Wolf Biermann

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Warte nicht auf bessre Zeiten!

Warte nicht auf bessre Zeiten!

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Erschienen am 13.10.2017
Im Bernstein der Balladen

Im Bernstein der Balladen

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Erschienen am 14.10.2016
Dein freches Lächeln küsse ich so gern

Dein freches Lächeln küsse ich so gern

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Erschienen am 13.09.2010
Heimat

Heimat

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Erschienen am 01.09.2006
Die Ausbürgerung

Die Ausbürgerung

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Erschienen am 13.10.2006
Berlin, du deutsche deutsche Frau

Berlin, du deutsche deutsche Frau

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Erschienen am 01.11.2008
Barbara

Barbara

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Erschienen am 15.03.2019

Neue Rezensionen zu Wolf Biermann

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Rezension zu "Warte nicht auf bessre Zeiten!" von Wolf Biermann

Was verboten ist, das macht uns gerade scharf
Aliknechtvor 2 Jahren

Der Liedermacher Wolf Biermann erzählt seine Lebensgeschichte. Er zog als überzeugter junger Kommunist 1953 von Hamburg freiwillig in die DDR und besuchte dort zunächst ein Gymnasium. Danach nahm er ein Studium auf und arbeitete parallel dazu als Regie-Assistent beim Berliner-Ensemble. Als Sohn eines von den Nazis ermordeten roten Vaters und einer gut vernetzten roten Mutter erhielt Bierman rasch Zugang zur neu etablierten SED-Schickeria. Diese mühte sich mit mäßigem Erfolg am Aufbau des Sozialismus ab und wurde zudem von den sozialistischen Brüdern und Schwestern in der Sowjetunion gegängelt. 

Biermann spielte Gitarre und begann zu dichten. Er geriet mit seinen frechen Liedern bald in Schwierigkeiten und es dauerte nicht lange bis man versuchte, ihn in der DDR mundtot zu machen. Da es ihm früh gelang, über eigene Kanäle im Westen zu publizieren, konnte er sich immerhin jederzeit öffentlich artikulieren. In Westdeutschland erschien 1965 der Gedichtband "Die Drahtharfe" und 1968 seine erste Langspielplatte "Chausseestraße 131",  die  in seiner Ost-Berliner-Wohnung mit einfachen Mitteln aufgenommen worden war. Biermann wurde zwar bespitzelt und schikaniert und war effektiv mit einem Berufsverbot belegt, er war aber durch seine Prominenz und durch seine Möglichkeiten, im Westen die Stimme zu erheben, doch relativ geschützt. Für die Herrschenden in der DDR war der Umgang mit Biermann nie ganz risikolos. Dafür hatte er ein feines Gespür und er musste sich deshalb weit weniger Sorgen als andere Dissidenten machen, die unter Umständen jahrelang in den Gefängnissen der DDR verschwanden. Biermanns wichtigster Freund war Robert Havemann, der bis zu seinem Tod unter Hausarrest stand. Ihm konnte er völlig vertrauen und sie teilten eine weitgehend ähnliche Sicht auf die Dinge. Havemann war der kluge und erfahrene Ältere, der Biermann immer Orientierung gab. Lange Zeit glaubten die beiden, man könne diesen real existierenden Sozialismus besser und humaner gestalten. 
 
Der entscheidende Umbruch kam  mit Biermanns Ausbürgerung 1976 nach seinem Konzert in Köln. Es zog ihm den Boden unter den Füßen weg, denn er war durch und durch ein Wesen der DDR. In der Bundesrepublik schlug er nicht leicht neue Wurzeln. Innerhalb der westdeutschen Linken konnte er sich nur teilweise und unter Schwierigkeiten integrieren. Sein Blick blieb immer auf die DDR gerichtet. Er schloss sich der Friedensbewegung in der BRD an und veränderte  allmählich im Verlauf  eines langen Prozesses seine Positionen. Der Zusammenbruch der DDR tat ein übriges. Schließlich verlor er seinen Glauben an den Kommunismus.  Nach der Wende konnte er wieder in sein geliebtes Land hinüberreisen und dort auftreten. Im wiedervereinten Deutschland erhielt er zahlreiche Auszeichnungen und wurde 2007 unter kontroversen Diskussionen zum Ehrenbürger von Berlin ernannt. Zur  Gedenksitzung des Bundestags 2014 zum Fall der Mauer vor 25 Jahren wurde Biermann eingeladen vor dem Hohen Haus zu singen. Er nutzte die Gelegenheit und griff die Abgeordneten der Links-Partei als "Drachenbrut" scharf an. 

