Wilhelm Raabe Stopfkuchen

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Inhaltsangabe zu „Stopfkuchen“ von Wilhelm Raabe

Wilhelm Raabe (1831-1910) erzählt in seinem 1891 veröffentlichten Kriminalroman eine komplexe Mordgeschichte: Eduard, der schon lange in Afrika lebt, ist noch einmal in seine norddeutsche Heimatstadt zurückgekehrt. Dort ist sein Freund Heinrich, von allen nur "Stopfkuchen" genannt, inzwischen Besitzer eines Bauernhofs, dessen früherer Besitzer angeblich einen Viehhändler ermordet haben soll. Doch Heinrich kennt den wahren Mörder; bei einem Fest offenbart er Eduard sein Wissen. Aufgewühlt schreibt Eduard auf der Rückfahrt mit dem Schiff das Erlebte auf. (Quelle:'Flexibler Einband/01.01.2015')

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  • Rezension zu "Stopfkuchen" von Wilhelm Raabe

    Stopfkuchen
    Gospelsinger

    Gospelsinger

    24. November 2010 um 20:51

    Wir alle kennen solch einen Mann: Von sich und seiner Überlegenheit überzeugt, auch Geschichten so erzählend, dass er immer besonders gut wegkommt, sich in sich selbst sonnend. Die beiden Protagonisten der „See- und Mordgeschichte“ gehören genau diesem Typus an. Eduard ist weit gereist und in eigener Sicht weltgewandt und intellektuell. Auf die in seinen Augen rückständigen Daheimgebliebenen blickt er herab. Als er in seinen Heimatort zurückkehrt, trifft er „Stopfkuchen“, der schon als Schüler ein Außenseiter war und den er für beschränkt hält. Hier wird diese im 19. Jahrhundert spielende Geschichte modern. Denn das eigentliche Thema ist nicht die Seefahrt oder der im Ort begangene Mord, sondern die Art des Umgangs mit dem „Stopfkuchen“ genannten Heinrich, die man heute neudeutsch als Mobbing bezeichnen würde. Alle Merkmale des Mobbings sind vorhanden, samt derer Folgen. Unser ach so modernes Problem ist in Wirklichkeit also uralt. Heinrich, der ausführlich von sich und seinem Leben erzählt und dabei auch die erlittenen Kränkungen nicht außen vor lässt, hat diese überwunden und seinen Weg gemacht. Er steht sogar materiell besser da und ist belesener als der weit gereiste Eduard. Die Erzählung strotzt vor historischen und literarischen Anspielungen, die im Anhang erklärt sind und die Lektüre zu einem intelligenten Spaß machen. Ergänzt wird diese edle Ausgabe durch ein lesenswertes Nachwort. Dies war das erste Buch von Wilhelm Raabe, das ich gelesen habe und ich freue mich schon darauf, auch seine anderen Bücher für mich zu entdecken.

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  • Rezension zu "Stopfkuchen" von Wilhelm Raabe

    Stopfkuchen
    Xirxe

    Xirxe

    01. November 2009 um 15:40

    Stopfkuchen - eines der Spätwerke Wilhelm Raabes. Eduard, nach vielen Jahren in Afrika lebend zu Besuch in seiner Heimatstadt, kehrt an seinem vorletzten Tag bei seinem alten Jugendfreund Stopfkuchen ein. Dieser erzählt Eduard seine Lebensgeschichte und bringt nebenbei Licht in das Dunkel eines unaufgeklärten Mordes, dessen sein Schwiegervater verdächtigt wurde. Am Tag danach kehrt Eduard per Schiff zurück nach Afrika und schreibt während dieser Reise das Erzählte nieder. Das Ganze ist nicht gerade leichte Kost, was weniger am Inhalt liegt als an der altertümlichen Sprache (geschrieben wurde das Werk 1891) sowie der zeitweise langatmigen und wiederholenden Ausführungen der Hauptperson Stopfkuchen. Beeindruckend ist jedoch wieviele Anspielungen und doppelsinnige Bedeutungen in dieser Geschichte enthalten sind - die man ohne entsprechende Hinweise jedoch nur schwerlich entdeckt (hier ist die Reclam-Ausgabe empfehlenswert: 17 Seiten Anmerkungen). Macht man sich die Mühe, auch das 19seitige Nachwort zu lesen (ebenfalls Reclam-Ausgabe) erschließen sich einem Blickwinkel, die man in diesem Buch wohl nicht so ohne weiteres vermutet hätte (auch im Hinblick darauf, dass dieses Buch viel von Raabes Leben widerspiegelt, wenn auch sehr verschlüsselt). Hinter der eher schlichten Geschichte offenbart sich eine komplexe Lebenssichtweise, die der Wilhelm Raabes vermutlich nahestand. Fazit: Wer Lesen als reinen Zeitvertreib betrachtet, wird mit diesem Buch sicher nicht allzu viel Freude haben. Allen Anderen jedoch, die bereit sind, etwas mehr Zeit zu investieren, werden erstaunt sein, wieviel hintergründige Bedeutung in diesem Werk enthalten ist.

