Willy Vlautin

 4.3 Sterne bei 72 Bewertungen
Autor von Northline, Motel Life und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Willy Vlautin

Der us-amerikanische Autor und Musiker Willy Vlautin wurde 1967 in Reno geboren. Sein aktueller Roman "Die Freien" erscheint im Herbst 2015 bei Berlin Verlag.

Alle Bücher von Willy Vlautin

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Northline

Northline

 (24)
Erschienen am 01.02.2009
Motel Life

Motel Life

 (23)
Erschienen am 01.02.2013
Lean on Pete

Lean on Pete

 (19)
Erschienen am 02.09.2010
Die Freien

Die Freien

 (5)
Erschienen am 05.10.2015
Ein feiner Typ

Ein feiner Typ

 (0)
Erschienen am 02.05.2019
Motel Life

Motel Life

 (0)
Erschienen am 17.06.2008
Northline

Northline

 (0)
Erschienen am 15.03.2009
Northline

Northline

 (1)
Erschienen am 11.02.2009

Neue Rezensionen zu Willy Vlautin

Neu
M

Rezension zu "Die Freien" von Willy Vlautin

Bitter
michael_lehmann-papevor 3 Jahren

Bitter

Es bedarf nicht vieler Seiten diesen neuen Romans von Willi Vaughn, bis der Leser jenes bittere Gefühl in sich spürt, dass ihn bis zum Ende des Romans nicht verlassen wird.

Nicht, weil die Protagonisten des Werkes verbittert erscheinen (wobei sie durchweg allen Grund dazu hätten), nicht, dass der Tonfall anklagend und bitter wäre (eher sachlich und dennoch die inneren Ebenen der Personen tief auslotend schreibt Vlaughtin).

Aber die reine Beschreibung dieser Leben, dieser verschiedenen, täglichen, ernüchternden, von großer Sinnlosigkeit geprägten Lebenskämpfe, die Versuche der einzelnen Männer und Frauen, den Kopf irgendwie über Wasser zu halten im Amerika der Gegenwart, dies reicht völlig aus, jenes bittere Grundgefühl zu setzen, welches die Stimmung des Buches kennzeichnet,.

Von Freddie McCall angefangen, der in der Nacht die Wohngruppe der psychisch schwer mitgenommen Menschen betreut und tagsüber als Verkäufer Malerbedarf zu verkaufen hat (für einen unsympathischen, belanglosen Eigentümer des Geschäfts. Der versucht, mit seinen Töchtern Kontakt zu halten und doch nicht weiß, was er in den fünf Minuten Telefonat wirklich mit diesen austauschen könnte.

„Das sind meine eigenen Töchter und ich weiß nicht, was ich sagen soll. Wenn ich sie bitte, mir alles zu beschreiben, sagen sie einfach nichts mehr“.

Ein Leben, Tag für Tag, für sich,, im Kampf um das Dasein.

„Wie jede Woche überlegte er, wie da wieder rauskommen könnte, und am Ende gab es wieder keine Lösung. Er verdiente einfach nicht genug“.

„Du gehörst zu denen, die ihr ganzes Leben lang arbeiten und stur in der Spur bleiben, und alles, was du davon hast, sind Typen wie Pat. Du machst die Reichen reicher und sie wollen immer bloß mehr, und du gibst ihnen auch das noch“.

Was auf die Krankenschwester Pauline nicht unbedingt in dieser völligen Härte zutrifft, aber mehr als zum täglichen Leben findet sich auf deren Konto auch nicht ein. Florine, die immer ein Wort für die Patienten hat, die ihren Vater versorgt, anstößt, das Leben für ihn regelt. Einen Vater, der im Buch als Symbol für all jene steht, die aus eigener Kraft nicht mehr aufstehen würden. Aber auch einen Charakter einnimmt, der im Verbund, in Gemeinschaft, in familiärer Nähe noch „ans Laufen“ kommen würde. Nur ist da außer Pauline weit und breit keine Gemeinschaft, kein Zusammenhalt mehr zu sehen in dieser Gesellschaft, an dem Ort, an dem die Personen des Romans sich gesellschaftlich befinden.

