Wilhelm Genazino

 3.8 Sterne bei 605 Bewertungen
Autor von Ein Regenschirm für diesen Tag, Die Liebesblödigkeit und weiteren Büchern.
Wilhelm Genazino

Lebenslauf von Wilhelm Genazino

Wilhelm Genazino wurde am 22. Januar 1943 in Mannheim geboren. Nach dem Abitur arbeitete er zunächst als freier Journalist, dann als Redakteur bei verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften, zuletzt bei der Satire-Zeitschrift Pardon. Wilhelm Genazino schloss ein Studium der Germanistik, Soziologie und Philosophie ab. Seit 1971 ist er als freier Schriftsteller tätig. 1990 wurde Genazino ein Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. 2004 nahm man ihn in die Bayerische Akademie der Schönen Künste auf. Wilhelm Genazino lebt heute in Frankfurt.   Sein Werk wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Georg-Büchner-Preis, dem Kleist-Preis und dem Fontane Preis. 2011 ist er für den deutschen Buchpreis nominiert. Bei Hanser erschienen zuletzt die Romane "Ein Regenschirm für diesen Tag" (2001), "Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman" (2003), "Die Liebesblödigkeit" (2005), "Mittelmäßiges Heimweh" (2007) und "Das Glück in glücksfernen Zeiten" (2009).  

Alle Bücher von Wilhelm Genazino

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Ein Regenschirm für diesen Tag

Ein Regenschirm für diesen Tag

 (131)
Erschienen am 01.04.2003
Die Liebesblödigkeit

Die Liebesblödigkeit

 (103)
Erschienen am 17.06.2008
Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman

Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman

 (68)
Erschienen am 10.03.2003
Das Glück in glücksfernen Zeiten

Das Glück in glücksfernen Zeiten

 (62)
Erschienen am 01.02.2011
Mittelmäßiges Heimweh

Mittelmäßiges Heimweh

 (47)
Erschienen am 01.12.2008
Wenn wir Tiere wären

Wenn wir Tiere wären

 (28)
Erschienen am 01.08.2013
Das Licht brennt ein Loch in den Tag

Das Licht brennt ein Loch in den Tag

 (23)
Erschienen am 03.01.2000
Abschaffel

Abschaffel

 (22)
Erschienen am 01.12.2002

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Neue Rezensionen zu Wilhelm Genazino

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Rezension zu "Bei Regen im Saal" von Wilhelm Genazino

Gratwanderung
Duffyvor einem Monat

Reinhard, promovierter Philosoph in den Mittvierzigern, hangelt sich von einem Gelegenheitsjob zum anderen. Das ist bezeichnend für seine Unfähigkeit, sich festzulegen und dem Leben eine überschaubare Richtung zu geben. Obwohl er sich in der Rolle als „Überwinder“, in der er anderen, vorrangig alleinstehenden Damen bei der Bewältigung außerordentlicher Ereignisse zur Seite steht, am ehesten findet, kann er diesen Job bei sich nicht machen. Sehr zum Leidwesen seiner Freundin Sonja, die ihm diesen unsteten Stil so lange zum Vorwurf macht, bis die Beziehung scheitert. Reinhard muss also fortan seine Ausflüge ins Abseits der Gesellschaft alleine machen, setzt diesen Weg auch fort, muss aber Reflexionen ertragen, die ihn immer wieder bis an die Grenze führen, an der ein Umschwenken noch möglich ist.

In kurzer und prägnanter Sprache lässt Genazino seinen Protagonisten durch die Welt taumeln, ihn die Fassungslosigkeit formulieren, die ihn bei den einfachsten Beobachtungen im Griff hat. Aber auch die fulminanten Wahrheiten, oft nur in unscheinbaren Nebensätzen versteckt, geben dem Buch den Charakter einer „kalkulierten“ Unberechenbarkeit. Das ist hohes stilistisches Niveau, das man von diesem Autor gewohnt ist, gewürzt mit einem untergründigen Humor, den der Leser als Nebeneffekt so manches Mal erst beim zweiten Lesen bemerkt. Wie nahe das soziale Abseits den eigensinnigen Vorstellungen des Erzählers kommt, erstaunt immer wieder und so löst sich am Ende nicht alles auf, was sich die Hauptperson im Laufe des Buches fragt (oder nicht fragt). Seine Entscheidungen allerdings, die er treffen muss, um Richtungen zu finden, die liegen offen vor ihm. Das Buch endet zwischen Kompromiss und Hoffnung.

