Sehr unterhaltsam
Das die Geschichte zumeist immer auch die „Geschichte der Sieger“ ist, ist eine Binsenweisheit, die vielfach zutrifft. Dass Menschen durch die Jahrhunderte und Jahrtausende immer wieder intrensisch motiviert das „Besondere“ leisten wollen, bei so manchem Staatsmann, Feldherren, Politiker, Wirtschaftsführer zumindest der heimliche Blick auf den Nachruhm schon zu Lebzeiten antreibt, das sind keine Geheimnisse.
Wie es aber ist, wenn sich solche Menschen auf den Weg machen und brachial scheitern, das ist oft keine Erwähnung für die Nachwelt mehr wert. Die Glorie gebührt Alexander, nicht Dareius!
Die Autoren nun nehmen in diesem sehr flüssig zu lesenden, sehr unterhaltsamen Band den Leser it auf die „Reise zu den Nullen“.
„Wir müssen sie feiern, wie sie fallen. Das sind wir unserer Geschichte schuldig“. Oder, wie es der Untertitel des Buches ausdrückt: „Sie kamen, sahen und versagten“.
Manchmal durch Pech, das mag sein, wie manche „großen Gestalten“ auch durch Glück und nicht nur durch Können (siehe Friedrich den Großen) am Ende ein gut ausgehendes Schicksal erlebt haben.
Aber vielfach sind es doch die Zutaten von Hybris, Selbstüberschätzung, Abgehoben sein (siehe im Buch Thomas Middelhoff), vielleicht ein einfaches „nicht ausreichen“ für die hart erkämpfte Position (siehe Rudolf Scharping im Buch) oder andere, persönliche Deformationen wie Minderwertigkeitsgefühle (siehe Wilhelm II im Buch), die für ein teils grandioses, fassungslos machendes Abstürzen und vorheriges Versagen sorgen.
Pointiert verweisen dabei die Autoren schonungslos auf die persönlichen Fehlleistungen, auf ein Verhalten bei manchen der vorgestellten Personen, welches schon im „normalen Leben“ grenzwertig zu betrachten wäre, in herausragender Position allerdings zwangsläufig zum Sturz, zum Versagen, zu heftigen Gegenreaktionen führen muss.
Sei es aus Ignoranz, sei es aus Dummheit, fehlender Bildung, mangelndem Gespür für Formen oder auch aus der Lust am Untergang heraus oder gar aufgrund aller möglichen Motive gemeinsam, mitsamt der „frechen Gier des Unternehmer-Universums“.
Dabei wird keine Häme Laut, sondern durchaus sachlich im Einzelnen auf das „Fallen“ der (oft selbsternannten) großen Namen verwiesen.
Von Ribbentrop (Schaumweinschläger) zu von Schlieffen (der Einäugige) über Ludwig II (Wolkenkuckuck) und Egon Krentz (Dampfspritze) hin zu Matthias Rust (König der Möwen) und vielen anderen reicht dabei die Palette aus gescheiterten Staatsmännern, Wirtschaftsführern, Politikern und selbsternannten VIP´s, denen eines allen gemeinsam ist: Der Verlust jeglicher Bodenhaftung, das Abgleiten in ein ganz eigenes, inneres Universum, welches die Autoren gekonnt und unterhaltsam offenlegen.
Informativ und unterhaltsam zu lesen.
Wiebke Porombka
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Neue Bücher
Gedankenspiele über das Tempo
Alle Bücher von Wiebke Porombka
Der zwölfte Mann ist eine Frau
Deutsche Nullen
Der Zwölfte Mann ist eine Frau
Gedankenspiele über das Tempo
Neue Rezensionen zu Wiebke Porombka
Gerade eben schlagen die Wellen hoch bei meinem ortsansässigen Traditionsverein, der genau wie der "große Bruder" aus der 1. Bundesliga in gelb-schwarz aufläuft. Jedenfalls legte die Mannschaft am Wochenende schon ihr zweites unterirdisch schlechtes Heimspiel in Folge hin. Das "Gepeppel" auf dem Rasen glich eher einer gewerkschaftlich organisierten Arbeitsverweigerung, als leidenschaftlichem Kampfeswillen, worauf die Fans ihre ansonsten stets hochgejubelten Goldjungs gnadenlos auspfiffen und schlussendlich (wieder einmal) der Trainer beurlaubt wurde. Und trotzdem.... Trotzdem hält man zu diesem Verein. Man wird sich erneut beim nächsten Match geduldig in die langen Schlangen vor den Toren des hübschen, neuen Stadions einreihen und um Einlass bitten. Und alles nur, um letztendlich erneut zu leiden (und vielleicht auch wieder zu lieben oder - ich wage kaum daran zu denken -, auch wieder zu feiern).
