Nichts bleibt

von Willi Achten 
4,7 Sterne bei21 Bewertungen
Nichts bleibt
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

engineerwifes avatar

Harter Tobac ... genial verpackt - absolute Leseempfehlung!

D

Reichhaltig, heftig, unbequem: ein lesenswerter literarischer Psychothriller über das, was bleibt, wenn alles Sinnstiftende verloren scheint

Alle 21 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Nichts bleibt"

Franz Mathys ist Kriegsfotograf. Eines seiner Fotos wurde mit dem World Press Photo Award ausgezeichnet. Doch er hat tiefe Zweifel und Schuldgefühle, denn er profitiert von dem Leid anderer. Mathys spürt, dass sein Leben ihm mehr und mehr entgleitet. Er zieht sich auf einen abgeschiedenen Hof im Wald zurück. Lebt dort mit seinem Vater und seinem Sohn, kommt zur Ruhe und verliebt sich. Doch die Idylle trügt. Eines Nachts schlagen zwei Männer seinen Vater brutal nieder und er muss schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden. Mathys will die Täter finden. Der immer stärker werdende Wunsch nach Rache und die Suche nach den Männern entfremden ihn von den Menschen, die er liebt. Wird er nun alles verlieren?
In einem zerklüfteten Tal in den Alpen trifft er eine einsame Entscheidung, die sein Leben kosten kann.

Willi Achten lotet die Abgründe der menschlichen Psyche aus.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783865325686
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:464 Seiten
Verlag:Pendragon
Erscheinungsdatum:10.02.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 13.07.2018 bei Pendragon erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

Neu
4,7 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne16
  • 4 Sterne3
  • 3 Sterne2
  • 2 Sterne0
  • 1 Stern0
  • Sortieren:
    D
    DemianNiehausvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Reichhaltig, heftig, unbequem: ein lesenswerter literarischer Psychothriller über das, was bleibt, wenn alles Sinnstiftende verloren scheint
    In der Nachspielzeit des Lebens. „Nichts bleibt“ von Willi Achten

