Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman

von Wilhelm Genazino 
3,8 Sterne bei68 Bewertungen
Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman
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Positiv (43):

Ein wunderbares Buch der leisen Töne, mit Verweildauer im Detail.

Kritisch (3):
Katis-Buecherwelts avatar

Ein literarisches Werk mit vielen Tiefen, aber ohne nennenswerten Ereignissen die diese Geschichte zu etwas besonderen macht.

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Inhaltsangabe zu "Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman"

Mit einem ironischen Blick auf die sechziger Jahre beschreibt Genazino den Weg eines jungen Mannes: Ein Träumer, der immer an dasselbe denkt: ans Lesen und Schreiben. Und daran, endlich erwachsen zu werden und die drei Dinge zu haben, die es dazu braucht: eine Frau, eine Wohnung und einen eigenen, selbst geschriebenen Roman. Vorerst führt er jedoch ein Doppelleben zwischen Lokalblatt und Lieferscheinen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783446202696
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:160 Seiten
Verlag:Hanser, Carl
Erscheinungsdatum:10.03.2003

Rezensionen und Bewertungen

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    Duffys avatar
    Duffyvor 3 Jahren
    Die Tücken des Doppellebens

    Weigand ist erst 18 und schon sind die Weichen für ein Leben gestellt. Will man meinen. Doch er hat sich schon früh für das Schreiben interessiert, das ein Element seiner Lebensplanung wird: Drei Dinge gilt es zu erreichen: Eine Frau, eine Wohnung und einen Roman schreiben. Die Frau ist schon da, er ist früh mit Gudrun liiert, eine keusche und vorgeplante Beziehung. Die Mutter sorgt für eine Lehrstelle in einer Spedition. Offensichtlich läuft viel darauf hinaus, dass Weigand Abstriche von seinem dritten Vorhaben machen muss. Doch dann bekommt er ein Angebot von der Tageszeitung im Ort und ein Doppelleben, das ziemlich anstrengend ist, nimmt seinen Lauf.
    Im typischen Genazino-Stil "begleiten" wir die Hauptperson durch eine gewisse Zeit in seinem Leben, nehmen teil an seinen Gedanken und Erlebnissen, die von einigen Schwierigkeiten und Entscheidungen geprägt sind. Vor allem sind es Wendepunkte auf dem Weg zum Erwachsenwerden, die Weigand zu schaffen machen, weil er Entscheidungen treffen muss, von denen er nicht wissen kann, wie sie sich auf sein weiteres Leben auwirken werden. Doch er entscheidet sich immer, weil er sonst nicht weiterkommen würde.
    Diese Prozesse schildert Genazino wieder mit der Sensibiltät, die die Wichtigkeit erfordert. Das Buch bleibt auf einem Stimmungslevel, statt ineffektiver Hektik ist hier die Voraussetzung für das Weiterkommen das Fragen und Antworten, eine gewisse Ruhe und Entschlossenheit, Dinge geschehen zu lassen.
    Vielleicht muss man gerade dieses Buch ein zweites Mal lesen, um die sanfte Intensität vollends zu empfinden.

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    Katis-Buecherwelts avatar
    Katis-Buecherweltvor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Ein literarisches Werk mit vielen Tiefen, aber ohne nennenswerten Ereignissen die diese Geschichte zu etwas besonderen macht.
    Wilhelm Genazino - Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman

    Klappentext:
    Mit einem ironischen Blick auf die sechziger Jahre beschreibt Genazino den Weg eines jungen Mannes: Ein Träumer, der immer an dasselbe denkt: ans Lesen und Schreiben. Und daran, endlich erwachsen zu werden und die drei Dinge zu haben, die es dazu braucht: eine Frau, eine Wohnung und einen eigenen, selbst geschriebenen Roman. Vorerst führt er jedoch ein Doppelleben zwischen Lokalblatt und Lieferscheinen...(Textquelle: amazon.de)

