Will Self

 3.6 Sterne bei 23 Bewertungen
Autor von SPASS, Die schöne Welt der Affen und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Will Self

Will Self, geboren 1961 in London, gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Autoren Englands. Er studierte Philosophie und arbeitet heute als Schriftsteller, Journalist, Zeichner und Kritiker. Self lebt in London. Sein aktueller Roman "Leberknödel" erscheint im Herbst 2015 bei Hoffmann und Campe.

Alle Bücher von Will Self

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Die schöne Welt der Affen

Die schöne Welt der Affen

 (5)
Erschienen am 28.07.1998
Leberknödel

Leberknödel

 (3)
Erschienen am 14.03.2018
Wie Tote leben

Wie Tote leben

 (3)
Erschienen am 20.03.2002
Shark

Shark

 (1)
Erschienen am 14.10.2016
Regenschirm

Regenschirm

 (1)
Erschienen am 11.03.2014
Dorian

Dorian

 (0)
Erschienen am 19.06.2008
SPASS

SPASS

 (5)

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Rezension zu "Leberknödel" von Will Self

Will Self | LEBERKNÖDEL
Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr

INHALT: Die siebzigjährige Engländerin Joyce fliegt nach Zürich, um ihrem Leben ein Ende zu setzen. Sie hat Leberkrebs, starke Schmerzen, ihr Körper ist am Ende und solange sie noch klar bei Verstand ist, wählt sie den bewussten Freitod durch Sterbehilfe in einem Hospiz. Doch als Dr. Hohl ihr das Glas mit dem letalen Cocktail überreicht, wird sie von einer Flut von Erinnerungen überwältigt. Sie lehnt das Gift ab und verlässt das Hospiz.

Am nächsten Morgen schon geht es ihr besser. Sie nutzt die neu gewonnene Kraft und zieht in immer größeren Kreisen durch die Stadt. Aus Tagen werden Wochen und ihr Leiden ist wie verflogen. Als sie mit den Gemeindemitgliedern Ulrich Weiss und seiner Partnerin Marianne Kreutzer Bekanntschaft macht, wird die katholische Kirche auf ihren Fall aufmerksam und wittert ein Wunder. Der päpstliche Ehrenkaplan Reiter wird auf sie angesetzt, um weitere Untersuchungen mit ihr durchzuführen und genügend Beweise für eine eventuelle Seligsprechung zu sammeln. Doch davon will Joyce nichts wissen; sie will ihr geschenktes Leben in allen Zügen genießen.

FORM: Will Self schreibt gekonnt verschlungene Sätze voller Informationen und Einschübe, selbst Joyce‘ eigene Gedanken sind kursiv in den erzählenden Text eingeflochten. Diesen Stil hält Self bis zum Schluss aufrecht, und gepaart mit seiner Metaphorik, bei der jedes Bild sitzt, und seinem feinen, ganz leisen Humor, ist dieser schmale Roman ein kleines Meisterstück geworden. (Vergleiche sind auf eine Art immer unpassend, aber irgendwie hat mich diese Prosa an die Harry Mulischs erinnert.) Die sieben Kapitel folgen den sieben Sätzen aus Mozarts Reqiuem in d-Moll, dessen Verse immer wieder auftauchen und die Handlung bestimmen.

Was ich an diesem Roman sehr schätze, ist, dass Self auf eine moralische Bewertung verzichtet. Es geht ihm nicht darum, das Thema Sterbehilfe auf den Prüfstand zu heben oder die Ansichten der katholischen Kirche in Frage zu stellen (obwohl deutlich wird, auf welcher Seite er steht). Self will einfach eine gute Geschichte mit allen Facetten erzählen, und das gelingt ihm einfach wunderbar.

Joyce hatte das Alter und ihre Krankheit als Normalität empfunden, die sich eingeschlichen hatten wie eine schlechte Angewohnheit. Man schluckte seine Pillen und ging zur Therapie, weil man es so machte. Und wenn man vielleicht auch mit der Idee spielte, dem Ganzen ein Ende zu setzen, wenn es zu schlimm würde, musste man doch feststellen, dass der Tag, an dem es schlimm genug war, niemals kam, denn viel besser war es in den Tagen zuvor ja auch nicht gewesen. (Seite 200 f.)

Ein großes Lob auch an den Verlag Hoffmann und Campe und an das Favoritbuero München für das Layout: Der gold-bronzene Einband ist ein echter Hingucker.

FAZIT: Das war mein erster Roman von Will Self, mit Sicherheit aber nicht der letzte. Nach allem was ich so von ihm in Erfahrung bringen konnte, handelt es sich um einen höchst interessanten Autor, dem ich mit Freude folgen werde und guten Gewissens weiterempfehlen kann – fünf Sterne.

*** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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sofies avatar

Rezension zu "Regenschirm" von Will Self

Faszinierend
sofievor 4 Jahren

„[…] weil die Bürokraten die ganze Klinik an sich gerissen haben, was eigentlich ganz passend ist, bedenkt man, dass Heilung, welcher Art auch immer, überhaupt nicht angestrebt wird, dass Ärzte und Pfleger über die Jahre – oder Jahrzehnte – zu Patientenschiebern verkommen sind, die ihr tägliches Pensum stapeln, lochen und binden, um es schließlich in diesem Fach abzulegen, in jener Schublade zu versenken.“ (S. 61)

„Regenschirm“ ist ein faszinierendes Buch, das einen in seinen Bann zieht und viel mehr zu bieten hat, als der unscheinbare Titel vermuten lässt. Und das nicht nur, weil es auf fast 500 Seiten keine Kapitel und auch nur wenige Absätze gibt. So fehlen schon allein deshalb die natürlichen Fluchtpunkte, an denen man ein Buch weglegt.

Es geht um Zack Busner, einen Arzt in einer Nervenklinik im London der 70er Jahre. Busner entdeckt eine mögliche Heilung für Patienten, die an der sogenannten Schlafkrankheit leiden und seiner Meinung nach seit Jahrzehnten falsch behandelt werden. Inspiriert wird er dabei von seiner Patientin Audrey Death, die ihm bzw. eher dem Leser so ihre Geschichte erzählen kann. Audrey arbeitete als sogenannte Munitionette während des ersten Weltkriegs in der Kriegsindustrie und engagierte sich in der Frauenbewegung.

Die Perspektiven wechseln in diesem endlos scheinenden Bewusstseinsstrom ständig zwischen Busner und Death, manchmal mitten im Satz, und verweben diese beiden Geschichten so miteinander. Dabei wird sowohl London während des Ersten Weltkriegs lebendig als auch die Zustände in den Heilanstalten in den 70er Jahren. Patienten werden hier nicht behandelt, sie werden verwahrt. Alte Patienten bekommen immer mal wieder neue Diagnosen nach dem neuesten Stand der Forschung, aber Heilung ist nicht das Ziel. Busner versucht hier etwas zu ändern, scheitert aber an sich selbst und am System.

Wenn ich etwas zu kritisieren habe, dann nur dass mir persönlich die Geschichte von Audrey zugunsten von Busner und Audreys Bruder Stanley etwas zu kurz kommt. Ich hätte gern mehr von ihr und ihren Erfahrungen erfahren, eine weibliche Perspektive auf diese Zeit.

Trotzdem kann ich „Regenschirm“ sehr empfehlen, man sollte sich allerdings Zeit nehmen für diesen doch etwas anstrengenden Roman.

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ralluss avatar

Rezension zu "Spass" von Will Self

Der Dicke Kontrolleur
rallusvor 4 Jahren

Ian Wharton wächst in einer Wohnwagenburg an der englischen Küste auf. Sein Vater ist immer unterwegs, in Lesungen, seine Mutter schmeisst den Laden.
Ian Wharton ist dick, häßlich und Eidetiker. Ein besonderer Eidetiker, er kann sich Situationen alleine mit seinem Geiste so vorstellen, dass daraus ein reales Bild wird.
Diese Bilder kann er sogar so drehen, dass er verborgene Dinge sieht, Dinge die er nicht sehen konnte, die z.B. hinter einem Sofa sind.
Sein Mentor ist ein anderer dicker Mann: Mr.Broadhurst, der ihn als Vaterfigur unter seine Fittiche nimmt.
Broadhurst ist noch fetter, eine altersloser Mann, gnadenlos, aufbrausend und unbarmherzig gegen seine Feinde.
Er zeigt Ian wie er Menschen, Situationen manipuliert, die Zeit anhält, sein eidetisches Gedächtnis als Waffe benutzt.
Unter anderem erzählt er ihm, dass wenn er jemals mit einer Frau Sex hat sein Penis abbricht.
Selbst nennt er sich Der Dicke Kontrolleur (Das muss man so aussprechen dass man die Großbuchstaben hören kann)
Ian wird Marketingmanager und versucht die Wunden seiner Kindheit zu heilen, doch Broadhurst, in seiner Jugend verschwunden, taucht plötzlich wieder auf.

Will self bezeichnet sein Buch selbst als Moritat ( Die Moritat behandelt inhaltlich eine Schuld-Sühne-Thematik. u.a.)
Was der Autor mit seinem teils sich selbst im Weg stehenden mächtigen, teils unbekannten Adjektiven, verschwurbelt in unverständlichen Sätzen sagen will?
Ich habe es anscheinend verpasst. Teils liest man aber auch Perlen der literarischen Kunst, die aber im Sumpf des dumpfen Unsinns ausgelöscht werden.

Nach 300 Seiten (von 400) hörte der Spass bei mir auf. Für die wenigen Perlen dazwischen gibts noch 2 Punkte


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Zusätzliche Informationen

Will Self wurde am 26. September 1961 in London (Großbritannien) geboren.

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