Wladimir Putin

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Judo mit Wladimir Putin

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Erschienen am 15.03.2017

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Rezension zu "Aus erster Hand" von Wladimir Putin

Putin in eigenen Worten
Liebes_Buchvor 5 Jahren

"Aus erster Hand" ist ein Buch, das ein paar Journalisten für Wladimir Putin aufgeschrieben haben als er 1999 plötzlich Präsident wurde. Ich habe das Buch in einem Antiquariat entdeckt, es ist sozusagen eine Autobiographie, aber auch PutinsFrau und ein paar andere Leute kommen zu Wort, um ein Bild von Putin und seinem Werdegang zu zeichnen. Das Buch enthält zudem zahlreiche Familienfotos von Frau, Kindern, Hund oder beim Tischtennis. Ich finde das bemerkenswert, dass er das für nötig hielt, der Öffentlichkeit von seinem Vorleben zu erzählen, denn wir wissen über Frau Merkel praktisch nichts und es interessiert in Deutschland auch nicht, was sie vor der Wende gemacht hat. Wir erfahren also, dass Putins Grossvater Koch war bei Stalin. Dass seine Eltern schon mit 17 heirateten, seine Mutter aber 41 war, als sie ihn bekam. Putin hatte 2 Brüder, die im Kriegselend starben, auch seine Mutter wäre beinahe verhungert. Putin wächst in einer Gemeinschaftswohnung auf und muss sich als Kind gegen Ratten verteidigen. Mit 11 fängt er mit dem Sport an- seinen Trainer verehrt er. Wir erfahren, dass Putin sich die Nase bricht oder später auch den Arm. Dass er mit 16 zum KGB Büro geht und fragt, was er machen muss, um genommen zu werden. Also studiert er Jura. Das Geld, das er beim Strassenbau verdient, haut er aber sinnlos auf den Kopf. So kommt es, dass er nicht mal einen Mantel hat. Dafür gewinnt seine Mutter jedoch mit einem geschenkten Lotterielos ein Auto, das er bekommt. Putin ist ein Raser und ist in mehrere Vorfälle verwickelt. Über den Fall als er einen Mann anfuhr, erfahren wir wenig. Ljudmila Putin war eine Stewardess, die er über Freunde kennenlernte. Als er 30 ist, heiraten sie. Putin sollte zuvor schon einmal heiraten, liess seine Braut jedoch praktisch am Altar stehen. Warum, erfährt der Leser nicht. In Dresden wohnen die Putins mit ihren 2 Kindern in einem Wohnhaus der Stasi. Die Stasi-Mitarbeiter bezeichnet er als anständig. Zwar räumt er später ein, dass er den Unmut der Bevölkerung versteht, aber die negativen Konsequenzen, die sich für die Stasi-Mitarbeiter ergeben, finden beide, Herr und Frau Putin ungerecht. Beide geben neunmalkluge Kommentare zum Mauerfall ab. Putin erklärt lückenlos, wann er wo arbeitete und welchen Rang er hatte. Über seine KGB- Tätigkeiten bleiben wir also nicht im Unklaren. Als Laie kann ich mir darunter jedoch nicht viel vorstellen. Er bespitzelt Parteien, Parteichefs und Innenministerien. Wie genau das für die Opfer der Spitzelei aussieht, erfahren wir nicht. Putin versteht es, seine Tätigkeit als gute Karriere darzustellen, ohne sich mit unappetitlichen Einzelheiten zu besudeln. Immer wieder klagt er auch über den Geheimdienstapparat, der die Berichte sowieso nicht las und den Zusammenbruch auch gar nicht verhindern wollte. Desillusioniert kehren sie nach Russland zurück mit einem neuen Auto und einer alten Waschmaschine. Hier schreibt Putin an seiner Dissertation (für die ihm später ein Plagiatsvorwurft gemacht wird). 1990 schreibt er ausserdem eine Kündigung an den KGB. Doch diese verschwindet angeblich. Dann brennt Putins Landhaus ab und 1994 hat Ljudmila einen Autounfall, bei dem sie eine Wirbelsäulenverletzung und einen Schädelbruch erleidet. Putin berichtet einiges über seine Arbeit im Rotlichtmilieu oder während der Hungersnot in Leningrad. Er äussert sich zu Treffen mit Jelzin,Clinton und Kohl. Der Krieg in Tschetschenien war damals ein grosses Thema. Diese Biographie ist sicher beschönigt. Ich habe auch "Heikle Freundschaften" gelesen, in dem es hauptsächlich um Frau Putin geht. Deshalb muss ich über manche Äusserungen in diesem Buch lachen. Wenn Ljudmila etwa vorschwärmt, sie würde abends auf ihren Gatten warten und morgens mit ihm gemeinsam aufstehen. Dass sie mit ihm morgens aufstehen sollte, führte nämlich laut "Heikle Freundschaften" zu einer Ehekrise, da Ljudmila lieber bis mittags im Bett blieb. So gibt es Darstellungen, die sich decken und welche, die sich widersprechen. Um die Ehe soll es nie so gut gestanden haben, alleine schon weil Frau Putin nach der Wende nur noch am Urlauben und Shoppen war, so dass ihr Mann ihr sogar die Kreditkarte wegnahm. Aber das ist ein anderes Buch... "Aus erster Hand" gab Wladimir Putin die Möglichkeit, sich der russischen Bevölkerung und dem Ausland vorzustellen, ohne Negatives zu enthüllen- aber auch ohne seinen Hintergrund zu verschweigen. Die Geschichten aus dem Privatleben machen ihn natürlich sympathischer. Die ungeschminkte Wahrheit ist das sicher nicht und Selbstkritik sucht man hier vergebens. Trotzdem fand ich es bemerkenswert, dass Putin kommunikativer war als Angela Merkel. Menschen, die die DDR noch erlebt haben, können sich sicher mehr zusammenreimen als ich.

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