Willi Bredel Die Vitalienbrüder

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Inhaltsangabe zu „Die Vitalienbrüder“ von Willi Bredel

Störtebecker – legendärer Pirat, tollkühner Kapitän und Anführer der Flotte der "Vitalienbrüder", die belagerten Städten Lebensmittel (Viktualien, kurz: Vitalien) brachte, "Likedeeler", Beschützer der Armen und Entrechteten. Willi Bredel greift die seit Jahrhunderten bekannten und beliebten Überlieferungen auf und erzählt, wie der junge Klaus auf der Sancta Genoveva anheuert, schon bald den Kampf mit dem verbrecherischen Reeder Wulflam aufnimmt, entschlossen eine Meuterei organisiert, Kapitän des Schiffes wird und im Geschwader einer Piratenflotte ein freies, wildes Seeräuberleben beginnt. Die Schauplätze des Geschehens reichen von Wismar und Stralsund bis nach Gotland, Schweden und Norwegen, von der schottischen Küste bis Friesland und Hamburg. Indem die immer wieder erzählten Geschichten und die historisch belegten Ereignisse in einer dramatischen Romanhandlung zusammengeführt werden, entsteht ein fesselndes Lebensbild des Seeräubers vor dem Hintergrund der Blütezeit der Hanse. Angeregt durch die Lektüre deutscher Städte-Chroniken, beschloss Willi Bredel 1950, ein Jugendbuch über den Kampf der Zünfte gegen die Patrizier in den norddeutschen Hafenstädten des 14. Jahrhunderts und die verwegenen Seepiraten der Ost- und Nordsee zu schreiben. Seit ihrem Erscheinen gehören die Vitalienbrüder zu den beliebtesten Büchern der Abenteuerliteratur. (Quelle:'Fester Einband/01.01.1996')

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  • Rezension zu "Die Vitalienbrüder" von Willi Bredel

    Die Vitalienbrüder
    Heike110566

    Heike110566

    10. July 2011 um 13:01

    "Suchen Sie in meinem Jugendroman weder in der Fabel noch jeder Einzelheit die Wahrheit des Details, wohl aber in großen Zügen die historische Wahrheit, die sozialen Spannungen und Kämpfe jener Zeit, die mehr als ein halbes Jahrtausend zurückliegen!", schreibt Willi Bredel im Mai 1950 in einem Brief an seinen Verleger. Obwohl der Roman den Untertitel "Ein Störtebeker-Roman" trägt, ging es ihm um weit mehr als ein Buch über Klaus Störtebeker. Bis auf die Namen der Hauptfiguren, wobei ja selbst Klaus Störtebeker nicht Klaus, sondern wahrscheinlich Johann hieß, ist alles in diesem Roman genaugenommen eine reine Erfindung Willi Bredels. "Auch die Entwicklung Störtebekers ist von mir erdacht. Desgleichen sein Bestreben den Kampf gegen die Patrizier in Gemeinschaft mit den Plebejern und Zunftbürgern zu führen.", konstatiert er in selbigem Brief. 1940 fertiggestellt, war der Roman ursprünglich nicht für die Veröffentlichung bestimmt. Geschrieben hat er ihn für seine beiden Söhne. Die Bredels lebten damals im Moskauer Exil. Mit Hilfe des Dargestellten wollte der Autor seinen Kindern Werte und humanistisches Denken näher bringen, denn genau das, wofür Willi Bredel stand, spiegelt sich in der Essenz des Buches wider. Vor allem sein konsequentes Eintreten für die Volksmassen und die kommunistische Idee. Es ist ein spannend geschriebenes Buch und bei weitem nicht nur für Jugendliche geschriebener Roman. Auch der heutige Leser kann noch sehr viel daraus lernen, denn im Grunde ist unsere heutige Gesellschaft der damaligen in Einigem gar nicht so unähnlich. Es ist auch gute Unterhaltung, die dem Leser geboten wird. Aktionsreiche Seekämpfe, Korruption und Machtmißbrauch in den obersten Etagen der Gesellschaft sowie Intrigen und Verrat sind einige der Elemente in dieser spannend geschriebenen, facettenreichen Geschichte. Die Erzählweise läßt regelrecht die Bilder im Kopf entstehen und bei mir kam es sogar dazu, dass diese plastische Darstellungsart in meinen Kopf während des Lesens das Geschehen als Filmsequenzen konstruierte. Allerdings: In einigen Passagen ist die Übertragung der bredelschen Ideale in die spätmittelalterliche Welt mißglückt. So zB in folgendem kleinen Auszug: "'Du fragst noch?', rief Josephus verwundert. Doch dann bedachte er, daß Klaus ein noch junger, unerfahrener Bursche war, und er antwortete: 'Den reinen, den unverfälschten Glauben! Den Kommunismus der urchristlichen Gemeinden, der ersten, der wahren Christen! Frieden und Liebe allen Menschenbrüdern!' 'Ja, Josephus', pflichtete Klaus bei, 'das ist ein herrliches und edles Vorhaben!'" (S.12/13) So sehr ich mir vorstellen kann, dass auch die Menschen des Spätmittelalters Visionen von einer menschlichen Gesellschaft hatten und auch sogar vielleicht das diese Züge von kommunistischen Ideen trugen in Einzelfällen, so wenig ist es für mich auch nur ansatzweise vorstellbar, dass jemand im ausgehenden 14. Jahrhundert im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation, den Terminus Kommunismus verwendete. Es ist zwar richtig, dass viele Ideale der Urchristen sich auch in der kommunistischen Idee wiederfinden und sicher war auch in entsprechend gebildeten Kreisen darüber hin und wieder debattiert worden, aber es ist ein Fehlgriff, wie es hier geschehen, eine Diskussion über kommunistische Werte als solche in das Mittelalter zu transferieren. Auch erfolgt mir streckenweise eine zu starke Idealisierung des Helden in Richtung 'Streiter für den Kommunismus'. Klaus Störtebeker als einen solchen sich zu basteln, ist aus meiner Sicht völlig verfehlt. Klaus Störtebeker und seine Gefährten waren Einzelkämpfer, die auch nicht in den Volksmassen ihrer Zeit eine Verwurzelung hatten. Die Likedeeler, wie sich die Piraten um Störtebeker nannten, waren isoliert mit ihrem Leben auf der Nord- und Ostsee. Sie bekamen zwar sicher Aufmerksamkeit, wenn sie irgendwo an Land kamen, drangen doch ihre Überfälle auf die Koggen der reichen Patrizier auch sicher bis in das einfache Volk vor, aber das bedeutet noch keine Identifikation, also dass sie Störtebeker als einen Kämpfer für ihre Interessen sahen. Störtebeker hatte keine Zukunftsvison den Menschen zu bieten. Und die scheint es auch bei Störtebeker nicht für sein eigenes Leben gegeben zu haben. Als aus irgendeinem Grund, der leider historisch unbekannt ist, aus der spätmittelalterlichen Gesellschaft Ausgeschlossener, suchte er sich seinen Platz, wo er überleben konnte. Und seinen Gefährten ging es höchstwahrscheinlich ähnlich. Der Störtebeker Bredels ist aus dieser Perspektive eine teilweise völlig überzogene Überhöhung. Es ist also kein sehr guter Roman, aber ein gutgemachter und letztlich lesenswerter auf jeden Fall.

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