Wilkie Collins Gruselgeschichten

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Inhaltsangabe zu „Gruselgeschichten“ von Wilkie Collins

Sonderausgabe. Illustr. 272 S. (Quelle:'Sonstige Formate/01.11.1991')
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  • Rezension zu "Gruselgeschichten" von Wilkie Collins

    Gruselgeschichten
    rumble-bee

    rumble-bee

    17. January 2012 um 22:06

    Dies war ein Buch, das ich ganz ungeniert als "Lesevergnügen" im ureigensten Wortsinn bezeichnen würde. Nichts hoch Kompliziertes, vielleicht auch keine Weltliteratur - obwohl ich mir dabei nicht so sicher bin. Denn immerhin ist Wilkie Collins, wenn nicht der "Vater" der Kriminal- und Detektivgeschichte, so doch mindestens deren Geburtshelfer gewesen. Einen Stern Abzug gibt es, weil meiner Ansicht nach der Titel des Buches ein klein wenig verfehlt ist. Enthalten sind 5 Geschichten, von denen ich nur 3 als im engeren Sinne "gruselig" bezeichnen würde. Die 2 restlichen Geschichten sind für mich eher "unerhörte Begebenheiten", die ebenso Elemente aus Detektiv-Erzählungen haben. Vergleichbar auch mit einem längeren Zeitungsartikel unter "Verschiedenes". Wahrhaftig unerhört für die damalige Zeit finde ich aber die Bandbreite der erzählerischen Mittel. Wilkie Collins hat sich wirklich alle Mühe gegeben, seine Geschichten so zu verpacken, dass man sie für real hält, und unmittelbar in den Sog des Geschehens gezogen wird. Da haben wir Briefwechsel, Erzählungen am Biertisch, diverse Verschachtelungen (der eine erzählt's dem anderen, und der dann wieder weiter), Rahmenhandlungen, Visionen und Vorahnungen, und noch mehr. Ferner fällt auf, dass er all diese Techniken dann später in seinen großen Romanen angewendet und vervollkommnet hat - wie eben z.B. in "Der rote Schal", den ich erst kürzlich las. Wilkie Collins ist also unbedingt ein Schriftsteller, der sich entwickelt hat, und der sein Handwerk auch als solches verstand. Die Sprache ist, trotz der recht großen zeitlichen Distanz, immer noch angenehm zu lesen. Collins ist ein "Erzähler", ein Künstler, der eine einmal ausgeworfene Idee immer konsequent bis zum Ende spinnt. Alle Geschichten haben einen "roten Faden", und verlassen sich auf eindrückliche Charakterisierungen ihrer Figuren. Auffällig ist dabei nur, dass Frauen in seinem Werk entweder eher passiv sind, oder die Rolle der Verführerin, oder der Schuldigen innehaben. Keine strahlenden Heldinnen also. Ein Produkt seiner Zeit? Über Collins' Privatleben weiß ich leider zu wenig, als dass ich das beurteilen könnte. Ich fand die Mischung der hier vertretenen Geschichten sehr ansprechend, eben weil nicht alle typische Gruselgeschichten sind. Da geht es z.B. um vertauschte Babys, ein grausiges Beichtgeheimnis und dessen Folgen, oder eine mörderische Vision, die nach 8 Jahren Wirklichkeit wird. Zudem ist das Papier recht dick, und die Schrifttype recht groß - man kann das Buch also als geübter Leser problemlos an einem Tag verschlingen. Man kann sich ins Sofa kuscheln und wunderbar schaudern - oder auch mitfiebern. Und man kann sich freuen, dass es das wirklich (noch) gibt - Erzähler, die ihr Publikum ernst nehmen.

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