    Zum Buch:
    Das Cover ist in schwarz-weiß gehalten und zeigt einen Damm (Steg), auf dem ein einsamer Mann sitzt, der als ein schwarzer Schatten dargestellt ist. Das Cover vermittelt Einsamkeit und Ruhe, aber auch eine gewisse Tiefe. Mich spricht diese Buchgestaltung leider nicht ganz an, aber es passt zum Inhalt des Buches recht gut.
    Erster Satz:
    „Mit siebzehn trudelte ich ohne besondere Absicht in ein Doppelleben hinein.“

    Meine Meinung:
    „Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman“ ist mein erstes Buch des Autors Wilhelm Genazino, was ich auf Grund eines Schulprojekt meiner Schwester gelesen habe.
    Weigand ist ein 17-jähriger junger Mann, der gerade eben erst vom Gymnasium geflogen ist. Seine Eltern drängen ihn dazu eine Lehre zu beginnen und seine Mutter selbst, zieht ihn von einem zum anderen Vorstellungsgespräch. Sie meint es gut mit ihm, doch ihre Fürsorge geht soweit, dass sie Weigand in den Chefgesprächen nicht mal selbst antworten lässt.
    Weigand hat ein ganz anderes Ziel vor Augen. Er will Schriftsteller werden und kann an nichts anderes mehr denken als an das Lesen und Schreiben. Nicht einmal seine Freundin Gudrun kann ihn von seinem Traum ablenken und auch beim Versuch einer ersten intimen Berührung, denkt er nur an die Literatur.
    Bald schon führt Weigand ein Doppelleben. Tagsüber arbeitet er als Lehrling in der Spedition, Nachts als freier Reporter, wobei er eine Menge andere Schriftsteller kennenlernt. Doch auch Frauen lernt er kennen, wie z.B. Linda, die ebenfalls eine Reporterin ist. Er denkt immerzu an sie, doch plötzlich ist sie verschwunden.

    Diese Geschichte ist in der Ich-Perspektive geschrieben und wir lernen einen 17-jährgen jungen Mann kennen, dessen Vornamen nie erwähnt wird. Man lernt ihn nur durch seinen Nachnamen Weigand kennen. Als Leser verfolgt man seinen Lebensweg, seine Träume und erlebt seine Gefühlswelten hautnah mit, doch mehr passiert hier leider nicht.

    Durch dem sehr einfachen und flüssigen Schreibstil kommt man durch dieses Buch sehr gut durch, doch gibt es einige Literarische Stellen, an denen man sich etwas festbeißt.

    Mich hat dieses Buch leider nicht begeistern können zum einen, weil mir der Sinn der Geschichte nicht ganz klar wurde. Es war angenehm zu lesen und teilweise auch interessant zu erfahren was Weigand erlebt, denkt und fühlt. Doch während des Lesens kamen eine Menge Fragen auf, zu denen es keine Antworten gibt.

    Ich denke ich werde dem Autor mit einem anderen Titel noch eine Chance geben, doch mit dieser Geschichte hat er mich nur Fragend hinterlassen.

    Fazit: Wilhelm Genazino erzählt eine Geschichte über das Erwachsenwerden eines jungen Mannes, dessen Träume sich rund um die Literatur drehen und seinem alltäglichen Leben. Ein literarisches Werk mit vielen Tiefen, aber ohne nennenswerten Ereignissen die diese Geschichte zu etwas besonderen macht. Dieses Buch lässt einen nach dem Lesen fragend zurück.

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    Eberhardtervor 6 Jahren
    Feinfühlig und intelligent

     

    Der kurze Roman "Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman" erzählt ebenso feinfühlig wie tiefsinnig und intelligent von dem Leben eines 17-jährigen, der Schriftsteller sein will, aber ein Doppelleben als Lehrling/Journalist führt. Ein Bildungsroman im klassischen Sinn: von einem Mann der auszog, die Literatur zu erobern und sich in der Welt zurechtzufinden. Dabei ist nicht so sehr interessant, was dem jungen Mann widerfährt und was er erlebt, sondern wie er diese z. T. alltäglichen Dinge beobachtet und beschreibt, was er sich dabei denkt und was ihm auffällt. So werden Banalitäten bedeutsam, Nebensächliches wird wichtig, und Wichtiges wird beiläufig erwähnt. Sehr berührend, komisch und pointiert geschriebene Betrachtungen eines 17-jährigen über das Leben und die Literatur.

