Wilhelm Genazino Abschaffel

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Inhaltsangabe zu „Abschaffel“ von Wilhelm Genazino

Komisches Meisterwerk um einen kläglichen Helden und Angestellten und seinen Zwang, Mücken in Elefanten zu verwandeln.

Abschaffel, Flaneur und 'Workaholic des Nichtstuns' streift durch eine Metropole der verwalteten Welt. Mit innerer Phantasietätigkeit kompensiert er die äußere Ereignisöde seines Angestellten-Daseins. Das Aufbegehren der 68er ist vorbei, geblieben ist nurmehr private Trauer: Abschaffel schlägt alle Zerstreuungsangebote der Freizeitindustrie aus. Ein ganzer Katalog häuslicher Empfindlichkeiten tritt an die Stelle des nicht stattfindenden Lebens, dessen Mikro-Abenteuer aus Angst vor Mißdeutung vor anderen Personen geheimgehalten werden müssen.

Im Verlauf der Trilogie unternimmt Abschaffel mehrere kläglich-komische Anläufe zum Ausbruch: Zum Beispiel versucht er sich selbst in der Rolle des Nutznießers von Ausbeutung: als Zuhälter nämlich. Zu guter Letzt jedoch zwingt ihn eine psychosomatische Krankheit zu einem mehrwöchigen Kuraufenthalt. Hier endlich eröffnet sich Abschaffel die Möglichkeit, das eigene innere Tricktheater zu reflektieren: In der letzten Szene des Romans sehen wir einen Abschaffel, der - immerhin - aus dem Fenster blickt.

nicht so meins!

— Lesenodernicht

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  • abschaffeln, abgeschaffelt?

    Abschaffel

    Lesenodernicht

    01. January 2018 um 14:40

    Die Abschaffel-Trilogie war das ausgewählte Werk von „Frankfurt liest ein Buch“. Es gab diverse Aktionen, unter anderem eine Lesung in der Frankfurter U-Bahn. Das Buch handelt von einer gescheiterten Existenz eines Frankfurter End-Dreißigers in den 70er Jahren. Es werd en neurotische Figuren mit geradezu schmerzlicher Ehrlichkeit beschrieben, was bei mir Traurigkeit ausgelöst hat – und Mitgefühl. Tja was soll ich sagen? Mehr kann ich über den Inhalt einfach nicht sagen, da ich es auch nach 4 (!) Anläufen nie über die ersten 100 Seiten geschafft habe. Wo andere humorvolle Umsetzung und pikantes Schreiben sehen habe ich dem Buch leider nichts abgewinnen können. Mir war allein der erste Teil schon zu anstrengend. Mein Exemplar ist anlässlich o.g. Aktion aufgelegt und beinhaltet die komplette Roman-Trilogie in einem Band. Die Seiten sind sehr dünn und der Druck der nächsten Seite scheint durch, was den Lesegenuss sehr schmälert.Mir hat der günstige  Druck nicht gut gefallen, aber natürlich erreicht man so mehr Leser und ermöglicht es auch mehr Menschen Leser zu werden und an der Aktion teilzunehmen.

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  • Die Geschichte eines Misanthropen

    Abschaffel

    Bellami

      Zwei Bücher von Wilhelm Genazino haben mich bisher richtig begeistert.Ein Künstler im Erzählen, ein Meister im Beschreiben von ganz banalen, meist übersehenen Alltagssachen. Es kommt so eine Aha-Moment und ein "stimmt", ist mir bisher noch gar nicht aufgefallen oder bewusst gewesen. Die Geschichte um den stets unterforderten, stets gelangweilten, stets unentschlossenen, stets zweifelendem, stets zögernden, stets gleich sein Handeln bereuenden Angestellten einer Frankfurter Speditionsfirma konnte mich einfach nicht fessseln. Im Grunde verabscheut er alles, seine Eltern, seine Kollegen, jede Situation. Ein einsamer Mensch, der diese Einsamkeit selbst provoziert. Sein Selbsthass wechselte ständig mit Hass auf Alles und Jeden und irgendwann war es für mich einfach zuviel. Ich habe dann nur noch quer gelesen und am Ende meine Auffassung von Abschaffel bestätigt, er will sich ändern aber kann nicht.

