Willi Achten

 4.7 Sterne bei 22 Bewertungen
Autor von Nichts bleibt, Die florentinische Krankheit und weiteren Büchern.
Willi Achten

Lebenslauf von Willi Achten

Willi Achten wuchs in einem Dorf am Niederrhein auf. Er studierte in Bonn und Köln und wurde Lehrer in Aachen. Seit den frühen 90er Jahren ist er als Schriftsteller tätig. Achten erhielt mehrere Literaturpreise, darunter den Diotima-Literaturpreis und den Düsseldorfer Lyrikpreis. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne. Willi Achten lebt im niederländischen Vaals.

Neue Bücher

Corso über dem Wind

Neu erschienen am 24.10.2018 als Taschenbuch bei Pendragon.

Alle Bücher von Willi Achten

Nichts bleibt

Nichts bleibt

 (21)
Erschienen am 10.02.2017
Corso über dem Wind

Corso über dem Wind

 (0)
Erschienen am 24.10.2018
Nichts bleibt

Nichts bleibt

 (0)
Erschienen am 13.07.2018
Die florentinische Krankheit

Die florentinische Krankheit

 (1)
Erschienen am 01.12.2010

Neue Rezensionen zu Willi Achten

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D

Rezension zu "Nichts bleibt" von Willi Achten

In der Nachspielzeit des Lebens. „Nichts bleibt“ von Willi Achten
DemianNiehausvor einem Jahr

