William Boyd Eine große Zeit

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Inhaltsangabe zu „Eine große Zeit“ von William Boyd

Wien, 1913. Lysander Rief, ein aufstrebender junger Schauspieler, hat alle Zelte in London abgebrochen und sich nicht zufällig in die Stadt Sigmund Freuds begeben. Vor seiner Hochzeit muss er sich einem delikaten Problem stellen. Doch als er im Wartezimmer von Dr. Bensimon Hettie begegnet, weiß er sofort, diese unergründlichen braungrünen Augen werden ihn nicht mehr loslassen. Hettie Bull öffnet ihm alle Türen zum ausschweifenden Wiener Künstlerleben, sie betört, umgarnt und blendet ihn und drängt ihn in ein undurchschaubares Spiel, das ihn zur Flucht aus Wien und in die Arme zweier britischer Agenten treibt. Boyds neuer Roman ist eine Erkundung der Tiefen menschlicher Psyche und ein Spionageroman zugleich. Mit meisterlicher Hand entwirft Boyd einen Kosmos, der die Unruhe und Rastlosigkeit einer Epoche zeigt, den schmalen Grat zwischen Brillanz und Scheitern. Eine große Zeit ist aber nicht allein ein Parforceritt durch Europa und die Wirren des Ersten Weltkriegs, es ist ein großer wahrhaftiger Roman, den der Autor uns zu seinem 60. Geburtstag schenkt.

Agentengeschichte währende des 1. Weltkrieges mit einer Prise Erotik.

— buchhase
buchhase

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  • Leserunde zu "Die Fotografin" von William Boyd

    Die Fotografin
    TanyBee

    TanyBee

    Leserunde der Gruppe "SuB Aufbau mit Niveau - Die literarische Runde" zum Buch

    "Die Fotografin" von William Boyd.

    Es werden keine Bücher verlost, aber jeder, der mit eigenem Exemplar teilnehmen möchte ist herzlich willkommen!




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    schokoloko29

    schokoloko29

    17. June 2017 um 14:38
  • Spion Widerwillen

    Eine große Zeit
    Daphne1962

    Daphne1962

    01. September 2016 um 14:12

    Er wollte eigentlich nur eine Auszeit von der Theaterbühne in London nehmen. Lysander Rief ist nach Wien gereist, um sich einer Physiotherapie zu unterziehen. Er ist in die Fußstapfen seines berühmten und bereits verstorbenen Vaters am Theater in London getreten. In Wien begegnet er Hettie, einer Künstlerin aus der Wiener Szene. Mit ihrer unergründlichen und lockeren Art beeindruckt sie Lysander schnell. Ihm gefällt der Aufenthalt in Wien schon sehr und daher befaßt er sich mit einem dauerhaften Bleiben. Doch gibt es keine Zukunft für ihn in Wien, da der 1. Weltkrieg auszubrechen droht. Er muss aus Österreich fliehen, eine Schuld hinterlassend, an die er in London erinnert wird und die er begleichen muss. Er stürzt in ein großes ungewisses "Spiel" und er weiß nicht, wer die Fäden zieht. Er selbst soll einen Spion enttarnen. Wer steht auf welcher Seite? Die Agenten hängen ihm im Nacken. Ein toller Spionagekrimi mit interessanten, undurchsichtigen und lebendgen Figuren. Lysander nahm den Leser mit auf seine Reise und Gedanken. Die damalige Zeit wurde lebendig dargestellt. Der Autor schaffte es, die Geschichte flüssig lesen zu können. Man kam nicht aus dem Konzept sondern die einzelnen Geschichten fügten sich immer wieder zusammen. Boyd immer wieder gerne,

