Ein Regenschirm für diesen Tag

von Wilhelm Genazino 
3,9 Sterne bei131 Bewertungen
Ein Regenschirm für diesen Tag
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (89):
MariaLiests avatar

Wunderbar melancholisch...

Kritisch (12):
katzekatzekatzes avatar

Liest sich wie ein trockenmüder Abklatsch des Steppenwolfes. Nur mit wesentlich weniger Finesse und wesentlich mehr Langeweile.

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Inhaltsangabe zu "Ein Regenschirm für diesen Tag"

Ein Buch, das die Presse verzaubert hat: wunderlich-poetisch, irr-witzig komisch – ein Buch, in dem man das Staunen über den Alltag und über die Merkwürdigkeit des Lebens wiedererlernen kann.

Geld verdienen kann man mit den unterschiedlichsten Tätigkeiten. Zum Beispiel, indem einer seinem Bedürfnis nach distanzierter Betrachtung der Welt folgt, als Probeläufer für Luxushalbschuhe. Er duchstreift die Stadt mit englischem Schuhwerk, trifft dabei zwangsläufig auf eine seiner offenbar zahlreichen früheren Freundinnen, verfaßt Gutachten, für die er 200 Mark bekommt. Doch das Arrangement bröckelt. Seine letzte Freundin, Lisa, verläßt ihn, weil sie seine Weigerung, an der Welt mehr als nur flaneurhaften Anteil zu nehmen, nicht mehr erträgt. Und als das englische Schuhhonorar auf 50 Mark herabgesetzt wird, ist Not am Mann.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783423130721
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:176 Seiten
Verlag:dtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum:01.04.2003
Das aktuelle Hörbuch ist am 01.08.2015 bei GRIOT HÖRBUCH erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    katzekatzekatzes avatar
    katzekatzekatzevor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Liest sich wie ein trockenmüder Abklatsch des Steppenwolfes. Nur mit wesentlich weniger Finesse und wesentlich mehr Langeweile.
    Rezension "Ein Regenschirm für diesen Tag"

    Ich habe im Grunde mit meiner Kurzmeinung schon alles gesagt.

    Dieses Buch macht einen auf melancholischen Lebenssinnsucher, scheitert damit aber kläglich meiner Meinung nach. Dasselbe gabs im Steppenwolf schon und zwar wesentlich ergreifender und mitreißender und mit wesentlich mehr stilistischer Finesse.
    In diesem Buch begleitet man einen vom Leben angeödeten Mittvierziger durch seinen trockenen trostlosen Alltag, der hin und wieder durch Begegnungen mit Frauen aufgelockert wird, die aber genauso gesichts- und farblos bleiben wie der Protagonist selbst.
    Dieses Buch ist einfach durchgehend deprimierend und trostlos und wenn man gerade ein psychisches Leiden durchlebt, sollte man tunlichst die Finger von diesem Buch lassen, da es einen sonst unter Umständen noch mehr herunterzieht. Die wenigen stilistisch und storytechnisch interessanten Momente kann man an einer halben Hand abzählen.
    Dieses Buch ist wirklich nicht das schrifstellerisch brilliante Werk als das es gehandelt wird und ich kann nur jedem davon abraten, wenn man sich nicht durch 170 Seiten langweilen oder Suizidgedanken bekommen will von dieser ganzen Trostlosigkeit.

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    claudiaausgrones avatar
    claudiaausgronevor 2 Jahren
    W. Genazino, Ein Regenschirm für diesen Tag: herrlich skurril

