Wilhelm Raabe

 3,7 Sterne bei 177 Bewertungen
Autor von Stopfkuchen, Die schwarze Galeere und weiteren Büchern.
Autorenbild von Wilhelm Raabe (©Kein Urheberrecht mehr)

Lebenslauf

Wilhelm Raabe, auch unter dem Pseudonym Jakob Corvinus bekannt. * 8. September 1831 in Eschershausen † 15. November 1910 in Braunschweig Raabe war ein mehrfach ausgezeichneter deutscher Schriftsteller/ Erzähler und Vertreter des peotischen Realismus mit Hang zur Gesellschaftskritik. Nach dem Tod des Vaters zog er mit seiner Familie nach Wolfenbüttel. Er brach sowohl Schule und Buchhandelslehre ab und scheiterte beim Versuch, das Abitur zu machen. Dennoch studierte er als Gasthörer Philologie an der Friedrich-Wilhelms-Universität, der heutigen Humboldt-Universität. Hier entstand sein Pseudonym, mit dem er "Die Chronik der Sperlingsgasse" veröffentlichte, was sein größter Erfolg blieb. Er heiratete 1862 Berta Emilie Wilhelmine Leiste und hatte mit ihr vier Töchter. Raabe verfasste im Laufe der Zeit noch 86 Romane, Erzählungen und Novellen, sowie einige Gedichte, um sich damit das Leben als freier Schriftsteller finanzieren zu können. Er lebte sowohl in Wolfenbüttel als auch in Stuttgart, verbrachte aber 40 Jahre seines Lebens in Braunschweig, wo er zuletzt auch gestorben ist. Er lebte dort im sogenannten Raabe-Haus, in dem sich heute eine Ausstellung über ihn, wie auch eine Raabe-Forschungsstelle befindet.

Neue Bücher

Cover des Buches Wer kann es wenden? (ISBN: 9783835362116)

Wer kann es wenden?

Neu erschienen am 16.09.2026 als Gebundenes Buch bei Wallstein Erfolgstitel - Belletristik und Sachbuch.
Cover des Buches Im alten Eisen (ISBN: 9783835362109)

Im alten Eisen

Neu erschienen am 16.09.2026 als Gebundenes Buch bei Wallstein Erfolgstitel - Belletristik und Sachbuch.

Alle Bücher von Wilhelm Raabe

Cover des Buches Stopfkuchen (ISBN: 9783738772838)

Stopfkuchen

(20)
Erschienen am 18.02.2015
Cover des Buches Die schwarze Galeere (ISBN: 9783872910820)

Die schwarze Galeere

(19)
Erschienen am 01.01.2014
Cover des Buches Pfisters Mühle (ISBN: 9783150142387)

Pfisters Mühle

(10)
Erschienen am 19.07.2022
Cover des Buches Holunderblüte (ISBN: 9783150084854)

Holunderblüte

(7)
Erschienen am 01.01.1991
Cover des Buches Die schwarze Galeere /Stopfkuchen (ISBN: 9783596900879)

Die schwarze Galeere /Stopfkuchen

(5)
Erschienen am 07.07.2008
Cover des Buches Else von der Tanne (ISBN: 9783866720503)

Else von der Tanne

(5)
Erschienen am 06.12.2006
Cover des Buches Stopfkuchen (ISBN: 9783641050344)

Stopfkuchen

(3)
Erschienen am 15.10.2010
Cover des Buches Der Hungerpastor (ISBN: 9781482665123)

Der Hungerpastor

(3)
Erschienen am 01.03.2013

Neue Rezensionen zu Wilhelm Raabe

Cover des Buches Else von der Tanne (ISBN: 9783150075753)
Aischas avatar

Rezension zu "Else von der Tanne" von Wilhelm Raabe

Aischa
Fremdsein als Verhängnis

Wilhelm Raabes Erzählung "Else von der Tanne" hat mich sehr erschüttert – gerade weil sie auch 160 Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung nichts von ihrer beklemmenden Aktualität verloren hat. Was Raabe hier schildert, wirkt erschreckend vertraut: Fremdenfeindlichkeit, Ausgrenzung und schließlich Gewalt bis hin zum Mord sind leider keine überwundenen Phänomene, sondern auch in unserer vermeintlich aufgeklärten Gegenwart noch bittere Realität.

Die Novelle ist im Schatten des Dreißigjährigen Krieges angesiedelt, und Raabe macht sehr eindrücklich deutlich, wie sehr die jahrelangen Wirren, Entbehrungen, Gewalterfahrungen und Traumata dieses Krieges die Menschen geprägt haben. Die Dorfbewohner sind misstrauisch, verängstigt und innerlich verhärtet – Fremdes wird nicht als Bereicherung, sondern als Bedrohung wahrgenommen. In dieses Klima stoßen der Magister und seine Tochter Else, die sich zurückgezogen im nahen Wald eine Hütte gebaut haben. Ihre Bildung, ihre Andersartigkeit und ihre Absonderung genügen, um Argwohn zu säen.

