Wole Soyinka

 3,8 Sterne bei 16 Bewertungen
Autor*in von Ake, "Death and the King's Horseman" und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Wole Soyinka, geboren 1934 in Abeokuta (Westnigeria), ist ein international ausgezeichneter Schriftsteller, Literaturwissenschaftler, Theatermacher sowie politischer Essayist und erhielt als erster Afrikaner den Nobelpreis für Literatur. Aufgrund seiner Opposition zur Diktatur in Nigeria wurde er dort inhaftiert. Heute lebt er in Kalifornien und Nigeria und lehrt an Universitäten rund um den Globus.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Wole Soyinka

Cover des Buches Die glücklichsten Menschen der Welt (ISBN: 9783896677280)

Die glücklichsten Menschen der Welt

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Erschienen am 10.04.2022
Cover des Buches Isarà (ISBN: 9783250102175)

Isarà

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Cover des Buches Aké (ISBN: 9783293209145)

Aké

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Erschienen am 12.07.2021
Cover des Buches Die Ausleger (ISBN: 9783100731357)

Die Ausleger

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Erschienen am 12.03.2002
Cover des Buches Ìsarà (ISBN: 9783100731388)

Ìsarà

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Erschienen am 13.10.1994
Cover des Buches Aké. Jahre der Kindheit - Afrika erzählt (ISBN: 9783886981106)

Aké. Jahre der Kindheit - Afrika erzählt

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Erschienen am 01.09.2007
Cover des Buches Ake (ISBN: 1439514305)

Ake

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Erschienen am 10.07.2008

Neue Rezensionen zu Wole Soyinka

Cover des Buches Die glücklichsten Menschen der Welt (ISBN: 9783896677280)
mapefues avatar

Rezension zu "Die glücklichsten Menschen der Welt" von Wole Soyinka

Anekdoten aus einer maroden Welt
mapefuevor 2 Jahren

Wole Soyinka, Nigerianer und Literaturpreisträger, 87 Jahre alt, hat uns 50 Jahre warten lassen – auf diesen Roman. Seine nigerianische Heimat spielt die geographische Hauptrolle, er thematisiert globale Probleme wie Korruption und moralische Dekadenz; Das Ergebnis eine bitterböse Politsatire und Krimi in einem. Laut einer fragwürdigen Internetumfrage soll Nigeria das Land mit den glücklichsten Menschen der Welt gewesen sein.

Es ist Vorwahlkampf um das Amt des Präsidenten. Worin besteht nun das vermeintliche Glück der Bevölkerung? Dass sie in der Müllhalde nach Verwertbaren suchen, oder ist es eher das Glück der politischen Upperclass, die auf diese hinunterschauen. Oder sind es die zelebrierten opulenten Festivitäten und immer wieder neuen skurrilen Preisverleihungen? 

Die Abgesandten einer „Fleischfabrik“, die einen Handel mit Körperteilen betreiben, sprechen bei Chirurg Dr. Kighare Menka, der gerade einen Preis gewonnen hat vor und wünschen sich seine „Mitarbeit“. Sein guter Freund Duyole Pitan-Payne, ein viel geachteter Ingenieur ist für eine Stelle bei der UN in New York nominiert worden. Die Regierung ist froh, dass sie einen Kritiker los sind, andere wollen seinen Wechsel in die USA verhindern. Noch wissen wir nicht, wer diese anderen sind.
Die dritte zentrale Person ist ein amoralischer Pseudoguru, ein machthungriger religiöser Führer, Papa Davina oder auch Bischof Teribogo. Erst sehr spät wird uns seine wahre Identität offenbart. 

Zwei der Hauptakteure werden durch perfide Attacken schwer getroffen. Der eine verliert, nachdem man ihn nach Salzburg zu einer Operation überführt hat sein Leben, dem anderen wird sein Haus abgefackelt. Wohin mit der Leiche. Es entsteht eine absonderlich skurrile Situation: Sein Freund möchte ihn in Nigeria begraben, DIE FAMILIE in Salzburg. Ein makabres Kräftemessen, das der Leser nur mit Kopfschütteln zur Kenntnis nimmt.

Ein epochales literarisches Meisterwerk auf 614 Seiten „säuberlich“ in zwei Teile und insgesamt in 23 Kapitel gegliedert, mit angeschlossenem Glossar. Eine zum ungläubigen Staunen geleitete Darstellung der politischen, gesellschaftlichen und „verzwickten“ privaten Verhältnisse in Nigeria.

Anekdotisch legt Soyinka ein desillusioniertes Bild der nigerianischen Gesellschaft offen, mit beißender Ironie, für einen ungläubigen Leser beschreibt er Szenen, die an Direktheit nicht zu überbieten sind. Die zuweilen überlangen Sätze zwingen zum konzentrierten Lesen, doch ist der Genuss, dank der grandiosen Übersetzung überwältigend.

