Wilfried Buchta Die Strenggläubigen

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Inhaltsangabe zu „Die Strenggläubigen“ von Wilfried Buchta

Der militante Islamismus, der den Weltfrieden bedroht, hat seine Gestalt nicht erst in den vergangenen zwei Jahrzehnten gewonnen. Seine moderne Geburtsstunde schlug 1979 in Iran und Saudi-Arabien. Wilfried Buchta, ein intimer Kenner des Nahen und Mittleren Ostens, zeichnet die seither anhaltenden Spannungen und Entwicklungen innerhalb der islamisch-arabischen Welt nach, und er macht deutlich, welche fatale Rolle die Konfessionskonflikte zwischen Sunniten und Schiiten dabei spielen. Er schildert den Aufstieg von radikalen Glaubensführern und erklärt, warum es keinen theologischen Mainstream gibt, der den extremen Positionen der "Strenggläubigen" und dem Terrorismus etwas entgegensetzen könnte.

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  • Aussichtslos?

    Die Strenggläubigen

    michael_lehmann-pape

    23. November 2016 um 14:03

    Aussichtslos?„Saudi-Arabiens Wahabiten nehmen es mit ihren zwei ärgsten fundamentalistischen Gegnern auf. Sei es der (ideologisch nahestehende) IS, sei es der Iran, die traditionelle Anlehnungsmacht aller….Schiiten des Nahen Ostens“.Seit 1979, seit der Revolution im Iran, besteht diese Lage zweier konkurrierender, großer Mächte im Nahen Osten, Iran und Saudi-Arabien, die den jahrhundertelangen Auseinandersetzungen zwischen Sunniten und Schiiten seit dieser „Zeitenwende“ im Nahen Osten auch offen und offensichtlich Gestalt und Form nun geben.Eine Reibung, aus der im Laufe der Jahre vielfache Gruppierungen, darunter nicht wenige überaus radikale, terroristische Gruppierungen hervorgegangen sind, die mal von der einen, mal von der anderen Seite unterstützt werden, mal von der einen, mal von der anderen, mal von beiden Seiten bekämpft werden.Buchtas erstes (und nicht unwichtiges) Verdienst mit diesem Werk ist zunächst, in das, von außen betrachtet, „Wirrwarr“ der religiösen Gruppen und machtpolitischen Interessen eine verständliche Klarheit zu bringen. Der Leser ist am Ende der Lektüre mit den verschiedenen Gruppierungen, ihren Kernzielen und ihren historischen Ursprüngen sachlich vertraut.Zum zweiten ist Buchta fundiert in der Lage, begründete Parallelen zu ziehen zwischen Konstellationen. So ist seine These, dass die gegenwärtige Situation zwischen Irak, Iran, Saudi-Arabien, Syrien und Anliegerstaaten die Situation des iranischen Revolutionsjahres 1979 widerspiegelt. Nur dass der Konflikt nicht mehr örtlich begrenzt und mit wesentlich härteren „Bandagen“ ausgefochten wird. Und dabei über den engeren Kreis der Rivalität im „Westen“ ein zwar nicht unbedingt neues, aber in der Gegenwart sehr massiv „angriffswürdiges“ Ziel abgibt.Um nun aber die gesamte Entwicklung zu sehen, geht Buchta in seinem, sehr nüchtern und, was die nahe Zukunft der Region und damit auch die Sicherheit Europas angeht, durchaus pessimistisch orientierten Werk historisch in Teilen auch weit zurück und leitet aus den Ursprüngen des Islam und den dort schon vorfindlichen Rivalitätskämpfen und Kriegen die Entstehung der gegenwärtigen Nationalstaaten als fragile Gebilde her ab. Mit den Folgen einer „harten Hand“ meist an der Spitze dieser Staaten, um die eigenen Machtpositionen auch im je eigenen Land mit allen Mitteln möglichst zu sichern und zu kontrollieren.Aus diesen Machtinteressen heraus wird dabei seit ebenfalls Jahrhunderten der Islam in fundamentalistischer Prägung benutzt. Zum einen, um im Rahmen der strengen Regelungen mit Härte religiös „begründet“ gegen das eigene Volk vorgehen zu können, zum anderen eine nationale Identität durch konkrete „Feindbilder“ zusammenzuschweißen. Wobei die Inhalte dabei durchaus auch innerhalb der gleichen gesellschaftlichen Gruppen variieren können.„Bisweilen aber zeigen sich Fundamentalisten – insbesondere in ihren schiitischen Spielarten erstaunlich flexibel, wenn es darum geht, neue ideologische Elemente zu schaffen, oder moderne Elemente, etwa aus der Demokratie, in Anspruch zu nehmen, gemäß ihrer Lesart umzudeuten und ihren Zielen anzupassen“.Thesen, für die Buchta immer wieder praktische Beispiele heranführt und die, im Gesamten der Lektüre, zu einem äußerst pessimistischen Ausblick kommen, vor allem im Blick auf das Scheitern „der Ideologie des säkularen arabischen Nationalismus“ (in den diversen Kriegen mit Israel und mit Husseins Einmarsch in Kuwait).So ist es für Buchta ein klarer Fakt, dass demokratische Strukturen in der Region (bis auf wenige Ausnahmen) chancenlos waren und sind.Man muss nun den pessimistischen Unterton Buchtas nicht in allen Belangen teilen, dennoch bietet dieses Werk eine wichtige und sachlich belastbare historische Herleitung der Lage in der Region, mit der die tiefgehende „Starrheit“ der Ideologien und „Fronten“ vor Augen geführt wird und der „Clash of Civilizations“ in der Gegenwart, auch als beginnender Riss mitten in den Gesellschaften Europas, überzeugend begründet wird.Ein sehr lesenswertes Buch, um die Grundlagen des Konflikts und seine aktuelle Lage realistisch einschätzen zu können und eine Wahrnehmung gerade auch der negativen Folgen für den Islam und seine Anhänger selbst. Folgen, die innere Entwicklungen und „Reformationen“ stark behindern bis unmöglich machen und zu einer sich zuspitzenden Reibung zwischen den globalen Wertesystemen zunehmend führen.

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