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  • Eine große Zeit

    Eine große Zeit
    HeikeM

    HeikeM

    22. April 2013 um 10:51

    1913-1915. Lysander Rief, ein junger und kurz vor der Hochzeit stehender Schauspieler aus London, kam nach Wien, um sich durch eine Psychoanalyse seines sehr speziellen Problems zu entledigen. Im Wartezimmer von Dr. Bensimon lernte er Hettie Bull kennen und verliebte sich in sie. Hettie gewährte Lysander Eintritt die Wiener Künstlerszene und in ihr Bett, zeigte ihn dann aber wegen Vergewaltigung an. Zwei britische Agenten retteten ihn vor der Verurteilung und dem Gefängnis, fordern aber später Spionage für Großbritannien als Gegenleistung von ihm. Mit "Eine große Zeit" ist William Boyd ein wirklich großer Roman gelungen. Spannung, Zeitgeschichte und Unterhaltung verbindet der Autor auf sehr gekonnte Art und Weise. So war es nicht schwer, die Zeit um 100 Jahre zurückzudrehen, um sich in Lysander Riefs Welt zu orientieren. Detailliert und authentisch beschreibt Boyd seine Handlungsorte und schon nach kurzer Lesezeit baute sich die Kulisse des Romans vor dem inneren Auge auf. Dem "Kopfkino" stand nichts mehr entgegen. Mit Lysander Rief wurde ein glaubwürdiger und sympathischer Held geschaffen, den man als Leser gern durch die Stationen seines Lebens begleitet, mit dem man mitfiebert und -hofft. Aber auch die anderen handelnden Personen waren gut gezeichnet und Kinder ihrer Zeit. Die Handlung war spannungsgeladen. Durch die zwei Erzählebenen, in einer berichtet ein Erzähler und in den "Autobiographischen Untersuchungen" schildert der Protagonist seine persönlichen Eindrücke, erhält der Leser eine komfortable Außen- und Innenwahrnehmung der Handlung und der Persönlichkeiten. Dadurch wurde es förmlich möglich mit den Protagonisten die Handlung zu erleben. Das Zusammenspiel von fein gezeichneten Charakteren, spannender Handlung und hervorragenden Beschreibungen von Ort und Zeit erfüllen den Zeitraum von 1913 - 1915 mit Leben und lassen den Leser in der Vergangenheit auftauchen, so dass er das Gefühl hat, Augenzeuge zu sein. So schafft er es auf beeindruckende Weise ein wirklichkeitsnahes Zeitgefühl zu vermitteln. Wie nebenbei erklärt der Autor dabei auch noch politische Hintergründe und den Stand der Technik zu Beginn des Ersten Weltkrieges. Sprachlich ist der Roman von William Boyd auf einem hohen Niveau angesiedelt, kraftvoll und mitreißend, das findet man bei diesem Genre eher selten, deshalb ist es besonders erwähnenswert. "Eine große Zeit" ist ein echter Boyd. Mich hat das Buch gefesselt und aufs angenehmste unterhalten. Dieser Roman bekommt meine uneingeschränkte Leseempfehlung.

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  • Rezension zu "Eine große Zeit" von William Boyd

    Eine große Zeit
    schokoloko29

    schokoloko29

    11. October 2012 um 12:17

    Inhalt des Buches: Wien 1913. Lysander Rief, ein bekannter Schauspieler in London, versucht sein "Leiden" durch Psychoanalyse zu therapieren. Durch den englischsprachigen Psychotherapeuten, lernt er Hettie Bull kennen und lieben. Durch sie kann er sein "Leiden" kurieren und sie beginnen eine Affäre. Doch leider kommt die Affäre ans Tageslicht und Lysander wird der Vergewaltigung bezichtigt. Um sich und sein ungeborenes Kind zu schützen, flieht er, mit Hilfe von der englischen Botschaft und seine Schergen, übereilt aus Wien. Dabei spielt er sich in die Hände von englische Agenten. Im ersten Weltkrieg fordern die Mitarbeiter von der englischen Botschaft durch Arbeit als Agent "seine Schulden" zu begleichen. Eigene Meinung: Dieses Buch ist sehr gut beschrieben. Der Protagonist und die Nebenfiguren sind toll ausgearbeitet. Man weiß als Leser wirklich am Ende des Buches nicht, welche Person aufrichtig ist und wer etwas zu verbergen hat. Ein tolles Buch, das sich wirklich zu einem Lesesog entwickelt. Fazit: Ein besonders tolles Lesevergnügen. Ich werde auf jeden Fall noch mehr Bücher von diesem Autor lesen

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  • Rezension zu "Eine große Zeit" von William Boyd

    Eine große Zeit
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    30. March 2012 um 11:42