Kommentar und Bewertung: Wolf  Biermann erzählt seine Lebensgeschichte lebendig und packend, angereichert mit zahlreichen spannenden Details. Er verfügt als Liedermacher und Poet über besonders starke Ausdrucksmittel und er nutzt diese sehr effektiv zur Schilderung von Erlebnissen, Situationen, Gedanken und Gesprächen seines ereignisreichen Lebens. Aus einem erfüllten Liebesleben gingen, wenn ich richtig gezählt habe, insgesamt neun Kinder hervor. Biermann war  mit vielen berühmten und wichtigen Zeitgenossen aus Politik, Wissenschaft, Kultur und Medien befreundet. Dadurch stand er immer in einer kontinuierlichen Auseinandersetzung mit den jeweils aktuellen Problemen und Entwicklungen. Er ist  als perfomender Künstler natürlich nicht frei von Eitelkeit und zeigt sich stets selbstbewußt, manchmal vielleicht sogar ein wenig überheblich. Ich finde aber, dass er insgesamt in einer sehr redlichen und auch selbstkritischen Art schreibt. Er steht zu seinen veränderten Auffassungen und äussert dies gerade auch in Bezug zur deutschen Wiedervereinigung sehr deutlich. Dies hat mich beeindruckt. Mir hat ferner besonders gut gefallen, dass er die kulturellen und gesellschaftlichen Unterschiede zwischen der ehemaligen DDR und der BRD sehr fein erfasst und präzise beschrieben hat. Nicht einmal die Kommunisten waren sich gleich. Während sie im Osten das hohe Lied der Kernenergie und einer großen Technikfreundlichkeit sangen,  zogen sie im Westen gegen Brokdorf und gegen die Wiederaufbereitung zu Felde. Es ist wirklich kein Wunder, dass Wolf Biermann anfangs im Westen zwischen den linken Fraktionen herumirrte und etliches nicht verstand. Insofern wirft das Buch auch Licht auf die deutschen Schwierigkeiten zwischen Ost und West. 
 
Fazit: Eine tolle Autobiographie eines bedeutenden Sängers und Dichters vor deutsch-deutschem Hintergrund. 

Ausgabe: Wolf Biermann Warte nicht auf bessre Zeiten!: Die Autobiographie Propyläen Verlag 2016 (gelesen Dezember 2016)

Autor:  Karl Wolf Biermann wurde am 15.11.1936 in Hamburg geboren und ist ein deutscher Liedermacher und Lyriker. Er siedelte 1953 in die DDR über und veröffentlichte 1960 erste Lieder und Gedichte. Gegen den Brecht-Schüler, später dann scharfen Kritiker der SED und der DDR wurde 1965 dort ein Auftritts- und Publikationsverbot verhängt. 1976 wurde ihm eine spätere Wiedereinreise aus der BRD nach einer zuvor genehmigten Konzerttour verweigert, und er wurde ausgebürgert. Die Ausbürgerung Biermanns löste in Ost- und Westdeutschland breite Proteste aus. Seine Gedichtbände zählen zu den meistverkauften der deutschen Nachkriegsliteratur. Biermann wurde mit zahlreichen Literaturpreisen West- und später Gesamtdeutschlands ausgezeichnet  [1].  
 
Referenzen:
[1] Wikipedia

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Rezension zu "Warte nicht auf bessre Zeiten!" von Wolf Biermann

Eine Biografie mit zeithistorischem Wert
seschatvor 2 Jahren


Der deutsche Liedermacher Wolf Biermann, geb. 1936 in Hamburg, hat anlässlich seines 80. Geburtstags eine Mammut-Biografie (insgesamt:  576 Seiten) veröffentlicht, die ganz nebenbei ein Stück deutsche Zeitgeschichte vermittelt.

Der gebürtige Westdeutsche besuchte in jungen Jahren ein DDR-Internat und machte als Jungpionier auf sich aufmerksam. Die kommunistische Einstellung hatte Mutter Emma ihn anerzogen. Der Vater überlebte Auschwitz nicht.