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    The iron butterflyvor 7 Jahren
    Rezension zu "Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman" von Wilhelm Genazino

    Weigand, gerade vom Gymnasium geflogen, "ein Mensch von siebzehn Jahren" hat eine klare Vorstellung vom Erwachsenwerden - eine Frau, eine Wohnung, ein Roman. Seine Prioliste gestaltet sich somit ausgesprochen konkret, aber das Leben und seine Eltern machen ihm da einen Strich durch die Rechnung. Nachdem seine Mutter dem Schulabbrecher eine Lehrstelle vermittelt beginnt für Weigand ein regelrechtes Doppelleben, da er selbst nur ans Schreiben denkt. Für den ersten eigenen Roman fehlen ihm jedoch noch die passenden Worte, aber der Chefredakteur des Lokalblatts sieht in ihm ein aufstrebendes Talent. So durchlebt Weigand seine Tage mit eher körperlicher Arbeit in der Spedition, wo er bereits kritisch die Strukturen zwischen Angestellten und Arbeitern zu analysieren vermag. Seine Abende und Nächte widmet er seiner kreativen Ader, dem Schreiben. Seine anfängliche Begeisterung für die Berichterstattung lokaler Ereignisse lichtet sich wie ein langsam aufgehender Vorhang und er entdeckt einen aufkeimenden Hochmut in sich. Ein Rockkonzert, ein Talentwettbewerb, eine pensionierter Bastler, Weigand bemerkt in sich eine Distanziertheit, die ihn oft selbst erschreckt. Hin- und hergerissen zwischen seinen beiden Welten muss er Entscheidungen treffen, die für seine Zukunft maßgeblich sein könnten. Genazino beschreibt diesen Reifeprozess äußerst kurzweilig und gibt dem Leser einen optimalen Einblick in Weigands Gedankenwelt. Sein Schwanken zwischen bodenständigen Wünschen und schnellem Erfolg, seine zart reifenden Emotionen, sein Umgang mit ersten Erfahrungen auf fremdem Terrain, die durch Einsicht gewonnene Perspektive. Stellenweise fühlte ich mich an Sartres Charakter Antoine Roquentin in "Der Ekel" erinnert, da auch Weigand ein sehr feinfühliger Beobachter ist, seine Momente verstreichen oft intensiviert und Situationen nehmen durch kleinste Detailwahrnehmungen einen ungeahnten Verlauf. Wie schon Genet sagte, "am interessantesten ist die Innenseite der Außenseiter". Wie Weigands Leben, so ist auch Genazinos Roman für mich einerseits fundiert bodenständig erzählt und weiß zudem im Detail zu begeistern.

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    Mesonlines avatar
    Mesonlinevor 9 Jahren
    Rezension zu "Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman" von Wilhelm Genazino