    Psychoanalyse, Spionage und Zeitenwende Ob die Zeit um 1913 herum, zusteuernd auf den ersten Weltkrieg, tatsächlich eine „große“ Zeit war, das liegt sicherlich im Auge des Betrachters. Gekennzeichnet vor allem waren diese Jahre durch eine Verhaftung der Menschen einerseits in alten Traditionen, in Ehre, klaren gesellschaftlichen Trennungen, schmucken Uniformen und einem geprägten Lebensstil, andererseits aber auch durch den Gang in die Moderne, technische Errungenschaften, die Entwicklung der „Innenschau“ des Menschen, durch vielfältige Politik und, vor allem, durch eine gesellschaftliche „Explosion“ der Kunst. Galerien, Schriftsteller, Salons, vielfach nahm das gesellschaftliche Leben Fahrt auf und Wien um 1913 herum war ein Kulminationspunkt all dieser Entwicklungen, auch politisch in der Vielfalt der Interessensgruppen. Eine Atmosphäre, die William Boyd sprachlich ganz hervorragend in seinem neuen Roman in Szene setzt. Einerseits in langsamer Erzählweise, gründlich die Orte, die Personen, die Beziehungen schildernd, andererseits ebenso bildkräftig die „neue Welt“ der sich öffnenden Lebensformen in den Blick setzend. Lysander Rief ist nach Wien gekommen, um sich „kurieren“ zu lassen von einem sexuellen Problem. Er, der eher unverhofft einer Kollegin (er selbst ist Schauspieler) einen Heiratsantrag gemacht hat, sich verlobt hat, will (und muss) dieses in Ordnung bringen, um seinen Weg mit dieser Frau weiter gehen zu können. Hoffnungsvoll wendet er sich an die noch junge Psychoanalyse, öffnet sich aber auch dem kulturellen Schmelztiegel Wien, wird dort fast „hineingesogen“ durch die attraktive Hettie Bull. Die durchaus mehr an ihm zu bewirken vermag, als der „Parallelismus“ seines Therapeuten. Aber auch so manche seiner anderen neuen Bekanntschaften werden durchaus sein Leben verändern. Vor allem der Botschaftsangestellte Munro wird noch eine wichtige Rolle in Lysanders naher Zukunft spielen. Denn der junge Engländer sieht sich unversehens einer Vergewaltigungsklage ausgesetzt, bei der ihm ebenjener Munro hilfreich zur Seite steht. Was seinen Preis haben wird, denn ein einfacher Angestellter der Botschaft ist Munro nicht. Er wirbt Lysander als Spion an. Womit das Buch deutlich an Fahrt aufnimmt und Boyd seinen Protagonisten mitten hinein steuert in die Strategien, Intrigen und politischen Ränkespiele des aufbrechenden Europas. Und mitten hinein in eine Geschichte des Verrats und der Gegenspionage. In einer Zeit, die lebt und bebt, einer Zeit im Aufbruch, welche durch William Boyd detailliert und ganz hervorragend beschrieben wieder lebendig wird. „Diese Pension ist genau wie Wien. An der Oberfläche befindet sich die Welt der Frau K. So angenehm und erfreulich, alle lächeln höflich, niemand furzt oder popelt in der Nase. Aber darunter fließt ein dunkler, reißender Strom.....Der Strom der Lust“. Das Erzähltempo Boyds gerade zu Anfang des Romans ist allerdings durchaus auch eine Frage des Geschmacks. Sehr langsam, sehr ruhig, sehr gründlich führt Boyd ein in diese vergangene Zeit und Welt. Eine Langsamkeit, die hier und da durchaus beim Leser auch in Langeweile umzuschlagen droht und doch ein wenig Ausharrvermögen braucht. Ein hervorragend geschriebenes Gesellschaftsbild der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, in welchem Boyd die Atmosphäre jener Zeit detailgetreu einfängt und in dem er den Leser, trotz einiger Längen zu Beginn und einer allgemein teils zu ruhigen Erzählweise, mit auf eine nachhaltige und einprägsame Zeitreise durch Politik, Kunst und Wissenschaft nimmt.

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  • Rezension zu "Eine große Zeit" von William Boyd