„Vor den Menschen, vor ihnen muss man Angst haben, immer.“ Dieses Zitat aus Célines „Reise ans Ende der Nacht“ ist Willi Achtens Roman „Nichts bleibt“, erschienen 2017 im Bielefelder Pendragon Verlag, vorangestellt. Und wirklich: Vor den Männern, die wenige Seiten später Franz Mathys' greisen Vater zum Pflegefall prügeln und seinen Hund erschießen, muss man sich fürchten. Sie sind Archetypen des Bösen, bleiben skizzenhaft, angedeutet, blutdurstige, sadistische Bestien. Mit ihnen bricht das Böse in Mathys' Leben ein. Ein Böses allerdings, mit dem er lange geliebäugelt hat: Die Romanhandlung ist durchsetzt von Episoden aus Mathys' Leben als Kriegsfotograf, Srebrenica, Somalia, Sudan. Diese Schilderungen sind nichts für schwache Nerven, schwindelerregend in ihrem schmerzhaften Detailreichtum. Nein: Mathys' Welt ist keine leichte, fröhliche, lebensfrohe. Mit Vater und Sohn bewohnt er ein Haus im Wald, eine karge, einsame Männerwelt, in der lediglich von der kindlichen Neugier des „Jungen“ und den Besuchen von Mathys' Freundin Karen menschliche Wärme ausgeht.
    Nach dem Überfall auf ihren Vater beschließt die Hauptfigur schnell, den Tätern auf die Spur zu kommen, sie gemeinsam mit ihrem Kumpanen Noethen zu jagen, sich zu rächen. Auch vor Mathys muss man sich also ein wenig fürchten: ein schroffer, schwieriger Typ, der Pech hat und der das Pech anzieht. Von Anfang an ist eine Atmosphäre des Verlustes angelegt, und als mehr und mehr Quellen von Menschlichkeit und Sinn wegbrechen, schlittert der Sturkopf Mathys scheinbar unaufhaltsam auf einen Punkt zu, an dem „nichts bleibt“ und das Verlangen nach Rache einziger Antrieb ist.
    So weit, so düster. Im Stil einer klassischen Tragödie ist das Desaster früh angelegt, durchweht es die Handlung von Beginn an. Gleichwohl liegt eine entscheidende Doppeldeutigkeit im Titel von Willi Achtens Roman: Denn natürlich handelt dieser einerseits von einem Mann, dem nichts bleibt, dem jeder Sinn abhanden gekommen ist, der „aus der Zeit gefallen“ ist: „Warten kann eine Qual sein. Die Zeit, in der es nicht mal mehr ein Warten gibt, ist qualvoller.“ Nachdem alles, worauf zu warten sich lohnen würde, weg ist, bleibt lediglich eine „Nachspielzeit“.
    Dabei entdeckt Achten aber ebenso ein Nichts, das bleibt, hinter dem Verlust – hinter dem Sinn. Dies scheint in den skalpellscharfen Naturbeobachtungen auf. Achtens Schreibe ist Chirurgieprosa. Er nimmt sich alle Zeit, die er braucht (immerhin 374 Seiten umfasst das Werk), um Flora und Fauna des Waldes und der Berge, die Taubenzucht, den Wechsel der Jahreszeiten detailreich, aber nie schwatzhaft auszubreiten. Gerade in den „Bergetappen“ des Romans ragt ein außerordentlich stark beschriebenes Naturpanorama über der Handlung, das der kochenden Wut Mathys' erstaunlich indifferent gegenübersteht. Keine Spur von der anthropomorphen Umwelt, die anderswo das Innere spiegelt, von Stürmen, die das Morden vorwegnehmen, oder langen Regenfällen, die den Spätherbst der Seele reflektieren. Achtens Natur ist eine eigenständige, raue, aber kraftvolle, vielleicht irgendwie sogar herzliche Welt.
    Im Kern ist Achtens Buch eine Meditation über die Zeit und das Nichts. Die vergehende Zeit, die immer wieder innehält, Rekurs nimmt auf das Vergangene, „das Glück“. Die Zeitebenen durchmischen sich fortwährend. Die Zeit ist hier ein Fluidum, in sich gekrümmt und verschachtelt, auch wenn sie verfließt. Erst im kurzen letzten Buchteil – paradoxerweise, als Mathys schon „aus der Zeit gefallen“ ist – nimmt die Zeit Fahrt auf, spitzt sich auf einen Fluchtpunkt hin zu. Interessanterweise macht dieses Spiel der Zeit „Nichts bleibt“ erstaunlich leichtfüßig. Leicht, beinahe schwindelig wird einem zumute ob der von Beginn an spürbaren Tragödie, die sich unaufhaltsam ihren Weg bahnt – schwindelig wie beim Blick in die Tiroler Bergschluchten auf den letzten Buchseiten. Die elegische Handlung aus dysfunktionalen Beziehungen und ungünstigen Zufällen bekommt sozusagen den Charakter eines Spiels, eines Schauspiels auf einer Bühne aus belebtem Wald und schroffen Felsen, einer gewissermaßen planetaren Zeit, die, das spüren wir, Mathys aushalten kann – und selbst das Böse. So ist Willi Achtens Roman ein Eintauchen in dieses doppelte Nichts – das Nichts als Negativum, Verlust, Leere, Sterben, die unveränderliche conditio humana, in das wütende Aufbegehren dagegen; und das Nichts als die offene, indifferente Bühne des Lebens, als die zeitlose Zeit, die bleibt, auch wenn alles Menschliche zugrunde geht.
    Mit dem Label „Krimi” ist dem Buch freilich nicht gedient. Ein Psychothriller könnte es sein – aber dafür fließt die Handlung vielleicht zu elegisch voran. Psychogramm von einem, der alles verloren hat. Eine klassische Tragödie in modernem Prosagewand. Poetische Naturbeobachtung plus Familiendrama. Oder einfach – wunderbare Literatur.

Willi Achten, „Nichts bleibt“. Erschienen 2017 im Pendragon Verlag, Bielefeld. 374 Seiten, 17 Euro.

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Rezension zu "Nichts bleibt" von Willi Achten

Ein unbequemes, lesenswertes Buch
bella__Italiavor einem Jahr

Das Buch: Schon die ersten Seiten sind heftig. Da ist die Todesangst im gnadenlosen Krieg, der noch heute – nicht weit weg von uns – wütet. Todesangst, die der Kriegsfotograf Franz auf der Jagd nach dem besten Foto einzufangen versucht. Als Franz wieder zuhause ist, wird sein Vater nachts im Wald brutal verprügelt. Und auch sein Sohn – der wie der Vater stets namenslos bleibt – wird ihm entrissen; erst durch eine schwere Krankheit, dann durch einen Unfall und zuletzt durch seine Exfrau.

