Auf eine Wiederbegegnung mit der jungen Rechtsanwältin Frida Kling, die dem ihr innewohnenden Drang, Verbrecher höchstselbst zu verfolgen nicht widerstehen kann und die sich so angenehm unterscheidet von ihren Berufsgenossen und -genossinnen, zumindest von denen, deren Bekanntschaft zu machen ich immer einmal wieder das zweifelhafte Vergnügen habe, hatte ich mich gefreut! Doch wie das bei einer zweiten Begegnung oft der Fall ist, in Romanen wie auch im wahren Leben, tritt eine gewisse Ernüchterung ein, habe ich die alte Frida, die sympathische Nonkonformistin, in ihrem zweiten Abenteuer „Stiche“ nur ansatzweise wiedergefunden. Möglicherweise deshalb, weil die beiden Autoren diesmal darauf verzichtet haben, sie, außer beim schweißtreibenden Holzhacken, in ihrem privaten Umfeld, das so viel über sie verrät, länger als nur für kurze Augenblicke agieren zu lassen? Vielleicht, weil man diesmal überhaupt nur rudimentäre Einblicke in ihren Charakter und das, was in ihrem Kopf so vor sich geht, erhält? Es kann natürlich auch sein, dass die Autoren einfach nur beschlossen haben, Frida neu anzulegen und ihr dabei – immer aus meiner, sehr subjektiven, Sicht – das wegzunehmen, was sie so besonders, so liebenswert gemacht hat.
Mit Frida stand und fiel der Vorgängerband; sie war es, die die skurrile Geschichte um den Auto- und Drogenhändler Bollian und allerlei anderer irrlichtenden Gangster zusammengehalten hat, die ohne sie nicht den Charme gehabt hätte, die ich ihr seinerzeit attestiert habe! Nun, mit einem Mitglied der skrupellosen und reichlich unsympathischen Bollian-Sippschaft hat sie es jetzt wieder zu tun, bevor dieses das längst überfällige, schwerverdiente Zeitliche segnen darf, ebenso mit dem üblen Leibwächter- und Erfüllungsgehilfensubjekt des damals Verblichenen, der ihm in „Stiche“ zu meiner Genugtuung auf dem Weg in die ewige Verdammnis nachfolgt. Clever wie sie unleugbar ist, zählt Frida zwei und zwei zusammen und kommt auf das richtige Ergebnis! Aber was um Himmels Willen macht sie, kaum weiß sie, was Sache ist, mit diesem Wissen? Sie, die im ersten Band noch der felsenfesten Überzeugung war, dass Verbrechen geahndet gehören und der Täter zur Rechenschaft gezogen werden muss, lässt genau letzteren doch tatsächlich laufen!! Behält ihr Wissen für sich mit der Begründung, dass sie schließlich Anwältin ist und keine Polizistin und somit der Pflicht enthoben, eine begangene Straftat zu melden. Unsere Frida? Die Frida, die ich in „Peng!“ kennen- und schätzengelernt habe? Wohlgemerkt, ich kann ihre Entscheidung, einen Zweifachmörder laufen zu lassen, verstehen, zolle ihr dafür sogar Beifall, alldieweil nicht anzunehmen ist, dass der Täter nun Geschmack am Töten gefunden hat. Und um die Opfer war es schließlich ja auch nicht schade, die können jetzt kein Unheil mehr anrichten. Aber die „Peng!“-Frida hätte es sich nicht so leicht gemacht, wenigstens kann ich es mir nicht vorstellen!