    „Vor den Menschen, vor ihnen muss man Angst haben, immer.“ Dieses Zitat aus Célines „Reise ans Ende der Nacht“ ist Willi Achtens Roman „Nichts bleibt“, erschienen 2017 im Bielefelder Pendragon Verlag, vorangestellt. Und wirklich: Vor den Männern, die wenige Seiten später Franz Mathys' greisen Vater zum Pflegefall prügeln und seinen Hund erschießen, muss man sich fürchten. Sie sind Archetypen des Bösen, bleiben skizzenhaft, angedeutet, blutdurstige, sadistische Bestien. Mit ihnen bricht das Böse in Mathys' Leben ein. Ein Böses allerdings, mit dem er lange geliebäugelt hat: Die Romanhandlung ist durchsetzt von Episoden aus Mathys' Leben als Kriegsfotograf, Srebrenica, Somalia, Sudan. Diese Schilderungen sind nichts für schwache Nerven, schwindelerregend in ihrem schmerzhaften Detailreichtum. Nein: Mathys' Welt ist keine leichte, fröhliche, lebensfrohe. Mit Vater und Sohn bewohnt er ein Haus im Wald, eine karge, einsame Männerwelt, in der lediglich von der kindlichen Neugier des „Jungen“ und den Besuchen von Mathys' Freundin Karen menschliche Wärme ausgeht.
        Nach dem Überfall auf ihren Vater beschließt die Hauptfigur schnell, den Tätern auf die Spur zu kommen, sie gemeinsam mit ihrem Kumpanen Noethen zu jagen, sich zu rächen. Auch vor Mathys muss man sich also ein wenig fürchten: ein schroffer, schwieriger Typ, der Pech hat und der das Pech anzieht. Von Anfang an ist eine Atmosphäre des Verlustes angelegt, und als mehr und mehr Quellen von Menschlichkeit und Sinn wegbrechen, schlittert der Sturkopf Mathys scheinbar unaufhaltsam auf einen Punkt zu, an dem „nichts bleibt“ und das Verlangen nach Rache einziger Antrieb ist.
        So weit, so düster. Im Stil einer klassischen Tragödie ist das Desaster früh angelegt, durchweht es die Handlung von Beginn an. Gleichwohl liegt eine entscheidende Doppeldeutigkeit im Titel von Willi Achtens Roman: Denn natürlich handelt dieser einerseits von einem Mann, dem nichts bleibt, dem jeder Sinn abhanden gekommen ist, der „aus der Zeit gefallen“ ist: „Warten kann eine Qual sein. Die Zeit, in der es nicht mal mehr ein Warten gibt, ist qualvoller.“ Nachdem alles, worauf zu warten sich lohnen würde, weg ist, bleibt lediglich eine „Nachspielzeit“.
        Dabei entdeckt Achten aber ebenso ein Nichts, das bleibt, hinter dem Verlust – hinter dem Sinn. Dies scheint in den skalpellscharfen Naturbeobachtungen auf. Achtens Schreibe ist Chirurgieprosa. Er nimmt sich alle Zeit, die er braucht (immerhin 374 Seiten umfasst das Werk), um Flora und Fauna des Waldes und der Berge, die Taubenzucht, den Wechsel der Jahreszeiten detailreich, aber nie schwatzhaft auszubreiten. Gerade in den „Bergetappen“ des Romans ragt ein außerordentlich stark beschriebenes Naturpanorama über der Handlung, das der kochenden Wut Mathys' erstaunlich indifferent gegenübersteht. Keine Spur von der anthropomorphen Umwelt, die anderswo das Innere spiegelt, von Stürmen, die das Morden vorwegnehmen, oder langen Regenfällen, die den Spätherbst der Seele reflektieren. Achtens Natur ist eine eigenständige, raue, aber kraftvolle, vielleicht irgendwie sogar herzliche Welt.
        Im Kern ist Achtens Buch eine Meditation über die Zeit und das Nichts. Die vergehende Zeit, die immer wieder innehält, Rekurs nimmt auf das Vergangene, „das Glück“. Die Zeitebenen durchmischen sich fortwährend. Die Zeit ist hier ein Fluidum, in sich gekrümmt und verschachtelt, auch wenn sie verfließt. Erst im kurzen letzten Buchteil – paradoxerweise, als Mathys schon „aus der Zeit gefallen“ ist – nimmt die Zeit Fahrt auf, spitzt sich auf einen Fluchtpunkt hin zu. Interessanterweise macht dieses Spiel der Zeit „Nichts bleibt“ erstaunlich leichtfüßig. Leicht, beinahe schwindelig wird einem zumute ob der von Beginn an spürbaren Tragödie, die sich unaufhaltsam ihren Weg bahnt – schwindelig wie beim Blick in die Tiroler Bergschluchten auf den letzten Buchseiten. Die elegische Handlung aus dysfunktionalen Beziehungen und ungünstigen Zufällen bekommt sozusagen den Charakter eines Spiels, eines Schauspiels auf einer Bühne aus belebtem Wald und schroffen Felsen, einer gewissermaßen planetaren Zeit, die, das spüren wir, Mathys aushalten kann – und selbst das Böse. So ist Willi Achtens Roman ein Eintauchen in dieses doppelte Nichts – das Nichts als Negativum, Verlust, Leere, Sterben, die unveränderliche conditio humana, in das wütende Aufbegehren dagegen; und das Nichts als die offene, indifferente Bühne des Lebens, als die zeitlose Zeit, die bleibt, auch wenn alles Menschliche zugrunde geht.
        Mit dem Label „Krimi” ist dem Buch freilich nicht gedient. Ein Psychothriller könnte es sein – aber dafür fließt die Handlung vielleicht zu elegisch voran. Psychogramm von einem, der alles verloren hat. Eine klassische Tragödie in modernem Prosagewand. Poetische Naturbeobachtung plus Familiendrama. Oder einfach – wunderbare Literatur.

    Willi Achten, „Nichts bleibt“. Erschienen 2017 im Pendragon Verlag, Bielefeld. 374 Seiten, 17 Euro.

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    bella__Italias avatar
    bella__Italiavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein unbequemes, lesenswertes Buch über Gewalt, Tod und eine zerstörte Psyche
    Ein unbequemes, lesenswertes Buch

    Das Buch: Schon die ersten Seiten sind heftig. Da ist die Todesangst im gnadenlosen Krieg, der noch heute – nicht weit weg von uns – wütet. Todesangst, die der Kriegsfotograf Franz auf der Jagd nach dem besten Foto einzufangen versucht. Als Franz wieder zuhause ist, wird sein Vater nachts im Wald brutal verprügelt. Und auch sein Sohn – der wie der Vater stets namenslos bleibt – wird ihm entrissen; erst durch eine schwere Krankheit, dann durch einen Unfall und zuletzt durch seine Exfrau.