Wole Soyninka, geboren 1934 in Abeokuta/Nigeria, gehört zu den bedeutendsten Schriftstellern Afrikas. Wegen seiner oppositionellen Haltung zum Militärregime drei Jahre in Haft. Bis 1988 lebte er meistens im Ausland. 1986 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Soyinka behandelt in Gedichten, mythenträchtigen Dramen und satirischen Komödien Konfliktsituationen der neuen nigerianischen Gesellschaft. Zu seinen wichtigsten Werken gehören "Zeit der Gesetzlosigkeit", "Die Plage der tollwütigen Hunde", "Ake. Jahre der Kindheit" und "Ibadan. Streunerjahre 1946-1965".

Cover des Buches Die glücklichsten Menschen der Welt (ISBN: 9783896677280)
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Rezension zu "Die glücklichsten Menschen der Welt" von Wole Soyinka

Epos
KataRafvor 2 Jahren

Die glücklichlichsten Menschen der Welt sind in Nigeria zuhause, so sagt man in Nigeria. Ironisch, scharf, manchmal übertreibend greift Wole Soyinka in seinem umfangreichen Spätwerk diese Selbstbetitelung auf.

Soyinka ist ein beeindruckender Mensch. 1986 gewann er als erster Vertreter der Literatur aus dem afrikanischen Kontinent den Literaturnobelpreis. Zu Recht, denn er kann erzählen, sein Sound lässt die Figuren und Beziehungsgeflechte aufleben. Dabei ist er direkt in der anti- und postkolonialen Kritik und nimmt die aktuellen Probleme, Widersprüche und Konflikte ins Visier. Dies und seine Aktivitäten für den Frieden in den 1960ern im Biafrakrieg missfielen der Regierung und er kam in Isolationshaft für zwei Jahre. In den 90ern trieb es ihn ins Exil, er lehrte in Atlanta und erlangte die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Später pendelte er zwischen USA, Großbritannien und Nigeria, bis er aus Protest gegen Trump öffentlich seine US-Staatsbürgerschaft aufgab.

Heute ist Soyinka 87 Jahre alt, seinen letzten Roman hat er vor 50 Jahren geschrieben und jetzt will er es noch einmal wissen. Er kann es immer noch, ein überzeugendes Bild einer widersprüchlichen Gesellschaft zeichnen, der Doppelmoral, der Korrumpierung durch Macht, die Verquickung mit Religion und mit Kriminalität aufzeigen. Er bedient sich hier des Mittels der Satire. Doch wie bei Satiren üblich, bleibt ein eventuelles Lachen im Halse stecken ob der Tatsache, dass Realitäten beschrieben werden.

"Die glücklichsten Menschen der Welt" ist ein imposantes episches Werk, das sich Zeit nimmt. Vier Männer bilden die Mitte der Erzählung. Es werden weitere Figuren an Figuren gereiht, Politiker, Prediger, mächtige Männer. Frauen sind nur randständig Thema. Hauptsächlich folgen wir Interaktionen und Dialogen, das Innenleben bleibt für unseren Lesegeschmack zu wenig ausgeleuchtet. Die Erzählform und Sprache wirkt wie aus der Zeit gefallen. Dennoch beeindruckt Soyinka mit seiner scharfen Beobachtungsgabe, seinem Zorn und Drang zu erzählen über die korrumpierende Macht und Ungerechtigkeiten der Welt.


Cover des Buches Isarà (ISBN: 9783250102175)
Aischas avatar

Rezension zu "Isarà" von Wole Soyinka

Postkoloniale Identitätssuche
Aischavor 2 Jahren

Wole Soyinka veröffentlichte diesen Roman drei Jahre nachdem er -  als erster afrikanischer Autor - den Literaturnobelpreis erhalten hatte. Im Vorwort zu "Ìsarà" erklärt Soyinka den Roman zu seiner Hommage an seinen Vater, dessen Freunde und seine Zeit. Es geht also um das Nigeria vor der Unabhängigkeit, zu einer Zeit in der viele im Zwiespalt gefangen waren zwischen Ablehnung der Unterdrückung und Ausbeutung durch die Handlanger der britischen Krone einerseits und nacheifernder Bewunderung von Bildungssystem und Machtgefüge der Engländer andererseits.

"Ìsarà" ist aber auch eine Abgrenzung gegenüber Soyinkas autobiografischem Kindheitsroman "Aké". Spielt in diesem der Vater und dessen Einfluss auf den Sohn eine zentrale Rolle, so geht es nun um eine ganze Generation, um die junge afrikanische Elite in den 1930er Jahren, Hoffnungsträger ihres Landes. Spannung entsteht dadurch, dass sowohl Autor als auch Leser*innen wissen, dass viele der Hoffnungen enttäuscht werden, dass die Unabhängigkeit Nigeria ebenso wenig Frieden bringen wird wie seine Erdölvorkommen der Bevölkerung zu Wohlstand verhelfen. Nein, wir wissen von der Hungersnot in Biafra und der Terrormiliz Boko Haram. Und dennoch ist es keine pessimistische Geschichte, denn Soyinka schlägt versöhnliche Töne an: Tradition und Moderne finden zusammen, als ein Gewerkschaftssekretär König der Yoruba in Ìsarà wird.

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