Willi Bredel Maschinenfabrik N. & K.

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Inhaltsangabe zu „Maschinenfabrik N. & K.“ von Willi Bredel

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  • Rezension zu "Maschinenfabrik N. & K." von Willi Bredel

    Maschinenfabrik N. & K.
    Heike110566

    Heike110566

    08. July 2010 um 12:51

    Willi Bredel (1901-1964) ist ein Autor, der aus der Arbeiterklasse stammte, als Arbeiter lebte, über das Leben der Arbeiter schrieb und bis an sein Lebensende absolut parteiisch für die Interessen der Arbeiterklasse eintrat. Bereits als 15-jähriger trat er der Sozialistischen Arbeiterjugend bei und dann auch ein Jahr später bereits dem Spartakusbund von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. So gehörte er auch von Anfang an der KPD als Mitglied an und nutzte seine schriftstellerischen Fähigkeiten im Sinne der Partei. Er arbeitete sowohl in seinem erlernten Beruf als Dreher als auch als Journalist, Taxifahrer und Seemann. Als Dreher war er so auch in der Maschinenfabrik Nagel & Kaempp in seiner Heimatstadt Hamburg beschäftigt. Dort wurde er in den Betriebsrat für die Revolutuinäre Gewerkschaftsopposition gewählt und daraufhin entlassen. Als Redakteur der "Hamburger Volkszeitung" trat er aber weiter für die Interessen der revolutionären Bewegung ein und wurde 1930 zu zwei Jahren Festungshaft wegen literarischen Hoch- und Landesverrats verurteilt. Während dieser Festungshaft entstand der Roman "Maschinenfabrik N. & K.", in dem er seine Erlebnisse als Dreher bei Nagel & Kaempp verarbeitete. Der Roman, noch 1930 bereits veröffentlicht, wurde, völlig unerwartet für ihn, denn es war sein Erstlingswerk, ein Erfolg. Als er erfuhr, dass die Verlagsabrechnung in Kürze eintreffen sollte, lieh er sich von einem anderen Gefangenen 100 Mark, um einen auszugeben im Festungsgefängnis. Dann traf die Abrechnung ein und der Verlag teilte ihm mit, dass sein Autorenhonorar die stolze Summe von 1.840 Mark beträgt. Er konnte es nicht fassen. Aber dann kam noch ein kleiner Absatz unter der Abrechnung: Der Verlag wies auf die politische Situation in Deutschland hin. Die ständigen Neu-Wahlen und das dafür zu erstellende Propagandamaterial würden Unsummen verschlingen. Da Bredel ein ergebener Genosse der Partei sei, gingen sie davon aus, dass er das Honorar selbstverständlich für die Partei zur Verfügung stelle und dankte ihn für die Solidarität. Als Belohnung bekam er 50 Mark vom Verlag. Statt 1.840 Mark hatte er nun 50 Mark Schulden, denn er hatte sich ja 100 geborgt. Deshalb schrieb er seinen zweiten Roman "Rosenhofstraße", wie er 1955 sagte. Zu diesem Roman aber an anderer Stelle mehr. "Maschinenfabrik N. & K." erschien dann auch 1932 in russischer Sprache mit einer Erstauflage von 100.000 Exemplaren. Auch in der UdSSR wurde das Buch ein Erfolg. Nach der Machtergreifung der Nazis kam er ins KZ und emigrierte danach erst in die Tschechoslowakei, wo er seinen inzwischen vierten Roman "Die Prüfung", der zuerst auf russisch mit einer Auflage von 1 Million Exemplaren veröffentlicht wurde, schrieb und lebte dann bis zum Sieg der Roten Armee in Deutschland in der Sowjetunion. Bis zu seinem Tod 1964 lebte der Hamburger Arbeiterschriftsteller dann in der DDR. Der Roman selbst erzählt von dem Arbeitsleben, dem Arbeiterdasein und den wirtschaftlichen und sozialen Kämpfen in einer Hamburger Maschinenfabrik. Alfred Melmster kommt als neuer Dreher in das Werk. Die Arbeiterschaft ist fast vollständig in der Gewerkschaft organisiert. Dennoch erkennt er auf Anhieb gravierende Missstände, die deshalb bestehen, weil die Gewerkschaft ihre Macht nicht nutzt gegen die Unternehmensführung. Er ist verwundert. Die Ursache ist aber schnell klar: Der Arbeiterrat (Betriebsrat) besteht nur aus Sozialdemokraten. Die Revolutionäre Gewerkschaftsopposition, unter Führung von Kommunisten, wird einfach völlig ignoriert. Melmster beginnt sich sofort für die RGO an zu engagieren. Er organisiert die Herausgabe des "Roten Greifers", einer Betriebszeitung der RGO in der Maschinenfabrik, und prangert daran die Missstände und die Rolle des Arbeiterrates an. Der Arbeiterrat tut auch nichts als die Unternehmensleitung Rationalisierungsmaßnahmen, sprich: mehr Leistung für weniger Geld und Entlassungen, ankündigt. Bei den Betriebsratswahlen gewinnt die RGO dann mit riesiger Mehrheit, doch die Wahlkommission ignoriert das Ergebnis und sprihht von Moskau gesteuerten kommunistischen Putschversuchen in der Gewerkschaft. Die abgewählten Sozialdemokraten klüngeln mit der Unternehmensführung und sorgen dafür, dass Melmster, die neugewählten Arbeiterräte und andere unliebsame politische Konkurrenten entlassen werden. Die Situation beginnt sich zuzuspitzen, eskaliert, denn die RGO und die kommunistischen Arbeiter kämpfen um ihre Interessen, die Interessen der Arbeiterklasse. Der Roman hat im Grunde zwei Ebenen, die aber zusammenhängen und zusammen gehören. Einmal die gegensätzlichen Interessen der Arbeiterschaft im Verhätnis zur Unternehmensführung und dann auch die Konflikte zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten, die zum Ende der Weimarer Republik, die Phase in der der Roman ja handelt, an der Tagesordnung waren und immer gravierendere Ausmaße annahmen. Bredel schildert diese Situationen eindrucksvoll. Seine Sprache ist einfach und leicht verständlich und es gelingt ihm die Handlung spannend zu gestalten und interessant herüberzubringen. Natürlich ist es ein von der kommunistischen Weltanschauung geprägter Roman, denn Bredel war Kommunist, aber es ist kein Propagandaroman, wie es sie später reichlich in der DDR gab. Der Roman entstand 1930 und spielt etwa 1929/30, ist also kein nachträglich geschaffenes Werk zur Verklärung und Idealisierung, sondern eben tagesaktuell. Und der Erfolg des Romans zeigt, dass er bei den Menschen ankam, was für mich die Schlussfolgerung zulässt, dass das darin berichtete auch der tatsächlichen Situation im Allgemeinen entsprach. Ein Buch, dass man gelesen haben sollte, wenn man sich für die Situation in der Endphase der Weimarer Republik interessiert.

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