    Um was gehts:
    Der Ich-Erzähler verdient sein Geld als Probeläufer für Luxushalbschuhe, verfasst Gutachten für 200 Mark pro Paar Schuhe. Seine Freundin Lisa verlässt ihn. Als das Schuhhonorar auf 50 Mark herabgesetzt wird, ist Not am Mann.
    Bei einer Feier zu der er geladen wird, lenkt er unfreiwollig die Aufmerksamkeit auf sich, indem er dafür plädiert, dass an den Universitäten 'Vergleichende Schuldwissenschaften' gelehrt werden sollten. Auf die Frage, was er beruflich mache, antwortet er leicht angetrunken, er leite ein Institut für Gedächtnis- und Erlebniskunst und erklärt dies so: "Zu uns kommen Menschen,..., die das Gefühl haben, dass aus ihrem Leben nichts als ein langgezogener Regentag geworden ist und aus ihrem Körper nichts als der Regenschirm für diesen Tag." Und so beginnt ein neues 'Berufsfeld". 
    Genazino ist Georg-Büchner-Preisträger von 2004
    Er ist berühmt für seine Beobachtungsgabe und seinen Wortwitz.

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    MariaLiests avatar
    MariaLiestvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Wunderbar melancholisch...
    Wunderbar poetische Alltagsbeschreibung

    Die kleinen Details sind es die diesen Roman ganz groß werden lassen. Wilhelm Genazino beschreibt auf gerademal 170 Seiten das Leben - manchmal irrwitzig, machmal wunderbar poetisch aber immer voller philosophischer Denkanstöße. 
    Ein Regenschirm für diesen Tag ist genau das richtige Mittel gegen schlechte Laune, für alle die die kleine Dinge im Leben lieben.
    Ein leises Meisterwerk.  

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    Duffys avatar
    Duffyvor 2 Jahren
    Über die Erteilung einer Lebensgenehmigung

    Genazinos Buch ist eigentlich kein Roman im herkömmlichen Sinn. Der Erzähler, ein Mitte 40 alter Mann, dessen letzte Beziehung unter anderem daran gescheitert ist, dass er eine zu geringe Neigung zur gesellschaftlichen Teilhabe zeigte, pflegt diese Einstellung, in der er als Testläufer von Schuhen seine Beobachtungen und philosophischen Studien macht. Dabei helfen ihm immer wieder Begegnungen mit ehemaligen Bekannten und Frauen, mit denen er irgendwann einmal zu tun hatte. Seine Retrospektiven reichen bis in die Kindheit und gipfeln in der Erkenntnis, dass er sich eigentlich nie die Genehmigung zu diesem Leben bei sich eingeholt hat.
    Als sein Honorar als Testläufer auf nur 25% gesenkt wird, kommen jedoch massive materielle Probleme auf ihn zu und beeinflussen die Aspekte seiner Betrachtungen.
    Der Autor schreibt und am liebsten möchte man mitlaufen, sieht die beschriebenen Szenen deutlich vor sich, handelt mit, denkt mit, alles ist so transparent nachvollziehbar, dass es den Leser einhüllt und der den Platz des Erzählers mühelos einnehmen könnte. So manches Mal blitzt ein Stück umwerfender Komik auf, lässt ein Satz beim Lesen innehalten und herzlich auflachen. Die Normalität und Alltäglichkeit, mit der Genazino virtuos umgeht, die Klarheit, die jede Szene begleitet, gemischt mit der kauzigen und Kopfschütteln verursachenden Uneinsichtigkeit des Erzählers,
    vermittelt ein Gesamtbild, das man immer besser kennenlernt und nicht mehr loslassen will. Als nach 170 Seiten die Zeit des Erzählers zuende ist, möchte man am nächsten Morgen gerne wieder mit ihm aufstehen und durch die Straßen gehen auf der Suche nach dem Grund, sich sein eigenes Leben genehmigen zu lassen.

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    The iron butterflys avatar
    The iron butterflyvor 4 Jahren
    Institut für Gedächtnis- und Erlebniskunst, Sie rufen außerhalb unserer Öffnungszeiten an...