Doch vielleicht kann man das ja auch anders sehen – Frida entwickelt sich weiter, wozu auch passt, dass die sich damals anbahnende, irgendwie rührende, das Herz erfreuende Liebesgeschichte mit dem ebenso sympathischen Ex-Gangster, Straßenmusiker, Luftikus und gegenwärtigen Knastbruder Paul immer mehr verblasst, denn der Ungute hat nicht nur schon wieder gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen und damit seine Vergünstigungen als Freigänger eingebüßt, sondern nimmt es Frida eindeutig auch noch übel, dass die hinterfotzige und durch und durch bösartige Ex-Geliebte Lucy, die ihn so schlimm mitgespielt hat, an den Schussverletzungen, die ihr Frida in Verteidigung eben desselben Paul zugefügt hat, gestorben ist. Undank ist der Welten Lohn! Und so tut es einem dann nur noch ein bisschen leid, dass die zarte Liebesgeschichte zwischen den beiden so ganz allmählich im Sande verläuft. Das aber, so muss ich einräumen, hätte ich am Ende des Vorgängerbandes keinesfalls erwartet!
Und wieder ein Sprichwort: „Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt“. Das ist im Leben nun einmal so – und besser, man ist darauf vorbereitet. Und oft steht an der nächsten Ecke schon ein anderer – war das nicht eine Liedzeile aus einem alten Schlager, gar gesungen von Hilde Knef? Recht hat sie, die sowieso wusste, wovon sie da in ihrem Sprechgesang erzählte – denn, ei der daus, da bahnt sich ja tatsächlich etwas an, etwas, das meinen Beifall findet, dem ich aber noch nicht zu trauen wage, aus Sorge, dann im dritten Band doch wieder enttäuscht zu werden.... Aber die amourösen Funken, die da zwischen unserer Heldin und dem blinden Richter sprühen, mit dem sie es nicht überraschend vor Gericht, aber gänzlich überraschend auch auf privatem Felde zu tun bekommt, lassen die alte Frida wieder aufleuchten, die Menschenfreundliche, Hilfsbereite, die Liebenswürdige, die Zuverlässige und Allseitsbereite! Ach wie schön wäre es, wenn die Autoren in ihrem nächsten Frida-Buch – das ich selbstverständlich lesen werde! - dem gelegentlich etwas trägen Amor ein wenig auf die Sprünge helfen und so ein richtig schönes, gerne auch schmalziges Happy End für ihre Protagonistin ersinnen würden! Zumal die neue, vorsichtig keimende Liebe doch viel passender wäre als die zu dem treulosen und selbstbezogenen Paul, dem einfach nicht zu helfen ist, der immer weiter auf schrägen Spuren wandeln wird. Wie dem aber auch sein mag – man wird sich überraschen lassen müssen!
Und nun ist es Zeit für eine abschließende Betrachtung des 2. Rastatt-Krimis. Selbst wenn ich hier zu meinem Leidwesen einer modifizierten Frida begegnet bin, habe ich doch nicht allzuviel an der Geschichte auszusetzen. Zu kurz war sie für meinen Geschmack, zu wenig ins Detail gehend, zu stark an der Oberfläche bleibend. Die Figuren sind relativ blass geblieben, bis auf den bereits bekannten Kommissar Gräfenegger, der seiner molligen Bärbel zu meiner Erleichterung nun nicht mehr länger hinterherzutrauern braucht. Was er in seiner Verzweiflung so anstellt, kann man ja nicht mit ansehen.... Die Szenen, in denen er auftaucht, sind mit Witz angereichert und vergnüglich zu lesen. Überhaupt mag ich, mit wenigen Abstrichen, den Stil des Autorenpaares, genauso wie die ihnen eigene, ins Auge fallende Art, allerlei Informationen über den Schauplatz, Rastatt, in die Handlung einfließen zu lassen. Dieses bedeutungsschwere „man muss wissen:...“, das solche Exkurse stets einläutet, finde ich als Signal, dass es jetzt aber zur Sache geht, witzig und originell; so wie überhaupt der Grundton des Romans ein insgesamt humoriger ist, was letztendlich mehr oder weniger blutigen oder scheußlichen Untat, die im Zentrum eines jeden Krimis steht oder doch stehen sollte, ihre belastende Schwere nimmt und davon ablenkt. Und schließlich trifft es bei Herz und Herz auch immer die Richtigen, nicht wahr? Also denn, liebes Autorenduo – hoffentlich auf ein Neues! Bald!










