Willi Bredel

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Die Vitalienbrüder

Die Vitalienbrüder

 (4)
Erschienen am 01.01.1971
Die Söhne

Die Söhne

 (1)
Erschienen am 01.01.1955
Der Sonderführer - Erzählung.

Der Sonderführer - Erzählung.

 (0)
Erschienen am 01.01.1948
Die Väter

Die Väter

 (0)
Erschienen am 01.01.1976
Die Vitalienbrüder

Die Vitalienbrüder

 (0)
Erschienen am 02.03.2017
Der Eigentumsparagraph.

Der Eigentumsparagraph.

 (0)
Erschienen am 01.01.1961

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Heike110566s avatar

Rezension zu "Die Vitalienbrüder" von Willi Bredel

Rezension zu "Die Vitalienbrüder" von Willi Bredel
Heike110566vor 7 Jahren

"Suchen Sie in meinem Jugendroman weder in der Fabel noch jeder Einzelheit die Wahrheit des Details, wohl aber in großen Zügen die historische Wahrheit, die sozialen Spannungen und Kämpfe jener Zeit, die mehr als ein halbes Jahrtausend zurückliegen!", schreibt Willi Bredel im Mai 1950 in einem Brief an seinen Verleger. Obwohl der Roman den Untertitel "Ein Störtebeker-Roman" trägt, ging es ihm um weit mehr als ein Buch über Klaus Störtebeker. Bis auf die Namen der Hauptfiguren, wobei ja selbst Klaus Störtebeker nicht Klaus, sondern wahrscheinlich Johann hieß, ist alles in diesem Roman genaugenommen eine reine Erfindung Willi Bredels. "Auch die Entwicklung Störtebekers ist von mir erdacht. Desgleichen sein Bestreben den Kampf gegen die Patrizier in Gemeinschaft mit den Plebejern und Zunftbürgern zu führen.", konstatiert er in selbigem Brief.
1940 fertiggestellt, war der Roman ursprünglich nicht für die Veröffentlichung bestimmt. Geschrieben hat er ihn für seine beiden Söhne. Die Bredels lebten damals im Moskauer Exil. Mit Hilfe des Dargestellten wollte der Autor seinen Kindern Werte und humanistisches Denken näher bringen, denn genau das, wofür Willi Bredel stand, spiegelt sich in der Essenz des Buches wider. Vor allem sein konsequentes Eintreten für die Volksmassen und die kommunistische Idee.
Es ist ein spannend geschriebenes Buch und bei weitem nicht nur für Jugendliche geschriebener Roman. Auch der heutige Leser kann noch sehr viel daraus lernen, denn im Grunde ist unsere heutige Gesellschaft der damaligen in Einigem gar nicht so unähnlich.
Es ist auch gute Unterhaltung, die dem Leser geboten wird. Aktionsreiche Seekämpfe, Korruption und Machtmißbrauch in den obersten Etagen der Gesellschaft sowie Intrigen und Verrat sind einige der Elemente in dieser spannend geschriebenen, facettenreichen Geschichte. Die Erzählweise läßt regelrecht die Bilder im Kopf entstehen und bei mir kam es sogar dazu, dass diese plastische Darstellungsart in meinen Kopf während des Lesens das Geschehen als Filmsequenzen konstruierte.
Allerdings: In einigen Passagen ist die Übertragung der bredelschen Ideale in die spätmittelalterliche Welt mißglückt. So zB in folgendem kleinen Auszug:
"'Du fragst noch?', rief Josephus verwundert. Doch dann bedachte er, daß Klaus ein noch junger, unerfahrener Bursche war, und er antwortete: 'Den reinen, den unverfälschten Glauben! Den Kommunismus der urchristlichen Gemeinden, der ersten, der wahren Christen! Frieden und Liebe allen Menschenbrüdern!'
'Ja, Josephus', pflichtete Klaus bei, 'das ist ein herrliches und edles Vorhaben!'" (S.12/13)
So sehr ich mir vorstellen kann, dass auch die Menschen des Spätmittelalters Visionen von einer menschlichen Gesellschaft hatten und auch sogar vielleicht das diese Züge von kommunistischen Ideen trugen in Einzelfällen, so wenig ist es für mich auch nur ansatzweise vorstellbar, dass jemand im ausgehenden 14. Jahrhundert im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation, den Terminus Kommunismus verwendete. Es ist zwar richtig, dass viele Ideale der Urchristen sich auch in der kommunistischen Idee wiederfinden und sicher war auch in entsprechend gebildeten Kreisen darüber hin und wieder debattiert worden, aber es ist ein Fehlgriff, wie es hier geschehen, eine Diskussion über kommunistische Werte als solche in das Mittelalter zu transferieren. Auch erfolgt mir streckenweise eine zu starke Idealisierung des Helden in Richtung 'Streiter für den Kommunismus'. Klaus Störtebeker als einen solchen sich zu basteln, ist aus meiner Sicht völlig verfehlt. Klaus Störtebeker und seine Gefährten waren Einzelkämpfer, die auch nicht in den Volksmassen ihrer Zeit eine Verwurzelung hatten. Die Likedeeler, wie sich die Piraten um Störtebeker nannten, waren isoliert mit ihrem Leben auf der Nord- und Ostsee. Sie bekamen zwar sicher Aufmerksamkeit, wenn sie irgendwo an Land kamen, drangen doch ihre Überfälle auf die Koggen der reichen Patrizier auch sicher bis in das einfache Volk vor, aber das bedeutet noch keine Identifikation, also dass sie Störtebeker als einen Kämpfer für ihre Interessen sahen. Störtebeker hatte keine Zukunftsvison den Menschen zu bieten. Und die scheint es auch bei Störtebeker nicht für sein eigenes Leben gegeben zu haben. Als aus irgendeinem Grund, der leider historisch unbekannt ist, aus der spätmittelalterlichen Gesellschaft Ausgeschlossener, suchte er sich seinen Platz, wo er überleben konnte. Und seinen Gefährten ging es höchstwahrscheinlich ähnlich.
Der Störtebeker Bredels ist aus dieser Perspektive eine teilweise völlig überzogene Überhöhung.
Es ist also kein sehr guter Roman, aber ein gutgemachter und letztlich lesenswerter auf jeden Fall.

