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Nightingale78

vor 9 Monaten

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Meine Meinung
Jugendbücher in denen man selbst als ‚älteres Semester‘ noch etwas für sich mitnehmen kann, interessieren mich immer. So wurde ich natürlich beim Wesley Kings »Daniel is different« hellhörig. King greift in seinem neuen Werk durch den 13-jährigen Daniel das Thema Obsessive Zwangsstörung auf, verknüpft den Plot aber auch mit alltäglichen Sorgen eines Jugendlichen sehr gekonnt. So ist zwar die Krankheit ein wichtiger Aspekt, aber die Hauptfigur wird nicht nur durch diese definiert. Das gefiel mir sehr.

Daniel ist eine Figur, mit der ich sofort sympathisierte. Er ist ein sehr intelligenter Junge, der eine große Leidenschaft für das Schreiben hegt. Mit seinem Humor holte er mich sofort ab. Und wie so viele Nerds, hat auch er es nicht so mit Sport. Allerdings möchte Daniel seine Freundschaft mit seinem besten Freund Max nicht gefährden und ist als Ersatzkicker im Schul-Football-Team.
Zu Beginn ist Daniel sich überhaupt nicht darüber im Klaren, dass seine Ticks bzw. „Zaps“ Teil einer Zwangsstörung ist. Er denkt schlichtweg, dass er verrückt ist. Aus Angst seinen besten Freund zu verlieren, seinen Schwarm zu vergraulen und seine Eltern zu enttäuschen, verschweigt er jedem, wie sehr die Zwangsstörung seinen Alltag zunehmend bestimmt.
Mir tat es in der Seele weh, zu sehen, dass Daniel meinte damit allein klarkommen zu müssen. Der Autor beschrieb insbesondere die „Rituale“ seines jungen Protagonisten sehr beklemmend. Als Leser merkt man durch diesen tiefen Einblick, wie Ernst man derartige Zwangsstörungen nehmen muss. Sich vorzustellen, dass Menschen derartiges täglich durchleben müssen, löst in mir großes Mitgefühl aus. Wesley King selbst litt in der Teenagerzeit an OCD und konnte in diesem Buch daher viele persönliche Erfahrungen einfließen lassen.

Ausgerechnet die stumme Sara – genannt Psycho-Sara – aus der Schule, stößt ihn auf den wahren Kern seiner persönlichen Probleme. Bei ihr muss er sich nicht verstecken. Mit Sara wurde ich zugegeben erst etwas später warm. Sie ist recht schroff und geht sehr unverhohlen auf Daniel mit einem sehr familiären Problem zu. Sie denkt nämlich, dass ihr Vater vom neuen Freund ihrer Mutter umgebracht wurde. Aber in Daniel sieht sie auch ein „Sternenkind“ – bzw. Verbündeten.

Wie zuvor schon erwähnt, dominiert die Krankheit zwar zeitweise Daniels Alltag, aber legt sich nicht zu schwer über den Gesamtverlauf. Man merkt jedoch, dass bei ihm die Zwangsstörung besonders durch Stress hervorgerufen wird. Daniel nimmt auch das Schreiben als abendliche Beschäftigung um runter zu kommen, oder um sich mental auf sein „Programm“ vor dem zu Schlafen gehen vorzubereiten. Je länger er schreibt, umso entspannter ist er und braucht dann nicht so lange. Auszüge seiner Schreibkreativität wurden kursiv in die Kapitel eingeflochten.

Das Ende wurde recht offen gelassen, was jedoch irgendwie passt. Allerdings fehlten mir zwischenzeitlich ein bisschen mehr Pepp. Gerne hätte ich noch mehr Vater-/Sohn Situationen und der Versuch einiger Aufklärungen gesehen. In Gänze schreibt der Autor aber sehr flüssig und mitfühlend.


Fazit

Kings hat mit Daniel eine wundervolle Figur gezeichnet, dessen Schicksal mir nahe ging. Speziell durch Daniels abendliches „Programm“, gewährt der Autor einen erschreckenden Einblick in die Welt der Zwangsstörungen und Panikattacken. »Daniel is different« ist eine aufwühlende rührende Geschichte, deren Ende gewollt offen geblieben ist. Dadurch wirkt das große Ganze sehr realistisch, allerdings auch etwas unvollendet. Nichtsdestotrotz ist Wesley Kings Jugendbuch eine wichtige Geschichte über eine missverstandene Krankheit.

Autor: Wesley King
Buch: Daniel is different
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