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  • Rezension zu "Abschaffel" von Wilhelm Genazino

    Abschaffel

    michael_lehmann-pape

    06. July 2011 um 12:18

    Unermessliche Alltagszeit Das, worum es im Kern der, in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts in Frankfurt angesiedelten, Romantrilogie von Wilhelm Genazino geht, jene besondere Darstellung der „Dimensionen des Alltages“ (Angelika Reitzer auf readme.cc), findet sich auf einer der ersten Seiten, die den Leser bereits unvermittelt mitten in das innere Geschehen des Herrn Abschaffel, der Hauptfigur der Trilogie, entführen und von der ersten Seite an, dicht gedruckt, wie atemlos, in einem unermesslichen Strom der Wörter aus dieser Mitte kaum mehr entlassen. „Denn er wusste nicht, dass Alleinsein darin besteht, dass der Alleinstehende alles Geschehen auf sich bezieht. Da nichts mit ihm zu tun hat, glaubt er, alles müsste etwas mit ihm zu tun haben; er ist ununterbrochen damit beschäftigt, Verbindungen zu toten Sachen herzustellen“. Der Büroangestellte Abschaffel hat nicht viel an äußerem Erleben in seiner Welt. Er pendelt zwischen Wohnung und Büro und ständig fließt der Fluss seiner Gedanken. Beobachtend, Bewertzend, immer auf sich beziehend. Und häufig durchaus abwertend und bösartig. Da, wo der Kollege einen eher harmlosen Scherz macht und Abschaffel umgehend wenige Minuten später dessen Ehefrau verführt, eine Affäre des Kollegen andeutet, um noch leichteren Zugang bei der an sich bereits frustrierten Frau zu finden. Selbst aber während des kurzen Liebesaktes mäandern seine Gedanke hinfort und empfinden die Tagesdecke und die Waschmaschine als durchaus genauso einer Betrachtung wert, wie den nackten Körper der Frau. Abschaffel hat eben „nur seinen Kopf. Und es war nicht ungewöhnlich, dass in seinem Kopf nun der Einfall auftauchte, nicht mehr hier sein zu wollen“, wie es an anderer Stelle im Buch heisst. So tritt beständig eine Flut von Fantasien, ungerichtet, ohne Ziel, in sein Leben. Jedem Impuls nachgebend, innerlich, jeder Idee folgend, einer, der in sich völlig zerfließt und bald keine Konturen mehr erkennen lässt. Fantasien und Ideen, die beständig durch die ihm ebenso nichtssagende Außenwelt angeregt werden. Nicht umsonst wird die Geschichte des Mannes Abschaffel, erst dann einen anderen Verlauf nehmen können, nachdem er äußerlich ruhig gestellt ist. Wie er bereits zu Anfang des Buches der Fantasie anhängt, seine Wohnung wäre ein Krankenzimmer, wird sich dies zum Ende des Buches hin Realität brechen. Während einer Kur, äußerlich zur Ruhe gezwungen, eröffnen sich auch innerlich Andeutungen anderer Lebensmöglichkeiten. Genazio gelingt es, unglaublich redegewandt und in einem faszinierenden, ständigen Fluss der Wörter des Leser tief in die Fantasiewelt, die Gedanken, die vorhandene Leere seines Protagonisten mit hineinzuziehen. Die Aufbruchstimmung der 60er Jahre ist vorbei, die Welt dreht sich weiter und folgt weiterhin geordneten Bahnen, die großen Träume erst einmal auf Eis gelegt. Eine ideologische und gedankliche Leere, die durchaus heute ebenso noch bekannt ist an vielen Orten, ebenso zu beobachten ist im Alltag, in der Politik, in der öffentlichen Diskussion und der Genazio mit seinem Abschaffel einen Namen, eine Person, ein Innenleben verleiht. Das durchaus modern zu nennende, mehr und mehr in den Raum tretende, „insuläre“ Leben, das „Alleinsein“ und daher „alles auf sich beziehen“, schrankenlos sich in Teilen auch surrealen Fantasien hingebend und dabei als Person so gut wie zu zerfließen, wenige Bücher haben diesen Zustand so sprachgewandt und ausführlich darzustellen verstanden, wie „Abschaffel“. Ein intensives Portrait rein Impulsgesteuerten Lebens und sozialer Isolation.

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  • Rezension zu "Abschaffel" von Wilhelm Genazino

    Abschaffel

    Wolkenatlas

    09. September 2008 um 13:51

    Abschaffel... Ein merkwürdiger Charakter, dieser Abschaffel, er scheint die Leser eindeutig in zwei Lager zu spalten. Wieso wohl? Weil vielleicht in jedem von uns ein kleiner Abschaffel steckt? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Natürlich sollten die Leser, die in einem Roman eine "spannende" Handlung suchen, einen eher weiten Bogen um dieses Buch machen. Wer aber unvoreingenommen liest, wird sich der "kleinen" Dinge, über die Genazino hier schreibt, freuen können. Ich habe dieses Buch, wie alle schon gelesenen Bücher von Genazino genossen und freue mich auf die wenigen, die ich noch nicht gelesen habe...

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