Wiebke Hartmann Der Reisende ohne Schatten

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Inhaltsangabe zu „Der Reisende ohne Schatten“ von Wiebke Hartmann

Dieses Buch ist ein Plädoyer für Unterschiede. Es warnt vor den dunklen Seiten von Mobilität, Migration und Globalisierung, vor der zunehmenden Vereinzelung der Menschen und ihrer Verlassenheit (Arendt). Auf ganz persönlicher Ebene beschreibt es die Unmöglichkeit, durch Emigration dem Schatten der Vergangenheit zu entfliehen. Und es zeigt die Folgen, wenn man den eigenen Standpunkt in der Welt verliert. Es geht um: Die historischen Aspekte der Migration; um transnationale Gemeinschaften und modernes Nomadentum ; um Fernweh, Kulturschock und den Umgang mit fremden Lebenswelten; gesundheitliche Belastungen durch territoriale Mobilität; die Prägung durch Orte und den Bruch im Zeit-Raum-Kontinuum, den wir auf Reisen erleben; um Familienbindungen, die Distanzen überbrücken; Loyalität und Vertrauen als Voraussetzung des Zusammenlebens; um die Bedeutung der Sprache für unsere Wahrnehmung und unser Weltbild; Zugehörigkeit, kollektives Gedächtnis und nicht zuletzt um die Rolle der Geschichte für unsere Identität und Zukunftsperspektive. Den Anlass für die Reflektionen der Autorin bildete ihre Familiengeschichte, aus der leitmotivisch in Abschnitten erzählt wird. Beginnend mit der Heirat der norwegischen Großmutter kurz vor dem Ersten Weltkrieg mit einem Deutschen, dem sie in sein Heimatland folgt, endet sie mit dem Tod der ältesten Enkelin dieser Frau, die in Lateinamerika ermordet und in einem Massengrab verscharrt wird.

gut zu lesen, materialreich und interessant

— lauterer_heide-marie

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  • Jeder ist ein Fremder

    Der Reisende ohne Schatten

    lauterer_heide-marie

    14. October 2015 um 16:56

    Wir alle kennen das Gefühl fremd zu sein. Es kann einen jederzeit überfallen, beim Auszug von Zuhause, beim Beginn des Studiums in einer anderen Stadt, beim Umzug in eine andere Wohnung in einem anderen Stadtviertel. Das Gefühl des Fremdseins ist oft der Vorbote einer Reifungskrise, die wir durchleben müssen. Doch anders als in Gottfried Benns Gedicht: „Reisen“, ist es nach Wiebke Hartmanns Aufzeichnungen nicht „die Leere“ im Kopf, die einem in der Fremde unerwartet zu schaffen macht; es sind im Gegenteil die vielen autorbiografischen Geschichten, die der oder die Reisende in der Fremde, und sei sie noch so nah, nicht mehr los wird; Geschichten, die sie nicht mehr erzählen kann, weil sich niemand mehr für sie interessiert. Richtig schlimm aber wird dieses Verlassenheitsgefühl, wenn wir für einen längeren Zeitraum in ein fremdes Land reisen, dessen Sprache wir nicht sprechen. Wenn das Ende unseres Aufenthaltes nicht absehbar ist, weil wir uns zur Emigration entschlossen haben, oder weil wir gezwungen wurden, auszuwandern, kann sich das anfängliche Verlassenheitsgefühl zu einer schweren Lebenskrise auswachsen. Dass solche Erfahrungen in unserer globalisierten Welt nichts Ungewöhnliches sind, darüber berichtet die Heidelberger Autorin Wiebke Hartmann. Ihr Nachdenken über Migration, Identität, Heimat und Menschenrechte ist von ihren eigenen, manchmal schmerzlichen, Erfahrungen in der Fremde geprägt. Diese kursiv gesetzten Passagen machen das Buch lebendig und interessant. Jeder, der einen längeren Auslandsaufenthalt hinter sich hat oder mit ausländischen Kollegen und Freunden zu tun hat, wird sich hier wiedererkennen können. Wiebke Hartmann reflektiert ihre eigenen Erfahrungen des Fremdseins aus verschiedenen Blickwinkeln der unterschiedlichen Fachrichtungen. Historische, psychologische, ethische, philosophische, familiensoziologische und literarische Aspekte werden erörtert. Nach der Lektüre des Bandes stand mir der Gehalt des einleitenden Kafka-Zitates deutlich vor Augen: „ Sie sind nicht aus dem Schloss, Sie sind nicht aus dem Dorf. Sie sind nichts. Leider sind sei aber doch etwas, ein Fremder, einer der überzählig ist.“ Das Buch stellt die neagtiven, schmerzlichen Erfahrungen und Auswirkungen der Migration in einer globalisierten Welt überdeutlich heraus. Doch wäre es nicht möglich, in gleicher Weise auch die Gegenseite herauszuarbeiten? Die geglückte Migration, das erfolgreiche Einleben in eine neue Gemeinschaft? Dass dieses gelingen möge, dazu beizutragen ist unsere Aufgabe. „Der Reisende ohne Schatten“ kann uns dabei helfen, indem er uns lehrt, den Fremden in seiner Ganzheit als Mensch zu verstehen und ihn oder sie als unseres Gleichen zu erkennen.

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