William Gaddis

 3.9 Sterne bei 48 Bewertungen
Autor von JR, Die Fälschung der Welt und weiteren Büchern.

Lebenslauf von William Gaddis

William Gaddis geboren 1922 in Manhatten, studierte Anglistik in Harvard und war anschließend als Journalist und Werbetexter tätig. Für seinen monumentalen Roman "JR" erhielt er den National Bool Award. William Gaddis verstarb im Dezember 1998.

Alle Bücher von William Gaddis

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JR

JR

 (13)
Erschienen am 09.07.2012
Die Fälschung der Welt

Die Fälschung der Welt

 (11)
Erschienen am 09.04.2013
Letzte Instanz

Letzte Instanz

 (8)
Erschienen am 01.04.1998
The Recognitions

The Recognitions

 (2)
Erschienen am 30.01.1986
Agape Agape

Agape Agape

 (1)
Erschienen am 01.10.2003

Neue Rezensionen zu William Gaddis

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Rezension zu "Das mechanische Klavier" von William Gaddis

Gaddis – DAS MECHANISCHE KLAVIER
Ein LovelyBooks-Nutzervor 5 Jahren


DAS MECHANISCHE KLAVIER ist eine zynisch-sarkastische Kulturkritik, geschrieben als ein einziger langer Absatz, ein galliger Monolog eines im Sterben liegenden Schriftstellers, der sich über den Untergang der Kunst auslässt. Das titelgebende Klavier ist für ihn der Anfang vom Ende, eine Maschine, die es jedem Hans und Franz erlaubt, hohe Kunst zu schaffen, ohne sie zu studieren, geschweige denn zu verstehen. Der Text enthält Dutzende Querverweise und Anspielungen und wird immer wieder unterbrochen vom Gejammere des Schimpfenden über seinen miserablen Zustand.
Fazit: Herrlich böse mit einer ordentlichen Prise Humor. Ich war die ganze Zeit am Grinsen – 5 Sterne

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Rezension zu "Die Fälschung der Welt" von William Gaddis

Langatmig und doch lesenswert
Cekayvor 5 Jahren

Zitat: …daß nicht die Macht den Menschen korrumpiert, sondern der Mensch die Macht.

 

*Buch / Schreibstil*

Die Fälschung der Welt von William Gaddis wurde als sein Erstlingswerk 1955 erstmals veröffentlicht. Zum 58jährigen Jubiläum wurde der gut 1200-Seiten-Roman neu aufgelegt und auch wenn mich dieses Buch oft vor eine Herausforderung gestellt hat, muss ich sagen, dass es diese Neuauflegung wirklich verdient hat. Die Fälschung der Welt war seit jeher ein umstrittenes Buch und auch meine Gefühle sind sehr zwiespältig.

Zum einen ist der Schreibstil wirklich sehr langatmig, ausufernd und anstrengend, aber auf der anderen Seite verstand es William Gaddis immer wieder großartige Szenen und Dialoge einzubauen. Neben den unzähligen Anspielungen machen diese das Buch lesenswert.

 

*Story / Charaktere*

Im Zentrum des Buches steht der Pastorensohn und malerisch begabte Wyatt Gwyon.  In seinem Leben dreht sich auf die eine oder andere Weise immer alles um Fälschungen und natürlich auch Originale. Sei es nun seine Ehe, sein Job oder später die Kunstfälschungen. Von den Bildern, die seine Unterschrift tragen, will kaum einer etwas wissen und so fängt er an Bilder im Auftrag eines Kunsthändlers im Stile berühmter Maler zu malen. Das bringt zwar theoretisch viel Geld, stürzt den armen Wyatt aber auch in Depressionen und  „verrückte“ Phasen.

Im Anbetracht dessen, dass dieser Roman schon ein paar Jährchen auf den Buckel hat, ist es erstaunlich, wie aktuell viele geführte Diskussionen sind. William Gaddis war seiner Zeit weit voraus.

Eines kann man wegen des ausufernden Schreibstils sagen: es gibt keine blassen Charaktere. Fast jede noch so kleine Nebenfigur ist genauestens beschrieben und wenn es nicht gerade um Wyatts verrückte Anwandlungen geht, sind auch alle Handlungen und Gedanken nachvollziehbar. Das will durchaus was heißen, denn es gibt gefühlt mehr als 50 wichtige Nebenfiguren, deren Weg Wyatts immer wieder kreuzt.

 

*Fazit*

Die Fälschung der Welt ist kein Roman, den man schnell zwischendurch liest. Dafür ist dieser Roman, von der Länge abgesehen, einfach zu vielschichtig und komplex. Oft ging mir beim Lesen deswegen das Vergnügen verloren und ich musste mich mehrmals zwingen, das Buch wieder in die Hand zu nehmen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass William Gaddis ein monumentales Werk geschaffen hat, das man zumindest zu lesen versuchen sollte.

