Es ist mein erstes Buch von Margaret Atwood und sicher nicht mein letztes.
Auf einer Hotel-Sonnenterrasse im Urlaub liegend, musste ich andauernd kichern oder lachen. Mit Lady Orakel hat Atwood eine skurrile Antiheldin geschaffen.
Meiner Erfahrung nach sind die Menschen schwer übergewichtig, die in ihrer Jugend und Kindheit Misshandlungen körperlicher und/oder seelischer Natur ausgesetzt waren. Joan wird von einer Mutter großgezogen, der sie gar nichts Recht machen kann und die für ihr Kind ununterbrochen falsche Entscheidungen fällt, die Joan dann ausbaden muss. Diese flieht in eine Welt der kurzfristigen Belohnung durch vieles Essen und plagt sich in der Folge mit den Nachteilen ihres Übergewichts herum.
Es widerfahren ihr wirklich gemeine Sachen und trotzdem schafft sie es, nicht zu verzweifeln, sondern einen Weg für sich zu finden. Ihre Tante Lou, selbst übergewichtig und etwas exzentrisch, zeigt ihr schöne und abgefahrene Dinge und gibt ihr das Gefühl, ok zu sein.
Nach deren Tod verwandelt sich Joan.
Sie legt sich zB eine weitere Persönlichkeit zu.
Sie, die keine Liebe kennengelernt hat, kann selbst nicht lieben. So geht sie irrwitzige Beziehungen ein, die aus den komischten Begegnungen resultieren: wird 'ungewollt' entjungfert, zur Geliebten, heiratet nach dem unromantischten aller möglichen Anträge, geht Verhältnisse ein und lebt ihr unbekannte Emotionen als Autorin von Groschenromanen aus. Versehentlich schreibt sie auch ein Buch, welches sich zum Kassenschlager entwickelt.
Ihre Männer können ihr nicht das Wasser reichen, wissen aber alles besser und sind so wunderbar beschrieben, dass ich sie bildlich vor Augen hatte.
Trocken lässt uns Joan/Louisa an ihrem Leben teilhaben und ständig möchte ich sie in den Arm nehmen dafür, dass sie das alles aushält und ich dabei lachen darf.
Das Buch endet mit offenen Handlungssträngen: wieder ist alles möglich.
Mich beschleicht die Lust, mich auch in ein anderes Leben zu schreiben und dort andere Dinge zu erleben.
Vielleicht eine Joan, die mit roten Haaren und trockenem Humor die wöchentlichen Treffen einer revolutionären Zelle ausrichtet oder auf verwegene Adlige in einem jahrhunderte alten Labyrinth eines Landsitzes trifft. Alles ist möglich:)
Ich wurde sehr gut unterhalten