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Heike110566s avatar

Rezension zu "Maschinenfabrik N. & K." von Willi Bredel

Rezension zu "Maschinenfabrik N. & K." von Willi Bredel
Heike110566vor 8 Jahren

Willi Bredel (1901-1964) ist ein Autor, der aus der Arbeiterklasse stammte, als Arbeiter lebte, über das Leben der Arbeiter schrieb und bis an sein Lebensende absolut parteiisch für die Interessen der Arbeiterklasse eintrat. Bereits als 15-jähriger trat er der Sozialistischen Arbeiterjugend bei und dann auch ein Jahr später bereits dem Spartakusbund von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. So gehörte er auch von Anfang an der KPD als Mitglied an und nutzte seine schriftstellerischen Fähigkeiten im Sinne der Partei.
Er arbeitete sowohl in seinem erlernten Beruf als Dreher als auch als Journalist, Taxifahrer und Seemann. Als Dreher war er so auch in der Maschinenfabrik Nagel & Kaempp in seiner Heimatstadt Hamburg beschäftigt. Dort wurde er in den Betriebsrat für die Revolutuinäre Gewerkschaftsopposition gewählt und daraufhin entlassen. Als Redakteur der "Hamburger Volkszeitung" trat er aber weiter für die Interessen der revolutionären Bewegung ein und wurde 1930 zu zwei Jahren Festungshaft wegen literarischen Hoch- und Landesverrats verurteilt. Während dieser Festungshaft entstand der Roman "Maschinenfabrik N. & K.", in dem er seine Erlebnisse als Dreher bei Nagel & Kaempp verarbeitete.
Der Roman, noch 1930 bereits veröffentlicht, wurde, völlig unerwartet für ihn, denn es war sein Erstlingswerk, ein Erfolg. Als er erfuhr, dass die Verlagsabrechnung in Kürze eintreffen sollte, lieh er sich von einem anderen Gefangenen 100 Mark, um einen auszugeben im Festungsgefängnis. Dann traf die Abrechnung ein und der Verlag teilte ihm mit, dass sein Autorenhonorar die stolze Summe von 1.840 Mark beträgt. Er konnte es nicht fassen. Aber dann kam noch ein kleiner Absatz unter der Abrechnung: Der Verlag wies auf die politische Situation in Deutschland hin. Die ständigen Neu-Wahlen und das dafür zu erstellende Propagandamaterial würden Unsummen verschlingen. Da Bredel ein ergebener Genosse der Partei sei, gingen sie davon aus, dass er das Honorar selbstverständlich für die Partei zur Verfügung stelle und dankte ihn für die Solidarität. Als Belohnung bekam er 50 Mark vom Verlag.
Statt 1.840 Mark hatte er nun 50 Mark Schulden, denn er hatte sich ja 100 geborgt.
Deshalb schrieb er seinen zweiten Roman "Rosenhofstraße", wie er 1955 sagte. Zu diesem Roman aber an anderer Stelle mehr.
"Maschinenfabrik N. & K." erschien dann auch 1932 in russischer Sprache mit einer Erstauflage von 100.000 Exemplaren. Auch in der UdSSR wurde das Buch ein Erfolg.
Nach der Machtergreifung der Nazis kam er ins KZ und emigrierte danach erst in die Tschechoslowakei, wo er seinen inzwischen vierten Roman "Die Prüfung", der zuerst auf russisch mit einer Auflage von 1 Million Exemplaren veröffentlicht wurde, schrieb und lebte dann bis zum Sieg der Roten Armee in Deutschland in der Sowjetunion. Bis zu seinem Tod 1964 lebte der Hamburger Arbeiterschriftsteller dann in der DDR.
