Wilhelm Grimm

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Lebenslauf

Wilhelm Grimm, geboren 1786 in Hanau und verstorben 1859 in Berlin, war ein deutscher Jurist sowie Sprach- und Literaturwissenschaftler. Sein schriftstellerisches Lebenswerk ist eng mit dem seines ein Jahr älteren Bruders Jacob Grimm verknüpft. Gemeinsam arbeiteten sie an einem großen Projekt: einem deutschen Wörterbuch, das den gesamten neuhochdeutschen Sprachschatz darlegen sollte.

Quelle: Verlag / vlb

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Neue Rezensionen zu Wilhelm Grimm

Cover des Buches Grimms Märchen, Gretel – Zauber & Zukunft (ISBN: 9783864852503)
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Rezension zu "Grimms Märchen, Gretel – Zauber & Zukunft" von Jacob Grimm

Gwhynwhyfar
Henrik Schrat transportiert die Märchen in die Gegenwart – denn wo steht geschrieben, in welchem Jahrhundert sie spielen?

«Schrat … sich lesend und zeichnend permanent zwischen Himmel und Hölle bewegt, während er dunkle Wälder in finstere Städte verwandelt, bedrohliche Waldgasthäuser in obskure Imbissbuden, Dornröschenschlösser in Hauptstadthochhäuser und unzugängliche Burgen in ferne Planeten, auf denen ziemlich komische Leute wohnen: die kluge Else, der faule Hans und die hagere Liese. Meister Pfriem und die zwölf faulen Knechte, Frieder, Katherlieschen und Pif Paf Poltrie. Im letzten Band hat sich einmal mehr auf bedrohliche Weise das gesamte Hausgesinde der Grimms zusammengerottet, um von Schrat in die Freiheit entlassen zu werden. … Doch gegen die Tiere im Märchen kommt keiner an, keine Prinzessin und nicht mal der Zeichner. Denn nicht die Großstadtprotagonisten sind die wahren Akteure, sondern die heimlichen Helfer-und Ratgeberfiguren, jene Raben, Fische und Füchse, ohne die jeder Brautwerber defintiv seinen Kopf verlöre. Bei Licht besehen sind es nämlich sie, die jedem Märchen die entscheidende Wendung geben, bis sich die gepeinigten Prinzessinnen endlich in das verwandeln, was sie in Wirklichkeit sind, in die Jungs und Mädchen von nebenan.» (Einleitung)


Altbekanntes der Brüder Grimm neu bebildert, wie Rotkäppchen, Brüderchen und Schwesterchen, König Drosselbart, Rapunzel, Schneewittchen, Hänsel und Gretel. Aber auch eine Menge Märchen der Gebrüder Grimm, die ich noch gar nicht kannte, wie z.B. Die Lebenszeit, Das Goldei, Die Brautschau, Das Meerhäschen, Die hagere Liese, Das kluge Gretel, Die drei Faulen, Die drei faulen Knechte, Der faule Heinz, Das Märchen vom Schlauraffenland, Das Dietmarsche Lügenmärchen, Rätselmärchen, Der goldene Schlüssel. Denn dies ist der 5. Band der Gesamtausgabe. Die Texte sind im Original übernommen – neu ist die Interpretation der Märchen durch die Illustration. Henrik Schrat transportiert die Märchen in die Gegenwart – denn wo steht geschrieben, in welchem Jahrhundert sie spielen? Eine Vorstellung der Märchenwelt, die nur in unserem Kopf sitzt. Kraftvolle Federzeichnungen – gerade die Schwarz-Weiß-Sicht lässt manche Bilder fast explodieren. Weder ist hier irgendetwas niedlich für Kinder gestaltet, noch lieblich mit Jugendstil-Ranken, noch altbacken im Biedermeierstil, noch hat ein Bild einen mittelalterlichen Touch. 


