Wilkie Collins Jezebels Tochter: Criminal-Roman (dtv Klassik)

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Inhaltsangabe zu „Jezebels Tochter: Criminal-Roman (dtv Klassik)“ von Wilkie Collins

Ein Muss für Schmökerfans und Krimiliebhaber Die Witwe Jezebel Fontaine tut alles, um ihre gutherzige, aber aufgrund ihres gesellschaftlichen Status nicht eben chancenreiche Tochter möglichst gut zu verheiraten. Jezebels Charme und Überzeugungskraft und nicht zuletzt der Besitz geheimnisvoller Giftfläschchen leisten ihr dabei gute Dienste. Allerdings hat sie nicht mit Mrs Wagner ge-rechnet, die im Haus des anvisierten Bräutigams zu tun hat. Von Natur aus misstrauisch, kommt die alte Dame der Lösung der rätselhaften Giftanschläge immer näher. Doch es ist ein Spiel gegen die Zeit ...Wilkie Collins spinnt ein feines Geflecht aus Geheimnissen und Intrigen, das bis zur letzten Seite fasziniert.

Unterhaltung und Spannung auf hohem Niveau!

— Miamou

Spannend und überraschend amüsant zugleich. Zwei starke Frauenfiguren und ein armer Irrer, der hier für so einige Überraschungen sorgt.

— Betsy
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  • Wenn die Mutter für die Tochter....

    Jezebels Tochter: Criminal-Roman (dtv Klassik)

    Miamou

    20. July 2017 um 17:40

    „Jezebels Tochter“ erschien 1880, wirkt aber kein bisschen abgestaubt, denn Wilkie Collins sorgt mit einer ordentlichen Portion Spannung und Humor, sowie einer raffinierten Geschichte und vielschichtigen Charakteren für eine Leseerlebnis das wahrscheinlich nur wenige heutige Kriminalromanautoren bieten können. Die schöne, aber arme Minna Fontaine liebt den reichen Kaufmannssohn Fritz Keller und umgekehrt – aber Vater Keller ist dagegen. Da besinnt sich Mutter Jezebel Fontaine auf ihre gestohlenen Giftfläschchen. Doch sie hat nicht mit dem geheimnisvollen Jack Straw und Mrs. Wagner aus London gerechnet, die beide im Haus des zukünftigen Bräutigams zu tun haben. Die Geschichte wird von Mrs. Wagners Neffen David erzählt, der beschreibt, was etwas vor einem halben Jahrhundert passiert ist. Einiges hat er selbst miterlebt, anderes kennt er nur vom Hören – Sagen, aus Briefen oder Tagebuchaufzeichnungen. Mit dieser Erzähltechnik wirkt es irgendwie so, als ob diese Geschichte zu der Zeit wirklich so stattgefunden haben könnte. Deswegen wirkt David in seinem Erzählstil auch sehr nüchtern und er wird für den Leser auch schwer greifbar. Er ist eher der Beobachter der Geschichte und mischt sich nur wenig in das Geschehen ein. Er scheint dann auch mehr als naiv und man könnte ihn dafür schütteln, weil er seinen Mund so selten aufbekommt. Andererseits ermöglicht dieses „Nüchtern – Sein“ aber auch gleichzeitig, dass er als Erzähler mehrere Erzählstränge zusammenknüpfen kann. Und im Grund ist es schön, wenn der Erzähler so wertfrei wie möglich bleibt (es darf aber so viel verraten werden, dass ihm das an manchen Stellen dann aber auch wieder gar nicht gelingt, sodass er nicht vollkommen unmenschlich wirkt).Um gleich bei den Figuren zu bleiben – sie sind eines der großen Pluspunkte der Geschichte. Allen voran die beiden Damen, die wie die Elemente Feuer und Wasser wirken. Sie sind die wirklich großen Figuren in der Geschichte und ein Gegensatzpaar, das Ihresgleichen sucht. Während Mrs. Wagner zwar sehr resolut ist, aber gleichzeitig auch eine sehr emotionale Seite an den Tag legt, die mitunter auch sehr vernunftgesteuert im positiven Sinne ist, ist Madame Fontaine das genaue Gegenteil. Sie wirkt von Anfang an sehr durchtrieben, die versucht ihre weiblichen Reize in das rechte Licht zu rücken, um, ohne Rücksicht auf Verluste, das zu bekommen, was ihr vermeintlich zusteht. Gleichzeitig ist sie aber nicht das „Böse“ per se, denn sie liebt ihre Tochter Minna über alles, zahlt aber schlussendlich einen hohen Preis dafür. Wenn dann solche Gegensätze aufeinanderprallen, kann man sich als Leser natürlich darauf einstellen, dass es zu Szenen kommt, die man einfach nur gerne lesen will. Was auch hier der Fall war. Mit einer gehörigen Portion Ironie lässt Collins die beiden Mädls aufeinander zulaufen und sie schenken einander nichts. Sehr gut gefallen haben mir auch viele Nebenfiguren, wie etwa Hr. Engelmann (ein Geschäftspartner von Mrs. Wagner), Schwarz (der erst zu Ende der Geschichte auftaucht), der Arzt (der in regelmäßigen Abständen vorbeischaut, aber erst am Schluss sein richtiges Potential enthüllt) und natürlich Jack Straw, der in die ganze Handlung etwas äußerst Geheimnisvolles bringt und sie dadurch mehr als aufmischt. Minna und Fritz, ihren Bräutigam, fand ich ein wenig klischeehaft dargestellt, trotzdem durften sie nicht fehlen, weil eben die beiden für mich die gesamte Handlung ins Rollen brachten. Womit wir bei der Handlung wären. Das Um und Auf des Buches – die Geschichte ist raffiniert, geistreich, spannend und unterhaltend. Also Alles, was man braucht. Zugegeben wirken manchen Ereignisse, wenn man sie reflektiert betrachtet sehr unrealistisch, aber trotzdem hat Collins es geschafft, dass er diesen Ereignissen vorangehende gekonnte Erklärungen liefert und man daher auch alles glaubt, was man liest. Eine wirklich erstaunliche und meisterhafte Leistung. Das Ende mutet vielleicht ein wenig skurril an – etwas das ich persönlich sehr gerne mag, womit aber bestimmt nicht jeder zurechtkommt. Und nebenbei setzt sich Collins in „Jezebels Tochter“ für die Gleichberechtigung der Geschlechter ein und prangert die Zustände in den Psychatrien von damals an – ein weiterer Pluspunkt, wenn man bedenkt, wann der Roman erschienen ist. Wie vielleicht schon bemerkt, bin ich von diesem Klassiker sehr angetan und ich empfehle ihn daher bedenkenlos weiter.

