William Boyle

 4.6 Sterne bei 5 Bewertungen
Autor von Gravesend.

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Gravesend

Gravesend

 (5)
Erschienen am 01.01.2018

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Rezension zu "Gravesend" von William Boyle

Großes Kino!
Haversvor 10 Monaten

Gravesend, am südlich-westlichen Zipfel von Brooklyn, einer der ältesten Stadtteile New Yorks, . Bevölkerung überwiegend weiß, eher Unter- als Mittelschicht, konservativ, bei Wahlen den Republikanern zugeneigt. „Gravesend“ ist aber auch der Titel eines Romans von William Boyle, einem amerikanischen Autor, der in diesem Viertel aufgewachsen ist.

Gravesend ist ein Drecksloch, Endstation für die Alten und keine Zukunft für die Jungen. Die einen gehen und suchen ihr Glück anderswo. Wie Alessandra Biagini, die Möchtegern-Schauspielerin, für die es nie zu einer richtigen Rolle gereicht hat. Ein paar kurze Auftritte in Werbeclips, aber das war’s dann auch schon. Der Traum von Hollywood – ausgeträumt. Als ihre Mutter stirbt und ihr Vater Hilfe braucht, kommt sie zurück und macht genau dort weiter, wo sie vor ihrem Weggehen aufgehört hat.

Andere bleiben, suchen sich ein Ventil für ihren Frust und lassen ihrem Hass freien Lauf. Und wieder andere leben für die Rache.
Conway Calabrese gehört der letztgenannten Gruppe an. Ein typischer Loser, der Regale im Supermarkt auffüllt und auch sonst nichts auf die Reihe bekommt. Seit sein Bruder Duncan von Ray Boy Calabrese und dessen Kumpels in den Tod gehetzt wurde, bereitet er sich auf den Tag vor, an dem Ray Boy aus dem Knast entlassen wird. Conway will den Tod seines Bruders rächen. Blut verlangt nach Blut.

Ray Boy Calabrese hingegen ist nach seinem sechzehnjährigen Gefängnisaufenthalt ein gebrochener Mann. Er leidet unter Schuldgefühlen, hat keinen Lebenswillen mehr und will nur noch sterben. Das könnte nun ja sowohl ihm als auch Conway helfen. Doch leider wird daraus nichts, denn Conway ist nicht Manns genug, um abzudrücken.

Der Dritte im Bunde ist Ray Boys Neffe Eugene, ein halbwüchsiger Kleinkrimineller, der voller Bewunderung zu seinem Onkel aufschaut und ihm nacheifern möchte. Er sieht in ihm noch immer den ultracoolen Gangster, der vor nichts und niemand Angst hat. Mit diesem Häufchen Elend, das der Knast aus Ray Boy gemacht hat, kann er so überhaupt nichts anfangen. Eugene möchte ihn wieder in die Spur bringen, dem König der Gangster sein Königreich zurückgeben. Doch das kann und wird in Gravesend kein gutes Ende finden.

Trostlos, kein Glitzer, kein Glamour, nur Elend wohin man schaut. Die Hoffnungslosigkeit lugt aus jeder Zeile und William Boyle beschreibt das Elend ohne Übertreibung und Effekthascherei. Eine Geschichte vom Bodensatz der Gesellschaft. Wissend, dass es kein Entkommen gibt. Dass die Katastrophe bereits mit dem Tag der Geburt in Gravesend unausweichlich festgelegt wurde. Großes Kino!

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Andreas_M_Sturms avatar

Rezension zu "Gravesend" von William Boyle

Noir – hart und kompromisslos.
Andreas_M_Sturmvor 10 Monaten

Als Ray Boy, der vor sechzehn Jahren einen Jungen in den Tod getrieben hat, von Schuld zerfressen aus dem Gefängnis zurückkehrt, will er eigentlich nur noch eins: Sterben.

Conway, der Bruder des Toten, der sich all die Jahre hinter seinen Rachefantasien versteckt hat, sieht seine Zeit gekommen. Doch als er Ray Boy mit der Waffe in der Hand gegenübertritt, benutzt ihn dieser für seinen eigenen Plan. Und dann gibt es noch Ray Boys Neffen Eugene, der mit ansehen muss, wie der angebetete Onkel verfällt.

Anhand von Einzelschicksalen, die auf tragische Weise miteinander verknüpft sind, schildert Boyle die Zustände in Gravesend. Er zeichnet ein düsteres Bild von Menschen auf dem Abstellgleis. Wer in diesem Teil von New York lebt, hat bereits verloren. Das Leben in Gravesend ist geprägt von Verfall, Vorurteilen, Kriminalität und Hoffnungslosigkeit.

Bis hin zu dem verstörenden Ende lässt dieses Buch seinen Leser nicht aus dem Griff.

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Schurkenblogs avatar

Rezension zu "Gravesend" von William Boyle

Hoffnungslos, verzweifelnd, selbstzerstörend und düster ist Gravesend. Ein Tipp für Noir-Leser!
Schurkenblogvor einem Jahr

Weil er einen Jungen in den Tod hetzte, kam Ray Boy Calabrese für 16 Jahren hinter Gitter. Nun ist er wieder auf freiem Fuß, doch vom einst harten Typen ist nichts mehr übrig. Er will nur sterben. Durch Conways Hände.
Conway, der Bruder des Hate-Crime-Opfers, hat in all der Zeit auf Rache geschworen. Er will Ray töten, doch so ein Mord, ist nicht so leicht wie man es sich vielleicht erträumt.
Und dann gibt es noch Eugene, Rays Neffen, der seinen Onkel als Verbrecherkönig und Vorbild sieht. Der total enttäuscht ist, weil Ray kein knallharter Exknasti ist, der sich zur Aufgabe macht, seinen Onkel wieder auf den rechten - verbrecherischen - Weg zu bringen.

Doch Gravesend ist ein Viertel, das einfach alle runterzieht. Wer hier ankommt, ist unten angekommen. An einem Ort der Hoffnungslosigkeit, der Verzweiflung, der Selbstzerstörung.
In Gravesend bekommt niemand eine Chance. Man dümpelt vor sich hin, verrottet in den eigenen vier Wänden, oder opfert sich selbst für ausweglose Ziele.

Gravesend ist düster. Es zieht auch den Leser runter. Schlägt aufs Gemüt, erschlägt Hoffnungen. Gravesend ist noir. Durch und durch. Das muss man mögen, dann ist Gravesend ein Lesetipp!

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