    Nicht nur die Story, auch die Sprache des Autors Willi Achten ist voller Gewalt und macht das Erzählte äußerst intensiv.

    Willi Achten gelingt es, einerseits die Schönheit der Natur zu beschreiben und zugleich die Abgründe des menschlichen Seins auszureizen.

    Mein Fazit: "Nichts bleibt" ist die Lebensgeschichte eines Mannes, den die Gewalt prägt und zerstört, eine Geschichte von Verlust, Angst und Rache. Ich musste das Buch zwischendurch mehrmals weglegen, weil es mich zu deprimiert hat, wie schlecht die Welt ist. Wenn es einem ohnehin nicht so gut geht, nicht der optimale Lesestoff, aber dennoch eine Leseempfehlung, da es in mehrfacher Hinsicht ein sprachgewaltiges Buch ist und zum Nachdenken anregt.

    „Nichts bleibt“ ermöglicht einen Blick hinter die Kulissen der Nachrichten und wirft ein anderes Licht auf die Entstehungsgeschichte scheinbar unschuldiger Fotos.

    Eine schwere, traurige Geschichte, mit wenigen Funken Hoffnung. Die Lektüre ist äußerst unbequem – das soll und muss sie aber wohl auch sein, um zu wirken und wachzurütteln.

    Kommentieren0
    4
    Teilen
    Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein Roman wie ein düsteres Gemälde. Detailstark schildert Willi Achten die Geschichte eines Mannes, dem die Wut das Leben diktiert.
    Ein Roman wie ein düsteres Gemälde

    Ein Roman wie ein düsteres Gemälde. Detailstark schildert Willi Achten die Geschichte eines Mannes, dem die Wut das Leben diktiert.


    Dass Willi Achten Dichter ist, merkt man auf den ersten Seiten. Detailstark zeichnet er die abgelegene Gegend, die dem Ich-Erzähler, dem Kriegsfotografen Franz Mathys, als Rückzugsort dient. 

    Beklemmend fängt die Geschichte an. Im Nachtnebel stecken nicht nur Kröten und Mücken, sondern auch zwei Kerle mit glimmenden Zigaretten. Ein Schuss zerreißt diese scheinbar friedliche Landschaftsszene, denn die zwei Kerle haben ein Reh geschossen, an dessen Flanke ein Kitz mit eingeschlagenen Schädel liegt. Dem nicht genug, robbt auch der angeschossene Hund von Jansen auf Mathys zu.

    Düster geht die Story weiter, die Beklemmung nimmt zu, denn bald wird Mathys Vater verprügelt, landet im Krankenhaus, stirbt. Und in Mathys macht sich vor allem ein Gefühl breit: die Wut. Der Wunsch nach Rache.


    Eine Anfangsszene so düster wie Mathys Erinnerungen, die sich um Folterszenen aus Srebrenica oder Steinigungen aus Somalia drehen. Dazwischen Erinnerungen an den Jungen, der Tauben züchtet, dem die Tauben genommen werden, dem Jungen, der längst fort ist. Wie auch sein Vater längst fort von dieser Welt ist. Was also, wenn einem Mann nichts bleibt? Nichts außer diese unbändige Wut, dieser allumfassende Wunsch nach Rache?


    Es ist eine Geschichte der Beklemmung. Die detailreichen Beschreibungen sind wahrer Lesegenuss, doch werden sie irgendwann auch etwas fad, vor allem bei Lesern, die plotorientierte Geschichten mögen. Es ist wie, als würde man ein Kunstwerk stundenlang betrachten. Anfangs mit Neugier, mit Staunen, doch nach ein paar Stunden hat man das Bild aufgesogen und geht weiter. Sprachlich ein Genuss, der mir leider nicht über die die ganzen 460 Seiten gereicht hat. Denn ab der Mitte fing ich mich an zu langweilen. Zu viel der schönen Worte, zu wenig Gefühle beim Lesen meinerseits. 

    „Nichts bleibt“ ist klar ein Kunstwerk, ein schönes sprachliches Bildnis einer düsteren, bedrückenden Welt, doch ich fürchte am Ende: Nichts davon bleibt.

