William Bonner

 5 Sterne bei 1 Bewertungen
Autor von Das Massensyndrom, The New Empire of Debt und weiteren Büchern.

Alle Bücher von William Bonner

Das Massensyndrom

Das Massensyndrom

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Erschienen am 03.03.2008
Financial Reckoning Day

Financial Reckoning Day

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Erschienen am 20.12.2004
Mobs, Messiahs, and Markets

Mobs, Messiahs, and Markets

 (0)
Erschienen am 06.10.2009
The New Empire of Debt

The New Empire of Debt

 (0)
Erschienen am 20.02.2012
Financial Reckoning Day Fallout

Financial Reckoning Day Fallout

 (0)
Erschienen am 16.11.2009

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Rezension zu "Das Massensyndrom" von William Bonner

Kritik der reinen Unvernunft
R_Mantheyvor 3 Jahren

Der amerikanische Originaltitel dieses Buches lautet "Mobs, Messiahs and Markets". Dabei hätte man es belassen sollen, denn dadurch ist der Inhalt dieses hervorragenden Buches besser ausgedrückt als mit der deutschen Wortschöpfung, die in ihrer Unschärfe sowieso kein Mensch wirklich versteht.

Als wir in der Schule fürs Leben vorbereitet werden sollten, lernten wir nicht wie das Leben wirklich ist, was die eigentlichen Triebkräfte menschlichen Handelns sind oder welche Prozesse in der Gesellschaft tatsächlich ablaufen. Wir lernten intellektuelle Kopfgeburten. Wir erfuhren, wie angeblich große Geister die Welt gerne hätten, aber nicht, wie sie tatsächlich funktioniert.

Auf Seite 47 dieses Buches lesen wir: "Wenn Wissenschaftler das Verhalten des Menschen studieren, sehen sie ihn oft als völlig verschieden von anderen Tieren. Sie nehmen an, dass der Mensch einmalig klug, einmalig zielgerichtet ist. Wenn er etwas besonders Dummes tut, nehmen sie an, er habe etwa eine Art von Fehler begangen, dass er falsch informiert gewesen sei." Und auf Seite 48: "Aber was ist, wenn weder der Mensch vollständig rational noch andere Tiere vollständig irrational sind, wie wir bislang vermutet haben?"

Dann plötzlich erklärt sich vieles ganz anders und wird sehr verständlich. Weiter offenbaren uns die Autoren (S.135): "(Der Mensch)... gibt vor, seine Ansichten über die Welt einzuteilen in Fakten und Erfahrungen. Was er wirklich tut, ist, die Fakten in die wie auch immer geartete Selbsttäuschung hineinzuinterpretieren, die gerade populär ist." Das ist der zentrale Gedanke, der sich durch das ganze Buch zieht.

Den Autoren gelingt es auf ironische, eindringliche und politisch völlig unkorrekte Weise das schwachsinnige und oft teuflische Handeln von Weltverbesserern zu entlarven, mit dem wir und unsere Vorfahren es seit Urzeiten zu tun haben. Das sich mit zunehmender Häufigkeit wiederholende Auftreten dieser Spezies scheint eine Konstante in der menschlichen Geschichte zu sein. Und obwohl der Schaden, den diese Leute jedes Mal verursachten, immer größer wurde, erscheinen immer schneller neue Exemplare auf der jeweiligen Bühne, deren wundersame Irrlehren gerne geglaubt werden. In der Masse scheint der Mensch nicht lernfähig zu sein. Vielmehr ist er immer wieder aufs Neue fasziniert von jedwedem Unsinn, solange dieser nur mit seinen Hoffnungen, Wünschen oder anderen Wahnvorstellungen korrespondiert. Das und die Gründe dafür sind weitere Themen dieses Buches.

Weltverbesserer sind Leute, die nicht begreifen, dass die Welt sich nach Gesetzen ordnet, auf die wir keinen Zugriff haben. Sie halten sich für gottähnlich und damit selbstverständlich in der Lage, die Welt nach ihren abstrusen Vorstellungen umzubauen. Das öffentliche Schauspiel solcher Versuche beginnt, wie die Autoren schreiben, stets mit einer die Massen täuschenden Lüge, die dann immer mehr zur Farce wird und schließlich im Desaster endet.

