Winfried Nerdinger München und der Nationalsozialismus

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Inhaltsangabe zu „München und der Nationalsozialismus“ von Winfried Nerdinger

Ab Mai 2015 ist das NS-Dokumentationszentrum München am Königsplatz,
dort, wo das „Braune Haus“, die Parteizentrale der NSDAP, stand, geöffnet. Der
Katalog umfasst die Texte und Bilder der Dauerausstellung sowie 23 begleitende
Aufsätze von renommierten Historikern. Damit ist er zugleich eine illustrierte
Geschichte des Dritten Reiches auf dem neuesten Forschungsstand.
München ist wie keine andere Stadt mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus
verbunden. Aus den antisemitischen und rechtsextremen Kreisen Münchens
ging nach dem Ersten Weltkrieg die NSDAP hervor, deren Leitfigur Adolf
Hitler wurde. Hier versuchte er 1923 durch einen Putsch an die Macht zu
gelangen. Hier entstand nach der Machtübernahme ein Parteiviertel, in
dem bis 1945 etwa 6000 Menschen den Apparat der NSDAP organisierten,
und hier befand sich das kultische Zentrum der Partei. Mit der Eröffnung
des nahe gelegenen Konzentrationslagers in Dachau spielte die „Hauptstadt
der Bewegung“ zudem eine Vorreiterrolle bei der Errichtung der Gewaltherrschaft.
Die Dauerausstellung des NS-Dokumentationszentrums zeigt
anhand zahlreicher neuer Materialien die Geschichte des Nationalsozialismus
in München, die besondere Rolle der Stadt im Terrorsystem und den
schwierigen Umgang mit dieser Vergangenheit seit 1945.

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  • Katalog zur Ausstellung des NS-Dokumentationszentrums

    München und der Nationalsozialismus

    michael_lehmann-pape

    27. May 2015 um 12:58

    Katalog zur Ausstellung des NS-Dokumentationszentrums Auch wenn Nürnberg der Ort der Parteitage war, auch wenn Berlin die Hauptstadt des Reiches darstellte, München ist und bleibt die „Heimat“ des Nationalsozialismus, der Ort der Entstehung und des Aufstiegs Hitlers, die „Hauptstadt der Bewegung“. Dieser umfangreiche, auch in der Form sehr gewichtige Katalog fasst in sich die wesentlichen Momente und Exponate des Münchner Instituts in qualitativ hochwertiger Form, in Ergänzung mit einer Einführung einerseits und einer Reihe von umfassend interpretierenden Aufsätzen andererseits. Der Ursprung der „Bewegung“, das „Mitmachen und Ausgrenzen“ als sichtbare Haltung der „Volksgemeinschaft“, das Ergehen und die Rolle Münchens im Krieg und die Auseinandersetzung (gerade auch die „verdrängende Nicht-Auseinandersetzung“) mit der NS-Zeit nach Ende des zweiten Weltkrieges sind die Themen der Ausstellung selbst. Sei es „München als Zentrum der Rassenhygiene“, sei es die Rolle der Frauen in der NSDAP, sei es aber auch im Vorfeld der Ereignisse die vorherrschende „gesellschaftliche Vielfalt im demokratischen München“ und ein Nachgehen des sich immer weiter verengenden Weges gerade dieser zwar konservativen, aber doch breit aufgestellten viertgrößten Stadt Deutschlands. Von hoher Symbolkraft dann jenes Foto aus dem Jahre 1933, auf dem ein Mann barfuß mit umgehängten Schild über die Straße eskortiert wird. „Ich werde mich nie mehr bei der Polizei beschweren“. Der Beginn der Jahre der Ausgrenzung und Verfolgung, die in der Ausstellung ruhig, sachlich und doch zutiefst beeindruckend in Text und Bild zu betrachten sind. Wobei auch einzelne „sich wehrende“ wie Georg Elser ihren gebührenden Platz in Wort und Bild finden, wie auch der religiös und bürgerlich motivierte Widerstand an sich ausführlich im Katalog zu betrachten ist. . Bis hin aber auch zu internen Einblicken ins Vernichtungslager, in die Massenerschießungen, in die „muntere Runde“ mit Josef Mengele und Rudolf Höß. Nicht nur als „Ergänzung“, sondern thematisch je differenziert und fundiert mit eigenem Gewicht schließen sich an den Katalog der Ausstellung Betrachtungen zu den wichtigen Themen in und um die Rolle Münchens im Nationalsozialismus an. Wie München zur „Hauptstadt der Bewegung überhaupt wurde und warum, wie sich dies einreiht in den Nationalsozialismus im „Europa der Weltkriege“, wie „durchorgansiert“ das Verbrechen im dritten Reich sich darstellt („Verwaltung und Verbrechen“). Genauso, wie der emotionale Bereich seinen Widerklang findet (der Aufsatz von Ute Frevert bildet sehr einprägsam diese Seite der „Rattenfängerei“ ab) oder auch, wie der „Glaube“ im Rahmen des Staatskirchentums und die Kultur als „Dienerin des Nationalsozialismus“ intensiv in das Regime verortet wurden, so gilt dies auch für München als technische und wissenschaftliche und technische Metropole jener Zeit. Die „Abgründe des Schweigens“ nach dem zweiten Weltkrieg und die durch diese bedingte und diese bedingenden „Kontinuitätserfahrung“ bietet im Folgenden dann die Darlegung der „Gründe des Schweigens“ und die schwierige gesellschaftliche Geschichte nach dem Krieg. Bis der Katalog dann mit „dem Blick von Außen“ abschließt und die Frage ins Zentrum rückt, ob die Deutschen die Verantwortung für ihre NS-Vergangenheit übernommen haben. Ein fulminantes Werk, dass in einer Zeit, in der die letzten Zeitzeugen nach und nach sterben eine intensive und umfassende Auseinandersetzung mit der Ideologie des Nationalsozialismus, seinen verbrecherischen Strukturen der Ausgrenzung, Diskriminierung und es Terrors nicht nur bietet, sondern durch die Form der Darstellung und Aufarbeitung auch in die Zukunft verweist. Dass die „große, oft schweigende Mehrheit“ Haltung zeigen muss gegen jedwede ähnliche Formen von Terror und Diskriminierung und das der Nationalsozialismus mehr ist (und in seinen Methoden mehr auch an gegenwärtiger Gefahr darstellt), als nur eine „Episode aus dem Geschichtsunterricht.

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