    Kommentieren0
    6
    Teilen
    W
    Waschbaerinvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein "gewaltiger" Roman - im wahrsten Sinne des Wortes.
    Es gibt gute Menschen und Menschen, die abgrundtief böse sind

    Das vorliegende Buch "Nichts bleibt" von Willi Achten ist im wahrsten Sinne des Wortes ein gewaltiger Roman. Da gibt es keine sanften Vorreden die den Leser locken. Bereits nach wenigen Seiten braucht man eine kurze Verschnaufpause um all das zu verarbeiten, was da zwischen den Buchdeckeln passiert.

    Im Mittelpunkt des Romans steht Franz Mathys, ein Kriegsfotograf der immer direkt vor Ort - und da ganz nahe heran gehen musste - um all das Schreckliche abzulichten, was Menschen anderen Menschen antun.

    Seite 200: "Wir alle, jeder, der dem Horror nahekommt, und wir müssen ihm nahekommen, um seine Fratze fotografieren und zeigen zu können, ist auf eine dauerhafte Art versehrt".  Für das Bild einer Steinigung bekam er den World Press Award. Irgendwann danach reift in ihm die Erkenntnis, dass er von dem Leid anderer Menschen profitiert. Es bringt die Wende in seinem Leben. Er will diesem abgundtiefen Hass der Menschen, der immer wieder neue Gewalt hervorbringt entfliehen.

    Doch zuvor hat ihn schon seine Ehefrau verlassen. da sie diesen Mann nicht mehr erträgt. Franz nahm die Bilder aus Srebrenica, später Kundus in seiner Seele mit nach Hause, wurde dadurch verändert. Es war Fußballweltmeisterschaft und niemand interessierte sich für die Story, die er zu erzählen hatte. (S. 209) Er fand irgendwann nicht mehr den Schalter, um vom Kriegsfotografen auf den liebenden Ehemann umzustellen.

    Franz ist zum Getriebenen geworden und merkt, er muss und will zur Ruhe kommen. Lebt ein friedliches Leben mit seinem Sohn, seinem Vater und den Tauben in einem abgelegenen Haus in der Einsamkeit. Doch auch dies ist keine  Insel der Glückseligkeit. Der Junge erkrankt schwer und nach einem Einbrechen ins Eis hängt sein Leben an einem seidenen Faden.

    Dann kommt diese denkwürdige Nacht, die alles verändert. Niederträchtige Gewalt gibt es nicht nur in Kriegsgebieten sondern auch auf diesem friedlichen Stückchen Erde. Ist es Überdruss, Langeweile, was diese jungen Männer antreibt? Oder ist ihr Innerstes nur verdorben und sie finden deshalb Freude an dieser bösartigen  Gewalt gegen Tiere und auch gegen den Vater von Franz?

    Auch das Leben des alten Mannes hängt danach an einem seidenen Faden, der aber nicht hält. Franz muss immer wieder loslassen.

    Das große Finale kommt gegen Ende des Buches, als Franz die Täter  in die Berge lockt, während die jungen Männer glauben, dass sie ihn vor sich hertreiben. Das ist Spannung pur. Vor der Kulisse einer heilen Bergwelt messen Jäger und Gejagte ihre Kräfte. Während des Lesens hört man regelrecht die Steine unter den schweren Bergschuhen zerknirschen, das keuchende Atmen, als der Weg steil nach oben führt. Dazwischen die Angst ins Rutschen zu kommen,  abzustürzen. Jeder, der schon mal eine Bergwanderung abseits eines bequemen und breiten Weges gemacht hat, wird jeden Höhenmeter nachspüren können.

    Das Buch ist keine leichte Kost. Es zeigt uns die Menschen in ihrer geckenhaften Selbstverliebtheit bis hin zu den dunkelsten Abgründe ihrer Seele. Alles ist menschlich.


    Kommentieren0
    20
    Teilen
    RitaLeseviels avatar
    RitaLesevielvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein MUSS für jedes Krimi-Regal. Tiefgründig, philosophisch und mitreißend.
    Wenn Verluste sich summieren, gibt es kein zurück mehr

    „Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, warst du nicht nah genug dran.“ Robert Capa.

    Er ist ein preisgekrönter Kriegsfotograf und hat alles an Grauen gesehen, was es in der Welt gibt. Um seine Seele zu retten oder zu reparieren, zog Franz Mathey schon vor Jahren zu seinem Vater ins Elternhaus, in einen idyllischen Wald, fern von Gewalt. Hier wuchs auch lange sein Sohn auf, der aber nach einem Unfall zur Mutter in die Schweiz zog. Als Matheys Vater Opfer einer Gewalttat wird, sinnt er auf Rache.

