Wilhelm Gruber

 3 Sterne bei 3 Bewertungen
Autor von Lauf, Tachi!, Weihnachtsgeschichten und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Wilhelm Gruber

Wilhelm Gruber lebt mit seiner Familie in Münster, geb. 1950 in Walchum, Abitur in Papenburg, Studium in Dortmund und Münster, arbeitete von 1978 bis 2013 als Sonderschullehrer an einer Förderschule in Münster. Von 1989 bis 2003 veröffentlichte er in den Bereichen Hörspiel, Erzählung, Kinder- und Jugendbuch. Seine Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet und erschienen in verschiedenen Sprachen. 'Wasserstandsmeldung' ist sein erster Roman.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Wasserstandsmeldung

Neu erschienen am 03.12.2020 als Hardcover bei tredition.

Alle Bücher von Wilhelm Gruber

Cover des Buches Wo das Wasser salzig wird... (ISBN: 9783402065167)

Wo das Wasser salzig wird...

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Erschienen am 01.03.1982
Cover des Buches Wasserstandsmeldung (ISBN: 9783347063631)

Wasserstandsmeldung

 (0)
Erschienen am 03.12.2020
Cover des Buches Weihnachtsgeschichten (ISBN: 9783726004859)

Weihnachtsgeschichten

 (1)
Erschienen am 01.03.1999

Neue Rezensionen zu Wilhelm Gruber

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Rezension zu "Aron oder Vom Krieg erzählen nicht nur die Helden" von Wilhelm Gruber

Viel zuviele Unschuldige sterben, Tiere und Menschen!
Angelsammyvor 2 Monaten

Man sollte sich von dem Pferd auf dem Cover nicht in die Irre führen lassen. Es geht zwar auch um ein Pferd, scheinbar nur marginal, aber es ist im Gesamtkontext doch ein überlebensgroßes Symbol. Dazu später mehr. 

Es geht um Theodor Dirksen, der in der Nähe von Lasum auf einem Bauernhof lebt und das einzige Kind sowie Sohn ist, der den Hof übernehmen soll. Bei Beginn des Zweiten Weltkriegs wird er zwanzigjährig eingezogen am Polenfeldzug teilnehmen zu müssen.

Zu Beginn dieser Novelle, die 85 Seiten umfaßt, erfahren wir, aus einem Briefentwurf des Sohnes Johann, daß Theodor verstorben ist. 

Aber unmittelbar vor seinem Tod erzählte er ihm und seinem Enkel von seinen bittersüßen Erinnerungen, die oftmals nur bitter sind. Er hatte sich immer geweigert, DARÜBER zu reden, weil seiner sarkastischen Meinung nach nur Helden vom Krieg berichten.

Es fängt harmlos und idyllisch an. Theodor und sein Vater wollen sich ein Brabanter Kaltblut kaufen, um bei Waldarbeiten eingesetzt zu werden, um die gefällten Stämme zu befördern. Der Pferdehändler Kobus Dürkoop, Jude, verkauft ihnen das gewünschte Tier mit der Zusicherung es zurückzunehmen, zu einem guten Preis, falls es nicht mehr "nützlich" wäre. Kobus hat den Rufnamen Aron und so tauft Theodor das Pferd.

Aron ist nützlich und Theodor hegt Zuneigung zu ihm, aber dann lahmt es. Kobus soll das Pferd einem Abdecker zuführen, Schinder genannt. ( Iiih! Wie abartig und gemein! Das mag zwar den ökonomischen Umständen geschuldet sein, ist aber trotzdem kalt! )

Aber nach der "Reichskristallnacht" sind Kobus samt Familie "verschwunden". 

So bekommt Aron weiterhin sein Gnadenbrot. Bei Ausbruch des Krieges erlebt Theodor allerlei Grausamkeiten an der Zivilbevölkerung in Polen. Er macht nur widerwillig mit, immer mit der Angst im Nacken, was bei Befehlsverweigerung droht. 

In Wilna ( Vilnius ), dem Jerusalem des Ostens, erfährt Theodor von "Säuberungsaktionen" der SS. Nachdem er mit anderen von Partisanen sabotierte Schienen repariert hatte, sieht er sogar einen Zug mit Deportierten, ihre Antlitzes, auf dem Weg nach Treblinka. Er weiß, was das bedeutet, auch wenn er noch nicht das gesamte Ausmaß kennt. 

Nachdem er schwerverletzt wurde, mit zwei gebrochenen Beinen, landet er im Lazarett und lernt den Münsteraner Georg kennen. So erfährt er von der feurigen Rede des Bischofs von Galen, der das Töten "lebensunwerten" Lebens anprangert. Er befürchtet, daß er als Krüppel ebenfalls dieses Schicksal erleiden könnte. Deswegen bemüht er sich nach Kräften eben kein "Krüppel" zu werden. 

Er darf nach Hause und lernt Henryk, den Polen kennen, der auf dem Hof der Eltern als Zwangsarbeiter zugange ist. Er wird aber von der Familie Dirksen human und hochanständig behandelt. 

Dann naht das Kriegsende, die Engländer in Allianz mit den Polen rücken immer näher heran. Wird es nun endlich Ruhe und Frieden kennen, oder ein neuer Ausbruch an Grausamkeiten im Zuge des Durstes nach Rache? 

Was dem Kaltblut Aron gegen Ende passiert ist ein wuchtiges und erschütterndes Beispiel und Symbol als auch Sinnbild für absolut unnötige, unverständliche Gewalt. Es zeigt, daß Tiere ebenfalls dem Zyklus der Gewalt nicht entkommen. Das sagt sehr viel über die Mentalität der Menschen aus. Absolut sinnlos. 

Das Gute an dieser Novelle ist, daß Gewalttätigkeit nicht in Worten drastisch gezeigt wird. Sie wird angerissen, ist aber durch die Verdichtung und der Wahl der Begrifflichkeiten umso abscheulicher. Krieg mit all ihren grausamen Begleiterscheinungen wird schlicht ( das ist nicht abwertend gemeint ), aber eindrücklich aufgezeigt. 

Es ist sehr authentisch, was Marga Spiegel im Nachwort bestätigt. Theodor ist ein "einfacher" Mensch, der in außergewöhnliche Umstände gerät und es trotzdem schafft, seine Menschlichkeit zu bewahren, obwohl er ebenso Dinge tat, die man nicht tun sollte. 

Keiner von damals konnte ernsthaft behaupten nichts von den Deportationen gewußt zu haben. Viele hatten auch Kenntnis von den Vernichtungslagern. 

Ein mahnendes Buch, ohne erhobenen Zeigefinger.

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