Wilhelm Kuehs

 4.4 Sterne bei 7 Bewertungen
Autor von Mein letzter Wille geschehe, Dianas Liste und weiteren Büchern.
Wilhelm Kuehs

Lebenslauf von Wilhelm Kuehs

Wilhelm Kuehs, geboren 1972 in Wolfsberg/Kärnten, studierte Germanistik und Komparatistik an der Universität Klagenfurt und arbeitete bereits während des Studiums für mehrere Zeitungen. Lebt als Schriftsteller und Kulturwissenschaftler mit seiner Familie in Völkermarkt. Zahlreiche literarische und wissenschaftliche Veröffentlichungen.

Alle Bücher von Wilhelm Kuehs

Dianas Liste

Dianas Liste

 (2)
Erschienen am 01.03.2017
Mein letzter Wille geschehe

Mein letzter Wille geschehe

 (2)
Erschienen am 28.12.2017
Der letzte Rock hat keine Taschen

Der letzte Rock hat keine Taschen

 (2)
Erschienen am 22.04.2015
Wer zuletzt lacht

Wer zuletzt lacht

 (1)
Erschienen am 22.03.2016
Kärntner Sagen

Kärntner Sagen

 (0)
Erschienen am 01.10.2013

Neue Rezensionen zu Wilhelm Kuehs

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Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Dianas Liste" von Wilhelm Kuehs

Eine Hommage an eine große Frau
Bellis-Perennisvor 9 Monaten

Dieses Buch berichtet über die Gräuel an der serbischen und jüdischen Bevölkerung Jugoslawiens während des Zweiten Weltkriegs, die die kroatischen Ustascha mit Billigung und Wissen des deutschen Nazi-Regimes verübt haben.

Es erzählt aber auch die Geschichte der Diana Budisavljevic, die in den Jahren 1941—1944 tausende Kinder aus den KZ gerettet hat.

 

Wer ist sie also diese Diana Budisavljevic?

Geboren 1891 als Diana Obexer in Innsbruck, lenrt sie während ihrer Ausbildung als Krankenschwester den serbischen Chirurgen Julije Budisavljevic, kennen, heiratet ihn und folgt ihm 1919 nach Zagreb, ins Königreich Jugoslawien, das nach dem Untergange der Habsburger Monarchie gegründet wurde. Das Reich ist ein künstlich geschaffenes Gebilde, in dem unterschiedlichste Ethnien leben: Slowenen, Kroaten, Serben und verschiedene Minderheiten. König Alexander ist serbischer Abstammung. 1928 gründet der Kroate Ante Pavelic den rechtsradikalen faschistischen Geheimbund Ustascha und ruft 1941 mit Unterstützung der Achsenmächte (Deutschland, Italien) den unabhängigen Staat Kroatien aus, und errichtet unmittelbar danach eine Militärdiktatur, die im Wesentlichen das Gebiet Kroatien, Serbien und Bosnien-Herzegowina umfasst.

 

Ein grausamer Genozid beginnt. Um ein ethnisch sauberes Kroatien zu erhalten, werden alle anderen Volksgruppen und insbesondere sie Serbisch-Orthodoxen Menschen verfolgt. Sie  werden entweder sofort ermordet oder als Zwangsarbeiter ins verbündete Nazi-Deutschland verbracht. Einigen gelingt die Flucht in die Wälder, wo sie sich den Partisanen anschließen.

 Wahllos werden die Menschen herausgegriffen und in KZs deportiert. Kinder werden von ihren Müttern getrennt, in Lager gesteckt und sich selbst überlassen. Sie erhalten weder Kleidung oder Nahrung. Tausende sterben an Krankheiten wie Typhus oder verhungern schlichtweg.

 

Als Diana von den Zuständen in diesen Konzentrationslagern erfährt, startet sie eine beispiellose Hilfsaktion. Zuerst verteilt sie Hilfgüter, doch die werden regelmäßig von den Lagerleitern gestohlen. 1942 beginnt sie damit, die Kinder aus den Lagern zu holen. Akribisch katalogisiert sie die Kinder in den Lagern. Ihr großes Ziel ist es, Kinder und Eltern nach dem Krieg wieder zusammenzuführen. Doch mit Ende des Krieges, als es darum geht, die Kinder ihren Familien zurückzugeben, erleiden sie und ihr Hilfswerk einen herben Rückschlag. Die an die Macht gekommenen Kommunisten unter Josip Broz Tito lassen ihre Kartothek mit sämtlichen Aufzeichnungen konfiszieren.