     

    Kurz vorweg - dieses Buch ist nichts für sehr feinfühlige Leser. Die Kriegsszenen sind sehr eindrücklich und detailliert beschrieben!

     

    Es ist schwierig den Einstieg in diese Rezension zu finden, da der Roman bei mir sehr viele Eindrücke interlassen hat. Zum einen ist es ein Buch, welches mit seinen Worten fern vom Mainstream, mitunter philosophischen Abschnitten geschrieben wurde. Zum anderen hat es Aspekte eines Schweden-Krimis, welche düster, grau und schwermütig daherkommen.

     

    „Zum Schluss gesellte sich zu ihm die Zeit, die verstrich, ohne dass sie ihn heilte, ohne dass sie ihn in den Tod entlassen wollte. Eine leere vor sich hinlaufende Zeit, eine Zwischenzeit ohne jeden Sinn.“

     

    Der ganze Roman ist ein einziges Hoffen und Bangen, da sich alles um das Thema Verlust dreht. Der Autor Willi Achten lässt seinen Hauptdarsteller selten wirklich lange entspannen und Luft holen. Selbst für den Leser ist das Unheil greifbar.

     

    „Die Spuren zogen von dort hinaus in den Gemüsegarten, dann zum Bach. Die Fußspuren zweier Männer. Ich spürte ein Flimmern im Bauch. Jemand mochte sich verirrt haben. Ich wusste, dass es nicht stimmte. Die Spuren waren noch ganz frisch.“

     

    In seinen Beschreibungen schwenkt Achten im Leben von Manthey oft fließend von der Gegenwart in die Vergangenheit und fordert demzufolge eine erhöhte Aufmerksamkeit ein. Die Gegenwart wird somit durch Ereignisse in der Vergangenheit unterstrichen und Verstärkt.

     

    „Wut ist ein Pervertin in unseren Adern, es löscht die Angst.“

     

    Der Roman ist in zwei Teile gegliedert. Im ersten Teil beschreibt Achten, wie Matheys Leben aus dem Ruder gerät, wie seine Welt sukzessiv zusammenbricht, er sich in den Strudel der Rache hineinziehen lässt. Achten fokussiert sich auf die Grundlagen für den Showdown im Teil. Dieser beginnt zunächst entspannt, geradezu erholsam. Mathey zieht sich in die Berge zurück um zum finalen Schlag gegen seine Widersacher auszuholen. Ein Schlag, bei dem er selbst nicht genau weiß, wie er endet.

     

    „Der Schnee schmolz. Der Winter hatte nur kurz gegrüßt. Ich intensivierte mein Training, nutzte die Zeit. Jeden Tag stieg ich 500 Höhenmeter, danach ging ich zu Fred. Er betrieb im Dorf ein Fitnessstudio.“

     

    Fazit: Es sind die Beschreibungen und die Wortgewalt, mit denen mich Willi Achten völlig in seinen Bann gezogen hat und es schwer machten, das Buch aus der Hand zu legen.

     

    Leseempfehlung? Zweifelsohne. Für mich war das Buch aufwühlend und mitreißend. Es fiel mir schwer, es für längere Zeit aus der Hand zu legen.

     

    Für wen?  Krimifans, welche nicht ausschließlich dem Mainstream folgen, werden hier in meinen Augen bestens bedient.

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    StephaniePs avatar
    StephaniePvor einem Jahr
    Nichts bleibt

    Franz Mathys verdient sein Geld als Kriegsfotograf. Er hat sogar den World Press Photo Award für das Bild einer Steinigung gewonnen. Eines Tages ist er es Leid sein Geld mit dem Leiden seiner Mitmenschen zu verdienen und zieht mit seinem Vater und seinem Sohn auf einen abgelegenen Hof in einem Wald. Franz verliebt sich in Karen und beginnt mit ihr eine zunächst harmonische Beziehung. Eines Tages wird sein Vater brutal zusammengeschlagen und kann sich von seinen Verletzungen nicht mehr erholen, zudem verliert Franz auch seinen Sohn. Daraufhin holen Franz immer wieder die schrecklichen Bilder aus den Kriegsgebieten ein und er beginnt sich in Rachephantasien zu stürzen.