    Der siebzehnjährige Weigand (seinen Vornamen erfährt man nie) lebt 1960 in einer Industriestadt im Süden Deutschlands. Er musste des Gymnasium frühzeitig verlassen und lässt sich zu Beginn des Romans völlig antriebs- und willenlos von seiner Mutter von Vorstellungsgespräch zu Vorstelllungsgespräch schleifen. Sie redet für ihn, sobald es an ihm ist Fragen zu beantworten, versagt er. Schließlich beginnt er eine Ausbildung bei einem Speditionsbetrieb. Alles ist Weigand jedoch nicht gleichgültigl, das Schreiben und die Literatur liebt er. Er verfasst Texte und versendet sie an Verlage und Zeitungen. Es kommt zu Veröffentlichungen in einem Münchner Satiremagazin und schließlich bei einer Lokalzeitung. Dort beginnt Weigand als freier Mitarbeiter. So beginnt sein Doppelleben: Am Tage ist er ein Auszubildender, der von einem Prokuristen als billige Hilfskraft ausgenutzt wird und in den Abend- und Nachtstunden ist er als Reporter für kleine Berichte unterwegs.
    Mit der gleichaltrigen Sekretärin Gudrun hat er ein gemeinsames Sparbuch und Zukunftspläne, für ihn ist diese Beziehung jedoch ohne tieferes Gefühl. Ihr hält er lange Monologe über Literaten, denen sie gelangweilt oder gar nicht folgt. Schnell wird klar, dass Gudrun und Weigand in unterschiedlichen Welten leben. Zwei weitere Frauen spielen in Weigands Leben eine Rolle: Frau Kiefer und Linda. Erstere ist ist eine wesentlich ältere, verheiratete Kollegin. Weigand schläft mit ihr auf der Heimfahrt eines Betriebsausfluges betrunken und übermüdet im Omnibus. Linda trifft er während seiner Tätigkeit als Journalist, sie schreibt ebenfalls für eine Tageszeitung.
    Man verfolgt die ereignisreichen Monate Weigands in der Umbruchphase zum Erwachsenendasein. Man verfolgt seine Perönlichkeitsentwicklung, seine veränderte Wahrnehmung der Umwelt. Weigand selbst ist verwundert über die Vorgänge, weiß seine Verzweiflung an der Welt und vor allem an seinen Mitmenschen nicht einzuordnen. Zuweilen ist er ein wenig abgestoßen von seinem "Hochmut". Für den Leser dieses "Coming-Of-Age_Romans" (auch wenn man über dieses Stadium selbst bereits hinaus ist) ist die Begleitung des introvertierten Weigands in einem entscheidenden Lebensabschnitt kurzweilig. Gerne folgt man seinen Gedanken über die ihn umgebenden Menschen und Vorgänge, seinem beruflichen Dilemma, seiner ersten tragischen Verliebtheit und man freut sich über seinen Lebensmut und seine Entschlusskraft am Ende des Romans.

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    theoneandonlyCTs avatar
    theoneandonlyCTvor 9 Jahren
    Rezension zu "Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman" von Wilhelm Genazino

    Der 17-jährige Weigand fliegt gleich zu Anfang vom Gymnasium. Für ihn gibt es Schlimmeres, er selbst hat nur einen Traum: das Schreiben. Doch Weigands Mutter hat mit dessen Leben anderes im Sinn und so sucht sie für ihren Sohn eine Lehrstelle. Von nun an muss Weigand tagsüber in einer Spedition als Lehrling praktisch alle unangenehmen Aufgaben verrichten. Kurz darauf druckt die Lokalzeitung aber einen seiner Texte und nun sollen weitere Berichte folgen. Also beginnt er ein Doppelleben, tagsüber wird im regulären Job gearbeitet, abends wird geschrieben. Dem eigenen Roman damit schon um einiges näher, fehlen nun nur noch die zwei anderen großen Ziele: eine Freundin und eine eigene Wohnung.

    „Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman“ ist mein zweiter Roman von Wilhelm Genazino und hat mir sehr gut gefallen. Der Protagonist Weigand ist ein interessanter Charakter, der sich für die kleinsten Details interessiert; Details, die den meisten Menschen nie auffallen würden. Zudem kann er sich an den verschiedensten Ereignissen erfreuen. Und trotzdem hat der Protagonist ganz normale Wünsche für seine Zukunft, die in diesen Rahmen wunderbar eingebettet sind. Im Grunde genommen möchte auch er einfach nur sein Leben selbst gestalten.