Ja, Frau Porombka, ich kann Sie so gut verstehen. Denn auch ich bekenne mich zu diesen "verrückten Weibsbildern", über die der ehemalige Präsident des 1. FC Köln und Weltmeisterteam-Kicker (1974) Wolfgang Overath bemerkte: "Ich kann mir nichts Schlimmeres vorstellen als schreiende Fußballbräute auf der Tribüne." Da habe ich mir Ihre Lektüre "Der zwölfte Mann ist eine Frau" gerade zur rechten Zeit vor den Fuß gelegt. Vortrefflich unterhalten habe ich mich (und vielleicht auch ein wenig Trost gefunden). Nicht nur, weil ich mich so gut identifizieren konnte, sondern weil Sie es auch exzellent verstanden haben, jede Abseitsfalle gekonnt zu umgehen und dadurch ein vorzügliches literarisches "Tiki-Taka" aufs Papier zu bringen. Sie kehren mit Ihrem Buch keineswegs den großen Zampano heraus, sondern setzen auf gekonnte Dribblings, eine sichere Abwehr, ein gut organisiertes Mittelfeld und Stürmer, die eine treffsichere Wuchtel schießen. Nun beschreiben Sie zwar Ihren Werdegang als treuer Werder Bremen-Fan, aber das tut dem ganzen Spiel keinen ungewollten Abbruch, da sich den Fan-Schal wohl oder übel jeder (weibliche) Fußballbegeisterte anziehen kann. Bei Ihnen muss man heute nicht mehr befürchten, dass Ihr großer Bruder erneut seine gefürchtete Blutgrätsche startet, wenn Sie "mit süffisant gehobener Augenbraue das Spielgeschehen" kommentieren, denn aus Ihren Ausführungen sprechen nicht nur Leidenschaft und Engagement, sondern vor allem Sachverstand und Kompetenz. Zudem alles verpackt in einem dramatischen Schlussspiel mit Verlängerung....
"Was macht es mit dir, wenn du Fußball-Fan bist?" Und wie "will man das komplett Irrationale dieser Wahrheit erklären?", sind nur einige Fragen, die Sie, liebe Frau Porombka (darf ich Sie Wiebke nennen?) zu beantworten trachten. Sie fragen sich, warum Fußball Heimat ist, erklären, warum es vor dem Spiel (fast) am schönsten ist oder man Fußball nur allein gucken sollte. Auch untersuchen Sie Abseits, Aufstellung und Konter, analysieren die verschiedenen Phasen einer Fußballfan-Karriere oder plaudern charmant über Wadenbeißer und Stiernacken. Anschaulich erläutern Sie das wohldurchdachte Ritual des Ankleidens vor einem Spieltag, begründen durchaus nachvollziehbar Ihre Abneigung für den bayrischen Erfolgsverein und erkennen treffsicher, was uns Fußball über Männer lehrt. Letztendlich fragen nicht nur Sie sich, liebe Wiebke, was es mit dem Geist einer Mannschaft auf sich hat, mit dem man Woche für Woche konfrontiert wird und für den man seine ganze Leidenschaft aufwendet. "Muss es dann nicht auch Einfluss auf deine Art zu Denken haben?", konstatieren Sie folgerichtig.