    Ausgerüstet mit dem edelsten Schuhwerk der Stadt unternimmt der namenlose Protagonist seine Streifzüge durch die Stadt. Er scheint an allen Ecken und Enden den Weg verflossener Liebschaften zu kreuzen, denen er mehr oder weniger nachtrauert. Nur Lisa, die ihn vor kurzem verließ, Lisa trifft er nicht.
    Auf seinen Streifzügen erledigt er kleine, notwendige Besorgungen, die ihn nach draußen ziehen sowie ausgedehnte Probeläufe im Schuhwerk einer kleinen aufstrebenden Fabrik für Luxusschuhe. Ob rahmengenähter Oxford, Budapester oder Blücher; Disponent Habedank kann mit einem mindestens zweiseitigen Gutachten rechnen, er wiederum mit jeweils 200 Mark Honorar. Da dies jedoch seine einzigen Einkünfte darstellen, fristet er eher das Dasein eines veramten Poeten, als das eines angepassten Angestellten mittleren Alters. Als dann auch noch sein Honorar aus wirtschaftlichen Gründen auf 50 Mark gekürzt wird, ist es ihm auch kein Trost, dass er die Trageexemplare des Luxusschuhwerks behalten darf.

    Genazino lässt seinen Protagonisten sehr gelassen diese von Bescheidenheit getragenen Tage erleben. Und dieser Jemand müsste doch aus unserer heutigen Sicht in Aktionismus und Hektik verfallen, hat er doch kein geregeltes Einkommen, wurde von der Freundin verlassen und verfügt nicht einmal über ein finanzielles Polster, welches ihm Sicherheit und einen gewissen gesellschaftlichen Status geben könnte. Genazino verleiht diesem Lebenskünstler ohne Ambitionen nach Statussymbolen schlicht die Denke, sein Leben hätte noch keine Genehmigung erlangt. Als befände er sich auf einer Warteliste des Lebens, lebt und liebt er ungeniert ohne den wirklich großen Lebensauftrag erhalten zu haben.

    Wieder ist es ein scharf sensibler Beobachter, den er mit viel Feingefühl und einem Faible für Details ausstattet. Konstant wirkt der Roman „Ein Regenschirm für diesen Tag“ gediegen gestrig, beinahe altmodisch und verströmt doch einen fesselnden Charme, wie ein edles Duftwasser aus vergangenen Zeiten oder eine Schatulle mit verloren geglaubten Erinnerungsstücken. Genazino bietet auch wieder einen Wortreichtum, der nie zur schwülstigen Unschärfe neigt, sondern eher ein gestochen klares Bild produziert.

    Willkommen im Regenwetter dieses Tages. Entfalte dich.

    Kommentare: 1
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    JennyBookss avatar
    JennyBooksvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Interessanter Einblick auf die Merkwürdigkeit des Lebens. Stark philosophisch und besonderer Schreibstil
    Buchtipp!Rezension!:)


    Ein Regenschirm für diesen Tag
    Wilhelm Genazino

    Inhalt:
    Früher habe ich angenommen, Menschen schauen einander an, weil sie sich immerzu vor dem Eintreffen schlimmer Nachrichten fürchten.  Dann glaubte ich, indem sie sich anschauen, suchen sie nach Worten für die Merkwürdigkeit des Lebens. Denn in den Blicken der Leute schwirrt diese Merkwürdigkeit unablässig hin und her, ohne sich doch je anschauen zu lassen. Heute denke ich kaum noch etwas, ich schaue nur umher. Wie man sieht, bin ich dabei ins Lügen gefallen. Denn es ist nur möglich, in den Straßen umherzugehen, ohne etwas zu denken.

