Willy Vlautin Die Freien

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Inhaltsangabe zu „Die Freien“ von Willy Vlautin

Versehrt ist Leroy Kervin aus dem Einsatz im Irak zurückgekehrt. Jetzt kämpft er ums Überleben. Und die Menschen an seiner Seite haben in ihrem Alltag nicht weniger zu kämpfen: Für Freddie McCall ist die Nachtschicht in Leroys Wohngruppe nur einer der Jobs, die er braucht, um die Arztrechnungen seiner Tochter zu bezahlen. Die Krankenschwester Pauline kämpft verzweifelt um das Leben ihrer jungen Patientin Jo. Leroy schwebt zwischen Leben und Tod und sucht in Fieberträumen nach Sinn. Für die Helden dieses Buches sind die USA ein kaltes Land ohne Gnade. Freiheit? Für die einfachen Menschen scheint es sie nicht zu geben.
Es sind anrührende Geschichten, die Willy Vlautin in seinem neuen Roman miteinander verwebt. Er gibt den Menschen ganz unten eine authentische Stimme und beweist sein Gespür für ihre Sorgen und Nöte, für die prekäre Schieflage, in der sein Land sich befindet. Das mutige Statement eines großen Autors.

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    Die Freien

    michael_lehmann-pape

    20. October 2015 um 11:12

    Bitter Es bedarf nicht vieler Seiten diesen neuen Romans von Willi Vaughn, bis der Leser jenes bittere Gefühl in sich spürt, dass ihn bis zum Ende des Romans nicht verlassen wird. Nicht, weil die Protagonisten des Werkes verbittert erscheinen (wobei sie durchweg allen Grund dazu hätten), nicht, dass der Tonfall anklagend und bitter wäre (eher sachlich und dennoch die inneren Ebenen der Personen tief auslotend schreibt Vlaughtin). Aber die reine Beschreibung dieser Leben, dieser verschiedenen, täglichen, ernüchternden, von großer Sinnlosigkeit geprägten Lebenskämpfe, die Versuche der einzelnen Männer und Frauen, den Kopf irgendwie über Wasser zu halten im Amerika der Gegenwart, dies reicht völlig aus, jenes bittere Grundgefühl zu setzen, welches die Stimmung des Buches kennzeichnet,. Von Freddie McCall angefangen, der in der Nacht die Wohngruppe der psychisch schwer mitgenommen Menschen betreut und tagsüber als Verkäufer Malerbedarf zu verkaufen hat (für einen unsympathischen, belanglosen Eigentümer des Geschäfts. Der versucht, mit seinen Töchtern Kontakt zu halten und doch nicht weiß, was er in den fünf Minuten Telefonat wirklich mit diesen austauschen könnte. „Das sind meine eigenen Töchter und ich weiß nicht, was ich sagen soll. Wenn ich sie bitte, mir alles zu beschreiben, sagen sie einfach nichts mehr“. Ein Leben, Tag für Tag, für sich,, im Kampf um das Dasein. „Wie jede Woche überlegte er, wie da wieder rauskommen könnte, und am Ende gab es wieder keine Lösung. Er verdiente einfach nicht genug“. „Du gehörst zu denen, die ihr ganzes Leben lang arbeiten und stur in der Spur bleiben, und alles, was du davon hast, sind Typen wie Pat. Du machst die Reichen reicher und sie wollen immer bloß mehr, und du gibst ihnen auch das noch“. Was auf die Krankenschwester Pauline nicht unbedingt in dieser völligen Härte zutrifft, aber mehr als zum täglichen Leben findet sich auf deren Konto auch nicht ein. Florine, die immer ein Wort für die Patienten hat, die ihren Vater versorgt, anstößt, das Leben für ihn regelt. Einen Vater, der im Buch als Symbol für all jene steht, die aus eigener Kraft nicht mehr aufstehen würden. Aber auch einen Charakter einnimmt, der im Verbund, in Gemeinschaft, in familiärer Nähe noch „ans Laufen“ kommen würde. Nur ist da außer Pauline weit und breit keine Gemeinschaft, kein Zusammenhalt mehr zu sehen in dieser Gesellschaft, an dem Ort, an dem die Personen des Romans sich gesellschaftlich befinden. Was noch deutlicher wird in Bezug auf Leroy. Veteran des Irak, verwundet, im Kampf mit dem Kampfwagen in die Luft gesprengt. Einer, der eher in der Wohngruppe dahinvegetiert, als dass er einen Lichtschimmer am Horizont ausmachen würde. Der versucht, sich das Leben zu nehmen. Auf eine Art, die schon in der langsam und ruhig dargestellte Vorbereitung und Ausführung den Leser emotional sich winden lässt. Der überlebt. Aber wie? Und wo ist der danach in seinem Kopf, in dem sich Traum und Realität vermischen? In dem immer wieder Gewalt die Hauptrolle spielt, einerseits, und seine eigene Ohnmacht all dem gegenüber andererseits. Eine Ohnmacht, die das zentral verbindende Element der genannten Protagonisten (und weitgehend der anderen auftauchenden Figuren) im Buch ist. Individuell sehr verschieden in den Gründen und in den Ausprägungen, und dennoch eine Ohnmacht den anderen, dem System, den Verhältnissen, sich selbst gegenüber. „Hör mal, Dein Keller ist alles, was ich noch habe, wenn ich rauskomme. Mein Truck ist weg, mein Haus ist weg, alles ist weg“. In ruhiger, flüssiger, einfacher Sprache erzählt Vaughn die verbundenen Geschichten der Personen wie aus einem Guss und bietet ein bitteres, leeres, verzweifeltes Ringen um ein „irgendwie mitschwimmen“ noch in der „Freiheit der Gegenwart“, einer Freiheit, die für einen großen Teil der Menschen vor allem eine Freiheit zum Scheitern, zum Abbröckeln in sich trägt. Harter Stoff, präzise geschildert in einer sehr empfehlenswerten Lektüre. 

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