 

Diana Budisavljevic verlässt Jugoslawien krank und enttäuscht. Ihre letzten Lebensjahre verbringt sie in Innsbruck, wo sie 1978 stirbt.

 

Meine Meinung:

 

Ich habe schon viele Bücher über ethnische Säuberungen und Kriegsgräuel gelesen, doch dieses hier zeigt, wie Fanatiker unendliches Leid über Menschen bringen. Es zeigt aber auch, wie selbst Einzelne über sich hinauswachsen können.

 

Mit diesem Buch setzt Autor Wilhelm Kuehs einer wirklich großen Frau, die rundherum beinahe vergessen ist, ein Denkmal.

Der Titel ist jenen akribisch geführten Listen Dianas geschuldet, die Karteikarten für jedes Kind anlegt, um die Familien (oder was davon noch übrig ist) zusammenzuführen. Er  erinnert aber auch an das Buch „Schindlers Liste“, das von Hollywood verfilmt wurde.

 

Je tiefer ich in das Kuehs‘ Buch versunken bin, desto wütender wurde ich. Dass von den kroatischen Machthabern, als Auftraggeber der Morde, keine Hilfe zu erwarten ist, ist klar. Was aber ist von Rot-Kreuz-Schwestern zu halten, die vor Freude tanzen, wenn wieder hunderte serbische Kinder an Seuchen und Unterernährung gestorben sind? Was geht in diesen Menschen vor?

Was ist mit der katholischen Kirche? Bis auf wenige Ausnahmen nur Lippenbekenntnisse. Ja im Gegenteil, einige besonders grausame Lagerleiter sind katholische Ordensbrüder, was ist mit dem Erzbischof von Zagreb, Alojzije Stepinac, der allen, die zum katholischen Kirche konvertieren, Schutz angeboten hat? Und sie anschließend doch den Mördern ausgeliefert hat? (Stepinac wird übrigens 1998 von Papst Johanne Paul II, als Märtyrer seliggesprochen.)

 

Umso bewundernswerter ist es, dass Diana trotz aller Widerstände, trotz aller Bedrohungen für sich und ihre Familie an ihrer Mission festgehalten hat. Aufgrund ihrer Tagebuchaufzeichnung, die Dianas Enkelin in den 1980er Jahren zufällig auf dem Dachboden des Zagreber Hauses ihrer Großmutter findet, können Rückschlüsse gezogen werden, dass durch diese selbstlose Aktion rund 12.000 Kinder gerettet und auf zahlreiche Pflegefamilien aufgeteilt werden konnten. Dass auch nicht alle dieser Pflegefamilien aus reiner Nächstenliebe gehandelt haben, braucht vermutlich nicht extra erwähnt werden. Einige wollten Geld für die ihnen anvertrauten Kinder, andere missbrauchten sie als billige Arbeitskräfte.

 

Im Nachwort beschreibt Autor Wilhelm Kuehs die Schwierigkeiten, an Originalquellen zu kommen. Die Originale der Tagebuchaufzeichnungen sind öffentlich nicht zugänglich. Das, was veröffentlich wurde, wurde gekürzt und ist daher wissenschaftlich nur bedingt verwendbar. Die Karteikarten wurden 1945 beschlagnahmt und wahrscheinlich mit andern Aufzeichnungen gemischt.

Dieser Probleme wegen, hat Wilhelm Kuehs diese Hommage an Diana Budisavljevic als „biografischen Roman“ bezeichnet.

 

Offizielle Ehrung und Anerkennung lassen lange auf sich warten. Sie erhät posthum einen serbischen und einen tiroler Orden. In Innsbruck wird ein Kindergarten nach ihr benannt, in Wien eine gerade einmal 250m² große Grünfläche.

 

Fazit:

 

Ein erschütternder Bericht, wozu Menschen fähig sind – im Schlechten wie im Guten. Gerne gebe ich 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung.

 

 

 

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Rezension zu "Dianas Liste" von Wilhelm Kuehs

Romanbiografie einer Frau und ihrer Zeit
HEIDIZvor 10 Monaten

Das Buch ist in 32 Kapitel plus Epilog gegliedert.

Leseprobe:
========

Am Morgen des 23. Oktober 1941 zog Diana Budisavljevic die schweren Vorhänge im Wohnzimmer beiseite und servierte Tee. Sie und ihre Schwägerin Mira Kusevic hatten es sich gemütlich gemacht. Mira wollte wissen, wie es den beiden Töchtern ging. Ob schon bald ein neues Enkelkind zu erwarten sei und wie sich die Schwiegersöhne so machten. ...

