Feen, Trolle, Anderlinge, die Welt der keltischen Mythen und Sagen ist ein nahezu unerschöpflicher Pool für phantastische Romane. Waren und sind sie in der High Fantasy oftmals der Grundstein auf der die Welt aufgebaut wird, bilden sie in der urbanen Fantasyliteratur meist ein engmaschiges Netz mit der uns geläufigen Realität. Überall gibt es Knotenpunkte, die den Kundigen den Wechsel zwischen den Welten ermöglichen: Spiegel, Steinkreise, Waldlichtungen. Ein solches sagenhaftes Stück Literatur ist „Hyddenworld. Der Frühling“.
Die Hydden, ein kleines Volk ähnlich Kobolden, lebt seit Jahrtausenden zwischen den Welten. Ihre eigene, die den Menschen in den meisten Fällen verborgen bleibt. Hin und wieder erkunden sie die Welt eben jener „großen Gestalten“, die so nichts sehend durch ihr Leben hasten.
Hin und wieder kommt es vor, dass es Berührungspunkte zwischen den Hydden und den Menschen gibt. Ein solcher Berührungspunkt ist Jack, eine Hydde, viel zu groß für sein Volk und damit ein Ausgestoßener. Er ist das finale Puzzlestück in einer alten Prophezeiung, die ihren Anfang viele Jahrhunderte zuvor bei Beornamund und einer sagenumwobenen Brosche nimmt.
Hyddenworld ist der Beginn einer vierteiligen Reihe und eines jener Bücher, die man anfängt zu lesen und dann nach den ersten 50 Seiten wieder weg legt.
Nein, nicht weil es ein schlechtes Buch ist, ganz im Gegenteil. William Horwood – man erlaube mir den Vergleich – erinnert mich ein wenig an den großen Tolkien. Er lässt sich Zeit, viel Zeit, um die literarische Welt und die darin spielende Geschichte aufzubauen. Hyddenworld ist also kein Roman für mal eben nebenbei. Dieses Buch verlangt vom Leser Zeit und den Willen, sich darauf einzulassen. Das liegt nicht jedem und manchmal braucht es die richtige Zeit und den richtigen Ort. Hat einen der Sog dann aber im Wortsinne erfasst – auch hier sei ein Vergleich zu „Herr der Ringe“ gestattet –, lässt man sich bereitwillig mitziehen; in eine fantastische Welt voll Mythen, Sagen und Magie. Der Bann lässt einen Seite um Seite „verschlingen“, fast schon süchtig danach, die Welt hinter der unsrigen zu entdecken, zu erleben und zu bewahren. Denn hier bleibt Horwood dem großen Thema der Fantasy treu: Es geht um nicht weniger als die Rettung zweier Welten. Und das gelingt nur zusammen, indem sich Hydden und Menschen gemeinsam gegen das herannahende Übel stellen.
Hyddenworld ist in einer Welt der „Fast Fantasy“ das aufwendige Gänge-Menü, das, wenn man sich die Zeit nimmt, um einiges intensiver, geschmackvoller und nachhaltender ist.
© Christian Hesse, Juli 2025





