    Meine Meinung:
    Dies ist ein hoch tiefgründiges Buch, dessen Hauptfigur ein Mann ist. Ich finde er ist eine sehr interessante Person, die ich persönlich wahrscheinlich nicht leiden könnte. Allerdings finde ich ich äußerst interessant von seiner Sicht auf die Welt zu lesen, er stellt die Merkwürdigkeit des Lebens und der eigenen Existenz in Frage. Melancholisch schaut er auf  jede Sache und schaut eher negativ darauf. Er erzählt in einem sehr detailliertem Monolog von seinem Leben und seinen eher leichtzubewältigten wirkenden Alltagsproblemen. Er ist ein wirklich seltsamer Mensch, doch das macht ihn umso interessanter. 
    Ebenfalls sehr überzeugt hat mich der besondere Schreibstil, den man schon teilweise im Klappentext sehen kann. Doch der Klappentext zeigt nicht alles, es ist wirklich eine andere Art des Schreibens und Beschreibens. Dialoge werden nicht wie ursprünglich mit " oder > gekennzeichnet, auf Kennzeichnungen hat der Autor einfach verzichtet. 
    Ich hatte eine große Bücherkiste mit Mängelexemplaren geschenkt bekommen, ich entschied mich dazu dieses Buch zu lesen, weder Cover noch Titel stießen mich dazu an, sondern der kurze und wenig inhalt bescherende Klappentext. Ich wusste also so gut wie nichts über das Buch, da ich auch zuvor nie davon gehört hatte. Das vorerst 'blinde' Lesen war eine recht angenehme Sache, weswegen ich euch auch nicht viel Näheres über den Inhalt verraten habe und verraten werde. 
    Eigentlich gibt es in dem Buch keinen Spannungsbogen oder ähnliches. Man möchte an wenigen Stellen mit starkem Beträngen wissen wie es weiter geht, doch trotzdem habe ich immer wieder weiter gelesen, die Art des Schreibens und der mich berührenden Philiosphie hat hier einfach überzeugt. 
    Eine einzige Sache hat mich sehr an dem Buch gestört sonst war ich rundum zufrieden. Oft wird's einfach zu persönlich, man erfährt zu viel und zu detailliert von sexuellen Begegnungen zwischen dem Mann und anderen Frauen. Zu detailliert erzählt er was er sich wünscht und was passiert. Das hat mich einfach sehr gestört und es hat auch nicht wirklich zum Rest des Buches gepasst. 
    Sonst eine wirklich interessante Einsicht in die Merkwürdigkeit des Lebens. 


    Infos:
    Preis:   Taschenbuch:7,90€   Gebunden:17,90€   Kindle Edition:7,99 €  (Amazon Angaben)
    176 Seiten 
    Verlag:  Dtv / Hanser   (je nach Ausgabe, auch Cover variiert je nach Ausgabe) 

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    Bellamis avatar
    Bellamivor 5 Jahren
    Ein merkwürdiger Alltag

    173 Seiten profane Dinge.

    Wieder sind es die alltäglichen Begebenheiten eines Mannes, die Genazino  hier in einem endlosen langen Monolog erzählt . Dieser Mann ist 46 Jahre alt und hat u.a. den Wunsch neben zwei nackten Frauen zu sterben, die ihm das Sterben versüßen sollen. Wenn er nicht vorher verrückt wird, diese Angst treibt auch in seim Kopf herum. Denn schließlich sind ja auch alle anderen Menschen um ihn herum verrückt, und spielen nur normal zu sein. Dieser Mann ist von Beruf Schuhtester und seine Hauptbeschäftigung ist, durch die Stadt zu  gehen und sich Gedanken zu machen oder Leute zu beobachten. Viel mehr passiert nicht. Und trotzdem ist dieses Buch ein Lesegnuss der besonderen Art. Die Gedanken und Wahrnehmungen dieses Mannes , sein Wortwitz , die detailgenaue Beschreibung des Alltags , über Beziehungen und sogar den Beischlaf, sind gleichzeitg amüsant wie auch nachdenklich niedergeschrieben.

    Ein kleines Meisterwerk über einen merwürdigen Menschen mit merkwürdigen Ansichten über sein merkwürdiges Leben.