Im 1. Teil des Buches ("Kritik der unreinen Vernunft") befassen sich die Autoren mit der Frage, ob der Mensch tatsächlich seiner angeblichen Vernunft gehorcht, oder ob nicht vielmehr ein großer Teil seines Verhaltens Instinkten untergeordnet ist.

Der 2. Teil ("Hexenjagd und Kriegsgeschrei") untersucht wie Kriege, die Verfolgung von Minderheiten oder andere hysterische Massenexzesse inszeniert und begründet werden. Insbesondere wird die Rolle der Presse in unserer Zeit beleuchtet. Immer wieder kommen die Autoren auf den Weltverbesserer Bush zu sprechen, der die drei zerstrittenen irakischen Völker mit einer Staatsform beglücken wollte, die sie nicht ausstehen können.

Mit Kriegshelden und so genannten Revolutionären befasst sich der folgende Teil ("Militante Heilsbringer"). Die, um die es hier geht, waren allesamt Schwachköpfe oder Massenmörder oder beides. Dieser Text wird vor allem denen nicht gefallen, die immer noch mit Che auf dem Shirt herumlaufen und nicht wissen oder nicht wahrhaben wollen, dass auch dessen Hände mit viel Blut befleckt waren.

Leider wird das bis hierhin wirklich treffliche Buch mit dem 4. Teil ("Der Globus wird flach") schwächer. In diesem Teil geht es um die Lügen, die mit der Globalisierung verbunden sind.

Der 5. Teil ("Die Blasenkönige") schließlich sinniert über Blasen an den Finanzmärkten und befasst sich sehr ausführlich mit der Entstehung der gegenwärtigen Finanzkrise, die die Autoren wohl richtigerweise auf den Weltverbesserer Greenspan zurückführen, der auch heute noch denkt, man könne durch Gelddrucken ewigen Wohlstand erzwingen.

Komischerweise versuchen die Autoren uns im letzten Teil ("Weitweg von der tobenden Masse") Ratschläge für ein vernünftiges Verhalten zu geben, das uns gewissermaßen von der Masse wegbringt. Sie schrecken dabei auch nicht von recht merkwürdigen Investmentempfehlungen zurück, die sich inzwischen bereits als Blödsinn erwiesen haben. Sie sind irgendwie auch nicht vom Herdentrieb verschont gebieben. Das gibt einem doch zu denken.

Es ist zugegeben schwer, sich von der Masse gedanklich und verhaltensmäßig zu entfernen, weil das nicht im Unterbewusstsein implementierten Prozessen entspricht. Aber gerade das ist wohl das Fazit des Buches und die Grundvoraussetzung für die im deutschen Untertitel dieses Werkes formulierte Aufforderung ("Überleben Sie die wirtschaftlichen und politischen Krisen unserer Zeit"), der wir natürlich gerne nachkommen.

Neben den völlig überwiegenden Stärken des Buches gibt es auch eine Reihe von Schwächen. Das größte Manko ist die Länge des Textes. Die Autoren finden sich in der Tat so toll, dass sie scheinbar nicht aufhören konnten zu fabulieren. Man könnte das Werk getrost auf die Hälfte der Länge schrumpfen ohne einen wirklichen Verlust an intellektueller Substanz befürchten zu müssen.

Fazit.
Dies ist ein wirklich lesenswertes Buch, das an vielen Beispielen von Weltverbesserern inszenierte öffentliche Schauspiele in Politik und Wirtschaft als das entlarvt, was sie tatsächlich sind: Lügen, die ausnahmslos in kleinen oder großen Katastrophen enden. Kopfgeburten können nicht funktionieren, weil sie in der Regel nicht von der Realität ausgehen. Aber sie werden gewöhnlich in ihrer schlichten Einfachheit gerne geglaubt. Zudem korrespondieren sie mit den meist realitätsfremden Hoffnungen und Wünschen der getäuschten Massen. Das Buch ist witzig und locker geschrieben und hat nicht den Anspruch irgendeinen neuen Ismus zu entwickeln. Vielmehr macht es Strukturen und sich ständig wiederholende Verhaltensweisen deutlich und öffnet vielleicht manchem die Augen.

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