimmer mit Aussicht" von E. M. Forster

mnikkim
Zwischen Klassenunterschieden und Gefühlen

Es war auf jeden Fall kein Summer Read, das bei mir dieses typische Sommer oder Frühlingsgefühl auslöst oder verstärkt (Italien: ja, aber Italien wird nicht wirklich im schönen Licht gezeigt).
Die Geschichte war mehr eine etwas über 400 Seiten lange Lektion über Klassenunterschiede zur edwardischen Zeit, mit Coming-of-Age und religiösen Aspekten. Ich habe mich schlecht gefühlt, die Kapitel einfach durchzulesen, ohne sie nochmal anständig zu analysieren oder zu recherchieren, weil sie so viel mehr aussagen.
Ich bin auch mehr als einmal in den Dialogen verloren gegangen um wen es gerade geht, wer spricht, weil echt viel über andere Leute gegossipt wird.
Mit dem Anfang konnte ich flott einsteigen, aber in der Mitte hat die Geschichte mich leider verloren, genauso wie die Motivation, alles in einem Zug ohne Pausen zu lesen. Es ist dann schon anstrengend geworden.

Hehe, fand die Romanze trotzdem sehr schön und schnuckig.

Cover des Buches Professor der Begierde (ISBN: 9783499238130)
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Rezension zu "Professor der Begierde" von Philip Roth

Trishen77
Kunst und Leben - vielleicht Roths menschlichster Roman

       Wenn man dieses Buch zuklappt und auf dem Einband den Namen Philip Roth liest, ist man doch wieder etwas verblüfft. Wo war die leichte rothische Rohheit, normalerweise hier und da vagant eingeflochten? Wo der Witz und der ewig kreisende Skeptizismus, den so viele "klassische" Werke dieses Autors ausmachen? Wo war das Anecken und das hin und wieder grenzwertige?
Nicht viel davon zu sehen. Stattdessen eine starke Bedachtheit auf das Wesentliche: Die Hauptfigur, den Literatur-Professor, und seine Begierden (wobei das letzte Wort in der Bedeutung, nach seinem Original, dem engl. "Desire", ambivalenter verstanden werden sollte).

Professor der Begierde ist das vielleicht menschlichste (ja sogar beinahe teilnahmsvollste) Buch Philip Roths (womit ich nichts gegen Der menschliche Makel oder das grandiose Werk Jedermann sagen will, aber jenes erste ist eben sehr episch, das andere doch noch mit einem gewissen anonymen Kniff versehen), auf jeden Fall das authentischste und gehört zu den ehrlichsten Werken in seinem Ceuvre.

Es ist ein Buch über die Beziehung von Leben und Literatur und von den hohen Problematiken der Sexualität, die sich zwischen den Spiegeln dieser beiden Lebensformen gefangen sieht - relativ ausweglos. Auch das Thema Depression, ausgewalzt in Mein Leben als Mann und die jüd.-amerik. Lebensweise, Angelpunkt von Portnoys Beschwerden , spielen hier eine Rolle. Denn hier, am Fixpunkt seiner bisherigen Themen und dem Übergang von seinem Frühwerk in sein mittleres Werk (welches lautlos in sein Alterswerk übergeht), zeigt sich seine gesamte stille Meisterschaft, wie sie alles kompakt hier und da streift und unter der Oberfläche ausbreitet. Ja, dass kann man sagen: Es ist ein Buch das viel unter der Oberfläche, hinter der Geschichte arbeitet.

Sicherlich kann gerade diese Kompaktheit sehr unstimmig wirken und manchem trainierten Rothleser sogar belanglos oder seicht erscheinen. Aber man muss, wie schon angedeutet, hinter die Fassade dieses Werkes sehen und höllisch aufpassen auf die wenigen Knackpunkte in der sonst schlicht wie nacherzählt wirkenden Lebensgeschichte des Prof. David Kepesh - denn dann erkennt man vielleicht wie essentiell hier mancher Vergleich und manche Idee zum Vexierbild des Problems der Literatur wird; zum Konflikt zwischen ihr, die das Leben abbilden will, und dem Leben, das sich formal abbilden lässt, aber nicht darin einsperren.

"Hör mal, damit es keine Verwirrung gibt, lass es mich gelinde übertreiben: ich hasse Bibliotheken, ich hasse Bücher und ich hasse Universitäten. Wenn ich micht recht erinnere, neigen sie dazu, alles im Leben ein ganz klein wenig in etwas anderes zu verdrehen als es ist - das heißt >ein ganz klein wenig<, wenn man Glück hat. Diese armen, ahnungslosen Theoretiker und theoriebesessenen Bücherwürmer, die sich vorn hinstellen und losdozieren, sind es, die alles zu etwas noch Schlimmerem verdrehen."

Dies ist die große Angst von Kepesh's Frau und im gewissen Sinne die Angst jedes Menschen, der der Literatur zugetan ist und, auf literarischer Ebene, "einfach schon zu viel gesehen hat". Aber kann man das alles aufs Leben zurückmünzen, beziehen, selbst wenn es das Leben nachbildet? Eine große Frage und Zentrum jedes Literaturseminars und beinahe jeder wissenschaftlichen Arbeit über Literatur, jeder Analyse, ja manchmal gar als einzige Daseinsberechtigung von Literatur propagiert. Doch Roth zeigt auch, neben der klaren Gemeinsamkeit zwischen diesen beiden Disziplinen, wo hier die Gefahren und die ewigen Grenzen liegen. Und er zeigt es, wie immer, bravourös und mit einem leichten Eigensinn, welcher ihn scheinbar dazu verpflichtet, niemals viel über den wahren Inhalt seiner Werke anzudeuten, sondern einfach zu erzählen - zu erzählen, wie es nur ein echter Romancier vermag. Deswegen ist es so schön Philip Roth zu lesen: Klare, lesenwerte Prosa und dahinter steht immer die Wahrheit im Kreuzverhör des Lebens (oder der Literatur(?))

Cover des Buches Der Ghost Writer (ISBN: 9783499238628)
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Rezension zu "Der Ghost Writer" von Philip Roth

Trishen77
Dunkles, Helles

       "Wir arbeiten im Dunkel - tun was wir können - wir geben, was wir haben. Unser Zweifel ist unsere Leidenschaft und unsere Leidenschaft ist unsere Aufgabe. Der Rest ist der Wahnsinn der Kunst."
Henry James

Schon in seinem vorangehenden Roman Professor der Begierde hatte sich Philip Roth mit dem Gegensatz und der Beziehung von Literatur und Leben auseinandergesetzt. Hier rollt er das Thema erneut ambivalent und eigensinnig auf, doch geht er diesmal wahrlich aufs Ganze:

Nathan Zuckerman, Schriftsteller im Anfangsstadium, begibt sich zu dem Haus seines Idols E.I. Lonoff, wo er einen Tag, die Nacht und den anschließenden Morgen verbringt. Er hofft, sich mit dem großen Schriftsteller über allerhand brisante literarische Themen unterhalten zu können, von ihm zu lernen, doch muss er bald feststellen das Lonoff mit der Literatur keine Begeisterung, sondern höchstens Zweifel, Ernst und Resignation verbindet.
Das Ganze wird noch geschickt verbunden mit Nathans Geschichte seines eigenen schriftstellerischen Werdegangs und seiner "literarischen" Phantasien über die junge Studentin, die ebenfalls bei Lonoff zu Gast ist und ihm scheinbar ebenso zugetan ist wie er selbst (vielleicht noch mehr) und die eine Art von Geheimnis umgibt...

Wonach sucht Literatur, große Literatur? Nach dem Schlimmen, Aufzudeckenden, nach dem großen Problem seiner Zeit...
Lässt man eine Reihe berühmter Romane Revue passieren (ich sage jetzt mal ganz willkürlich: Buddenbrocks, Madame Bovary, Anna Karenina, Der Fremde, Die Elenden, Der Prozeß) so könnte man den Eindruck gewinnen, große Literatur würde immer über den Verfall und die Schwachstellen des Menschen und seiner Weltanschaungen berichten (anders zum Beispiel als die meisten guten, großen Gedichte - und es ist in diesem Zusammenhang schon interessant, dass mehr Menschen große Romane lesen). Doch wer Romane wirklich liest und nicht allein zu beurteilen sucht, sollte bald feststellen, dass keines der Bücher ihm wirklich mehr zur Hand gibt, als eine scheinbar unwiderrufliche Richtung der Konsequenz.

"Von Kunst verstehen sie nicht soviel! Vielleicht verstehe ich selbst auch nicht viel von Kunst. Vielleicht tut das überhaupt keiner aus unserer Familie, jedenfalls nicht so wie du. Aber genau darauf will ich ja hinaus. Die Leute lesen kein literarisches Kunstwerk - sie lesen über Menschen. Und beurteilen sie als solche.", sagt Zuckermanns jüdischer Vater über eine Kurzgeschichte seines Sohnes, in der dieser eine höchst unangenehme Familienfehde literarisch inszeniert hat. Und hier sind wir ganz nah an dem Problem, was Philip Roth so gekonnt unter der Tarnkappe seiner Romanhandlung zusammenwebt. Das Problem von Literatur, nicht als Unterhaltung, sondern als Kunst, als Kunst die bloßstellt, reflektiert und brüskiert und den Phänomenen mehr verpflichtet ist, als der Realität, in der man lebt. Als Fiktion, die niemandem verpflichtet ist, außer sich selbst; die nichts anderes kann, als in die Zwischenräume und dem Leben nicht gänzlich zugewandeten Seiten einzusteigen. "Die Funktion der Kunst ist es, der Natur den Spiegel vorzuhalten", schrieb Douglas Adams und es ist die bisher beste Definition, die beinah alles zu diesem Thema einschließt. Aber Philip Roth schafft es auch über einen Spiegel zu reflektieren.

Milan Kundera schrieb, dass der Verdienst des Romanes das sei, was allein der Roman offenbaren (darstellen) könne. Emma Bovarys Schicksal zum Beispiel ist die fulminante Lektion von 350 Seiten, nicht mehr und nicht weniger - und, und das ist die wirklich wichtige Aussage Kunderas: Im Roman gibt es weder ein Gut, noch ein Böse, sondern allein die Geschichte. Dieser Tradition fühlt sich auch Philip Roth verpflichtet, der wieder einmal beweist, dass der Roman keine reine Analyse ist, sondern vielstimmig, vielgängig darstellt, was nur der Roman kann: das Vexierbild eines Themas abzubilden, mannigfaltig und doch gleichsam konsequent.

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