Ursprünglich waren Märchen nicht für Kinder gedacht, sie sind eine mündliche Sammlung traditioneller Geschichten. Und die Grimm-Brüder haben die Schilderungen ordentlich verschlankt, Sexuelles herausgeschrieben, Brutales abgeschliffen, die Texte wurden von Auflage zu Auflage immer weiter überarbeitet, teilweise verharmlost und mit christlicher Moral unterfüttert, für Kinder zugänglich gemacht, zur moralischen Erziehung genutzt. Um «rein deutsche Märchen zu präsentieren, flogen die französischen wie z.B. Der gestiefelte Kater oder Blaubart, wieder heraus. Aber nicht alle, auch wurden manche verändert, wie zum Beispiel Rotkäppchen, dessen ursprüngliche französische Version düster endet: «...pour mieux te manger!» - Der Wolf frisst das Mädchen auf. Das Märchen warnt, einem Fremden zu vertrauen. Es gab ursprünglich auch einige antisemitische Märchen, wie z.B. «Das von den Juden getötete Mägdlein», «Der Judenstein»  oder «Der Jude im Dorn». Letztendlich gehört auch das Rumpelstilzchen dazu, dass den fremden Glauben präsentieren sollte. Ich weiß nicht genau, welche Version hier genommen wurde, aber sie kommt der Urform schon nahe. Das Hexenhaus in Hänsel und Gretel besteht nämlich nicht aus Lebkuchen, sondern aus Brot, Kuchen und Zucker – wie in diesem Text verwendet. Das Märchen Schneewittchen heißt bei den Brüdern Grimm Sneewittchen – wie auch hier. Aschenputtel erhält ihre Kleider zum Festball nicht von einer Fee, sondern von einem Baum am Grab ihrer Mutter. Der Froschkönig verwandelt sich nicht zum Menschen zurück, nachdem er geküsst wurde, sondern nachdem er voll Wut und Ekel an die Wand geklatscht wurde. Ich denke, das wird in den Vorbänden in dieser Form gestaltet sein. Und es sei zu erwähnen, dass nicht alle Märchen mit «Es war einmal …» beginnen – wie auch hier gezeigt.


«Und als es fertig war, schwang es seine Flügel und flog vor ihnen her, und sie gingen ihm nach, bis sie zu einem Häuschen gelangten, auf dessen Dach es sich setzte, und als sie ganz nahe herankamen, so sahen sie, dass das Häuslein aus Brot gebaut war und mit Kuchen gedeckt; aber die Fenster waren von hellem Zucker. ‹Da wollen wir uns dranmachen›, sprach Hänsel, ‹und eine gesegnete Mahlzeit halten. Ich will ein Stück vom Dach essen, Gretel, du kannst vom Fenster essen, das schmeckt süß.›«


Ich kann nur jedem empfehlen, mal die allererste Originalsammlung zu lesen – das ist teilweise purer Horror. Viele Märchen sind bis heute großes Kino; sie sind moralisch, geben Hoffnung, weil am Ende immer das Gute siegt – moralisierende Erziehungsmärchen. Märchen und Göttersagen funktionieren nach dem Prinzip der Heldenreise, oder anders herum, die Heldenreise ist nach dem Prinzip der Mythen entwickelt worden. In dieser Illustration laufen Brüderchen und Schwesterchen durch eine moderne Großstadt, Rotkäppchen trägt eine Base-Cap, eine Wölfin im Kleid sieht recht harmlos aus, eher zum Knuddeln – wir sehen Oma und Rotkäppchen am Ende ziemlich feist am Tisch lachen; am Boden liegt als Teppich das Wolfsfell. In «Auf Reisen gehen» sehen wir den Protagonisten auf einem erhöhten Punkt stehen, der mit dem Handy eine Strandlandschaft mit Palmen am Meer fotografiert; «Der Meisterdieb» im Sportwagen vor einer Villa; Rapunzelsalat wächst in einem Stadtgarten zwischen Hochhäusern und das Mädchen Rapunzel wird in einen hohen Bunker gesteckt. Grandiose Grafiken, zeichnerisch die Märchen in die heutige Welt gerückt – neue Schubladen gehen im Kopf auf beim Lesen; und so kommen die alten Märchen in neuem Gewand ganz fantastisch herüber. Think out of the box! Diese Märchensammlung ist nicht nur etwas für Kinder! Märchenliebhaber werden begeistert sein. Der EXTEM Verlag gibt eine Altersempfehlung: ab 5 Jahren, darunter würde ich es auch nicht mit Kindern lesen wollen, nicht nur wegen der Bebilderung. Aber klar: Allage! Empfehlung!