Was noch deutlicher wird in Bezug auf Leroy. Veteran des Irak, verwundet, im Kampf mit dem Kampfwagen in die Luft gesprengt. Einer, der eher in der Wohngruppe dahinvegetiert, als dass er einen Lichtschimmer am Horizont ausmachen würde.

Der versucht, sich das Leben zu nehmen. Auf eine Art, die schon in der langsam und ruhig dargestellte Vorbereitung und Ausführung den Leser emotional sich winden lässt. Der überlebt. Aber wie? Und wo ist der danach in seinem Kopf, in dem sich Traum und Realität vermischen? In dem immer wieder Gewalt die Hauptrolle spielt, einerseits, und seine eigene Ohnmacht all dem gegenüber andererseits.

Eine Ohnmacht, die das zentral verbindende Element der genannten Protagonisten (und weitgehend der anderen auftauchenden Figuren) im Buch ist. Individuell sehr verschieden in den Gründen und in den Ausprägungen, und dennoch eine Ohnmacht den anderen, dem System, den Verhältnissen, sich selbst gegenüber.

„Hör mal, Dein Keller ist alles, was ich noch habe, wenn ich rauskomme. Mein Truck ist weg, mein Haus ist weg, alles ist weg“.

In ruhiger, flüssiger, einfacher Sprache erzählt Vaughn die verbundenen Geschichten der Personen wie aus einem Guss und bietet ein bitteres, leeres, verzweifeltes Ringen um ein „irgendwie mitschwimmen“ noch in der „Freiheit der Gegenwart“, einer Freiheit, die für einen großen Teil der Menschen vor allem eine Freiheit zum Scheitern, zum Abbröckeln in sich trägt.

Harter Stoff, präzise geschildert in einer sehr empfehlenswerten Lektüre. 

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Rezension zu "Northline" von Willy Vlautin

Eine stimmige, intensive Geschichte am Abgrund
Zen-Colavor 4 Jahren

Normalerweise führen mich meine literarischen Ausflüge eher in den Osten der Welt und weniger nach Amerika, dazu bin ich noch nicht einmal ein besonderer Liebhaber der USA. Aber selten haben mich Bücher mehr berührt als die von Willy Vlautin. Nachdem mich schon »Motel Life« vollkommen überzeugen konnte, hat mich nun auch »Northline« wirklich begeistert.

Allison - bis zu Seite 50 und auch im weiteren Verlauf häufig nur »das Mädchen« genannt - hat es nicht leicht. Ihre Schullaufbahn hat sie abgebrochen; sie hat ein Alkoholproblem; ihr Freund rastet immer wieder aus, schlägt sie, fesselt sie im Drogenrausch ans Bett und lässt sie dort allein; ihre Schwester haut ab nach Mexiko und lässt Allison zurück; ihre Mutter hängt den ganzen Tag nur vor dem Fernseher oder ist nicht zuhause, da sie bei einem ihrer wechselnden Freunde unterkommt; ihren Vater kennt sie nicht.
Eigentlich gibt es nichts, das Allison über Wasser hält. Nur ihre Zwiegespräche mit dem Schauspieler Paul Newman, der ihr erscheint, sie aufmuntert und anspornt, helfen Allison, sich nicht gänzlich aufzugeben.
Als sie erfährt, dass sie im dritten Monat schwanger ist, beschließt sie, ihre Heimat und Familie zurückzulassen, um auf eigenen Füßen zu stehen und noch einmal von vorne zu beginnen. Dass so etwas nicht so einfach ist, wird dem Leser wahrscheinlich noch vor Allison klar.

Willy Vlautin zeichnet in »Northline« ein eindringliches Bild. Gescheiterte Existenzen, die alle nach etwas suchen, was ihnen Sinn gibt, und deren zerbrochene Träume tauchen die ganze Geschichte in eine unglaublich intensive Melancholie. Und diese Stimmung und Atmosphäre sind meiner Meinung nach die wirklichen Stärken des Buches, die den über große Strecken aus Alltäglichkeiten bestehenden Plot so außergewöhnlich machen (selten zuvor war Kaffeetrinken in seiner Alltäglichkeit so besonders).
Dazu schafft Vlautin es, seine Figuren liebevoll auszuarbeiten, ohne dass sie einem unbedingt sympathisch sein müssen. Man fühlt auch so mit ihnen mit. Allison ist hierfür das beste Beispiel: Dass gleich am Anfang darauf hingewiesen wird, dass sie eine H a k e n k r e u z-Tätowierung im Nacken hat, macht sie dem Leser (zumindest mir) nicht gerade sympathisch. Aber trotzdem verurteilt man sie nicht, vielmehr fragt man sich, wie es dahin gekommen ist. Überhaupt hält Vlautin sich als Erzähler sehr damit zurück, wertend in seine Figuren einzugreifen. Er zeichnet sie einfach, wie sie sind. Weder gänzlich gut noch gänzlich böse ... einfache Menschen, mit denen es das Leben nicht immer gut gemeint hat, die aber trotzdem irgendetwas finden, das ihnen Halt gibt.

