William Gay

 4.2 Sterne bei 31 Bewertungen
Autor von Nächtliche Vorkommnisse, Ruhe nirgends und weiteren Büchern.

Lebenslauf von William Gay

William Gay, geboren 1943, lebt in Tennessee und gilt in den USA schon lange als einer der herausragenden Vertreter der Southern-Gothic-Literatur. Mit seinem Roman «Nächtliche Vorkommnisse», einer «mörderischen Hetzjagd durch die menschlichen Abgründe» (Rheinischer Merkur), hat er sich auch in Deutschland ein großes Lesepublikum erobert und die Presse begeistert.

Alle Bücher von William Gay

Nächtliche Vorkommnisse

Nächtliche Vorkommnisse

 (20)
Erschienen am 01.02.2011
Ruhe nirgends

Ruhe nirgends

 (6)
Erschienen am 19.02.2010
Twilight

Twilight

 (0)
Erschienen am 03.06.2009
Walt Whitman, the Poet of Democracy

Walt Whitman, the Poet of Democracy

 (0)
Erschienen am 14.08.2009

Neue Rezensionen zu William Gay

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Stefan83s avatar

Rezension zu "Ruhe nirgends" von William Gay

Whiskey and blood run together ...
Stefan83vor 5 Jahren

„Wie No Country for Old Men von Cormac McCarthy – in doppelter Dosis“ wird Stephen King auf der Rückseite der deutschen Ausgabe von William Gays 1999 im Original veröffentlichten Debütwerk zitiert, womit auch der Arche Verlag dem seit einiger Zeit vorherrschenden Trend folgt und den „Grand Master of Horror“ (der, so scheint es, nicht nur selbst viel schreibt, sondern auch Unmengen an Büchern im Jahr zu lesen scheint) die Werbetrommel rühren lässt. So verkaufsfördernd das am Ende dann sein mag, die Allgegenwärtigkeit des Kings auf Buchdeckeln hierzulande hat meinerseits zuletzt eher fürs Skepsis, denn für begeistertes Zugreifen gesorgt, zumal nicht alle der hymnisch gelobten Titel in der Vergangenheit überzeugen konnten. Selbiges gilt übrigens auch für die immer wieder bemühten Vergleiche mit bereits etablierten Autoren, wobei hier besonders oft Raymond Chandler oder James Ellroy herhalten müssen. Nun also „Cormac McCarthy“. Eine hohe Latte, die King gelegt hat, gehört doch der Pulitzer-Preisträger zu den Schwergewichten der modernen amerikanischen Literatur. Doch eins sei gleich vorab gesagt: William Gay überspringt diese Hürde mit unerwarteter Leichtigkeit.

Sein Erstling „Ruhe Nirgends“ reiht sich nahtlos zwischen den anderen Größen des „Southern Gothic“ bzw.. „Country-Noir“ wie Daniel Woodrell oder Joe R. Lansdale ein. Ja, selbst mit solchen Kalibern wie John Steinbeck oder William Faulkner kann sich der in Tennessee geborene und 2012 eben da gestorbene Autor durchaus messen. Und was meine persönliche Einordnung betrifft: Seit Breece D'J Pancakes Kurzgeschichten und meinem ewigen Favoriten James Lee Burke hat mich kein Vertreter dieser Genregattung mehr derart sprachlich beeindruckt zurückgelassen. Und nun kurz zur Geschichte:

Sie nimmt ihren Anfang im Tennessee des Jahres 1933. Nahe den Wäldern bei Ackerman's Field kommt es in einer regengepeitschten Nacht zu einem tödlichen Streit: Der aufrechte Nathan Winer stellt den zwielichtigen Dallas Hardin zur Rede, der auf Winers Grund und Boden illegal Schnaps brennt. Hardin erschießt ihn kurzerhand. Die Leiche wirft er in das riesige, nach Schwefel stinkende Erdloch auf dem Land des schwächlichen Hovington, ebenfalls ein Schwarzbrenner.

Zehn Jahre später. Während in Europa, Afrika und Asien der Zweite Weltkrieg tobt, hat Dallas Hardin Hovingtons Platz komplett eingenommen, all den Besitz des Mannes samt seiner Frau und Tochter an sich gerissen. Während dieser in einer Kammer dem Tode entgegensiecht, baut Hardin das Anwesen zum bestbesuchten Kneipenbordell der Gegend um, wird nach und nach zum einflussreichsten und gefürchtetsten Mann, zum Fixpunkt allen Bösen in Ackerman's Field. Richter, Anwälte, Sheriffs – sie alle werden geschmiert, Konkurrenten die Häuser abgefackelt oder in „Notwehr“ das Leben genommen. „Sei schön brav, sonst gebe ich dich dem alten Hardin“, drohen die Mütter ihren Kindern. Niemand geht eine Konfrontation mit dem Mann ein, dem selbst noch im höheren Alter ein Blick mit den „gelben Ziegenaugen“ reicht, um jeglichen Widerstand im Keim zu ersticken. All das ändert sich jedoch, als ein junger Mann in die Dienste von Dallas Hardin eintritt. Es ist ausgerechnet Nathan Winers Sohn, der, anders als seine Mutter, nicht glauben will, dass sein Vater die Familie vor zehn Jahren einfach so im Stich gelassen hat. Aber auch er kann nicht ahnen, dass er nun in seiner Anstellung als Zimmermann dem Mörder seines Vater das florierende Bordell erweitert.

