Wolf Brechtel

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Schlachtplatte vegan

Schlachtplatte vegan

 (2)
Erschienen am 08.04.2015

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Rezension zu "Schlachtplatte vegan" von Wolf Brechtel

Knapp unter Mitte Drei und Vier
Antekvor 3 Jahren

Landarzt Dr. Steinkauz hat den Absprung verpasst und, obwohl bereits reichlich in die Jahre gekommen, erhält er seine Praxis aufrecht, damit Bad Heiterbach und Soichgrub nicht ohne Arzt da steht. Allerdings hat er mehr Alibifunktion, denn um die Patienten kümmern sich hauptsächlich Liesel Sumpfmoser, Arzthelferin, knapp unter Mitte Vierzig und Minna, Krankenschwester, knapp über Ende Sechzig. Rezepte, Krankschreibungen, Atteste und sogar Totenscheine sind ganz deren Ding. Doch als immer mehr in die Jahre gekommene Patienten sterben und dazu noch eine merkwürdige gelbe Farbe haben, wird sie misstrauisch und beginnt näher hinzuschauen.

Die Geschichte wird in Ich-Perspektive von Louise erzählt. Sie ist eher einfach gestrickt und dazu passt der Sprachstil. Man liest sich leicht durch die Seiten. Die Spannung kommt nur sehr langsam in Fahrt, das fand ich ein wenig schade.

Ich mag durchaus auch, wenn ich im Krimi lachen kann. Besonders anfangs hat mich der Autor auch wirklich des Öfteren zum Schmunzeln gebracht. Der dickliche Junge, der ein Attest für den Schwimmunterricht braucht, ist heute an der Tagesordnung, ebenso wie Hochbegabte und ADS Kinder. Die werden hier auf die Schippe genommen und auch Supermarktbäcker oder Globuli bekommen ihr Fett weg, das fand ich amüsant. Eine nette Idee ist bestimmt auch das Spiel mit schrägen Namen wie Aasgeier, Pottsau, Deppendorf oder Blöderhofer. Allerdings nutzt sich das auch ab. Ich kann durchaus lachen, wenn ab und an ein solcher vorkommt, wenn es aber eine wahre Flut wird, ist das nicht mehr ganz so mein Ding. Minna ein bisschen einfältig, auch das kann witzig sein. Stellenweise war mir aber auch das etwas zu viel. Eine Krankenschwester mit Ausbildung will nicht begreifen, dass bei Lidl und Aldi nicht um den Preis gefeilscht wird, oder weiß nicht, wo sich am Rad die Bremse befindet? Wie hat der Kriminaler einmal kommentiert? Das ist keine Praxis, sondern ein Irrenhaus,  ganz unrecht hat er damit bestimmt nicht.

Regionalkolorit? Ja die dörfische Atmosphäre wird hier mit Landarzt, jeder kennt jeden und Tante Emma Laden schon transportiert. Allerdings habe ich  es nicht als Hommage an die Heimat, empfunden. Wenn doch angeblich das Navi schon warnt: „Halt! Stopp, sie fahren in eine total beschränkte Zone Bei der nächsten Gelegenheit bitte wenden!“. Können nach dieser Warnung die Einheimischen den Schwaben, Hessen, Ossis oder Ausländern dann noch so weit überlegen sein, dass sie hier auch ihr Fett abbekommen?

Louise ist hier die Hauptperson. Sie nimmt es weder mit der Schweigepflicht, noch mit der Männerwelt so genau. Mit ihrer guten Oberweite und ihrer schlanken Frisur hat sie Oberkommissar Alexander Mausigel, davon überzeugt, dass man sich rein hypothetisch kurzschließen und mit den zu Verfügung stehenden Einzelressourcen und der erforderlichen Gesamtmotivation ein gemeinsam definiertes Ziel avisieren könnte. Das Gästebett ist schnell als Ziel auserkoren, schließlich kommt  Louises Mann Rudi, der ehemaligen Fußballer erst in zwei Stunden wieder.  Das reicht für ein Fundament für gute Zusammenarbeit. Minna, habe ich ja schon etwas beschrieben, erwähnenswert ist sicher auch noch ihr Dickschädel ab Werk. Landarzt Dr. Steinkauz Lieblingsbeschäftigung ist es hinter seinem Computer dem heiß geliebten Jagdsimulationsspiel zu frönen. Nur gut, dass Louise ab und an für Abwechslung sorgt, so wird nicht nur in der Heimat, sondern ab und an auch in Canada gejagt.

Alles in allem war ich mit „Schlachtplatte vegan“ leider nicht so glücklich. Etwas mehr Spannung und dafür etwas weniger dick aufgetragen, was die gewollt witzigen Szenen betrifft, dann hätte mich die Story sicher mehr Spaß gehabt.

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Archimedess avatar

Rezension zu "Schlachtplatte vegan" von Wolf Brechtel

Im Allgäu ist man Fleisch, Veganer sollen in Schwaben bleiben!
Archimedesvor 3 Jahren

Schlachtplatte vegan, von Wolf Brechtel, ein Allgäu Krimi aus dem Hause Emons.

Liesel Sumpfmoser, Arzthelferin und knapp unter Mitte Vierzig, arbeitet zusammen mit Minna, Krankenschwester um die Sechzig, in einer alt eingesessenen Arztpraxis in Bad Heiterbach. Dr.Steinkauz, schon sehr in die Jahre gekommen, kümmert sich in seinem Sprechzimmer mehr dem Computerspielchen, als den Wehwehchen der Patienten, dafür hat er ja seine beiden Angestellten. So fahren auch Liesel und Minna zu den kleinen und großen Notfällen in der Gemeinde, auch zur Todesschau werden sie gerufen. Rezepte, Krankschreibungen, Atteste und Totenscheine, alle schon vom Doktor unterschrieben per Dutzend in der Schublade. So muss man den betagten Arzt nicht unnötig stören. Doch plötzlich häufen sich die Todesfälle bei älteren Pflegebedürftigen und immer haben die Verstorbenen eine sehr ungesunde gelbe Hautverfärbung. Ist ein Ikterus wirklich jedes mal die Todesurasche?

Minna und Liesel, sowie deren Mann Rudi entwickeln einen Plan, der Ursache bzw. dem Täter eine Falle zu stellen. Die Haslingerbäuerin hat sich nämlich, in die Enge getrieben, verquatscht und zugegeben, dem Tod ihres Mannes etwas nachgeholfen zu haben, als ein Angebot von einem jungen Mann kam- tausendfünfhundert für eine Sondennahrung-. Zwischen der Tätersuche, rückt Liesel noch ziemlich eng mit der Polizei zusammen, eigentlich nur mit einem Polizisten, aber dafür um so intensiver. Als die Falle zuschnappt, wird klar, dass es sich um ein organisiertes Verbrechen im großen Stil handelt. Bei einem zünftigen Essen im Vogelwirt wird der Erfolg dann auch gebührend gefeiert und eine am Nebentisch sitzende Familie aus Schwaben wird zu einer Schlachtplatte vegan eingeladen.

Fazit:

Unterhaltsamer Krimi auf knapp 180 Seiten. Man sollte allerdings der bayrischen Sprache mächtig sein, denn sonst könnte das Lesen nur halb so viel Spaß machen. Die Preißen und vor allem die Schwaben haben nämlich nicht den gleichen Humor, wie wir Bayern. Mir sind  die Ausdrücke bzw. Schimpfwörter auf bayrisch sehr vertraut.

 

 

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