Nicht nur die Story, auch die Sprache des Autors Willi Achten ist voller Gewalt und macht das Erzählte äußerst intensiv.

Willi Achten gelingt es, einerseits die Schönheit der Natur zu beschreiben und zugleich die Abgründe des menschlichen Seins auszureizen.

Mein Fazit: "Nichts bleibt" ist die Lebensgeschichte eines Mannes, den die Gewalt prägt und zerstört, eine Geschichte von Verlust, Angst und Rache. Ich musste das Buch zwischendurch mehrmals weglegen, weil es mich zu deprimiert hat, wie schlecht die Welt ist. Wenn es einem ohnehin nicht so gut geht, nicht der optimale Lesestoff, aber dennoch eine Leseempfehlung, da es in mehrfacher Hinsicht ein sprachgewaltiges Buch ist und zum Nachdenken anregt.

„Nichts bleibt“ ermöglicht einen Blick hinter die Kulissen der Nachrichten und wirft ein anderes Licht auf die Entstehungsgeschichte scheinbar unschuldiger Fotos.

Eine schwere, traurige Geschichte, mit wenigen Funken Hoffnung. Die Lektüre ist äußerst unbequem – das soll und muss sie aber wohl auch sein, um zu wirken und wachzurütteln.

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Rezension zu "Nichts bleibt" von Willi Achten

Ein Roman wie ein düsteres Gemälde
Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr

Ein Roman wie ein düsteres Gemälde. Detailstark schildert Willi Achten die Geschichte eines Mannes, dem die Wut das Leben diktiert.


Dass Willi Achten Dichter ist, merkt man auf den ersten Seiten. Detailstark zeichnet er die abgelegene Gegend, die dem Ich-Erzähler, dem Kriegsfotografen Franz Mathys, als Rückzugsort dient. 

Beklemmend fängt die Geschichte an. Im Nachtnebel stecken nicht nur Kröten und Mücken, sondern auch zwei Kerle mit glimmenden Zigaretten. Ein Schuss zerreißt diese scheinbar friedliche Landschaftsszene, denn die zwei Kerle haben ein Reh geschossen, an dessen Flanke ein Kitz mit eingeschlagenen Schädel liegt. Dem nicht genug, robbt auch der angeschossene Hund von Jansen auf Mathys zu.

Düster geht die Story weiter, die Beklemmung nimmt zu, denn bald wird Mathys Vater verprügelt, landet im Krankenhaus, stirbt. Und in Mathys macht sich vor allem ein Gefühl breit: die Wut. Der Wunsch nach Rache.


Eine Anfangsszene so düster wie Mathys Erinnerungen, die sich um Folterszenen aus Srebrenica oder Steinigungen aus Somalia drehen. Dazwischen Erinnerungen an den Jungen, der Tauben züchtet, dem die Tauben genommen werden, dem Jungen, der längst fort ist. Wie auch sein Vater längst fort von dieser Welt ist. Was also, wenn einem Mann nichts bleibt? Nichts außer diese unbändige Wut, dieser allumfassende Wunsch nach Rache?


Es ist eine Geschichte der Beklemmung. Die detailreichen Beschreibungen sind wahrer Lesegenuss, doch werden sie irgendwann auch etwas fad, vor allem bei Lesern, die plotorientierte Geschichten mögen. Es ist wie, als würde man ein Kunstwerk stundenlang betrachten. Anfangs mit Neugier, mit Staunen, doch nach ein paar Stunden hat man das Bild aufgesogen und geht weiter. Sprachlich ein Genuss, der mir leider nicht über die die ganzen 460 Seiten gereicht hat. Denn ab der Mitte fing ich mich an zu langweilen. Zu viel der schönen Worte, zu wenig Gefühle beim Lesen meinerseits. 