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  • Rezension zu "Stopfkuchen" von Wilhelm Raabe

    Stopfkuchen
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    16. April 2009 um 11:15

    Hatte das Buch vor 14 Jahren als Prüfungsthema im Abitur. Da ich es aber nur teilweise gelesen hatte - ... - wollte ich schon immer mal reinschauen und sehen, worum es dort wirklich ging. Schließlich hatte ich die Frage nach dem Mörder in der Prüfung nur mit fremder Hilfe lösen können ;o) Raabe lässt seine Protagonisten wunderbar ausschweifend reden, alle Register der deutschen Sprache ziehend und jetzt weiß ich auch, warum ich als 19-Jährige dermaßend überfordert gewesen bin: ich habe diese Sprache nicht verstanden. Erst viele hundert Bücher später und um einige Erfahrung mit deutscher Literatur reicher konnte ich das Buch mit... naja, sagen wir "Genuss" lesen. Anstrengend war es bisweilen aber doch. Durch den ausschweifenden Erzählstil des Protagonisten wird ein guter Spannungsbogen aufgebaut, am Ende aber sitzt man dann doch da und denkt sich: "Jetzt sprich es endlich aus und fang nicht wieder bei Adam und Eva an!" Schön finde ich die Botschaft, die Raabe versucht seinem Leser zu vermitteln: Man mag denken, dass man das Provinzielle hinter sich gelassen hat und in die Welt hinausgegangen ist, und sich für offen und welterfahren halten - so wie Eduard, der das Provinznest seiner Jugend verlassen hat und glaubt in Afrika die weite Welt entdeckt zu haben und alles Deutsche, Kleinbürgerliche hinter sich gelassen glaubt. Am Ende muss er feststellen, dass nicht seine Geschichte die Menschen und auch ihn selbst bewegt, sondern die Geschichte seines Jugendfreundes. Der, den sie als Jungen "unter der Hecke zurückließen" und von dem sie dachten, dass er nicht mit ihnen Schritt halten kann, hat sie alle überholt und sich vom Spißebürgerlichen "emanzipiert". Sein Motto "Geh aus dem Kasten" - die Worte, die Gott zu Noah sprach nach der Sintflut - machen es schön plastisch: Geh aus dem Kasten der Spießbürgerlichkeit, finde zu dir selbst auf der Roten Schanze - die auch noch so schön über der Stadt trohnt. Zurück bleiben die anderen, die Spießbürger, egal ob sie noch in der Kleinstadt unterhalb der Roten Schanze wohnen oder im fernen Afrika. Also, alles in allem schöne Symbolik - es stecken noch mehr Metaphern und Gleichnisse in dem Buch - viel Stoff für "Kamingespräche", könnte aber um einiges einfacher geschrieben sein.

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  • Rezension zu "Stopfkuchen" von Wilhelm Raabe

    Stopfkuchen
    Steerpike

    Steerpike

    01. August 2008 um 13:12

    Eduard kehrt nach vielen Jahren im südafrikanischen Ausland auf einen besuch nach Hause zurück und muss feststellen, dasss sein Jugendfreund, der Landbriefträger Störzer gestorben ist. Bewegt schwelgt er in Erinnerungen und gedenkt auch eines anderen Jugendfreundes, des langsamen, verfressenen und faulen, aber gutmütigen Heinrich Schaumanns, genannt "Stopfkuchen". Und er denkt an ihre Besuche auf der "Roten Schanze" einem vom Deutsch-Französischen Krieg her fortifizierten und fruchtbaren Stücks Land, das der finstere Bauer Quakatz mit seiner Tochter Valentine und einer Meute Hunde bewohnte. Quakatz, so ging in der Jugendzeit Eduards das Gerücht, habe den Viehhändler Kienbaum im Streit erschlagen, wenn er auch mangels beweisen niemals verurteilt wurde und die Tat Zeit seines Lebens bestritt. heinrich hat Valentine inzwischen geheiratet und haust auf der "Roten Schanze" in einem arkadischen Zustand. Eduard beschließt ihn dort zu besuchen. Von diesem Nachmittag berichtet der Roman in nicht chronologischer Form, stets in die Vergangenheit der Freunde und in die Zukunft Eduards springend, der die Gespräche dieses Nachmittags auf seiner Schiffsreise zurück nach Pretoria aufzeichnet. Zentrum des Nachmittags ist die Aufarbeitung der Lebensgeschichten und die Aufklärung des Mordes an Kienbaum. Es stellt sich nämlich heraus, dass Stopfkuchen seit lager Zeit die Wahrheit kennt. "Mein bestes Werk, denn hier habe ich die menschliche Kanaille am festesten gepackt." (Raabe) Das scheint es mir gut zu treffen und lässt sich vor allem an der Figur des Landbriefträgers Störzer zeigen. Im Grunde wird nämlich Störzer zur eigentlichen Hauptfigur, sein einsames Begräbnis am Ende fast zum tragischeren Ereignis als das einsame Leben des Andreas Quakatz. Störzer ist eine getretene, subalterne Figur, die in einem Moment der Unbeherrschtheit drei Leben zerstört. Der einzige Moment des Aufbegehrens nach einem Leben in stiller Duldsamkeit wird zur in ihrem Ausmaß unbegreiflichen Katastrophe. Eine wirklich bewegende Figur. Die sehr ausufernde, dem Volk aufs Maul schauende erzählweise des Romans machte mir die Lektüre im übrigen nicht ganz leicht. Die viele wörtliche Rede von Figuren, die gern nicht auf den Punkt kommen bzw. dem Punkt aus den verschiedensten Gründen ausweichen, war manchmal schon ein bisschen ermüdend zu lesen. Doch irgendwie besteht in dieser mäandrierenden Fülle des Textes auch ein gewisser Teil seines Reizes. Raabe scheint mir in diesem Text von 1890 schon auf einem sehr naturalistischen Pfad zu wandeln.

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