Winfried Pauleit Filmstandbilder. Passagen zwischen Kunst und Kino

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Inhaltsangabe zu „Filmstandbilder. Passagen zwischen Kunst und Kino“ von Winfried Pauleit

Filmstandbilder sind Beiwerke des Films. Sie werden zum einen zur Werbefotografie gerechnet, wenn sie zusammen mit den Filmplakaten und anderem Werbematerial von den Verleihern an die Kinos verschickt werden. Sie werden aber auch zur dokumentarischen Fotografie gerechnet, insofern sie zur Kontrolle der Dreharbeiten am Set Verwendung finden. Es gibt die unterschiedlichsten ästhetischen und technischen Formen von Filmstandbildern, die zudem mit den historischen Moden und Gewohnheiten variieren. Berühmt gewordene Filmstandbilder können zur Bezeichnung eines Films ähnlich wie ein Filmtitel zu seiner Repräsentation dienen. Aufgrund seiner spezifischen Bildlichkeit läßt sich das Filmstandbild nur schwer den gängigen Bildauffassungen und den für sie zuständigen Fachdisziplinen zuordnen. Dies gilt gleich in mehrfacher Hinsicht, eine Forschungslücke, die durch die hier vorgestellte Arbeit geschlossen wird: Erstens bilden Filmstandbilder eine Schnittstelle zwischen bewegten und stehenden Bildern. Sie lassen sich sowohl der Fotografie zuordnen, als auch (als generatives Element) dem Bewegungsbild des Kinos. Zweitens wird Filmstandbildern kein Werkcharakter zugesprochen. Obwohl man weiß, daß das Gros der Filmstandbilder von eigens angestellten Standfotografen aufgenommen wird, wird deren Autorschaft am Bild in der Regel bewußt verschwiegen. Das Bildkonzept, welches sich in dieser Praxis spiegelt, ist das eines sich selbst generierenden Bildes, eines Bildes ohne Autorschaft. Drittens treten Filmstandbilder insbesondere an ihrem genuinen Ausstellungsort, dem Kino, in ein besonderes Verhältnis zu ihren Rezipienten, den Kinogängern. Die Rezeptionssituation ist dabei zweigliedrig, vor dem Film ist das Filmstandbild eine Art verführender Köder. Nach dem Film bildet es eine nostalgische Spur, in der man nicht nur den Film, d.h. sowohl die Schauspieler, als auch die filmischen Figuren wiedererkennt, sondern auch (als Kinogänger) sein eigenes »In-einem-Film-gewesen-sein«. Viertens findet sich in Filmstandbildern eine Analogie zur Buchstabenschrift, die von Filmtheoretikern mit der Metapher des Hieroglyphischen bezeichnet wurde. Auch wenn man nicht davon sprechen kann, daß Filmstandbilder eine alphabetische Zeichenfolge darstellen, so bilden sie dennoch die kleinsten standardisierten Einheiten auf einem Filmstreifen. Alle vier Aspekte des Filmstandbildes haben seit den 1960er Jahren auch bildende Künstler fasziniert und beschäftigt, u. a. Richard Hamilton, John Baldessari, Cindy Sherman. Ziel der Arbeit ist eine detaillierte Darstellung der Bildform Filmstandbild als interdisziplinäres Phänomen. Die Funktionen des Filmstandbildes als »Metabild« werden herausgearbeitet. An einzelnen Punkten wird dargestellt, daß das Reflexionsniveau nicht nur auf andere Bilder zugreift, sondern auch Theoriegebäude der Film- und Kunstwissenschaft in Frage stellen kann. Schließlich werden die theoretischen Ergebnisse zum Filmstandbild in der Auseinandersetzung mit Künstlern, die mit Filmstandbildern gearbeitet haben, in drei Einzelstudien überprüft.

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