Besonders interessant ist die Rolle des Pfarrers, der als vergleichsweise gebildete und reflektierte Figur der Einzige bleibt, der den Kontakt sucht und so etwas wie Menschlichkeit bewahrt. Doch seine Stimme verhallt. Das kollektive Misstrauen steigert sich zunehmend zu einer gefährlichen Eigendynamik, bis es schließlich zu einem brutalen Gewaltausbruch kommt, an dem fast das gesamte Dorf beteiligt ist. Raabe zeigt hier mit großer erzählerischer Klarheit, wie leicht sich Verantwortung im Kollektiv auflöst – eine Problematik, für die auch heute noch keine Lösung in Sicht ist.

Die Sprache ist zwar deutlich als historisch erkennbar, dabei aber überraschend zugänglich und lebendig. Mit etwas Aufmerksamkeit lässt sich der Text gut lesen, und gerade der leicht altertümliche Ton verleiht der Erzählung zusätzliche Eindringlichkeit, ohne sie unnötig sperrig zu machen.

Else von der Tanne ist für mich ein eindrucksvoller, nachdenklich stimmender Klassiker, der weit mehr ist als ein historisches Zeitbild. Raabe hält seiner Leserschaft einen Spiegel vor – damals wie heute. Eine klare Leseempfehlung.

Cover des Buches Hastenbeck (ISBN: 9783849101633)
S

Rezension zu "Hastenbeck" von Wilhelm Raabe

sKnaerzle
Hatenbeck

Zunächst will ich mich mit meiner Rezension Pongokater anschließen. Was er schreibt, denke ich insgesamt auch, habe aber auch noch zwei Anmerkungen.


1. Ich finde Raabes Sprache außerordentlich interessant, gerade weil man sie nicht auf Anhieb versteht, wenn sie von Thema zu Thema mäandert und am Ende doch an der richtigen Stelle ankommt, was man als Leser aber erst viel später merkt. Hier hatte ich aber manchmal das Gefühl, wenn man es zu oft macht, wird diese Sprache auch zur Masche und kann nerven.


2. Es geht auffällig viel um Literatur. Warum nur? Was will uns der Dichter damit sagen? Ich habe nicht die leiseste Ahnung. Das heißt man braucht mal wieder Sekundärliteratur oder liest die Geschichte noch einmal oder macht beides

Cover des Buches Holunderblüte (ISBN: B00EJS14XG)
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Rezension zu "Holunderblüte" von Wilhelm Raabe

parden
Erinnerung aus dem 'Hause des Lebens'...

ERINNERUNG AUS DEM 'HAUSE DES LEBENS'...

Von der Begegnung des lebensunerfahrenen Medizinstudenten Hermann mit dem elfenhaften jüdischen Mädchen Jemima Löw auf dem Friedhof Beth-Chaim in Prag im Frühling des Jahres 1819 erzählt Raabes kunstvoll gebaute Novelle, in welcher der alt gewordene Arzt sich seiner früh verstorbenen Jugendliebe erinnert. Mit dem Eingeständnis persönlicher Schuld verbindet sich das Erkennen der tragischen Züge jüdischen Lebens durch die Jahrhunderte.

Diese Novelle, die zum großen Teil auf dem Prager Judenfriedhof spielt, hat einer der bedeutendsten Vertreter des poetischen Realismus, Wilhelm Raabe (1831-1910), geschrieben. Raabe, der während einer langen Reise zwischen April und Juli 1859 auch Aufenthalt in Prag machte, verarbeitete diese Erlebnisse in der Geschichte von "Der Holunderblüte". Aus der Erinnerungsperspektive eines älteren Arztes wird eine Jugendgeschichte erzählt, die sich 40 Jahre zuvor zugetragen hat.

Als junger Student, der bislang ein rechtes Lotterleben in Wien führte, fährt der Ich-Erzähler Hermann nach Prag, das seines medizinischen Lehrstuhls wegen berühmt war, um seine Studien ernsthaft fortzusetzen. Kaum in Prag angekommen, möchte er dem "berühmten Kirchhof der Juden" einen Besuch abstatten. 


"Seit tausend Jahren hatten sie hier die Toten des Vokes Gottes zusammengedrängt, wie sie die Lebenden eingeschlossen hatten in die engen Mauren des Ghetto. Die Sonne schien wohl, und es war Frühling, und von Zeit zu Zeit bewegte ein frischer Windhauch die Hulunderzweige und -blüten, dass sie leise über den Gräbern rauschten und die Luft mit süßem Duft füllten; aber das Atmen wurde mir doch immer schwerer und sie nennen diesen Ort Beth-Chaim, das Haus des Lebens?! Aus dem schwarzen, feuchten, modrigen Boden, der so viele arggeplagte, misshandelte, verachtete, angstgeschlagene Generationen lebendiger Wesen verschlungen hatte, in welchem Leben auf Leben versungen war wie in einem grundlosen, gefräßigen Sumpf, - aus diesem Boden stieg ein Hauch der Verwesung auf, erstickender als von einer unbeerdigten Walstatt, gespenstisch genug, um allen Sonnenglanz und allen Frühlingshauch und allen Blütenduft zunichte zu machen..."