    Genazino schildert glaubhaft die Geschichte des jungen Schulabbrechers, die Gedanken und Handlungen wirken sehr authentisch und passend. Insgesamt wirken sämtliche Charaktere und Beschreibungen sehr glaubhaft. Es wird eine Atmosphäre geschaffen, als wäre man selbst dieser unerfahrene Außenseiter und das macht diesen Roman besonders gut.. Sehr zu empfehlen und deshalb bei meinen Favoriten mit dabei.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 10 Jahren
    Kurzmeinung: Wie wunderbar, dieser aufs Schreiben bezogene Hintergrund, eingebunden in das Leben, wie Leben sein kann. Und Betrachtungen völlig außerhalb...
    Rezension zu "Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman" von Wilhelm Genazino

    „Ich stand auf, ich ging. Am Tor angekommen, habe ich mich umgedreht. Da hat der Park mir zugelächelt. Ich habe mich an das Tor gelehnt und habe lange geschaut. Das Lächeln der Bäume, der Lorbeerbaumgruppe, das wollte etwas sagen; das war das wirkliche Geheimnis der Existenz.“
    Nehmen sie diese wenigen Sätze und verbinden sie diese mit den nachfolgenden:
    „Aus offenen Kellerfenstern drang der Modergeruch der Häuser auf die Straßen. Das Sirrsirr der Schwalben klang begütigend. Nach der Hälfte des Weges fiel ein kurzer warmer Regen herab. Frauen und Kinder flüchteten unter kleine Vordächer. Ich stellte mich zu ihnen und beobachtete flache rote Käfer, die es nur im Sommer gab. Sie krabbelten in großer Zahl an den Häusern entlang und verschwanden dann in den kleinen Dreckhäufchen oder unter welken Blättern.“ Letzteres findet sich in Wilhelm Genazinos Roman auf Seite 82. Ersteres ist ein kleiner, wenn auch schmaler Auszug aus Jean-Paul Sartres Roman Der Ekel. Ich behaupte nun, dass ich eine klare Parallele zwischen diesen Beiden Büchern, den darin enthaltenen Denkkonzeptionen sehe. Dass ich als Leser in Genazinos Roman den jungen Menschen erblicke, der dahinter sieht. Den das kleine, die menschliche Existenz fasziniert und gar zum Stillstand bringt. Dabei denke ich sofort an eine Szene vom Anfang des Romans, den Vorstellungsgesprächen: „Der Chef hatte sich überraschend für meine Zeichnungen interessiert […]. Aber dann machte der Chef einen schrecklichen Fehler. Er öffnete, während er meine Zeichnungen betrachtete, eine Flasche Kakao, trank sie halbleer und stellte sie auf seinem Arbeitstisch ab. Sofort ekelte ich mich vor der halbleeren Flasche. Immerzu liefen neue braune Schlieren an der Innenseite der Flasche hinab.“
    Man muss das wohl nicht unbedingt Existenzialismus nennen, wenn auch die Erwähnung des Protagonisten, der an Studentinnen denkt, die die „Transzendenz des Egos oder (solche) Sachen“ studieren, diesen Gedanken Nahe legt, zumindest glaubt man ein bisschen, der Autor habe sich während er diesen Roman schrieb, mit derartigen Themen auseinander gesetzt. Verleiht seinem Buch den Blick für das Dahinter, vermengt so die Realität mir der durch den Protagonisten empfundenen Realität. Und diese steht immer wieder still. Restlos. Hauptperson der Geschichte ist Herr Weigand, der 17-jährige, der von der Schule verwiesen, eine Lehrstelle sucht, eigentlich jedoch lieber Schriftsteller wäre, aber nicht recht weiß, wie er damit anfangen soll. Kleinere Texte, Erzählungen erscheinen hin und wieder in unbedeutenden Zeitschriften, der Tierschutz-Illustrierten zum Beispiel. Immerhin. Mit ein wenig mütterlich nachgeholfenem Glück beginnt dieser Jugendliche, den man als träumerisch bezeichnen könnte, in einer Spedition eine Lehre als kaufmännischer Gehilfe. In die Anfangszeit als Auszubildender fällt auch seine Zusammenarbeit mit der lokalen Zeitung. So lernt er auch Linda kennen, eine Journalistin, die gar an einem Roman über New York arbeitet. Linda, die Joseph Conrad mag, weil der richtige Männer zu seinen Figuren macht. Wenn da nicht Gudrun wäre, die Freundin des jungen Herrn Weigand, mit der ein gemeinsames Sparbuch für die spätere gemeinsame Wohnung hat.
    Andere mögen diesen Roman gern auch als eine Anlehnung an James Joyces Portrait eines Künstlers als junger Mann bezeichnen. Nun, welchen Vergleich man hier auch ziehen möchte. Welche Einflüsse dem Rezensenten auch ins Auge fallen, eines bleibt klar und sicher: Der Autor Wilhelm Genazino malt das Bild eines jungen, gedanklich aufstrebenden Mannes, der gern schreiben würde, die Momente des Lebens in stiller Kontemplation verbringt und hinter die Alltäglichkeit schaut, von ihr zuweilen angewidert ist. Dies auf sich selbst als eine Form von Hochmütigkeit bezieht. Dabei bleibt er dennoch so bescheiden, einfach dem Blick auf das Geschehen ausgeliefert. Sehr bezeichnend dabei auch das Ungenannt-Bleiben seines Vornamens.
    Wilhelm Genazino legte mit diesem 2003 erschienen Roman ein eindringliches, aber dennoch ruhiges Werk vor, dessen Rezeption tiefes Mitgefühl auslöst den eigenen Blick hinter die Alltäglichkeit bestärkt.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 10 Jahren
    Kurzmeinung: Ein wunderbares Buch der leisen Töne, mit Verweildauer im Detail.
    Rezension zu "Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman" von Wilhelm Genazino