    Kommentare: 4
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    mehrsonntags avatar
    mehrsonntagvor 6 Jahren
    Rezension zu "Ein Regenschirm für diesen Tag" von Wilhelm Genazino

    Lisa hat ihn verlassen. Im Andenken an sie sammelt er alte Blätter und verstreut sie auf dem Boden ihres alten Zimmers. Kleine schwarze Tiere haben auf den Blättern gelebt. Am Ende putzt er seine Wohnung.
    Gründlich.
    Eigentlich hat er keine Arbeit. Er lebt von dem Geld, das ihm Lisa, als Ausgleich für das Verlassenwerden, auf ihrem (ehemals) gemeinsamen Konto hinterlassen hat. Aber, nicht ausschliesslich. Er verdient noch etwas dazu, im Gehen. Er ist nämlich Schuhtester. Wann immer er seine Testberichte abgibt, erhält er im Gegenzug drei, vier paar wunderbare neue Schuhe, das edelste, das teuerste was der Schuhmarkt hergibt. Und er schreibt, wo welcher Zeh und warum sich wohlfühlt oder anstößt, ob beim Gehen oder Laufen eventuell Verformungen am Material, die zu Unbequemlichkeit führen können, entstehen, berichtet über die Eigenschaften des Schuhs, das Material und so weiter und so weiter.
    Er geht durch die Stadt, verurteilt zum Denken, zum Beobachten. Zu Kommentaren, die er sich selbst gibt, unaufhaltsam, mit großer Kraft. Unstoppbar quasi. Die Gedanken fließen und kommen ihm beim Flanieren, beim Stehen, beim Einkaufen. Sie sind immer da, sein ständiger Begleiter. Ein Trabant im ungewollt und unbestätigten Dasein.
    "Wahrscheinlich gehien sowieso die meisten Menschen heutzutage davon aus, dass man hin und wieder einen Kaugummi verliert.."
    Manchmal geht er auch zum Friseur, damit der Tag nicht ganz vergeudet scheint und ertappt Margot, die Friseuse, beim Eintritt in den Salon dabei, wie sie am rechten Becken sitzt und eine Suppe löffelt, während sich die Katze im mittleren Becken niederließ und schläft. Nur kurz schaut die Katze auf als er hereinkommt. Zum Dank und auch nur so hat er nach dem Schneiden der Haare mit Margot Sex im Nebenzimmer.
    "Die ersten Jahre meines Lebens liefen nach diesem Schema ab: Ich stand morgens auf, spielte eine Weile im Schlafanzug und frühstückte dann mit meiner Muter. Danach ging ich eine halbe Stunde auf die Straße, traf auf dem Spielplatz meine Freunde und durchstreifte mit dem einen oder anderen das nacdhe Ufervorland. Danach trennte ich ich von meinen Freunden, ging nach Hause und wurde dort von meiner Mutter freundlich empfangen. Am nächsten Tag dasselbe von vorne. So ungefähr verlief mein Leben in den ersten Jahren. Meine Mutter schien mit dieser Ordnung einverstanden zu sein, was jedocDenn bald beendete ausgerechnet sie mein friedliches Leben bei ihr zu Hause und steckte mich in einen Kindergarten. Plötzlich waren sechsundzwanzig fremde Kinder um mich herum, die ich nie habe kennenlernen wollen.."
    Es gibt dann auch noch Susanne. Susanne kennt er aus den ganz frühen Kindertagen. Er ist immer mit Susanne Schlitten gefahren und während dieser Schlittenfahrten (er saß immer hinten) ist es zum ersten Mal passiert, dass er die Brust eines Mädchens (Susanne) berührte. Damals hat er lange nicht bemerkt, dass es sich dabei um einen Busen handelte. "Ich saß immer nur hinter Susanne und umfaßte sie von hinten. Auch Susanne fiel nicht auf, dass meine beiden Hände bei jeder Abfahrt auf ihrer Brust lagen. Erst als Susanne dreizehn geworden war, schob sie plötzlich meine Hände beiseite und lachte dabei.."
    Als Kind hätte er gern zwei Mäuse gehabt. Doris, ebenfalls eine langjährige Bekannte, hat schon damals nicht viel verstanden und ertappt ihn dabei, wie er vor einem Zoogeschäft steht. Dabei möchte er inzwischen gar keine Mäuse mehr haben.
    Unser Held leidet ein wenig unter seinem Zwang, bedeutsam zu denken und bedeutungsvoll zu sehen. Ein Kahn ist ein Kahn und sonst nichts. Und auch Tiere sind heutzutage behindert.
    Großartig, wortgewandt, unglaublich. Akrobatik des Wortes auf hohem Niveau. Mit vielen Gedanken und gedanklichen Spielereien gelingt dem Autoren ein von Anfang bis Ende unaufdringlich großes eindringliches Werk. Ganz, ganz toll.

