William Golding

 3,7 Sterne bei 1.139 Bewertungen
Autor von Herr der Fliegen, Lord of the Flies und weiteren Büchern.
Autorenbild von William Golding (©CC BY-SA 3.0 nl)

Lebenslauf

Der britische Schriftsteller und Träger des Nobelpreises für Literatur Sir William Golding wird am 19.09.1911 in St. Columb Minor, Cornwall, geboren. Als Sohn eines Lehrers wächst er in Marlborough (Wiltshire) auf, bis er 1930 nach Oxford zieht, wo er Naturwissenschaften und schließlich Englische Literatur studiert. Noch vor Beendigung seines Studiums erscheint 1934 sein erster Gedichtband. 1939 heiratet Golding die Chemikerin Ann Brookfield, mit der er zwei Kinder hat und bis zu seinem Tod am 19.06.1993 zusammenlebt. In demselben Jahr nimmt der Brite einen Lehrauftrag für Englisch in Salisbury an. Sein künstlerisches Schaffen wird vom Zweiten Weltkrieg jäh unterbrochen, als er als Marienoffizier für die Royal Navy kämpft und unter Anderem an der Schlacht gegen die Bismarck beteiligt ist. Geprägt von seinen Kriegserlebnissen nimmt er nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges sein schriftstellerisches Schaffen wieder auf, wobei er zunächst von seiner Lehrtätigkeit lebt. Der Welterfolg seines Klassikers „Herr der Fliegen“ im Jahr 1954 ermöglicht es ihm, einige Jahre später seinen Beruf aufzugeben und sich ganz auf das Schreiben zu konzentrieren. Auf ein Jahr als Writer-in-residence am Hollins College in Virginia folgt sein Status als freischaffender Autor. Neben zahlreichen weiteren Preisen wird Golding 1980 mit dem Booker Prize und 1983 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. 1988 wird William Golding von der Königin in den Ritteradel erhoben.

Alle Bücher von William Golding

Cover des Buches Herr der Fliegen (ISBN: 9783104915715)

Herr der Fliegen

 (873)
Erschienen am 20.07.2021
Cover des Buches Papier-Männer (ISBN: 9783570017470)

Papier-Männer

 (2)
Erschienen am 01.07.1989
Cover des Buches Freier Fall (ISBN: 9783596250462)

Freier Fall

 (1)
Erschienen am 01.06.1990
Cover des Buches Das Feuer der Finsternis (ISBN: 9783442092550)

Das Feuer der Finsternis

 (0)
Erschienen am 01.01.1994
Cover des Buches Der Turm der Kathedrale (ISBN: 9783596907380)

Der Turm der Kathedrale

 (0)
Erschienen am 30.11.2022
Cover des Buches Die Erben (ISBN: 9783596907373)

Die Erben

 (0)
Erschienen am 30.11.2022
Cover des Buches Freier Fall (ISBN: 9783596904204)

Freier Fall

 (0)
Erschienen am 30.11.2022

Neue Rezensionen zu William Golding

Cover des Buches Herr der Fliegen (ISBN: 9783104915715)
bookstoriess avatar

Rezension zu "Herr der Fliegen" von William Golding

Eine Horde von Kindern wird zu Wilden
bookstoriesvor 5 Monaten

"Herr der Fliegen", im Originaltitel "Lord of the Flies", ist ein Klassiker der Weltliteratur. Es war William Goldings erster Roman, nachdem er 1934 mit Gedichten an die Öffentlichkeit trat und erst zwanzig Jahre später Romane zu schreiben begann. Noch einmal dreissig Jahre später wurde ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen. Golding hat neben ein paar Essays insgesamt neun Romane geschrieben, 1993 starb er im Alter von 82 Jahren. Seine poetische Ader findet auch hier in "Herr der Fliegen" ihren Durchschlag - mit Recht wird auf der Rückseite meiner ex libris Ausgabe von 1983 eine Kritik der Frankfurter Allgemeine Zeitung angeführt, dass Poesie und bittere Wahrheit selten so eins sind wie in diesem Buch. Dieser Roman kann nicht besprochen werden, ohne das Ende zu erwähnen, ohne zu spoilern, denn schon im Klappentext des Buches, wenn man ihn denn vorher lesen möchte, wird auf die Absicht des Autors und den Ausgang der Geschichte hingedeutet. 