Aller Wahrscheinlichkeit wird wohl doch etwas dran sein an Ihrer Aussage: "Mit dem Fußball-Fan-Sein ist es ähnlich wie mit dem Kinderglauben, dass die Eltern immer da sein werden. Womöglich ist das eine sogar der Ersatz für das andere, der Fußball für die Eltern, denn man weiß doch ziemlich schnell, dass das mit den Eltern ein Trugschluss ist." Eines wird zumindest recht deutlich klar, dass Fußball gerade daher solch einen Reiz ausübt, weil dieses Spiel eine (sonderbare) Mixtur aus "Alles ist möglich" und "der Einsicht in die Vergänglichkeit des Moments, das Wissen um die Chance, die sich kein zweites Mal eröffnet. Das Wissen um den entscheidenden Schritt zu spät, der alle Hoffnungen zunichtemacht." Dass Sie sich, liebe Wiebke Porombka, allerdings fragen, ob Ihr Leben anders verlaufen wäre, wenn Sie das Schicksal an eine andere Mannschaft gebunden hätte und ob Sie dann erfolgreicher und zielstrebiger wären bzw. einen geregelten Tagesablauf oder vielleicht sogar ein Bügeleisen hätten, nehme ich nicht ganz so ernst. Einen eventuellen Zusammenhang konnte ich jedenfalls nicht erkennen. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich ein Bügeleisen habe (wenn ich es auch nur sehr, sehr ungern im regulären Spielbetrieb einsetze). Aber: Ich bin auch nicht Fan von Werder Bremen.
Fazit: Mit ihrem Buch, liebe Wiebke Porombka haben Sie einen absolut sauberen Pass geschlagen. Ich bin fast geneigt, Ihnen die höchste fußballerische Ehre zukommen zu lassen. Welche das ist? Na die Zuerkennung des Status eines "Fußballgottes" natürlich!
Warum das Buch für mich perfekt ist? Wiebke Porombka ist ein oder zwei Jahre jünger als ich (hab ihren Jahrgang vergessen, da ich das Buch schon vor ein paar Wochen gelesen habe) und Werder-Fan! Und wie ihr vielleicht wisst, zähle auch ich mich seit jenem legendären Spiel gegen den SSC Neapel 1989 (das natürlich auch im Buch erwähnt wird, S. 55) zur Werder-Fangemeinde. Werder gewann übrigens mit 5:1 gegen Maradona & co. Dass ich ich Moment mit der Vereinsführung, vor allem mit der Wahl des Sponsors, so meine Probleme habe, soll hier mal außer Acht gelassen werden.
Nun denn, Wiebke Porombka erzählt uns ihrem Buch Anekdoten aus dem Leben eines (weiblichen) Fans. Da sie praktisch von der Wiege an Werder-Fan war, beginnt ihre Fangeschichte noch etwas früher als meine, aber die Frau teilt soooo viele schöne Erinnerungen mit mir, dass es eine reine Freude war, dieses Buch zu lesen. Und viel gelacht habe ich, vor allem bei Kapitel 7 (0:4 im Pokalfinale oder: Warum es eine Charakterfrage ist, Bayern-Fan zu sein). Sorry, liebe Bayern-Fans, das Buch ist nichts für euch! ;-) Vor allem ihre Beschreibung Klaus Augenthalers ist … sehr vergnüglich.
In vielem finde ich mich wieder, etwa, wenn Porombka auf S. 149 erklärt, warum für einen richtigen weiblichen Fan Fußballer keine “Objekte erotischer Begierden” sind. Wie oft habe ich versucht, meiner Schwester das zu erklären, die immer mal wieder annahm, ich sei in Marco Bode oder auch Thorsten Frings verschossen wegen meiner Sympathiebekundungen. Neeee, geht nicht, das sind Fußballer, mann!
Einen kleinen Stich gibt mir allerdings, dass Wiebke Porombka einen entscheidenden Vorteil mir gegenüber hat: richtige Stadionerfahrung. Denn die Frau kommt aus Bremen und ich aus dem Saarland. (Das ist das Bundesland, in dem diese trockenen Dornbündel über die Fußballplätze wehen wie durch ein Geisterdorf im Wilden Westen.) Seufz. Ich wüsste gar nicht, ob ich so bei ihr als richtiger Fan durchginge.
Mädels (und auch Männer!), wenn ihr Fußball mögt und keine Bayern-Fans seid, ist das Buch echt toll! (Wobei ich einräumen muss, dass Frau Porombka wie ich auch durchaus auch Bayern-Fans zu ihren bzw. meinen Freunden zähle.) Und wenn ihr vielleicht sogar noch Werder-Fan seid, müsst ihr es einfach lesen, dann macht es umso mehr Spaß!
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