Großartige Sammlung


In diesem wunderschönen pastellfarbenen Schuber finden sich 3 kompakte Märchenbücher: von Andersen, den Grimms und Hauff. Die Gestaltung mit den liebevollen Illus und den goldenen Veredelungen macht einen sehr hochwertigen Eindruck.


Auch die Bücher selbst sind illustriert, alle ganz unterschiedlich und mit den originalen alten Zeichnungen in schwarz weiß.

Von Anderson gibt es hier ganze 117 Märchen, manche nur zwei drei Seiten, andere länger. Grimm ist von 1812/1815 und umfasst 444 Illus. Und bei Hauff finden wir vor allem die orientalischen Märchen wie Der kleine Muck.


Es wurde nichts übersetzt, Der Fischer und seine Frau ist zB auf plattdeutsch geschrieben, der Großteil allerdings verständlich auf hochdeutsch.

Man braucht nicht chronologisch zu lesen, sondern kann einfach irgendwo irgendetwas aufschlagen und jeden Abend etwas davon lesen. Viel ist bekannt, dh die "Standardmärchen" wie Aschenputtel oder Dornröschen sind alle vorhanden, meist aber unter dem originalen Namen, sodass man ggf kurz recherchieren muss, wenn man den Titel von etwas Bestimmten sucht.


Viele Märchen sind brutal und enden nicht gut, weswegen ich empfehlen würde, sie vorher selbst zu lesen, bevor sie Kindern vorgelesen werden, also zu selektieren.

Mein Liebling bleibt Die kleine Seenjungfrau, auch wenn ich das Ende bis heute nicht verkrafte und den Prinzen mittlerweile echt furchtbar finde, weil er sich einfach eine andere nimmt. Besonders tragisch ist Das Mädchen mit den Schwefelhölzern, dh auch Kinder bekommen hier nicht immer ihr happy end, wir sind nicht bei Disney, sondern bei teilweise sehr düsteren Originalen. Trotzdem überzeugen sie durch Ideenreichtum und den Ursprung von Nacherzählungen, wie wir sie heute kennen, sodass man sich mit ihrem Anfang auseinandersetzen kann. Bei den Grimms beruht ja zB einiges auf wahren Begebenheiten.


Ich kann diese Sammlung nur empfehlen, auch als Geschenk, einen Märchenschuber oder -sammelband muss man mMn einfach zuhause haben ♡


Märchenhafte Weihnachten...

... versprechen die Gebrüder Grimm und Hans Christian Andersen, von denen in dieser Ausgabe drei Märchen vorgestellt werden, zauberhaft illustriert von Erika Nerger.

 

Zeitlos klassisch geht es erst um 'Die Schneekönigin', die den Jungen Kay in ihr Reich entführt und die nicht die Körper, sondern auch die Herzen vereist. Ein Appell an die Kraft der Liebe, die Zeit und Raum überwinden kann.

 

Weiter geht es mit dem Grimm'schen Moralkompass, es folgt eins meiner Lieblingmärchen: 'Frau Holle', aus dem ich mehr herauslese als die Belohnung "des Guten" und die Bestrafung "des Schlechten". Die Polarität zeigt mir hier einmal mehr, dass die Extreme in dieser Weise nicht existieren können, denn es gibt nicht "nur gut" und "nur schlecht". Das Eine kann ohne das Andere nicht existieren und so gibt es neben fleißigen auch mal faule Tage und das Pendel schwingt zwischen den Polen, mal mehr in die eine, mal mehr in die andere Richtung, um ein Gleichgewicht zu finden.

 

Das Schlusslicht bilden 'Schneeweißchen und Rosenrot', die sich liebevoll um einen Bären kümmern und Tugenden wie Fleiß, Gehorsamkeit und Mitgefühl hervorheben. Das Urvertrauen in die Mutter verleiht ihnen die Kraft, Ängste zu überwinden und Grenzen zu überschreiten. Dennoch bringen Naivität und übertriebene Gutmütigkeit sie in Lebensgefahr, aus der sie gerettet werden müssen. Auch hier wandern meine Gedankengänge zur Polarität wie bei 'Frau Holle'.

 

Wunderschöne Märchen und ein zeitloses Eintauchen in Fantasiewelten: Diese Sammlung liest sich besonders schön zu dieser Jahreszeit.

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