Ich hatte mit der Lektüre kurz vor unserem lange ersehnten Wellness-Weihnachtsurlaub begonnen und den Grossteil des Buches dann im Hotel bei tiefster Entspannung gelesen. Auf dem Nachtisch lagen während diesen Tagen noch drei weitere Romane, die ich mitgenommen hatte, da ich glaubte, zum Lesen endlich genügend Zeit zu finden. Meine Besprechungen wollte ich dann später zuhause schreiben, doch nach der Lektüre von "Herr der Fliegen" konnte und wollte ich kein anderes Buch mehr lesen. Die Geschichte hat mich am Ende sehr nachdenklich gestimmt, obwohl sie mich in der ersten Hälfte nicht wirklich begeistern konnte. 


Warum nicht? Immer wieder fragte ich mich bis zur Mitte, was mich denn stört, was mich davon abhält, tief in den Schauplatz auf dieser einsamen Insel einzutauchen. Gewiss liegt es nicht an der Erzählkunst des Autors, seiner wundervollen poetischen, imposanten und bildkräftigen Sprache, wenn er Landstriche der Insel beschreibt, Naturstimmungen, Formulierungen benutzt, die ich so noch nie gelesen habe, die aber einprägende Bilder entstehen lassen und den Leser unmittelbar in die Wildnis, in dunklen Dickicht, an Palmenstrände in grünem Licht, prallgefüllte Fruchtbäume, tiefblaue Lagunen, rote Klippen und Felsformationen, warme Tümpel, weissen Sand und Gischt umschäumte Meeresbrandungen führt. Allein das ist schon die Lektüre wert. 


Auch liegt es nicht am Erzähltempo, das mir nicht langsam genug sein kann, wenn es darum geht, Atmosphäre zu schaffen. Selbst für Dialoge und das Befinden seiner Protagonisten nimmt der Autor sich Zeit, obwohl viele Dialoge und Gedankengänge mitten im Satz abbrechen. Er interessiert sich für seine Figuren, arbeitet sie sorgsam heraus, schildert eindrücklich, wie Abgeschiedenheit, Isolation und Angst mehr und mehr an den Kindern nagt und ihnen Grenzen, Struktur und Ordnung der Erwachsenenwelt zu fehlen beginnen. Vielleicht ist genau das der Grund. Ich frage mich, ob es dem Autor tatsächlich gelungen ist, aus der Perspektive und Innenschau von Sechs- bis Zwölfjährigen zu schreiben. Dass Erwachsene in entsprechenden Situationen anders handeln oder denken oder sprechen würden, darüber besteht kein Zweifel. Aber es ist mir nicht gelungen, mich aufgrund von Goldings Schilderungen permanent in die Kinder hineinzuversetzen. Mag sein, dass dies an meinem eigenen Unvermögen liegt. Allerdings - wenn die Geschichte dem Ende zugeht, scheint der Leser immer mehr zu vergessen, dass hier Kinder die Hauptrolle spielen, und nicht wild gewordene Erwachsene. Doch dies scheint so gewollt zu sein und macht am Ende das Verstörte der Geschichte aus, und deren Botschaft. 


"Herr der Fliegen" wurde ein paar Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs im Faber and Faber Verlag London veröffentlicht und erlangte, nachdem zuerst etliche Verlage den Roman abgelehnt hatten, vor allem in Grossbritannien und Amerika grosses Aufsehen. Das Buch erreichte Millionen von Lesern. Übertragen für den S. Fischer Verlag hat Hermann Stiehl, der auch spätere Romane Goldings ins Deutsche übersetzte. Als Vorwort ist dem Roman ein Zitat aus Goethes Faust vorangestellt, worin Mephistopheles spricht, und das auf das Teuflische hindeutet. Er sei der Geist, der stets verneint, und dass alles, was entstehe, zurecht zugrunde gehe, und gibt sich als das eigentliche Element zu erkennen, das der Mensch Zerstörung nennt, das Böse. Auch ist in dem Zitat vom Fliegengott die Rede. 