Während er in der Sonne schwitzt, wird er unbemerkt von jemanden beobachtet. Und dieser Jemand war einst Zeuge des Mordes an Winer senior und bewahrt ein äußerst makabres Beweisstück auf …

Die Tiefen des amerikanischen Hinterlandes, die Wildheit der Naturgewalten, die Ursprünglichkeit des rohen und rauen Staates Tennessee – William Gay, der sich lange seinen Lebensunterhalt als Maler und Schreiner inmitten der Wälder verdingt hat, kennt sie aus eigener Erfahrung, aus erster Hand. Und genau das spürt man in jeder einzelnen Zeile dieses beeindruckenden Romans, der sich so schroff und kantig liest, als hätte der Autor die Worte wie Holzpflöcke mit einer scharfen Axt bearbeitet. Man mag es kaum glauben, dass hier jemand zum ersten Mal zur Feder gegriffen hat, derart kraftvoll, zielstrebig und vor allem stilsicher kommt diese Geschichte daher, die, mit alttestamentarischer Wucht erzählt, den Leser sogleich gefangen nimmt und mittels bildlicher Vergleiche eine dichte Atmosphäre kreiert, welche sich höchstens mit einem aufziehenden Sturm vergleichen lässt.

Dunkle Wolken ziehen über das Land, prasselnder Regen geht hernieder, Fluten lassen Bäche über die Ufer treten, in der elektrisch aufgeladenen Luft hört man die Rufe der Ziegenmelker. Langsam, zäh, ja schwerfällig der Beginn, in dem Gay immer wieder zwischen Perspektiven wechselt, nur kurze Einblicke in die Leben der Protagonisten gewährt, während in erster Linie die Beschreibungen von Wetter und Licht die Erzählung bestimmen. Hier erkennt man den Maler Gay, dessen feine Augen Gesehenes eins zu eins übernehmen, nur dass in „Ruhe Nirgends“ keine Leinwand den Resonanzkörper bildet, sondern ein zutiefst ursprüngliche Geschichte, die zwischenzeitlich gar märchenhafte Züge zeigt.

Vom schwarzen Ritter in seinem Schloss, über die Jungfrau in Nöten und dem weisen, alten Mann bis hin zum jungen Lehrling. Gay spielt mit der klassischen Mythologie, ohne aber dabei Gefahr zu laufen, ein künstliches Gerüst um die Handlung zu spannen. Ganz im Gegenteil: Trotz der lyrischen Sprache ist „Ruhe Nirgends“ zutiefst authentisch, aufs Wesentliche konzentriert, ohne jede Form des sonst so typisch amerikanischen Pathos. Es ist eine archaische, moralisch verkommene Welt ohne Gesetze, in die Gay uns führt und die für die Schwachen und Zweifelnden keinerlei Hoffnungen bereithält, keinerlei Mitleid hat. Brutale Gewalt, Betrug, Grausamkeit, Mord scheinen Alltag in den Wäldern nahe Ackerman's Field zu sein. Ein Hort des Bösen und der menschlichen Kälte, der aber trotzdem genauso wenig greifbar scheint, wie die handelnden Charaktere, die uns als Spiegelbild ihrer Umwelt begegnen.

„Ruhe Nirgends“ ist keine Lektüre für zwischendurch, kein kurzweiliges Urlaubsbuch für den Sommer, keine schlichte Unterhaltung. Es ist die Rückkehr in längst vergessenen geglaubte Züge des Menschlichen, in eine Zeit und eine Gegend fernab der Zivilisation, in der das Recht des Stärkeren herrscht. Das ist mitunter schwer verdaulich, ja bedrückend, lässt uns aber andererseits auch trotz all der Trostlosigkeit und der Distanz innerhalb der Erzählung nicht kalt, zumal es Gay hervorragend gelingt, das anfangs noch so verzettelte Szenario in einem stetig ansteigenden Spannungsbogen zu einem nachdrücklich beeindruckenden Klimax zu führen. Der Weg dorthin ist für Leser wie Hauptfigur Nathan Winer junior gleichermaßen eine Reifeprüfung, die man bestehen muss. Wer daran scheitert, wird wohl kaum ein weiteres Buch dieses Autors in die Hand nehmen.