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    angelinagoesculturalvor 6 Jahren
    Rezension zu "Ein Regenschirm für diesen Tag" von Wilhelm Genazino

    ich kann ehrlich gesagt nicht erinnern, wie dieses büchlein in meinen besitz gelangt ist (was ich außerordentlich schade finde und an alle buchschenker appelliere, sich ein paar minuten zeit für eine widmung zu nehmen, obwohl man dem beschenkten bei bereits vorhandensein des cadeaus die chance des umtauschs offen halten will. egal – soll dieser doch in diesem (tatsächlich äußerst seltenen) fall das erstexemplar verhökern und das geschenkte behalten) und muß gestehen, dass ich es mir selber wohl niemals zugelegt hätte. nun war es aber schon einmal da und da ich aufräumen wollte im heimischen buchregal nahm ich es mir zur hand, um es im falle des mißfallens schnell als freigabe im hausflur zu deponieren.

    hach, und wie schön ist es doch, wenn man dann ganz unerwartet bemerkt, ein kleinod in handen zu halten, welches fesselt und erfreut. und das, obwohl darin eigentlich nicht viel passiert:)
    der protagonist flaniert durch das leben. er arbeitet nichts so richtig und auch sonst gibt es wenig struktur in seinem alltags- und liebesleben, v.a. nachdem sich seine freundin lisa von ihm getrennt hat. und so durchstreift er das leben ein wenig ohne ziel und plan und erfreut den leser mit seinen charmanten, überraschenden, detaillierten und sympathisch menschlichen alltagsbeobachtungen.

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    michella propellas avatar
    michella propellavor 7 Jahren
    Rezension zu "Ein Regenschirm für diesen Tag" von Wilhelm Genazino

    gertrud schwermut - das war schon das schönste in diesem buch.

    ein mann, irgendwo in frankfurt, der den ganzen tag nichts tut außer verflossene bekannt- oder liebschaften auf der straße zu treffen und
    über sich und die welt nachzudenken.

    dabei waren die ersten seiten so vielversprechend! ich wollte gleich weiterlesen. aber irgendwann dünkte es mir, dass dieses buch entweder solchen lesern gefällt, die die beschriebenen kleinigkeiten
    und absurditäten des lebens und vor allem des alltags noch nie selbst wahrgenommen haben und entzückt sind ob der sprunghaften und pseudo-philosophischen auseinandersetzung damit.
    manchmal wirkte der gedankenmonolog abgehakt: kaum war der eine tatbestand beurteilt und bewertet, ging es um etwas völlig neues.

    oder aber ich habe ein problem mit einem mitt-vierziger, der fast-arbeitslos den ganzen tag nichts tut außer in einem fort sich gedanken zu machen, die irgendwann immer mehr verflachen und den leser einfach nicht mehr zu fesseln wissen; ich habe fast eine abneigung gegen den mann und seine trägheit, seine möchte-gern-auseinandersetzung mit den bedeutungsvollen tiefen des lebens gewonnen. doch schwimmt er leider immer mehr nach oben.

    so hat mich das buch begonnen zu langweilen: selbst die anfangs
    schöne sprache und gewitztheit haben abgenommen. der ausklang
    war ein bisschen fade.

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