„Nichts bleibt“ ist klar ein Kunstwerk, ein schönes sprachliches Bildnis einer düsteren, bedrückenden Welt, doch ich fürchte am Ende: Nichts davon bleibt.

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Gespräche aus der Community

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P

Liebe Literaturfreunde,
vor ein paar Wochen ist mein neuer Roman „Nichts bleibt“ bei Pendragon erschienen. Aus diesem Anlass möchte ich Euch herzlich  zu einer Leserunde einladen. Es ist meine erste Leserunde. Ich bin sehr gespannt und freue mich auf Euer Feedback.


Zunächst ein paar Sätze, worum es in dem Roman geht:

Franz Mathys ist Kriegsfotograf. Er hat den World Press Foto Award für ein Foto erhalten, das eine Steinigung in Somalia zeigt. Das Grauen begreift und fotografiert man nicht aus der Distanz: eine Maxime seines beruflichen Handelns, die ihn gezeichnet hat. Erschöpft und traumatisiert hat er sich zurückgezogen auf einen einsam gelegenen Hof im Wald.

Mathys lebt zusammen mit seinem Sohn und seinem Vater. Diese betreiben ambitioniert eine Brieftaubenzucht, nehmen mit den Tieren an Wettflügen teil. Doch die Idylle ist nur eine vermeintliche. Der Junge erkrankt schwer. Eine allergisch bedingte Lungenentzündung – ausgelöst durch den Federstaub der Tauben – zwingt Mathys, die Tauben zu töten.

Er trifft auf Karen, es beginnt ein Intermezzo des Glücks und der Erholung. Mathys findet zu sich zurück, der Junge kann seine Krankheit überwinden. Als der Junge schließlich im zugefrorenen See einbricht und nur knapp gerettet werden kann, holt seine Mutter ihn zu sich nach Genf. Mathys ist nun mit seinem Vater alleine und der Verlust des Jungen destabilisiert ihn massiv.

Eines Nachts wird Mathys Zeuge, wie zwei junge Männer einen Hund malträtieren. Er schlägt sie nieder. Die beiden rächen sich an seinem Vater und schlagen den alten Mann brutal zusammen. Getrieben von seiner Wut und dem Willen, nun endlich zu handeln, nachdem er als Fotograf vom Unglück der anderen profitierte und etwa die Steinigung geschehen ließ, statt einzugreifen, beginnt Mathys zu recherchieren. Er findet die Männer und dringt in ihre Zirkel ein.

Obwohl ihm bewusst ist, dass die Rache ihn nicht nur juristisch, sondern vor allem auch psychisch zerstören kann, nimmt der Wunsch auf Rache und Vernichtung ihn immer mehr gefangen. Er lässt Karen und alles, was ihm noch geblieben ist, zurück und beginnt einen subtilen Rachefeldzug gegen die Männer, der ihn am Ende in die Hochgebirgsregionen der Alpen führt… 

Der Roman geht weit über die Schilderung der Rache hinaus. In einer poetischen wie auch sehr präzisen Sprache lotet er aus, wie sehr der Verlust und das Wirken der Zeit ein Leben zerstören, denn nichts bleibt …

Der Roman ist spannend, er ist ein Thriller und ein Liebesroman, es ist ein Roman über das, was das Leben ausmacht und uns nicht genommen werden darf.

 

Der Pendragon Verlag hat 15 Bücher spendiert, die ich Euch gerne signiert zukommen lasse. Die Bewerbungsfrist für die Buchverlosung läuft bis zum 07.05.2017.
Sollte es mehr Bewerber als Freiexemplare geben wird gelost. Um ein Freiexemplar zu ergattern, müsst ihr ein bisschen kreativ werden und einfach mal raten:
Der 3. Täter am See, als dort Schwäne erschossen werden, hat welche Frisur?

 

Selbstverständlich können alle, die kein Freiexemplar mehr bekommen, auch an der Leserunde teilnehmen. Würde mich freuen!
Also, los geht’s! Auf eine spannende Leserunde …
Willi Achten

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