    „Ich stand auf, ich ging. Am Tor angekommen, habe ich mich umgedreht. Da hat der Park mir zugelächelt. Ich habe mich an das Tor gelehnt und habe lange geschaut. Das Lächeln der Bäume, der Lorbeerbaumgruppe, das wollte etwas sagen; das war das wirkliche Geheimnis der Existenz.“
    Nehmen sie diese wenigen Sätze und verbinden sie diese mit den nachfolgenden:
    „Aus offenen Kellerfenstern drang der Modergeruch der Häuser auf die Straßen. Das Sirrsirr der Schwalben klang begütigend. Nach der Hälfte des Weges fiel ein kurzer warmer Regen herab. Frauen und Kinder flüchteten unter kleine Vordächer. Ich stellte mich zu ihnen und beobachtete flache rote Käfer, die es nur im Sommer gab. Sie krabbelten in großer Zahl an den Häusern entlang und verschwanden dann in den kleinen Dreckhäufchen oder unter welken Blättern.“ Letzteres findet sich in Wilhelm Genazinos Roman auf Seite 82. Ersteres ist ein kleiner, wenn auch schmaler Auszug aus Jean-Paul Sartres Roman Der Ekel. Ich behaupte nun, dass ich eine klare Parallele zwischen diesen Beiden Büchern, den darin enthaltenen Denkkonzeptionen sehe. Dass ich als Leser in Genazinos Roman den jungen Menschen erblicke, der hinter das Offensichtliche schaut. Den das Kleine, die menschliche Existenz fasziniert und ihn gar zum Stillstand bringt. Dabei denke ich sofort an eine Szene vom Anfang des Romans, den Vorstellungsgesprächen: „Der Chef hatte sich überraschend für meine Zeichnungen interessiert […]. Aber dann machte der Chef einen schrecklichen Fehler. Er öffnete, während er meine Zeichnungen betrachtete, eine Flasche Kakao, trank sie halbleer und stellte sie auf seinem Arbeitstisch ab. Sofort ekelte ich mich vor der halbleeren Flasche. Immerzu liefen neue braune Schlieren an der Innenseite der Flasche hinab.“
    Man muss das wohl nicht unbedingt Existenzialismus nennen, wenn auch die Erwähnung des Protagonisten, der an Studentinnen denkt, die die „Transzendenz des Egos oder (solche) Sachen“ studieren, diesen Gedanken Nahe legt, zumindest glaubt man ein bisschen, der Autor habe sich während er diesen Roman schrieb, mit derartigen Themen auseinander gesetzt. Verleiht seinem Buch den Blick für das Dahinter, vermengt so die Realität mir der durch den Protagonisten empfundenen Realität. Und diese steht immer wieder still. Restlos. Hauptperson der Geschichte ist Herr Weigand, der 17-jährige, der von der Schule verwiesen, eine Lehrstelle sucht, eigentlich jedoch lieber Schriftsteller wäre, aber nicht recht weiß, wie er damit anfangen soll. Kleinere Texte, Erzählungen erscheinen hin und wieder in unbedeutenden Zeitschriften, der Tierschutz-Illustrierten zum Beispiel. Immerhin. Mit ein wenig mütterlich nachgeholfenem Glück beginnt dieser Jugendliche, den man als träumerisch bezeichnen könnte, in einer Spedition eine Lehre als kaufmännischer Gehilfe. In die Anfangszeit als Auszubildender fällt ebenso seine Zusammenarbeit mit der lokalen Zeitung. So lernt er auch Linda kennen, eine Journalistin, die gar an einem Roman über New York arbeitet. Linda, die Joseph Conrad mag, weil der richtige Männer zu seinen Figuren macht. Wenn da nicht Gudrun wäre, die Freundin des jungen Herrn Weigand, mit der er ein gemeinsames Sparbuch für die spätere gemeinsame Wohnung besitzt.
    Andere mögen diesen Roman gern auch als eine Anlehnung an James Joyces Portrait eines Künstlers als junger Mann bezeichnen. Nun, welchen Vergleich man hier auch ziehen möchte. Welche Einflüsse dem Rezensenten auch ins Auge fallen, eines bleibt klar und sicher: Der Autor Wilhelm Genazino malt das Bild eines jungen, gedanklich aufstrebenden Mannes, der gern schreiben würde, die Momente des Lebens in stiller Kontemplation verbringt und hinter die Alltäglichkeit schaut, von ihr zuweilen angewidert ist. Dies auf sich selbst als eine Form von Hochmütigkeit bezieht. Dabei bleibt er dennoch so bescheiden, einfach dem Blick auf das Geschehen ausgeliefert. Sehr bezeichnend dabei auch das Ungenannt-Bleiben seines Vornamens.
    Wilhelm Genazino legte mit diesem 2003 erschienen Roman ein eindringliches, aber dennoch ruhiges Werk vor, dessen Rezeption tiefes Mitgefühl auslöst und den eigenen Blick hinter die Alltäglichkeit bestärkt.