Das Buch beschreibt Diana Budislavlejevics Geschichte, die Geschichte einer mutigen Frau, die tausenden Kindern das Leben rettete. Gut, dass es geschrieben wurde, dass nie in Vergessenheit gerät, welche Heldin diese Frau war. Beharrlich und sich selbst in Gefahr bringend hat sie den todgeweihnten Kindern gemeinsamen mit ihren Helfern das Leben gerettet, sie vor ihrem Schicksal, dem sicheren Tod, bewahrt.

Ein außergewöhnliches Buch über eine außergewöhnliche Frau, außergewöhnlich spannend, erhellfend und detailliert geschrieben.

Es handelt sich um eine Biografie, die romanhaft geschrieben wurde, flüssig zu lesen ist und spannend. Man lernt das Leben und Wirken der Protagonistin kennen und die Zeit, in der sie wirkte, ihr Umfeld und ihre Helfer und auch Widersacher. Wirklich blendend geschrieben, mir hat die Lektüre rundherum gefallen.

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Rezension zu "Mein letzter Wille geschehe" von Wilhelm Kuehs

Ernesto Valentis dritter Fall ...
Bellis-Perennisvor einem Jahr

Ernesto Valenti, Journalist einer Kärntner Tageszeitung, wird von Friedl Schatz, einem Ex-Häftling angesprochen. Er, Valenti, soll dessen Lebensgeschichte schreiben und veröffentlichen. Schatz beteuert, unschuldig wegen des Mordes an seiner Frau verurteilt worden zu sein

Unmittelbar vor dem Treffen wird Schatz im Schloss Waldenstein von Valenti erschossen aufgefunden. An der Wand eine rätselhafte Botschaft.

Die Polizei, unter der Führung von LKA Chef Steinkellner, geht von einem Mord im Obdachlosenmilieu aus.
Valenti recherchiert und sticht bei seinen Nachforschungen in ein Wespennest von aktuellen und längst vergangenen politischen Machenschaften.

War Friedl Schatz dem einen oder anderen Lokalkaiser im Weg? Welche Geheimnisse könnte Schatz gehabt haben? Und, welche Rolle spielt der Stadtrat für Soziales, Krobath, der Schatz und seine arbeits- und obdachlosen Freunde aus der gewohnten Umgebung reißt und sie in die halbverfallene und am äußersten Stadtrand von Wolfsberg gelegenen alten Volksschule Waldenstein verbannt? Sozial klingt das nicht.
Auch die Rolle von Armin, Friedls bestem Freund, sieht im Lichte der ersten Erkenntnisse seltsam aus.

Ernesto Valenti lässt sich in seinem nunmehr dritten Fall nicht unterkriegen und löst den, durch einige Wendungen überraschenden Fall bravourös.

Meine Meinung:

Autor Wilhelm Kuehs ist durch seine Krimi-Reihe um Ernesto Valenti bei Kärntens Politikern nicht ganz so beliebt. Stößt er doch die den Finger in offene Wunden, die da heißen: Vetternwirtschaft der übelsten Sorte, dem Debakel der HypoAlpeAdria sowie dem einem oder anderen obskuren Vermächtnis des verunglückten Landehauptmanns. Die eine oder andere Idee, die Kuehs in seinen Krimis verarbeitet, hat ein unbeabsichtigtes Pendant in der Wirklichkeit.

So treffen wir auch in diesem Krimi auf alte Seilschaften, verborgene Geheimnisse und dubiose Verstrickungen.

Die Story wird fesselnd erzählt. Die Handlung schlägt einen Haken nach dem andern. Kaum glaubt man, den Täter ausfindig gemacht zu haben, muss man feststellen, vom Autor aufs Glatteis geführt worden zu sein.

Sehr gute hat mir die Einbettung von seinem Buch „Sagen aus Kärnten“ gefallen. Die Beschreibung von Wolfsberg und Umgebung ist gut gelungen. Die Geschichte der Stadt wird uns unterschwellig und elegant vorgestellt. Mir gefällt es, wenn ich historisches aus jener Umgebung erfahre, in dem eine Geschichte, ein Krimi spielt.

Fazit:

Wieder ein böser Krimi aus Kärnten, dem ich gerne 5 Sterne gebe.

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