Später studierte Biermann Philosophie und Mathematik an der HU Berlin und schrieb nebenbei Lieder und Gedichte. Zudem wurde er Regieassistent beim Berliner Ensemble und Brecht sein Idol.

Seit mit dem Mauerbau 1961 begann auch Biermann sich gegen den SED-Staat aufzubegehren. Daraufhin erließ die DDR gegen ihn ein über Jahre anhaltendes Auftrittsverbot, das schlussendlich in seiner Ausbürgerung 1976 gipfelte. Viele renommierte ostdeutsche Kunstschaffende schlossen sich dem Protest gegen diesen staatlichen Erlass an und wanderten ebenfalls nach Westdeutschland aus. Aus dem überzeugten DDR-Bürger war ein Systemkritiker mit Format geworden.

Das Besondere an Biermanns Autobiografie ist sein ihm eigener, proletarisch und auch mal lyrisch überhöhter Erzählton. In eindringlicher, gut nachvollziehbarer Weise schildert er sein (künstlerisches) Leben, das von allerhand Repressalien durch die Stasi geprägt gewesen ist. Er lebte damit und schuf Protestliteratur im Geheimen. Viele der damals entstandenen Gedichte und Lieder hat Biermann in seine Erzählung mit einfließen lassen. Dadurch bekommt der Leser ein ganz speziellen Einblick in die Stimmungslage der Zeit. Gerade durch die umfangreichen Anekdoten mit Fotos wird die Geschichte der deutschen Teilung vor dem Leserauge wieder lebendig. 

FAZIT
Eine Biografie mit historischem Mehrwert, die sowohl den Menschen als auch die historische Persönlichkeit Wolf Biermann außergewöhnlich gut mit Witz und frecher Schnauze porträtiert. 

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M

Rezension zu "Im Bernstein der Balladen" von Wolf Biermann

Werkschau
michael_lehmann-papevor 2 Jahren

Werkschau

282 Balladen, Liedtexte, mal kurz, mal mit längeren Versen sind es, die aus Biermanns Lebenswerk in diesem Buch versammelt sind.

„Es sind die Verse – sie erwiesen sich als meine stärkste Waffe im Streit der Welt. Feinde, aber auch Freunde, ich ohnehin….sind nun gut aufgehoben im Bernstein meiner Balladen“.

Mit markigen und, wie so oft, hintergründigen und sehr klaren Worten erläutert Biermann im Vorwort noch, womit ihn „die Musen“ küssten und welch „Schwachpoeten“ sie die Inspiration entnahmen, um sie ihm zukommen zu lassen. Das ist sicherlich keine sonderlich sympathische, eher überheblich wirkende Sicht auf den künstlerischen Schaffensprozess, wobei jeder einigermaßen kundige Leser Biermann im Stillen Recht geben mag bei all dem, was einem als „ernsthafte Kunst“ hier und da angeboten wird.

Sei´s drum, in den 282 Liedern und Gedichten ist das Werk Biermanns in guter Auswahl durch ihn selbst vor allem eines, nämlich eine breite Vertretung seiner verschiedenen Facetten.

Hoffnungen, Illusionen, Zweifeln und Verzweiflung, Glückseligkeit, Kontinuum, aber auch die Brüche seines Lebens, all das hat Biermann immer künstlerisch verarbeitet, herausgeschrien, sanft gesungen, bedächtig vorgetragen oder leidenschaftlich den Hörern dahingeworfen.

„So lasst uns unsrer Väter wahre Söhne sein: respektlos aufkrempeln die Schlotterhemden und singen! Schreien! Unverschämt Lachen!“.

Sei es der Prolog für den Film „Spur der Steine“, sei es der „Gesang für meine Genossen“, sei es die „Bibel Ballade“, dieses Werk verschafft einen gelungenen Eindruck von der Vielfältigkeit der Themen Biermanns, seiner immer streitbaren, aufmüpfigen, lauten Ader. Vom krachenden „Kampflied“ zum leisen „Liebeslied“, vom alltäglichen Miteinander zum gesellschaftlichen Umbruch, in Ruhe kann der Leser sich hier umfassend versammelt dem Denken und den Aussagen Biermanns, offen politisch bis ganz poetisch, annähern.

Eine gelungene Werkschau für jene, die Biermann als Wegbegleiter sehen, wie auch für jene, die vielleicht das erste Mal schauen möchten, was es mit dem Mann so auf sich hat.

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