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    Binea_Literatwovor 10 Jahren
    Rezension zu "Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman" von Wilhelm Genazino

    Wilhelm Genazino schreibt in seinem Roman über einen männlichen Protagonisten, der nicht weiß was er mit seinem Leben machen soll. Das Abitur geschmissen, eine passende Lehrstelle will sich erst nicht finden. Der Eltern wegen beginnt er eine Lehre doch sein Herz schlägt für die Literartur, für das Schreiben, für das arbeiten als Reporter. Nach kurzer Zeit beginnt er ein Doppelleben, seine bisherige Freundin wird vernachlässigt, denn jeden Tag warten neue Überraschungen/ Erlebnisse auf Ihn. Als sein Leben fast perfekt ist - verliert er einen wichtigen Menschen. Hat mir ganz gut gefallen - das Ende hätte noch etwas hinausgezögert werden können.

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    Lesebienchens avatar
    Lesebienchenvor 10 Jahren
    Rezension zu "Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman" von Wilhelm Genazino

    "Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman" von Genanzino ist ein großartiges Buch über das Erwachsen werden.
    Der 17jährige Protagonist fliegt von der Schule und wird von seinen Eltern zu einer Lehre gezwungen, damit er nicht untätig zu Hause herumsitzt. Doch der Junge denkt nur an Literatur und an das Schreiben eigener Texte. Er wird bei einer lokalen Zeitschrift als gelegentlicher Reporter engagiert. So beginnt sein Doppelleben.
    Der Roman ist äußerst humorvoll und amüsant zu lesen. Genanzino beschreibt gekonnt die Facetten des Erwachsen werdens, des sich Suchens und Findens.