Ein weiteres Werk des genau beobachtenden Genazino, mit dem er seine Zugehörigkeit in die Liga der unverzichtbaren Literaten in diesem Land untermauert hat.

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Rezension zu "Kein Geld, keine Uhr, keine Mütze" von Wilhelm Genazino

Seelisch obdachlos
jamal_tuschickvor 7 Monaten

Wilhelm Genazinos leblose Helden besitzen ein Beharrungsvermögen, das ich mit Robert Walser und seinen Mikrogrammen verbinde. Sie flüchten in die Eigenart, da eine Sicherheit vermutend. Jede Rettung verlängert die Bahn ihres Scheiterns. Lange waren sie Melancholiker, jetzt sind sie depressiv. Der amtierende Stellvertreter des räsonierenden Autors begreift sich selbst als „Streuner“. Gescheitert in drei Berufen, ist er seelisch obdachlos doch nicht von jeher. Ihm widerfährt der Verlust seiner Umgebung als etwas Vertrautem. Die Stadt, in der er in die Jahre kam und die man mit Frankfurt am Main richtig anspricht, entfremdet sich ihm in schmerzhaften Prozessen.

In der Vermeidung von Schmerz lag die Lebensleistung der Erzähler älterer Geschichten von Genazino. Ihnen glückte manches auf den Wegen der Selbstverkleinerung und der Verhornung. Sie verödeten ihre Schmerzpunkte und überließen es anderen, tragisch oder dramatisch abzustürzen und aufzuschlagen. Sie klebten wie Schnecken an abschüssigen Strecken.

Das ist vorbei. Dem namenlosen Streuner fehlt die Kraft, sich zu bewahren. Ferner versagt er als Restwegbegleiter für die letzten Personen, die ihm einmal nahestanden. Er bietet ihnen keinen Trost. So sinnlos und leer seine Existenz auch sein mag: sie erlaubt es ihm nicht, sich anderen zuzuwenden.

Er kann sich aus den Fängen des Egoismus nicht befreien. Der sinnlose, an keinen Ehrgeiz gekoppelte Egoismus macht aus ihm einen Idioten. Auf einem Straßenfest trifft er seine ehemalige Ehefrau Sibylle. Er bemerkt zum ersten Mal, dass in ehemalig das Wort Ehe steckt. Das verleitet ihn zu Verirrungen, die seine Vorgänger in Genazinos Erzählkosmos oft hinreißend erscheinen ließen.

Er erkennt Sibylles Wunsch, auf den letzten Lebensmetern nicht allein zu sein. Das nimmt ein Wrack übel, das glaubt, nach wie vor die Wahl zu haben. Sibylle überwindet die Widerstände ihres Ex-Mannes mühelos. Sie versucht, ihn in der Gärtnerei ihres Vaters unterzubringen. Sie stattet ihn aus und unterläuft seinen Protest. Der Streuner liegt an der Leine ihrer Erwartungen und gewinnt seine schäbige Freiheit erst nach Sibylles finalem Ausscheiden zurück.

Genazino listet die Phänomene der Gleichgültigkeit auf, die Sibylles Tod begleiten. Der Streuner wendet sich Christa zu, die sich anspruchslos zeigt. Auch sie wird vom Schicksal angerempelt. Wieder versagt der Streuner als Helfer in der Not. Er verzieht sich in ein schwach durchblutetes Damals und sucht Anschluss in Erinnerungen an die Eltern. Der Vater war ein Versager, der seinen Größenwahn mit Bescheidenheit maskierte. Die Mutter war lange einverstanden mit dem Mann. Das bleibt Jahrzehnte später ein Rätsel. In den Erinnerungen taucht ein Verkaufsleiter auf, der von der Mutter intim bewirtet wurde. Der heranwachsende Streuner erkannte die Untreue und deckte sie vor dem Vater ab.