Verstärkt wird diese düstere Stimmung durch die authentische Sprache des Buches: Einfache und schnörkellose Sätze, realitätsnahe, nicht verschönte Wörtliche Rede.
Auch die Kapitel sind meist sehr kurz und sprunghaft. Teilweise gehen sie nur über eine Seite und tragen als Titel eine ganz simple Aktivität (»Warten, draußen auf einer Bank«) oder den Namen einer Person, die nur ganz kurz und danach nie wieder auftaucht und dem Leser trotzdem nahe geht.

Wer gefühlvolle, stimmige und melancholische (sehr amerikanische) Geschichten mag, die sich auf einem Terrain fern der heilen Welt bewegen, der sollte sich dieses Buch sowie die anderen des Autors nicht entgehen lassen.

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Rezension zu "Lean on Pete" von Willy Vlautin

Hoffnung zwischen Dunkelheit, Trauer und alltäglichen Abgründen ...
Zen-Colavor 4 Jahren

Ein neuer Job als Gabelstaplerfahrer treibt seinen Vater - und somit auch Charley, den 15-jährigen Ich-Erzähler - nach Portland. Ohne Freunde bleibt Charley nur seine Leidenschaft fürs Laufen. Doch als sein Vater »tödlich verunglückt«, ist er plötzlich ganz auf sich allein gestellt. Um sich - so gut, wie es in so einer Situation eben möglich ist - über Wasser zu halten, nimmt er einen Aushilfsjob auf der nahe gelegenen Pferderennbahn an, wo Charley schließlich einen Freund findet: das von seinem Besitzer verheizte und somit bereits lädierte Rennpferd »Lean on Pete«. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion fliehen die beiden ... und es beginnt eine abenteuerliche Reise durch den mittleren Westen, ein Road-Trip zu bzw. mit Pferde, sozusagen.

Da »Lean on Pete« vom Verlag als Jugendbuch deklariert wurde, hatte ich erst befürchtet, ich müsste hier genau auf die Sachen verzichten, die ich an Vlautins beiden Vorgängerromanen so geliebt habe: dieses Wandeln am Abgrund, fern von jeder Bürgerlichkeit; all die liebevoll gezeichneten gescheiterten Existenzen und Antihelden, die jeden Tag aufs Neue versuchen, irgendwie über die Runden zu kommen; dieses Tragische und nicht selten wirklich Traurige; die grobe, stark reduzierte, aber authentische und treffsichere Sprache; den Hoffnungsschimmer, den man schon mal überlesen kann zwischen all dem Übel; die Fähigkeit, Alltäglichkeiten so erscheinen zu lassen, als wären sie etwas Besonderes oder Seltenes (was sie in Vlautins Romanen sogar häufig sind) ...
Aber letztendlich hat »Lean on Pete«, ebenso wie seine Vorgänger »Motel life« und »Northline«, genau das. Hier wird nichts verschönt, hier gibt es kein klares »Gut« oder »Böse«, sondern eine riesige Grauzone, die Vlautin mit den unterschiedlichsten Figuren und Situationen füllt und die den Roman so lebendig macht.

Bei »Lean on Pete« handelt es sich also um ein Buch ebenso für Erwachsene wie für jüngere Leser, sofern sie nicht auf der Suche nach einer heilen Welt sind und auch die eine oder andere ungeschönte Situation lesen mögen.

Fazit: Ein wirklich guter, wenn auch nicht unbedingt »schöner« Roman für alle, die die melancholischen und schattigen Seiten des american way of life kennenlernen und Charley auf seiner Reise begleiten wollen.

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