Insgesamt ein stilistisch und sprachlich beeindruckender erster Wurf eines Schriftstellers, der schon fast folgerichtig in den USA als neuer Star des „Southern Gothic“ gefeiert und vom großartigen Joachim Körber (mal wieder) bis hin zum letzten I-Tüpfelchen perfekt übersetzt worden ist. Ich bin mehr als begeistert. Oder um es mit Bela B.s Worten bei Pulp Master zu sagen: „Hab mich selten so gut schlecht gefühlt.“

Kommentare: 2
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PaulTemples avatar

Rezension zu "Nächtliche Vorkommnisse" von William Gay

Rezension zu "Nächtliche Vorkommnisse" von William Gay
PaulTemplevor 8 Jahren

Wieder einmal ist William Gay ein Meisterstück gelungen: Mit einem wunderbar poetischen, naturverliebten Sprachstil erzählt er die schockierende Geschichte einer erbarmungslosen Hetzjagd. Der Gejagte: Tyler, ein Junge, der mitsamt seiner Schwester die grausame Entdeckung macht, dass der örtliche Leichenbestatter nekrophilen Neigungen nachgeht und diese fotografisch festhält. Als die Fotos in die Hände von Tyler gelangen, beauftragt der Bestatter einen "Jäger": Sutter, der die personifizierte Brutalität darstellt und buchstäblich über Leichen geht, um seine Ziele zu erreichen. Die Jagd führt die beiden Männer in einen tiefen, mysteriösen, nahezu märchenhaften Wald...

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Sanichas avatar

Rezension zu "Nächtliche Vorkommnisse" von William Gay

Rezension zu "Nächtliche Vorkommnisse" von William Gay
Sanichavor 8 Jahren

Meine Rezension:
Das Buch „ Nächtliche Vorkommnisse“ vom Autor William Gay ist ein spannender und fesselnder Thriller. Es beginnt gleich spannend und diese Spannung hält sich bis zum Schluss. Der Schreibstil ist flüssig und man kommt gut in die Geschichte rein. Was mich nur etwas verwirrt hat zu Anfang, war das bei gesprochenen Sätzen diese nicht hervorgehoben wurden, durch z. B. kursiv Schrift oder so. Da musste ich mich erst mal dran gewöhnen. Wenn dies aber geschehen ist fand ich es nicht mehr so schwer zu lesen.

Die Geschichte an sich ist in mehreren Perspektiven geschrieben. Durch diese verschiedenen Perspektiven, erhält man als Leser einen guten Einblick in die Gefühlswelt der Charaktere und in deren Geschehnisse. Manchmal war es aber auch leicht verwirrend mit den Perspektivwechseln, da sie sich auch manchmal in einer ganz anderen Zeit abspielten. Aber das hat man schnell durchs lesen herausgefunden und sich daran gewöhnt. Auch die Landschafts Beschreibungen sind sehr gut gelungen und passen gut zur Geschichte.

Der Protagonist Kenneth Tyler, den aber alle nur Tyler in der Geschichte nennen, stößt mit seiner Schwester auf ein grausames Geheimnis des Ortsansässigen Bestattungsunternehmers. Die beiden wollen ihn nun erpressen und geraten dadurch in eine für sie gefährliche Situation.

Ob es den beiden gelingt dort wieder heraus zu kommen und was sie gemeinsam erleben werde ich nicht verraten. Es ist aufjedenfall eine spannende und gefährliche Reise durch ein unbekanntes und als gefährlich abgestempeltes Wald-Gebiet. Die Spannung der Geschichte hat sich bis zum Schluss Konstanz aufrechterhalten. Der Autor versteht es seine Leser an die Geschichte zu fesseln. Ich konnte einfach nicht von los lassen und musste wissen, wie es am Ende ausgeht.

Das Ende macht auf mich den Eindruck als ob da noch etwas nachkommt und es ist meines Erachtens etwas unspektakulär. Besonders nach den nervenaufreibenden Sachen die man in der Geschichte miterlebt hat hätte ich mir hier noch etwas mehr Spannung erhofft.

Fazit:
Das Buch hat mir gut gefallen und ich kann es aufjedenfall weiter empfehlen. Besonders die gefährliche Umgebungsbeschreibung hat mir sehr gut gefallen. Man musste sich zwar an den Schreibstil der gesprochenen Sätze gewöhnen aber das ist mir gut gelungen und hat mir später auch keine Probleme mehr bereitet. Einfach ein super spannendes Buch.

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