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Rezension zu "Kein Geld, keine Uhr, keine Mütze" von Wilhelm Genazino

Seelisch obdachlos
jamal_tuschickvor 7 Monaten

Wilhelm Genazinos leblose Helden besitzen ein Beharrungsvermögen, das ich mit Robert Walser und seinen Mikrogrammen verbinde. Sie flüchten in die Eigenart, da eine Sicherheit vermutend. Jede Rettung verlängert die Bahn ihres Scheiterns. Lange waren sie Melancholiker, jetzt sind sie depressiv. Der amtierende Stellvertreter des räsonierenden Autors begreift sich selbst als „Streuner“. Gescheitert in drei Berufen, ist er seelisch obdachlos doch nicht von jeher. Ihm widerfährt der Verlust seiner Umgebung als etwas Vertrautem. Die Stadt, in der er in die Jahre kam und die man mit Frankfurt am Main richtig anspricht, entfremdet sich ihm in schmerzhaften Prozessen.

In der Vermeidung von Schmerz lag die Lebensleistung der Erzähler älterer Geschichten von Genazino. Ihnen glückte manches auf den Wegen der Selbstverkleinerung und der Verhornung. Sie verödeten ihre Schmerzpunkte und überließen es anderen, tragisch oder dramatisch abzustürzen und aufzuschlagen. Sie klebten wie Schnecken an abschüssigen Strecken.

Das ist vorbei. Dem namenlosen Streuner fehlt die Kraft, sich zu bewahren. Ferner versagt er als Restwegbegleiter für die letzten Personen, die ihm einmal nahestanden. Er bietet ihnen keinen Trost. So sinnlos und leer seine Existenz auch sein mag: sie erlaubt es ihm nicht, sich anderen zuzuwenden.

Er kann sich aus den Fängen des Egoismus nicht befreien. Der sinnlose, an keinen Ehrgeiz gekoppelte Egoismus macht aus ihm einen Idioten. Auf einem Straßenfest trifft er seine ehemalige Ehefrau Sibylle. Er bemerkt zum ersten Mal, dass in ehemalig das Wort Ehe steckt. Das verleitet ihn zu Verirrungen, die seine Vorgänger in Genazinos Erzählkosmos oft hinreißend erscheinen ließen.

Er erkennt Sibylles Wunsch, auf den letzten Lebensmetern nicht allein sein zu wollen. Das nimmt ein Wrack übel, das glaubt, nach wie vor die Wahl zu haben. Sibylle überwindet die Widerstände ihres Ex-Mannes mühelos. Sie versucht, ihn in der Gärtnerei ihres Vaters unterzubringen. Sie stattet ihn aus und unterläuft seinen lächerlichen Protest. Der Streuner liegt an der Leine ihrer Erwartungen und gewinnt seine schäbige Freiheit erst nach Sibylles finalem Ausscheiden zurück.

Genazino listet die Phänomene der Gleichgültigkeit auf, die Sibylles Tod begleiten. Der Streuner wendet sich Christa zu, die sich anspruchslos zeigt. Auch sie wird vom Schicksal angerempelt. Wieder versagt der Streuner als Helfer in der Not. Er verzieht sich in ein schwach durchblutetes Damals und sucht Anschluss in Erinnerungen an die Eltern. Der Vater war ein Versager, der seinen Größenwahn mit Bescheidenheit maskierte. Die Mutter war lange einverstanden mit dem Mann. Das bleibt Jahrzehnte später ein Rätsel. In den Erinnerungen taucht ein Verkaufsleiter auf, der von der Mutter intim bewirtet wurde. Der heranwachsende Streuner erkannte die Untreue und deckte sie vor dem Vater ab.

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Wilhelm Genazino wurde am 21. Januar 1943 in Mannheim (Deutschland) geboren.

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