    „Nichts bleibt“ verbindet gekonnt  die Liebe und den Verlust einzelner Familienmitgliedern, Rachegedanken, scheinbar unbändige Wut und die tiefen Abgründe der Menschheit mit idyllischen und bildgewaltigen Landschaftsbeschreibungen.

    Willi Achten schafft es mit seinem außergewöhnlichen und fesselnden Schreibstil sofort den Leser in seinen Bann zu ziehen, so dass man das Buch nicht mehr weglegen möchte. Die Handlung ist sehr logisch und gut durchdacht, lässt aber dennoch genügend Spielraum für die Fantasie der Leser. Die Spannung wird zu Beginn des Buches aufgebaut und kann ohne Probleme bis zur letzten Seite gehalten werden.

    Die einzelnen Kapitel sind logisch aufgebaut und erzeugen keine unnötigen Längen, zudem werden dadurch Wiederholungen vermieden. Da es immer wieder Zeitsprünge im Buch gibt ist es erforderlich dieses aufmerksam zu lesen, damit man der Handlung problemlos folgen kann.

    Willi Achten beschreibt sehr bildlich und detailliert die idyllischen Landschaften. Er spart allerdings auch in ziemlich vielen brutalen Szenen nicht an den Details, weshalb ich immer wieder das Buch weglegen musste. Der Inhalt ist zum Teil schwer zu verdauen, so beispielsweise die Schilderungen aus Kriegsgebieten oder der lange Sterbensweg des Vaters.

    Willi Achten hat es geschafft ein Buch zu schreiben, welches seine Leser zum Nachdenken anregt und noch lange in Erinnerung bleiben wird.

    FAZIT:

    „Nichts bleibt“ ist ein wirklich lesenswertes Buch, welches die Themen Rache, Liebe und Erinnerungen sehr gelungen verbindet. Auch wenn sich immer wieder belastende Szenen im Buch finden vergebe ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung!

    Kommentieren0
    42
    Teilen
    camilla1303s avatar
    camilla1303vor einem Jahr
    Wenn der Wunsch nach Rache dominiert

    Der Krimi „Nichts bleibt“ von Willi Achten ist 2017 im Pendragon Verlag erschienen.

    Franz ist Kriegsfotograf und hat sogar den World Press Photo Award für das Bild einer Steinigung gewonnen. Als er damit hadert mit dem Leid anderer Menschen sein Geld zu verdienen beschließt er zurück in die Berge zu gehen. Dort lebt er zurückgezogen mit seinem Vater und seinem Jungen in einem abgeschiedenen Hof im Wald. Sein Leben wirkt idyllisch. Franz verliebt sich und von seinem posttraumatischen Belastungssyndrom, das er allen Anschein nach aus dem Kriegsgebiet mitgenommen hat, ist nichts zu spüren. Eines nachts wird sein Vater von zwei Wilderern brutal zusammengeschlagen und Franz sinnt nach Rache.

    „Nichts bleibt“ ist keine leichte Kost und hat mir viele Lesepausen abverlangt. Willi Achten schafft es nicht nur die schöne Landschaft detailgetreu wiederzugeben, sondern spart auch nicht an der detaillierten Beschreibung der Brutalität, die im Buch immer wieder auf bedrückende Weise vorkommt. Neben der Geschichte rund um Franz schafft es der Autor auch den Bosnienkrieg und die Kriegsverbrechen in Srebrenica ins Bewusstsein zu rufen. Der Leser des Buches bekommt auch ein Gespür dafür, dass sich Journalisten in Kriegsgebieten selbst in Gefahr begeben und die Gräueltaten, die sie mitansehen müssen, damit die Welt davon erfährt, oft nicht verarbeiten können und mit nach Hause nehmen.

    Schon allein dafür möchte ich dem Autor danken und kann das Buch uneingeschränkt weiterempfehlen. Das Buch ging wirklich an meine Substanz und war an manchen Stellen sehr belastend. Ich habe noch lange nach der Lektüre an Franz und seine Geschichte gedacht und mich selbst gefragt, was denn bleibt. Kann der Wunsch nach Rache wirklich so groß werden, dass man alles andere um sich vergisst?

    Kommentieren0
    7
    Teilen
    A
    AlfonsDomingovor einem Jahr
    Kurzmeinung: Absolute Empfehlung!
    Ein Roman, der einen nicht loslässt!