    Eine große Zeit
    Ulf_Borkowski

    Ulf_Borkowski

    18. March 2012 um 23:35

    Auf den ersten Blick wirkt Lysander Rief, an der Ecke Augustinerstraße und Augustinerabtei im Wien des Jahres 1913 stehend, wie ein Held. Er ist „ein auf konventionelle Weise geradezu gutaussehender junger Mann“, glatt rasiert, gut gebaut und mit breiten Schultern, geradezu ein Dandy. Er repräsentierte eine höchst plausible Interpretation eines weltlichen, informierten und gebildeten Mannes - aber er wusste, wie schwach die Verkleidung war, wenn er auf Menschen mit echten Gehirnen gestoßen war. Lysander Rief findet sich im Laufe von William Boyds neuem Roman „Eine grosse Zeit“ in Sex-Skandale, eine gewagte Flucht und internationale Spionage verwickelt, er überlebt einen Zeppelin–Angriff auf London, ein Attentat und einen Spähtrupp an der Westfront des Ersten Weltkrieges. Er gerät immer wieder in die Fänge einer Femme Fatale und schafft es einen Verräter zu entlarven, dem er den Codenamen Andromeda gegeben hat. Dennoch ist Lysander weder Spion, noch Soldat, noch ein professioneller Abenteurer. Er ist nur ein nicht sehr guter Schauspieler, der vor kurzem noch auf der Londoner Bühne stand. Der Grund für seinen Aufenthalt in Wien im Jahr 1913 hat nichts mit dem bevorstehenden Krieg zu tun. Er ist da, um einen Psychiater der neuen Generation und Schüler Freuds namens Bensimon zu bitten, seine chronische Anorgasmie zu heilen. Eigentlich ist Lysander ein Poet, ein Träumer, aber die Ereignisse überschlagen sich und ziehen ihn mit sich, schneller und schneller. In Bensimons Praxis trifft er Hettie Bull, eine kleine Engländerin mit blasser Haut und braunen Augen, die Bildhauerin ist und ihn unumwunden bittet, für sie Modell zu stehen. Mit einer gewissen Zwangsläufigkeit beginnen die beiden eine leidenschaftliche Affäre. Eines Morgens wird Lysander von der Polizei verhaftet, offenbar betrogen von Hettie, und der Vergewaltigung angeschuldigt. Mit Hilfe des Diplomaten Munro, flüchtet er aus einer Villa auf dem Gelände der britischen Botschaft, um über Triest nach Hause zu entkommen. Zurück in London, bleibt Lysander kaum Zeit zum Luft holen, als der Erste Weltkrieg ausbricht. Er meldet sich als einfacher Soldat freiwillig und wird der East Sussex Light Infantry als Übersetzer in einem Internierungslager zugeteilt. Da sucht ihn Munro, der ehemalige Militärattaché der britischen Botschaft in Wien auf, der ihm mit seinem Stellvertreter Fyfe-Miller bei seiner Flucht aus Österreich behilflich war. Die beiden erinnern ihn an seine Schulden bei der englischen Krone und verpflichten Lysander bei Beförderung zum Leutnant zu einem Geheimauftrag. Es gibt einen Verräter im britischen Oberkommando. Verschlüsselte Botschaften an den Feind wurden in Genf abgefangen und Lysander soll sich dorthin begeben, um den Schlüssel zu finden. Um seine Legende zu untermauern, muss er aber zuerst als vermisst gemeldet werden, wozu er sich an die Front des britischen Expeditionskorps in Frankreich begibt. Durch die Aufzeichnungen in seinem Tagebuch „Autobiographische Untersuchungen“, das er auf Anraten von Dr. Bensimon in Wien begonnen hat, vertraut sich Lysander dem Leser auf einem zweiten Wege an: "Mein Leben verläuft jetzt auf einer völlig fremden Bahn – als säße ich in einem fahrenden Zug, ohne die Strecke oder die Endstation zu kennen.“ Hier bewegt sich William Boyd auf bekanntem Terrain. Das Thema des Aufeinandertreffens von Öffentlichkeit und Privatleben zieht sich durch sein Werk. Boyd ist ein vortrefflicher Fälscher der Wirklichkeit, was er insbesondere mit seiner „Trilogie der Fälschungen“ in „Eines Menschen Herz“, „Die neuen Bekenntnisse“ und „Nat Tate“ deutlich gemacht hat. Der ordentliche Charakter der in der Geschichte aufschlägt ist ein sich wiederholendes Thema in Boyds Werken, ebenso wie die Rolle von Wahrheit und Identität. Lysander verkleidet sich zweimal, um einer verhaftung zu entkommen, er ändert zur Tarnung seinen Namen, ebenso wie aus Hettie Bull Venora Lastry wird und seine Londoner verlobte ihm gesteht seit Jahren unter Pseudonym aufzutreten. Sein Wiener Psychiater heilt ihn unter Hypnose mit dem Konzept der so genannten Parallelität, einer Form der alternativen Vergangenheit, um böse Erinnerungen auszulöschen. Boyd schafft es zum wiederholten Male den Leser durch einen Nebel von Wissen und Nichtwissen, Unwahrheit und Verdacht zu führen. Seite für Seite ist „Eine große Zeit“ eine solide Erzählung, die Boyds Genie für Tempo eidrucksvoll unter Beweis stellt. Am Ende bleiben doch einige Fragen offen. Welche Rolle spielte seine Mutter? Welches Spiel spielten die Geheimdienst-Offiziere wirklich mit ihm? Welche Rolle spielte Hettie Bull und ihr vermeintlicher gemeinsamer Sohn? Es spielt letztlich keine Rolle, denn auch das ist ein wiederkehrendes Thema bei Boyd, wie insbesondere in „Einfache Gewitter“. Eine atmosphärische Hommage an die Agenten-Thriller der letzten hundert Jahre vor detailliertem historischen Hintergrund.