Ich habe mich vor der Lektüre öfter gefragt, wer mit "Herr der Fliegen" eigentlich gemeint ist - und wie dieses Vorwort schon andeutet, kann von einem Gleichnis, einer symbolischen Umschreibung der finsteren Urkraft, des animalischen, zerstörerischen Urtriebs ausgegangen werden. Dies wird speziell im achten Kapitel deutlich (Golding benutzt Kapitelüberschriften), das den eigentlichen Titel "Der Herr der Fliegen" trägt. Ein aufgespiester Schweinekopf und die herumliegenden Gedärme des abgeschlachteten Schweins ziehen Fliegen an, die sich auf die grinsende Todesfratze setzen. Der Schweinekopf, eine Opfergabe für ein erdachtes Tier, das die Kinder auf der Insel bedrohen soll, beginnt mit Simon, einem der Jungen, stumm zu sprechen - ein Ausdruck von Angst, die sich in dem Jungen auf diese schwarzmagische okkulte Weise offenbart. 


Wovon handelt die Geschichte? Eine Gruppe von Schuljungen zwischen sechs und zwölf Jahren strandet nach einem Flugzeugabsturz auf einer unbewohnten Insel und muss mit der nackten Natur und ihrer eigenen "Nacktheit" zurechtkommen. Dass Krieg herrscht in der übrigen Zivilisation und ihre Maschine abgeschossen wurde, darf der Leser annehmen. Die Erwachsenenwelt bleibt aussen vor und mit ihr auch alle Gesetze, Strukturen und Ordnungen der Grossen. Zwei Jungen lernen sich gleich zu Beginn kennen, Ralph und Piggy, die unterschiedlicher nicht sein können. Sie finden ein Muschelhorn, dessen Klang eine ganze Horde von Kindern aus dem Dickicht lockt. 


Mit diesem Horn als Signal beschliesst Ralph, Versammlungen durchzuführen und einen Anführer zu bestimmen - der Beginn rivalisierender Verhaltensmuster und Egoansprüche, die sich durch das ganze Buch ziehen. Denn für Ralph, ein eher instinktiv handelnder Junge, der als Anführer gewählt wird, hat das Anhalten eines grossen Höhenfeuers und das Bauen von Hütten erste Priorität. Er strebt nach Sicherheit und will von der Insel weg. Sein Gegenspieler Jack findet nur Gefallen am Jagen von Schweinen, die sie auf der Insel entdeckt haben. Ihn kümmert die Rettung nicht, die Jagd macht ihm Spass, und nicht nur das Fleisch, das es zu essen gibt, treibt ihn an, auch die Lust am Töten. Was allen Kindern gemein ist, und die Kleinen leiden am meisten darunter, ist die Angst vor der Dunkelheit auf der Insel. Nachts werden sie von Alpträumen geplagt, und man beginnt sich einzureden, von einem unbekannten, auf der Insel hausenden Tier bedroht zu werden. 


So verdrängen unterschiedliche Motivationen und vor allem die Machtansprüche seitens Jack ein geordnetes Zurechtkommen auf einer Insel, die alles bietet. Piggy, der kleine Dicke mit Brille ist in diesem Buch der schüchterne Vertreter der Vernunft und des logischen Denkens, doch er wird von niemandem angehört, nicht einmal dann, wenn er als Sprecher in einer Versammlung das Muschelhorn im Arm trägt. Nur seine Brille findet Nutzen - als Brennglas, um Feuer zu entfachen. Als Jack sich mit ein paar anderen von der Gruppe absetzt, beginnt der Kampf um Nahrungsbeschaffung, Feuerbesitz und Macht zu eskalieren. Am Ende ist es Ralph, der gejagt wird, und keine Schweine mehr. Eine beklemmende Vorstellung, wenn man bedenkt, dass es sich bei den Protagonisten nicht um gewalttätige Erwachsene handelt, sondern um zwölfjährige Kinder. Am Ende bringen sie es fertig, eine paradiesische Insel in Schutt und Asche zu legen. 