    Ein spannender  und zugleich subtiler Roman, der  den Leser sofort für sich einnimmt.  Die Figuren sind psychologisch schlüssig gezeichnet, haben viel Tiefe und man kann  als Leser sehr dicht an ihrem  Schicksal Anteil nehmen. Der Roman entwickelt sofort einen Sog, ohne reißerisch zu sein.

     

    Der Autor thematisiert Momente im Leben, die jeder fürchtet. Den Verlust, die Bitterkeit, die man empfindet, wenn man das eigene Unglück in die Wege leitet.  Hier in Person von Franz Mathys.

     

    Der Roman ist aber auch ein Roman über die Berge. Ein Bergroman. Jenseits von allen Klischees. Man begreift, dass die Alpen – dorthin flieht Mathys – kein Freizeitpark sind. Überhaupt sind die Naturbeschreibungen eine Klasse für sich. So noch nicht gelesen. Tiefgründig, genau und nie langweilig, was eine Kunst ist.

     

    „Nichts bleibt“ ist unbedingt zu empfehlen. Schon wegen der großartigen sprachlichen Gestaltung. Ein Buch , das man nicht vergisst! Man denkt lange an Franz Mathys und seine Geschichte zurück.

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    elvires avatar
    elvirevor einem Jahr
    Sehr empfehlenswert

    Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es laesst einen nicht unberuehrt zurueck, vieles erschreckt, regt zum Nachdenken an. Die brutalen Szenen sind nicht immer einfach zu lesen, sie wirken noch lange nach (was ja sicher so gewollt ist – sie wolle vor dem Vergessen schuetzen).

    Die Geschichte wird von Verlust, Wut und Rache bestimmt. Franz hat vieles zu verarbeiten, die Erlebnisse als Kriegsfotograf, wo ein gutes Bild alles andere erstmal in den Hintergrund draengt (und wahrscheinlich erst spaeter wieder in seinen Traeumen auftaucht); den Verlust seines Sohnes und schliesslich den gewaltsamen Tod des Vaters. Dies alles ist einfach zu viel.

    Beim Ende bin ich mir nicht sicher – ist das alles wirklich geschehen oder nur in Franz Fantasie??

    Kommentare: 1
    5
    Teilen
    Equidas avatar
    Equidavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Erschütternd und wortgewaltig !
    Vom Ende der Hoffnung

                                                          
    Das Buch" Nichts bleibt" des Schriftstellers Willi Achten erschien 2017 im Pendragon Verlag.
    Inhalt:
    Franz Mathys ist ein Kriegsfotograf,der mit dem Foto einer Steinigung den World Press Award erhielt.Die Erlebnisse in den Kriegsgebieten und das Bewusstsein,mit dem Leid anderer Menschen Geld zu verdienen haben ihn zutiefst traumatisiert.Er zieht sich in eine Hütte im Wald zurück,wo er mit seinem Vater und seinem Sohn zusammenlebt.Doch auch hier kommt Franz nicht zur Ruhe.Sein Sohn wird zuerst schwer krank und bricht danach zu allem Unglück im Eis ein.Daraufhin nimmt die Mutter des Jungen ihn zu sich nach Genf. Aber der Junge ist nicht der einzige Mensch,den Franz verlieren wird. Sein Vater wird von Wilderern so schwer misshandelt,daß er schließlich an den Folgen der Missshandlungen verstirbt.Nach dem Tod des Vaters brechen bei Franz alle Dämme.Er hat nur noch ein Ziel: Rache!
    Meine Meinung:
    Dies ist das erste Werk von Willi Achten ( und mit Sicherheit nicht das letzte),das ich gelesen habe.In diesem Buch geht es in erster Linie um ein zentrales Thema: Rache! Die Sprache Achtens hat mich in ihrer Wortgewalt niedergewälzt wie ein Panzer.Ich musste des öfteren Lesepausen einlegen,um das Gelesene verarbeiten zu können.Diese Buch erscheint als Krimi,aber es ist sehr viel mehr als das.Ich glaube,daß man für dieses Werk ein neues Genre erfinden müsste. Der Leser erfährt und erfühlt ,was passiert,wenn durch Wut und Hass alle Dämme brechen .Nicht außer acht lassen sollte man jedoch auch das zweite zentrale Thema dieser Geschichte: die Liebe zwischen Vater und Sohn und zwischen Enkel und Großvater. Diese Liebe kristallisiert sich sogar als stärker als die Liebe zwischen Mann und Frau ( Franz und Karen ) heraus.Allerdings ist diese Liebe auch der Auslöser für den regelrechten Amoklauf und den Verlustjeglicher Kontolle.Sehr erschütternd waren für mich auch die Sequenzen aus den Kriegsgebieten und das Leid ,das die Menschen dort erdulden und ertragen müssen.
    Fazit:
    Ein sehr lesenswertes Buch,das den Leser erschüttert und zum Nachdenken anregt.Es wird noch lange in mir nachklingen!

