Werner Rösener Leben am Hof

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Inhaltsangabe zu „Leben am Hof“ von Werner Rösener

Im Heiligen Römischen Reich war der Herrscherhof Zentrum der Verwaltung und der herrschaftlichen Repräsentation. Dabei war er nicht unbedingt an eine Residenzstadt gebunden, sondern reiste im Frühmittelalter gewissermaßen mit dem Herrscher mit. Die Höfe von Kaisern, Königen, von weltlichen und geistigen Fürsten werden in diesem Band vorgestellt. Wie waren diese Höfe organisiert, was waren ihre wirtschaftlichen Grundlagen? Wie spielte sich das Leben bei Hofe im Alltag und bei Festen ab? Werner Rösener beleuchtet verschiedene Aspekte der Hofkultur, zeigt die Entwicklung vom Frühmittelalter bis zur Renaissance auf und gibt einen Ausblick in die Neuzeit.

· Aspekte des Mittelalters fundiert erzählt
· Hofkultur spannend aufbereitet
· Erste umfassende Gesamtdarstellung

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  • Rezension zu "Leben am Hof" von Werner Rösener

    Leben am Hof

    wolfschwerdt

    18. May 2010 um 21:36

    Werner Rösener liefert mit seinem Buch „Leben am Hof“ eine umfassende Gesamtdarstellung von Struktur, Funktion und realer Lebenswelt mittelalterlicher Höfe. Zunächst aber stellt sich Rösener die Frage: was ist ein Hof? Auf den ersten Blick erscheint die Antwort klar. Offensichtlich aber waren sich da selbst Hofbeamte nicht immer ganz sicher, wie zeitgenössische Quellen zeigen. Allein Begriffe, wie aula, palatium, domus oder curia, zeigen, dass es den Hof als eindeutig definiertes Gebilde kaum gab. Der Professor für mittelalterliche Geschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen, Prof. Dr. Werner Rösener, geht in seiner Darstellung daher sehr systematisch vor. Und je weiter man sich in dem recht sachlich verfassten Buch vorarbeitet, desto deutlicher wird, dass der Hof ein Macht- und Herrschaftsapparat ist, dessen konkrete Ausgestaltung von den historischen, politischen und regionalen Rahmenbedingungen abhängig und einer ständigen Veränderung und Entwicklung unterworfen ist. Rösener rekonstruiert die Entstehung der frühmittelalterlichen Höfe als Synthese germanisch-römischer Kultur. Im Mittelpunkt der Betrachtung der merowingischen, karolingischen, ottonischen und salischen Königshöfe stehen dabei zunächst vor allem die zentralen Hofämter, Seneschall, Mundschenk, Kämmerer und Marschall. Ausführliche Beschreibungen von Aufgaben, Herkunft und Status der Hofbeamten, sowie der personellen Ausstattung der jeweiligen Ämter und ihre Veränderungen im Laufe der Zeiten ergeben einen ersten Eindruck davon, wie komplex das Thema mittelalterlicher Hof eigentlich ist. Röseler nähert sich dem Gegenstand der Betrachtung von verschiedenen Seiten. Um die Königshöfe des Hochmittelalters darzustellen, beschreibt und vergleicht er den Hof Friedrich I Barbarossa mit dem Heinrichs II von England und dem Friedrichs II im Königreich Sizilien. Bereits dabei wird deutlich, dass Vieles, was uns heute als herrschaftliche Willkür oder Eitelkeit erscheint, erwähnt sei hier beispielsweise die Prachtentfaltung, durchaus eine wichtige Funktion für die Herrschaftsausübung aufwies. Dass die Königshöfe letztendlich Vorbild für die Herrschafts- und Verwaltungsapparate der sich im Hochmittelalter ausbildenden Fürstentümer waren, versteht sich nach der Lektüre der ersten Kapitel fast von selbst. Aber mit seinen Ausführungen ergänzt Röseler von Kapitel zu Kapitel das bislang Erfahrene oder besser Erarbeitete um weitere Aspekte, die die Strukturen von Höfen immer deutlicher werden lassen. Immerhin, der Leser wird eben nicht nur mit den Höfen des mittelalterlichen Reisekönigtums konfrontiert. Ohne die Kenntnis über die Höfe der weltlichen und geistlichen Fürsten, über die Ausbildung von Residenzen und dem Verständnis der Entwicklung der gesellschaftlichen Strukturen im Mittelalter generell, blieben die Ausführungen sehr abstrakt. Andererseits ist gerade die teilweise abstrakte Abhandlung des Themas eine wichtige Grundlage, um die Kapitel zur wirtschaftlichen Grundlage von Höfen, über Luxus, Konsum und höfische Sachkultur, über höfische Lebensformen und Hofordnung oder Hofkultur, Sakralelemente und Hofkritik sinnvoll einordnen zu können. Jedenfalls wird dem Leser nun, wenn von Pfalzen und Burgen, Waffen, Rüstungen und Pferden, Turnieren und Minnegesang, Bildung und Klerus und nicht zuletzt der Rolle der Frau und ihre Handlungsspielräume am Königshof berichtet wird, deutlich, wie begrenzt sein bisheriges Verständnis vom Mittelalter war. Wer sich ernsthaft für das Mittelalter interessiert, sei es als Laie, sei es professionell, für den ist das Buch ein Muss. Wer sich lediglich ein Bild vom mittelalterlichen Hofleben machen möchte und hierfür leichte Literatur sucht, der sollte die Finger von dem recht sparsam bebilderten Werk lassen. Denn an und mit diesem Buch muss man arbeiten. Für den ernsthaft Interessierten ist diese Arbeit wegen des Erkenntnisgewinns aber ein Vergnügen.

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