Die Geschichte der Jungengruppe auf der einsamen Pazifikinsel soll ein Gleichnis sein für die Botschaft, dass die Gebrechen der Gesellschaft auf die Gebrechen der menschlichen Natur zurückzuführen sind. Der Einzelne in seinem Widerstand gegen die Barbarei entscheidet über das Ethos der Gemeinschaft, wie Golding es selbst formuliert hat. Dass der Mensch in seinem tiefsten Innern grundsätzlich zerstörerisch ist, bezweifle ich allerdings. Es gibt eine Sequenz im Buch, wo der Autor die Machtlust bereits beim Spielen eines Sechsjährigen aufflammen lässt. Dem Kleinen bereitet es Freude, kleine Tierchen, die mit der Flut an den Strand gespült werden, in mit Wasser gefüllten Rinnen und Fussstapfungen gefangen zu halten. Golding schreibt, seine Hingabe an dieses Spiel sei mehr als blosses Glücksgefühl, als der Kleine spürt, dass er über lebende Wesen gebieten kann. Mag sein, dass dies dem Menschen eigen ist. Was das menschliche Bewusstsein in jedem Fall von jenem des animalischen unterscheidet, ist die Fähigkeit, zu denken. Dies kann zur Meisterschaft führen, doch ebendiese Identifikation mit dem Denken stärkt das Ego, das den Menschen ins Leid und Verderben stürtzt.


Review mit Zitaten und Bildern auf https://www.bookstories.ch/gelesenes1/herr-der-fliegen 

Cover des Buches Herr der Fliegen (ISBN: 9783104915715)
S

Rezension zu "Herr der Fliegen" von William Golding

Parabel über den Zusammenhalt der Gesellschaft
SM1vor 8 Monaten

Eine Gruppe von Kindern strandet nach einem Flugzeugabsturz auf einer bisher unbewohnten Insel. Der Versuch, eine zivilisierte Ordnung aufrecht zu erhalten, gestaltet sich schwierig.

In diesem Roman schildert der Autor anschaulich, woran eine zivilisierte Gesellschaft scheitern kann.

Das Buch ist auch heute noch aktuell. Da es sich nicht um eine Abenteuergeschichte handelt, gibt es nur wenige echte Spannungsmomente. Empfehlen kann man das Buch jedem, der sich für die Charaktere und deren Motive interessiert.

Cover des Buches Herr der Fliegen (ISBN: 9783104915715)
B

Rezension zu "Herr der Fliegen" von William Golding

Anarchie, das Recht des Stärkeren
Boris_Goroffvor einem Jahr

Flugzeugabsturz, eine Insel, nur Kinder überleben. Sie machen sich ihre eigenen Regeln, nur die Stärksten haben das Sagen. Es geht bin hin zu Mord. Mord unter Kindern, nicht nur ein Problem unserer heutigen Zeit.

Gespräche aus der Community

Im Rahmen der "Preisträger-Runde" innerhalb der Gruppe "Wir lesen Klassiker der Weltliteratur" wollen wir "Herr der Fliegen" von William Golding lesen.

Wikipedia sagt folgendes:
William Goldings erster Roman war sein erfolgreichster. In seiner nur von Jungen bevölkerten Robinsonade zeigt Golding, wie sich eine Gruppe von Sechs- bis Zwölfjährigen verhält, die schlagartig von jedem Einfluss durch Erwachsene abgeschnitten ist. Von Kultur und Zivilisation geprägt, verhalten die Kinder sich mehr und mehr nach ihrem jeweiligen Charakter und es entwickelt sich ein gewalttätiger Konflikt.

Es gibt keine Bücher zu gewinnen, aber jeder der mitlesen möchte ist herzlich willkommen.
55 Beiträge
blauerklauss avatar
Letzter Beitrag von  blauerklausvor 9 Jahren
Bei mir kam leider in den letzten Wochen so viel privates dazwischen, dass ich erst jetzt wieder richtig zum Lesen komme. Den Herr der Fliegen stelle ich daher leider erstmal zurück, werde dann bei Gelegenheit einen neuen Anlauf starten....

Zusätzliche Informationen

William Golding wurde am 18. September 1911 in St. Columb Minor (Großbritannien) geboren.

William Golding im Netz:

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