    Kommentare: 1
    24
    Teilen

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu
    P

    Liebe Literaturfreunde,
    vor ein paar Wochen ist mein neuer Roman „Nichts bleibt“ bei Pendragon erschienen. Aus diesem Anlass möchte ich Euch herzlich  zu einer Leserunde einladen. Es ist meine erste Leserunde. Ich bin sehr gespannt und freue mich auf Euer Feedback.


    Zunächst ein paar Sätze, worum es in dem Roman geht:

    Franz Mathys ist Kriegsfotograf. Er hat den World Press Foto Award für ein Foto erhalten, das eine Steinigung in Somalia zeigt. Das Grauen begreift und fotografiert man nicht aus der Distanz: eine Maxime seines beruflichen Handelns, die ihn gezeichnet hat. Erschöpft und traumatisiert hat er sich zurückgezogen auf einen einsam gelegenen Hof im Wald.

    Mathys lebt zusammen mit seinem Sohn und seinem Vater. Diese betreiben ambitioniert eine Brieftaubenzucht, nehmen mit den Tieren an Wettflügen teil. Doch die Idylle ist nur eine vermeintliche. Der Junge erkrankt schwer. Eine allergisch bedingte Lungenentzündung – ausgelöst durch den Federstaub der Tauben – zwingt Mathys, die Tauben zu töten.

    Er trifft auf Karen, es beginnt ein Intermezzo des Glücks und der Erholung. Mathys findet zu sich zurück, der Junge kann seine Krankheit überwinden. Als der Junge schließlich im zugefrorenen See einbricht und nur knapp gerettet werden kann, holt seine Mutter ihn zu sich nach Genf. Mathys ist nun mit seinem Vater alleine und der Verlust des Jungen destabilisiert ihn massiv.

    Eines Nachts wird Mathys Zeuge, wie zwei junge Männer einen Hund malträtieren. Er schlägt sie nieder. Die beiden rächen sich an seinem Vater und schlagen den alten Mann brutal zusammen. Getrieben von seiner Wut und dem Willen, nun endlich zu handeln, nachdem er als Fotograf vom Unglück der anderen profitierte und etwa die Steinigung geschehen ließ, statt einzugreifen, beginnt Mathys zu recherchieren. Er findet die Männer und dringt in ihre Zirkel ein.

    Obwohl ihm bewusst ist, dass die Rache ihn nicht nur juristisch, sondern vor allem auch psychisch zerstören kann, nimmt der Wunsch auf Rache und Vernichtung ihn immer mehr gefangen. Er lässt Karen und alles, was ihm noch geblieben ist, zurück und beginnt einen subtilen Rachefeldzug gegen die Männer, der ihn am Ende in die Hochgebirgsregionen der Alpen führt… 

    Der Roman geht weit über die Schilderung der Rache hinaus. In einer poetischen wie auch sehr präzisen Sprache lotet er aus, wie sehr der Verlust und das Wirken der Zeit ein Leben zerstören, denn nichts bleibt …

    Der Roman ist spannend, er ist ein Thriller und ein Liebesroman, es ist ein Roman über das, was das Leben ausmacht und uns nicht genommen werden darf.

     

    Der Pendragon Verlag hat 15 Bücher spendiert, die ich Euch gerne signiert zukommen lasse. Die Bewerbungsfrist für die Buchverlosung läuft bis zum 07.05.2017.
    Sollte es mehr Bewerber als Freiexemplare geben wird gelost. Um ein Freiexemplar zu ergattern, müsst ihr ein bisschen kreativ werden und einfach mal raten:
    Der 3. Täter am See, als dort Schwäne erschossen werden, hat welche Frisur?

     

    Selbstverständlich können alle, die kein Freiexemplar mehr bekommen, auch an der Leserunde teilnehmen. Würde mich freuen!
    Also, los geht’s! Auf eine spannende Leserunde …
    Willi Achten

    Zur Leserunde

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks