Wioletta Greg

 3.8 Sterne bei 5 Bewertungen
Autor von Unreife Früchte.

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Unreife Früchte

Unreife Früchte

 (5)
Erschienen am 26.01.2018

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Rezension zu "Unreife Früchte" von Wioletta Greg

Erwachsenwerden in einer anderen Welt
reneevor einem Monat

Hier haben wir ein Buch, in dem aus der Sicht eines Mädchens/einer jungen Frau in kurzen bruchstückhaften Geschichten mit deutlich autobiographischem Inhalt das Leben ihrer Familie in einem schlesischen Dorf in Polen in den 70er und 80er Jahren geschildert wird. Trotzdem die Autorin und ich als Leserin in einem ähnlichen Alter sind und unsere Heimatorte nicht so weit voneinander entfernt sind, kam ich mir vor als ob ich in eine andere Zeit, bzw. in ein fernes Land reise. Diese Mischung aus tiefem katholischem Glauben und deutlich älteren Gedankengut macht es zu einer Zeitreise mit einem gewissen Charme, aber genauso deutlich wie entfernt Polen eigentlich auch ist. Ebenso fand ich die Abgeklärtheit der Bevölkerung mit dem sozialistischen Staat/System recht interessant, auch wenn es durch die Sicht des Mädchens zu kurz umrissen war. Die Beschreibung des Lebens der Familie in den kurzen Abschnitten hat eine tiefe Melancholie, gemixt mit einer kindlichen Betrachtungsweise und einem ganz leichten Humor und ab und zu ein paar Gedanken, die zum Dahinschmelzen sind. Aber davon hätte es für meine Begriffe noch etwas mehr gebraucht und auch das Leben der Familie wäre für mich durch mehr Beschreibung und Umschreibung noch schöner und ausdrucksstarker geworden. Aber gut, jeder hat so seine Wichtigkeiten und andere Leser haben das ja auch anders empfunden. 

Das Buch ist ganz nett zu lesen, aber tief berührt ließ es mich nicht zurück. Manche Gedanken im Buch sind wunderschön, aber insgesamt war das Buch für meine Begriffe deutlich zu kühl und zu kurz.

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Rezension zu "Unreife Früchte" von Wioletta Greg

Eine polnische Kindheit zwischen Sozialismus und Katholizismus
smayrhofervor 9 Monaten

Wioletta Greg – eigentlich Wioletta Grzegorzewska – beschreibt in ihrem autobiographisch geprägten Roman ihre Kindheit in einem polnischen Dorf namens Hektary in den 70er und 80er Jahren. Zu dieser Zeit herrscht im kommunistischen Polen Kriegsrecht, aber das spielt in den Kindheitserinnerungen der kleinen Wiolka nur eine untergeordnete Rolle. Eher tritt der allgegenwärtige katholische Glauben – oft vermengt mit einer guten Prise Aberglauben – in den Vordergrund. In den mehr oder weniger chronologisch aufgebauten Episoden entdeckt Wiolka ihre unmittelbare Welt, die aus der Sicht des Lesers scheinbar sehr begrenzt ist, doch für das Kind jeden Tag Überraschungen bietet.

„Unreife Früchte“ ist alles in allem mehr Autobiographie als Roman und wird von einem Hauch Melancholie umweht. Die Kapitel sind zwar wie gesagt chronologisch aufgebaut, aber nur lose oder gar nicht miteinander verknüpft. Das ist zwar zum einen schade, da man sich hier und da ein paar weiter oder tiefer gehende Informationen wünschen würde, auf der anderen Seite entspricht es dem kindlichen Wesen von Wiolka, nicht zu viel an Vergangenes zu denken, sondern Neues zu entdecken. Das führt aber auch dazu, dass einige Ereignisse einen zwar kurz schlucken lassen, aber ohne weitere Vertiefung bleibt man als Leser hier und da etwas ratlos zurück. Insofern bleibt offen, in wie fern bestimmte Ereignisse den Charakter der Protagonistin prägen bzw. geprägt haben.

Ich habe mich leider nur mäßig unterhalten gefühlt. Zwar ist das Buch recht gut und schnell zu lesen (auch aufgrund der überschaubaren Länge von 144 Seiten), aber für meinen Geschmack bleibt es zu sehr an der Oberfläche und hat mich nicht sonderlich berührt. Das Buch stand übrigens auf der Longlist für den Man Booker International Prize, mein Fall war es allerdings nur bedingt.

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Rezension zu "Unreife Früchte" von Wioletta Greg

Erinnerungen an das Damals
TochterAlicevor einem Jahr

nämlich an dasjenige in Polen in den 1980er Jahren, an einen Staat, der inzwischen lange vergangen ist. Wioletta Gregs Werk wird schon auf dem Schutzumschlag als Roman bezeichnet, tatsächlich sind es aus meiner Sicht eher Geschichten, oft sogar nur kurze Sequenzen aus Kindheit und Jugend der Protagonistin, die zwar durch die agierenden Figuren, den zeitlich aufeinander folgenden Aufbau und den Handlungsort - das Dorf Hektary in Schlesien miteinander verbunden sind - mal enger, mal lockerer - aber durchaus auch allein stehend gelesen werden können.

Es ist weitgehend die Sicht eines Kindes, eines kleinen Mädchens, das zur Jugendlichen heranwächst, aus der die Schilderung erfolgt. Dabei wird früh deutlich, dass der Roman eine stark autobiographische Färbung hat. Ein wenig erinnert es mich an die Schilderungen nord- und osteuropäischer Autoren wie Astrid Lindgren oder auch den Letten Jānis Jaunsudrabiņš aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, doch findet sich in diesen Wärme und Humor. Beides geht den Schilderungen von Wioletta Greg vollkommen ab, wobei aber durchgehend deutlich wird, das dies ein von ihr angestrebtes stilistisches Mittel ist. Wobei, ganz selten mal habe ich beim Lesen das Gesicht zu einem Lächeln verzogen, das war eher so, dass die Situation als solches lustig war.

Doch insgesamt war die Kindheit in Hektary alles andere als spaßig - zu einer Zeit, in der im sozialistischen Polen Kriegsrecht und damit ein strenges Regime herrschte - auch der Vater von Wiolka - schon der Name ein Hinweis auf die Autorin - war zeitweise inhaftiert und kehrte gebrochen zurück. Sehr subtil werden die politischen und gesellschaftlichen Zustände transportiert - eben durch die Wahrnehmung eines Kindes. Den ein oder anderen mag gerade dies besonders berühren, ich jedoch tat mich - im Einklang mit dem eher kargen Stil - eher schwer mit der Lektüre, deren Bedeutung für die polnische Literatur ich aber durchaus honoriere. Sicher liest es sich eindringlicher, wenn man besser mit den Umständen vertraut ist. Trotz der "starken" Thematik bleibt dies für mich ein kleiner Roman, einer, den ich möglicherweise bald vergessen werde, was er sicher so nicht verdient hat. Da passt der Titel - es sind unreife Früchte, denen ein wenig mehr Reife zumindest aus meiner Sicht nicht geschadet hätte.

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