Rezension zu "Jahrmarkt Der Eitelkeiten Roman Ohne Helden (zwei Bände)" von William Makepeace Thackeray
MikeyWilliam Makepeace Thackerays Roman „Jahrmarkt der Eitelkeit“ ist Weltliteratur, keine Frage und so, könnte man meinen, steht er eigentlich über laienhaften Rezensionsversuchen. Ich will mich deshalb auch hauptsächlich auf die Übersetzung des Romans beziehen.
Von „Jahrmarkt der Eitelkeit“ gibt es mehrere deutsche Übersetzungen von zum Teil namhaften Autorinnen und Autoren, teilweise sind diese nur noch antiquarisch erhältlich. Es ist mir deshalb nicht so recht verständlich, warum die Übersetzung bei den hier veröffentlichten Rezensionen keine Rolle spielt. Es kann doch nicht egal sein, ob z.B. von Miss Sharp die Rede ist oder von „Fräulein Sharp“ wie in der Übersetzung von Heinrich Conrad, diese übrigens hat die meisten Rezensionen hier auf der Plattform. Leider habe ich im ach so tollen Internet (Ironie) keine Möglichkeit gefunden, die verschiedenen Übersetzungen in Auszügen zu vergleichen.
Die ersten Übersetzung ins Deutsche erschien 1851 kurz nach Erscheinen des Romans in England von Dr. Christoph Friedrich Grieb. Es gibt eine Ausgabe beim Verlag Rütten & Loening (1964), welche mir hier vorliegt und auf der meine Rezension basiert und auch mehrere Ausgaben bei weniger namhaften Verlagen.
Es folgte 1909 eine Übersetzung vom erwähnten Heinrich Conrad, diese ist heute beim Fischer Verlag erhältlich. Einige Jahre später erschien die Übersetzung von Hermann Röhl (Insel Verlag).
In den 1950er Jahren kamen die Übersetzungen von Mira Koffka (1957, Rowohlt), Theres(i)a Mutzenbecher (1958, Winkler Verlag, später Deutscher Taschenbuch-Verlag) und Katja Mann, der Ehefrau von Thomas Mann (1951, List Verlag) dazu. In der Schweiz erschien im Manesse Verlag 1959 die Übersetzung von Elisabeth Schnack.
Eine Neuübersetzung gibt es seit 2023 von Hans-Christian Oeser (Reclam Verlag).
Kurz zur Geschichte: Rebekka Sharp und Amelia Sedley sind Freundinnen und könnten doch unterschiedlicher nicht sein. Erstere ist selbstbewusst und nur auf ein Ziel orientiert, nämlich in der Gesellschaft einen gewissen Rang und Status zu erreichen, Amelia dagegen ist angepasst, nett und jedermanns Freundin. Was sie eint, ist, dass beide ohne Zustimmung der betroffenen Familie heiraten und dadurch einige gesellschaftliche Widrigkeiten zu überstehen haben. Thackeray spart dabei nicht an Ironie und Gesellschaftskritik, was sich durchaus amüsant lesen lässt.
Leider ist seine Erzählweise sehr ausufernd und schleppt sich arg hin, der zeitliche Erzählstrang geht oft vor und zurück, beides erschwert das Lesen sehr. Er bringt z.B. ständig Personen ins Spiel, die mit der Erzählung selbst nichts zu tun haben:
„Zweifellos wird Jones, der dieses Buch in seinem Klub liest, alle diese Einzelheiten äußerst töricht, unbedeutend, geschwätzig und übersentimental finden. Ja ich sehe direkt, wie Jones in diesem Augenblick - gerötet nach dem Genuß seiner Hammelkeule und einem Glas Wein - seinen Bleistift zückt, die Worte „töricht, geschwätzig" und so weiter unterstreicht und „sehr richtig" an den Rand schreibt. Ja, er ist ein Mann von großem Geist und bewundert das Erhabene und Heroische im Leben und im Roman; und deshalb sollte er sich lieber warnen lassen und sich anderem zuwenden.“
Gemeint ist mit Jones irgend ein Durchschnittsbürger.
... an anderer Stelle:
„Ich kenne einen alten Herrn von achtundsechzig Jahren, der mir eines Morgens beim Frühstück aufgeregt berichtete: „Ich habe heute nacht geträumt, Doktor Raine hätte mich geprügelt." Die Phantasie hatte ihn im Laufe jenes Abends um fünfundfünfzig Jahre zurückgeführt. Im Innersten flößten ihm Doktor Raine und sein Stock jetzt mit achtundsechzig Jahren ebensoviel Furcht ein wie mit dreizehn. Wäre nun der Doktor mit einer großen Rute jetzt, in seinen alten Tagen, vor ihm erschienen und hätte ihm mit schrecklicher Stimme zugerufen: Junge, die Hosen herunter! …“
Offensichtlich ein Bekannter des Autors.
Oder er schweift vom eigentlichen Erzählstrang ab:
„Diese Bowle Arrakpunsch war der Anlaß zu der ganzen Geschichte; und warum soll nicht eine Bowle Arrakpunsch ein ebenso guter Anlaß sein wie jeder andere? War nicht eine Schale mit Blausäure der Grund, weshalb die schöne Rosamunde sich von der Welt zurückzog? War nicht ein Becher Wein die Ursache für das Ableben Alexanders des Großen? (Zumindest behauptet es Dr. Lemprière.) Nun beeinflußte dieser Arrakpunsch das Schicksal sämtlicher Hauptpersonen in diesem „Roman ohne Helden", den wir jetzt erzählen. Er wirkte auf ihr ganzes Leben ein, obgleich die meisten von ihnen keinen Tropfen davon kosteten.“
Diese Erzählweise mag anfangs noch ganz gut zu lesen sein. Sie zieht sich aber durch den ganzen Roman und das Ermüdende daran potenziert sich noch durch die Übersetzung von Grieb. In dieser 175 Jahre alte Übersetzung werden gelegentlich Ausdrücke verwendet, die heute eine andere Bedeutung haben, so macht man jemanden Vorstellungen (=Vorschriften) oder Frauen „trippeln“ stets heran oder davon.
Auch gibt es bedenkliche Formulierungen:
„Die Mulattin da heiraten? … Ich mag die Farbe nicht. … Ich jedenfalls heirate keine Hottentottenvenus.“
Wer also vielleicht den treffsicheren und wohlausgefeilten Stil einer Jane Austen erwartet (wobei es natürlich auch da auf die Übersetzung ankommt), wird zumindest bei Grieb enttäuscht.
Positiv dagegen ist das wirklich sehr umfangreiche Verzeichnis, Anmerkungen genannt, am Ende jedes der zwei Teile. Kaum ein Begriff, eine Redewendung oder eine erwähnte Person, die dem Leser unbekannt sein könnte, wird nicht erklärt. Das ist etwas, was die Ausgabe von Rütten & Loening anderen Ausgaben voraus hat.
Letztlich habe ich mich (das mag an mir liegen) durch die zwei Bände aber doch recht sehr gequält und, ich gestehe, ab der Mitte von Band 2 die Seiten nur noch quergelesen. Ich kann den Roman zumindest in dieser Ausgabe nicht so recht empfehlen.





