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    "Für mich eines der schönsten Bücher in diesem Frühjahr." Tilman Spreckelsen im Literatur im Foyer, Südwest Fernsehen, 21.03.03
    "Sein neues, meisterhaftes Buch. Es ist vielleicht Genazinos bestes Buch, weil es in beeindruckender Klarheit all seine Motive kondensiert." Nils Minkmar, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.03.03
    "Ein neuer Genazino, und das ist seit Jahr und Tag ein verlässliches Markenzeichen. Was für ein mit Anspielungen an die Weltliteraturgeschichte aufgeladenes Pensum, und wie sanft und unscheinbar, fast beiläufig wird es erledigt." Reinhard Baumgart, Die Zeit, 20.03.03
    "Ein wahres Juwel und wohl das Beste, was Genazino je geschrieben hat: Eine gelungene Mischung aus ironisch funkelndem Künstlerroman, aus zarter, untergangsgeweihter Liebesgeschichte und aus einer suggestiven 'Vergegenwärtigung der frühen sechziger Jahre. frisch und beschwingt." Uwe Wittstock, Die Welt, 15.03.03
    "Das wundervolle Porträt eines Künstlers als Lehrling des Lebens" Martin Lüdke, Frankfurter Rundschau, 22.03.03
    "Genazinos jüngste Prosa ist schön, wahr und weit mehr als nur interessant." Jochen Hörisch, Literaturen, 7/8 2003
    "Ein großartiges, ein gewichtiges und schwebendes Buch. Genazinos Bücher erwecken den Eindruck einer traumwandlerischen Leichtigkeit. Genazino beherrscht eine Kunst des Nebenbei, die die Hauptsache trifft. Die Beiläufigkeit, mit der hier filigran erzählt wird, erinnert zuweilen an den heiter-melancholischen Charme französischer Filme, zuweilen an den auf dem Papier spazieren gehenden Robert Walser. Es gibt nicht viele zeitgenössische Autoren, die einen so prägnanten Ton entwickelt haben." Ulrich Rüdenauer, Tagesspiegel, 13.04.03
    "Unpathetisch, mit leisem Humor und jener hochoriginellen sprachlichen Prägnanz, die nur auf den ersten Blick simpel erscheint und Genazino berühmt gemacht hat." Julia Kospach, Profil, 24.03.03
    "Manche Sätze möchte man sich wie Glücksbringer in die Jackentasche stecken." Natascha Freundel, Berliner Zeitung, 18.03.03
    "Ein aufregendes Buch, vielleicht das aufregendste, das dieser Chronist der Zwangsneurosen, der Normalität und ihrer Nebenwege, der "Gesamtmerkwürdigkeit des Lebens" bislang geschrieben hat." Felicitas von Lovenberg, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.04.03
    "Ein weiterer Prosa-Meisterstreich Wilhelm Genazinos. seine Sätze - Delikatessen. dass man sich glücklich, schwindlig und süchtig liest an der Akkuratesse von Genazino-Sätzen." Heinz Schafroth, Basler Zeitung, 02.05.03
    "Wilhelm Genazino erzählt mitreißend vom Erwachsenwerden in der jungen Bundesrepublik. Genazino ist der große, stille Chronist der Bundesrepublik. Der schweigsame Träumer aus Heidelberg erweist sich auch in diesem Buch als einer der stärksten deutschen Erzähler." Volker Hage, Der Spiegel, 12.05.03
    "Er hat der von einer milden Melancholie eingefärbten Geschichte in schönster Beiläufigkeit eine Reflexion auf das zutiefst Humane des Erzählens eingeschrieben und er hat ein wunderbares Selbstporträt geschaffen." Roman Bucheli, Neue Zürcher Zeitung, 29./30.03.03
    "Ein begeisternd intensives Porträt der späten Adenauer-Ära - ein Stück literarische Geschichtsvergegenwärtigung wie es hier zu Lande leider viel zu selten geschrieben wird." Uwe Wittstock, Die Welt, 04.06.04

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