Der Roman selbst erzählt von dem Arbeitsleben, dem Arbeiterdasein und den wirtschaftlichen und sozialen Kämpfen in einer Hamburger Maschinenfabrik. Alfred Melmster kommt als neuer Dreher in das Werk. Die Arbeiterschaft ist fast vollständig in der Gewerkschaft organisiert. Dennoch erkennt er auf Anhieb gravierende Missstände, die deshalb bestehen, weil die Gewerkschaft ihre Macht nicht nutzt gegen die Unternehmensführung. Er ist verwundert. Die Ursache ist aber schnell klar: Der Arbeiterrat (Betriebsrat) besteht nur aus Sozialdemokraten. Die Revolutionäre Gewerkschaftsopposition, unter Führung von Kommunisten, wird einfach völlig ignoriert. Melmster beginnt sich sofort für die RGO an zu engagieren. Er organisiert die Herausgabe des "Roten Greifers", einer Betriebszeitung der RGO in der Maschinenfabrik, und prangert daran die Missstände und die Rolle des Arbeiterrates an. Der Arbeiterrat tut auch nichts als die Unternehmensleitung Rationalisierungsmaßnahmen, sprich: mehr Leistung für weniger Geld und Entlassungen, ankündigt. Bei den Betriebsratswahlen gewinnt die RGO dann mit riesiger Mehrheit, doch die Wahlkommission ignoriert das Ergebnis und sprihht von Moskau gesteuerten kommunistischen Putschversuchen in der Gewerkschaft. Die abgewählten Sozialdemokraten klüngeln mit der Unternehmensführung und sorgen dafür, dass Melmster, die neugewählten Arbeiterräte und andere unliebsame politische Konkurrenten entlassen werden. Die Situation beginnt sich zuzuspitzen, eskaliert, denn die RGO und die kommunistischen Arbeiter kämpfen um ihre Interessen, die Interessen der Arbeiterklasse.
Der Roman hat im Grunde zwei Ebenen, die aber zusammenhängen und zusammen gehören. Einmal die gegensätzlichen Interessen der Arbeiterschaft im Verhätnis zur Unternehmensführung und dann auch die Konflikte zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten, die zum Ende der Weimarer Republik, die Phase in der der Roman ja handelt, an der Tagesordnung waren und immer gravierendere Ausmaße annahmen.
Bredel schildert diese Situationen eindrucksvoll. Seine Sprache ist einfach und leicht verständlich und es gelingt ihm die Handlung spannend zu gestalten und interessant herüberzubringen.
Natürlich ist es ein von der kommunistischen Weltanschauung geprägter Roman, denn Bredel war Kommunist, aber es ist kein Propagandaroman, wie es sie später reichlich in der DDR gab. Der Roman entstand 1930 und spielt etwa 1929/30, ist also kein nachträglich geschaffenes Werk zur Verklärung und Idealisierung, sondern eben tagesaktuell. Und der Erfolg des Romans zeigt, dass er bei den Menschen ankam, was für mich die Schlussfolgerung zulässt, dass das darin berichtete auch der tatsächlichen Situation im Allgemeinen entsprach.
Ein Buch, dass man gelesen haben sollte, wenn man sich für die Situation in der Endphase der Weimarer Republik interessiert.

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KleinNase20s avatar

Rezension zu "Die Vitalienbrüder. Ein Störtebecker-Roman" von Willi Bredel

Rezension zu "Die Vitalienbrüder. Ein Störtebecker-Roman" von Willi Bredel
KleinNase20vor 11 Jahren

Hier ist das etwaige Leben von Störtebecker beschrieben, das das Interesse an Piraterie weckt!

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