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  • Rezension zu "Eine große Zeit" von William Boyd

    Eine große Zeit
    TochterAlice

    TochterAlice

    10. March 2012 um 18:31

    Wem kann ich vertrauen? Diese Frage stellt sich dem Protagonisten von William Boyds Roman "Eine grosse Zeit", dem jungen Schauspieler Lysander Rief, im Verlauf der Geschichte mehr und mehr, wird er doch 1913 aus heiterem Himmel in Wien - dort hielt er sich eigentlich wegen einer Psychotherapie auf - verhaftet und der Vergewaltigung bezichtigt. Dadurch verändert sich sein ganzes Leben, denn auch der britische Geheimdienst kommt ins Spiel. Nicht lange, dann beginnt der erste Weltkrieg mit all seinen Wirren, Lysander gerät im wahrsten Sinne des Wortes in die Schusslinie und in einen Strudel der Ereignisse, der alle Lebensbereiche betrifft und weiß nicht mehr, wem er noch trauen kann: dies umfasst auch die engsten Familienmitglieder und Freunde. Nicht die politische Situation an sich ist es, die hier im Mittelpunkt steht, nein, es geht vielmehr um jähe, unerwartete Veränderungen. So ist das Setting des Romans durch den Kulturbetrieb und die intellektuellen Kreise jener Zeit geprägt, nicht durch den Militarismus und andere politische Elemente, die eher den Rahmen bilden. Aber Details nachzuerzählen wäre müßig: all das beschreibt der großartige britische Autor William Boyd - den ich bereits seit Mitte der 1980er Jahre verehre - so treffend, spannend und sprachlich so ansprechend, dass ich von Herzen eine Leseempfehlung für dieses Buch aussprechen möchte. Wer also erfahren möchte, welch fatale Folgen der stümperhafte Gebrauch von Französisch haben kann, was "Verzauberte" sind oder wer einfach in die Atmosphäre des Umschwungs im "Alten Europa" eintauchen will, die von Boyd trefflich transportiert wird, kurzum: wer auf intelligente Weise bestens unterhalten will und auch mal gern einen Spionageroman zur Hand nimmt, der kommt um dieses wundervolle Werk nicht herum.

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  • Rezension zu "Eine große Zeit" von William Boyd

    Eine große Zeit
    sabatayn76

    sabatayn76

    08. March 2012 um 19:32

    'In unserem verfallenden Kaiserreich gilt der Freitod als vollkommen vernünftige Lösung.' Inhalt: Wien im Jahre 1913: Der Schauspieler Lysander Rief ist nach Wien gereist, damit er mit der verhältnismäßig neuen Methode der Psychoanalyse von einem Problem befreit wird, das ihn plagt. In der Praxis von Dr. Bensimon trifft er auf die charismatische Künstlerin Hettie, die er am selben Tag unverhofft in einem Geschäft für Künstlerbedarf wieder trifft, die ihn umgarnt und schließlich dafür sorgt, dass er Wien eilig wieder verlassen muss. In der Zwischenzeit bricht der erste Weltkrieg aus, Lysander erlebt den Krieg hautnah und wird schließlich in eine Spionagegeschichte verwickelt. Mein Eindruck: Auch in William Boyds neuem Roman gelingt es dem Autor, eine glaubwürdige Geschichte mit lebensnahen Protagonisten und in anspruchsvoller Sprache zu erzählen. An 'Eine große Zeit' hat mir besonders die Beschreibung der Stimmung in verschiedenen europäischen Städten kurz vor und während des ersten Weltkrieges gefallen. Vor allem die Atmosphäre im Wien hat William Boyd meiner Meinung nach sehr gut eingefangen. Im Vergleich zu früheren Romanen wie 'Ruhelos' und 'Einfache Gewitter' empfand ich 'Eine große Zeit' jedoch als weniger fesselnd, etwas langatmiger und weitschweifiger. Meines Erachtens hat sich weder die Geschichte um Lysanders Problem und seine Zeit in Wien noch die Beschreibung der Kriegswirren und die Spionagegeschichte wirklich entfalten können. Mein Resümee: Ein guter, aber meiner Meinung nach nicht der beste Roman William Boyds.

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