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  • Alles nur Zufall oder ein böses Spiel?

    Jezebels Tochter: Criminal-Roman (dtv Klassik)

    Betsy

    Die junge und liebreizende Minna hat es nicht leicht, da sie durch ihre Mutter Madame Fontaine, die mit dem Namen Jezebel von der Gesellschaft betitelt wird und wenig Ansehen genießt, vielleicht ihre große Liebe Fritz zu verlieren droht, da sein Vater alles andere als begeistert die Beiden in ihre Familie aufzunehmen. Doch niemand hat damit gerechnet wie raffiniert und charmant diese sein kann, wenn sie etwas erreichen will, dabei kommen ihr ein Paar Arzneien ihres verstorbenen Mannes, der Chemiker war, durchaus gelegen. Scheinbar scheinen nur Mrs. Wagner und ihr Neffe David, die mit Fritz Vater geschäftlich in Verbindung stehen und seine Gäste sind, ein ungutes Gefühl bei der Dame zu haben. Und dann gibt es da noch Jack Straw, der von Mrs. Wagner auf der Psychatrie geholt wurde und dieser, seiner Mistress, treu ergeben ist und hier die ganze Geschichte dann noch ordentlich aufmischt. Ob das alles wohl gut enden wird?Das Buch hat mich positiv überrascht, da es stellenweise enorm unterhaltsam war und durch einige Figuren enorm punkten konnte. Zwar blieben vor allem die jüngeren Leute, also David, Minna und Fritz sehr einseitig und naiv, aber sie zeigen auch mal wieder wie unbedarft die Jugend doch ist. Dennoch hätte man vor allem David teilweise gerne mal geschüttelt, weil er den Mund nicht aufkriegt, Minna scheinbar immer vor Kummer vergeht und Fritz durch seine emotionale Art zwar anfänglich amüsiert, aber dann im weiteren Verlauf eher nervt.Die Geschichte wird von David erzählt und besteht aus 2 größeren Teilen. Im ersten erlebt man das Geschehen direkt aus Davids Sicht mit und wie letztendlich er, durch seine zufällige Bekanntschaft mit einer jungen Dame eigentlich alles erst ins Rollen bringt, denn dieses liebreizende Mädchen ist natürlich Minna, die Freundin von Fritz, der momentan bei Davids Tante Mrs. Wagner weilt und dort vor Liebeskummer vergeht. Dagegen wird der 2. Teil von David aufgrund der ihm vorliegenden Tagebucheinträge, Briefe und Gesprächen mit den beteiligten Personen erzählt. Es ist aber dennoch so geschrieben, dass die Geschichte direkt, nur ohne Davids Anwesenheit, nach Ende des 1. Bandes weiterläuft. Erst am Ende greift David wieder aktiv in die Geschichte ein und man findet sich erneut in seiner Perspektive wieder.Ein toller Kontrast sind die zwei so starken und unterschiedlichen Frauenfiguren in dieser Geschichte. Da wäre auf der einen Seite die Witwe Madame Fontaine, die im Leben nicht unbedingt das bekommen hat was sie meinte, dass ihr zusteht und einzig in ihrer Tochter einen Trost findet, für deren Glück sie alles tun würde. Dabei erschleicht sie sich geschickt das Vertrauen von anderen, ist aber auch zeitweise ziemlich direkt und wickelt die Männer durch ihre schläfrigen Augen und ihrem Charme gekonnt um die Finger, dabei ist sie extrem verschlagen und intelligent. Auf der anderen Seite haben wir dagegen die