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M

Rezension zu "Die Fälschung der Welt" von William Gaddis

Meilenstein der Literatur
michael_lehmann-papevor 5 Jahren

 

Neu aufgelegt und in durchaus immer noch  „frischem Glanz“, so präsentiert sich das epochale Werk aus dem Jahre 1952 auch im Jahre 2013 noch inhaltlich, in der sprachlichen Form und der doppelbödigen Kritik an der Moderne und der Suche nach der „wahren Kunst“ und dem „schöpferischen Kern des Seins“.

 

Schon vordergründig bietet die Geschichte, die Gaddis in bildkräftiger, hintergründiger, teils ironischer, immer aber mitreißender Sprache, auf den gut 1220 Seiten ein intensives, verwirrendes, doppelbödiges Mit-Erleben der Wege der Protagonisten.

 

Beileibe nicht nur vordergründig geht es Gaddis um das Thema der „Fälschung“, der „Kopie“ mit dem Anspruch auf originäre Schöpfung.

Das die Hauptfigur, Wyatt Gwyon, sich als talentierter Maler entpuppt, ist das eine. Dass jener Wyatt für sich, und sei es auch aus akuter Not heraus, statt mit eigener Inspiration vorzugehen, , Fälschungen zu erstellen, hierbei aber dennoch eigentlich Originale „erfindet“ (er führt die Impulse und das Genie alter, vor allem flämischer, Meister in eigener Art fort) ist ein deutliches Spiegelbild der Haltung und des Lebensweges der Moderne.

Und zudem führt Gaddis in der Figur Wyatts auch das Spirituelle, die Ur-Sehnsucht nach Schaffenskraft und Schöpfung, mit ins Feld. Die „brennenden Haare“, die sich Wyatt an sich selbst anträumt und vorstellt können durchaus als Verweis des „über den Menschen kommenden schöpferischen Geistes“ verstanden werden.

Wobei dies alles wohlgemerkt nur einen Ausschnitt der vielfachen Wege und Figuren des Romans darstellt.

 

Diese Mischung aus eigener Leistung und doch nur Betrug, aus Gier nach dem Besitz und doch nur einer Fälschung aufsitzen, ist in dieser sprachlichen Form ein treffendes, mehrdeutiges Bild für das moderne Leben. Umso bewundernswerter ist die Weitsicht des Autors, der in einer Zeit, in der zumindest die westliche Welt geschlossen dem Fortschritt und dem Materialismus die Ehre erwies, schon die tönernen Füße dieses Lebensstiles umfassend (in zudem noch unterhaltsamer Form) Faser für Faser offenlegt und dabei zurückgreift auf die Kunst , Kultur, Literatur und die religiöse Suche der Vergangenheit.

 

Denn beileibe nicht nur um Kunstfälschungen geht es. Fälschungen aller Art ziehen sich durch die mäandernden Seiten des Romans, vom Falschgeld bis zu jeder Form des Kunst-Plagiats, immer kreisen um die alte und immer wieder neue Frage des „schönen Scheins“ statt „handfesten Seins“, in der die Personen des Buches unentwirrbar miteinander verbunden sind.

 

Bigott ist (fast) die gesamte Welt, in der sich der Roman bewegt, von Beginn an. Dem anderen einen Bären aufbinden, das Ganze am besten selber glauben, um es überzeugend zu vertreten, sich bei „anderen bedienen“, was das Zeug hält. Vom Politiker bis zum Professor, vom kleinen Ganoven bis zum großen Fälscher ist es „der große Schein“, den Gaddis vor Augen führt. Eine Gerede und ein Vorspiegeln falscher Tatsachen, die gerade in den letzten Jahren als „Grundhaltung“ eine aktuelle Brisanz gewonnen haben. Damit verbindet sich die Suche nach „dem Kern“, nach sich selbst, nach dem „ganz Eigenen“.

Was alles in allem allerdings nicht zur Übersichtlichkeit des Werkes beiträgt, sondern den Leser immer wieder in neue Aspekte der Literaturgeschichte, der religiösen Suche, der Anstrengung nach eigener Geltung führt.

 

Das der „rote Faden“ ein ums andere Mal verloren geht, der Leser selbst sich in dieser ausufernden Welt, den Finten, den Gesprächen mit doppeltem Boden, des Öfteren verliert, auch das ist Teil dieses Romans (der ertragen werden muss bei der Lektüre).

 

„Egal welche Straße sie überquerte, stets schien Finsternis den Himmel zu fluten“.

 

Ein Satz etwa aus der Mitte des Romans, der sowohl die innere Ebene als eben auch das Leseerlebnis auf den Punkt bringt.

 

„Und die Gäste drifteten vorbei, spurlos, vermeintlich ziellos, glupschäugig wie Fische unter Wasser, schnappten nach Beute, wie diese sich anbot und flitzen in Deckung bei Gefahr“.

 

So ist die Welt durch Gaddis Augen, vor denen nur wenige Haltungen und Wege Gnade finden dürften, auch im Roman. In einer Welt, in der Kunst (und damit die Kultur, das „Tiefe“) nur scheitern können, weil das Vordergründige  immer einen Schritt voraus ist und einen Tick Rücksichtsloser verfährt.

 

Ein alter, „jung“ gebliebener Roman, der in seiner Form und seiner weitschweifigen Suche nach einem „Kern“ immer noch wichtig und empfehlenswert ist.

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