Dort begegnet der junge Student jedoch dem jungen Mädchen Jemima Löw. Gemeinsam mit ihr erkundet Hermann den Friedhof, und bald schon erliegt der junge Mann immer mehr der Faszination des geheimnisvollen Ortes, in dessen Geheimnisse und Geschichte er  geduldig eingeführt wird. So vergeht der Sommer, bis Jemima schließlich an einem Tage mitten im Herbst auf den Grabstein der Tänzerin Mahalath deutet, die hier 1780 beerdigt wurde, und dem Studenten bekennt, dass sie das sei. Auf die ungläubige Nachfrage was es damit auf sich habe, antwortet sie dem Erschrockenem: "Sie hatte ein krankes Herz, und es zersprang." Sie gesteht dem Studenten ihre Krankheit und spricht davon, nicht mehr lange zu leben. Die Ankündigung ihres eigenen Todes für den nächsten Frühjahr läßt Hermann seine tiefe Liebe zu dem Mädchen spüren. Aufgewühlt verlässt er nach einem gutgemeinten Ratschlag Prag und setzt seine Studien in Berlin fort.

Hermann vertieft sich während des Herbstes und Winters in seine Studien, und erst im kommenden Frühjahr kehrt durch das Lachen eines Mädchens seine Erinnerung an Prag, den Judenfriedhof und vor allem an Jemima zurück. Plötzlich spürt er, dass er nach Prag zurückfahren muss. Dort angekommen, erhält er Gewissheit: Jemima ist acht Tage zuvor verstorben, genau wie sie es angekündigt hatte.

Dies war meine erste Begegnung mit einem Werk von Wilhelm Raabe. Die Gestaltung der Novelle fand ich ansprechend: die Erlebenisse des alternden Arztes als Rahmenhandlung, darin eingebettet seine Erinnerung an den Prager Judenfriedhof und an seine Jugendliebe, als Kernstück darin die Erzählung von der Tänzerin Mahalath, die auf dem jüdischen Friedhof in Prag begraben liegt. Neben der tragisch-melancholischen Geschichte selbst erfährt der Hörer hier auch einges zum Leben der Juden in Prag im 18. und 19. Jahrhundert - wieder einmal als unerwünschtes Volk, das zusammengepfercht in einem Ghetto leben musste und dafür auch noch kräftig zur Kasse gebeten wurde. Wilhelm Raabe setzt hier den Studenten Hermann mit einer sehr toleranten Haltung dem allgemeinen Zeitgeist entgegen.

Heinz Kilian liest die 1 Stunde 14 Minuten lange Hörbuchfassung getragen und ist die passende Stimme für die Erinnerungen eines alternden Arztes. Die Aufnahme selbst ist jedoch stellenweise merkwürdig hallend, was den Hörgenuss etwas mindert. Durch die sehr altertümliche Sprache - die Novelle entstand zwischen November 1862 und Januar 1863 - war es anfangs etwas mühsam, in die Erzählung hineinzufinden, doch dann konnte ich die sorgfältig gesetzten Worte wirklich genießen. Stets jedoch war höchste Konzentration gefordert, um den Anschluss nicht zu verlieren.

Ein besonderes Hörerlebnis, das einmal mehr zeigt, wie gut es ist, dass alte Texte nicht verloren gehen, sondern immer einmal wieder neu aufgelegt werden.


© Parden

Gespräche aus der Community

Cover des Buches Die Chronik der Sperlingsgasse
Kroener_Verlags avatar
Kroener_Verlag
Liebe Leser,

gerade ist bei uns diese Ausgabe von Raabes »Chronik der Sperlingsgasse« erschienen. Sie ist Teil der Reihe ›Erlesenes Lesen‹: Liebhaberausgaben mit Leineneinband und Lesebändchen, Bildern aus der Zeit, Anmerkungen, Nachwort und Zeittafel von Joachim Bark, die auch dem ganz normalen Leser einen tieferen Zugang zum Text ermöglichen sollen. Das Besondere hier ist außerdem, dass der Text mit Zeichnungen von Raabes eigener Hand illustriert ist. Und: Wer »Die Chronik der Sperlingsgasse« noch nicht kennt, sollte das unbedingt nachholen! Für uns die Wiederentdeckung des Jahres!
Wir sind also sehr gespannt darauf, wie Euch diese Ausgabe gefällt.

Mit herzlichen Grüßen
Euer
Alfred Kröner Verlag
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Zusätzliche Informationen

Wilhelm Raabe wurde am 08. September 1831 in Eschershausen (Deutschland) geboren.

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