resolute Witwe Mrs. Wagner, die ihren Mann sehr geliebt hat und nun nach dessen Tod nicht nur die Leitung der Geschäfte übernimmt, sondern auch hinter den teilweise radikalen und verpönten Ideen sowie Ansichten ihres Mannes festhält, wozu unter anderem auch das Engagement für die psychatrische Klinik Bethlem Royal Hospital (kurz Bedlam). Skandalös zu den damaligen Zeiten, besonders für eine Frau, was zusätzlich dann noch für einige unterhaltsame Momente in der Geschichte sorgt. Mrs. Wagner selbst ist wie ein Sturm, ehrlich und direkt, energisch und energiegeladen und vor allem scheint sie sich von Madame Fontaine nicht so einfach zum Narren halten zu lassen.Dann gibt es noch den unberechenbaren Jack Straw, dessen sich Mrs. Wagner aus der Psychatrie annimmt und der hier eine wichtigere Rolle spielt als gedacht, wobei er vor allem durch seine kindlichen Gedanken gemischt mit seinen durchaus logischen Ansichten und seiner treuherzigen Art gegenüber Mrs. Wagner das Geschehen ordentlich aufwirbelt und dabei, ohne es wirklich zu begreifen, Madame Fontaine mit ihren Absichten in die Quere kommen könnte.Auch die anderen Figuren sind sehr gut geschildert und tragen sehr zum Humor der Geschichte bei, dennoch waren diese 3 Figuren hier die schillerndsten, sowie facettenreichsten und prägten diese Handlung wohl am meisten. Dazu dann noch die ominösen Vorkommnisse die rund um Madame Fontaine herrschen, sowie ihr Verhalten und ein Arzneimittelkästchen, das scheinbar nicht nur harmlose Medizin zu beherbergen scheint, tragen ihres zur Spannung bei und schon bald fragt man sich selbst, ist Madame Fontaine nur ein unglückliches Opfer in dieser Geschichte oder sind dann doch ein paar Zufälle zuviel des Guten in ihrer Umgebung und sie hat ihre Hände mit im Spiel? Wer es herausfinden will, sollte unbedingt das Buch lesen!Fazit: Spannend, atmosphärisch, kurzweilig und überraschend amüsant. Die Geschichte baut langsam aber sicher die Spannung auf und man vermutet hier oftmals mehr an mörderischem Treiben als es tatsächlich gibt. Das Buch lebt hier vor allem durch die 2 Witwen und den verwirrten und teils unberechenbaren Jack Straw, der scheinbar nur von Mrs. Wagner unter Kontrolle gehalten werden kann. Leider wurde es mir persönlich am Ende etwas zu phantastisch, die Figuren von Minna, Fritz und David blieben zu einseitig und obwohl die Geschichte wirklich gut ist und alles in allem grandios endet, kam mir manches zu kurz. Dafür ist die Darstellung der hingebungsvollen Mutter in Gestalt von Madame Fontaine, die dabei dann und wann Grenzen überschreitet, sowie ihr schwerer Stand in der Gesellschaft, in der sie herablassend als Jezebel betitelt wird, sehr komplex angelegt, sodass man teilweise fast schon etwas Mitleid mit ihr hat, da sie durchaus kein gänzlich abgebrühter Mensch ist. Letztendlich war es aber doch ihr Egoismus und Ehrgeiz, der ihren Weg zeichnete. Ansonsten ist es fast schon komisch wie alles letztendlich endet, weil es so passend erscheint. 4,5 Sterne von mir!

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