Wolf Lepenies

 4,1 Sterne bei 8 Bewertungen
Autor von Kultur und Politik, Die drei Kulturen und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Wolf Lepenies

Wolf Lepenies, geboren 1941, Soziologe und Historiker, von 1986 bis 2001 Rektor des Wissenschaftskollegs zu Berlin, war mehrere Jahre Mitglied des Institute for Advanced Study in Princeton (USA) und 1991/92 Inhaber der Chaire Européenne am Collège de France (Paris). Lepenies ist Ehrendoktor der Sorbonne und der Universität Bukarest und Offizier der Französischen Ehrenlegion. Er erhielt u.a. den Alexander-von-Humboldt-Preis, den Karl-Vossler-Preis, den Breitbach-Preis und den Theodor-Heuss-Preis. 2006 Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. 2016 den Kythera-Preis. Zuletzt erschienen im Carl Hanser Verlag: Sainte-Beuve. Auf der Schwelle zur Moderne (1997), Kultur und Politik. Deutsche Geschichten (2006), Auguste Comte. Die Macht der Zeichen (2010) und Die Macht am Mittelmeer. Französische Träume von einem anderen Europa (2016).  

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Wolf Lepenies

Cover des Buches Geschichte der Kindheit (ISBN: 9783423301381)

Geschichte der Kindheit

 (6)
Erschienen am 01.10.1998
Cover des Buches Kultur und Politik (ISBN: 9783596177851)

Kultur und Politik

 (2)
Erschienen am 07.07.2008
Cover des Buches Melancholie und Gesellschaft (ISBN: 9783518285671)

Melancholie und Gesellschaft

 (2)
Erschienen am 21.07.2006
Cover des Buches Die drei Kulturen (ISBN: 9783596155187)

Die drei Kulturen

 (2)
Erschienen am 01.10.2006
Cover des Buches Sainte-Beuve (ISBN: 9783423343558)

Sainte-Beuve

 (1)
Erschienen am 01.09.2006
Cover des Buches Wolf Lepenies (ISBN: 9783765730481)

Wolf Lepenies

 (0)
Erschienen am 01.02.2009
Cover des Buches Intellektuellendämmerung? (ISBN: 9783446171237)

Intellektuellendämmerung?

 (0)
Erschienen am 01.01.1992

Neue Rezensionen zu Wolf Lepenies

Cover des Buches Geschichte der Kindheit (ISBN: 9783423301381)Sokratess avatar

Rezension zu "Geschichte der Kindheit" von Philippe Ariès

Rezension zu "Geschichte der Kindheit" von Philippe Aries
Sokratesvor 9 Jahren

In den 1980er Jahren begann sich die "Alltagsgeschichte" als historische Disziplin zu formieren; um Akzeptanz ringt sie noch heute. Philippe Ariès als Vertreter der französischen Annales-Schule war einer der ersten "Alltagshistoriker", die geforscht und publiziert haben. Entstanden ist - neben der "Geschichte des privaten Lebens" - der Klassiker "Geschichte der Kindheit". Geschrieben in lebendiger Sprache, detaillastig, faktenreich und eine Unmenge an Einzelfällen, Fundstücken und historischen Bruchstücken verarbeitend. Kernthese u.a., dass sich die "Kindheit" als Lebensphase erst im 18./19. Jh. herauszubilden begann. Vorher galten Kinder aus gesellschaftlichen und metalitätsgeschichtlichen Gründen als "unfertige" Menschen - eben nicht als Individuen. Wer anspruchsvolle und faktenreiche, aber dennoch lebendig geschriebene Kulturgeschichte lesen möchte, der kommt um diesen Klassiker nicht herum!

Kommentieren0
11
Teilen
Cover des Buches Sainte-Beuve (ISBN: 9783423343558)Sokratess avatar

Rezension zu "Sainte-Beuve" von Wolf Lepenies

Rezension zu "Sainte-Beuve" von Wolf Lepenies
Sokratesvor 10 Jahren

Saint-Beuve – nur wenige werden ihn kennen, und doch war er die Person der französischen Literaturwelt des 19. Jahrhunderts. 1804 in Boulogne-sur-Mer geboren, wollte Saint-Beuve zunächst Medizin studieren, entfloh hierfür der Enge der ländlichen Heimatstadt nach Paris, trotz der dortigen Wohnungspreise. Er war schulisch ein Überflieger, erhielt ein Stipendium und versuchte sich schon früh an eigenen literarischen Werken; hinzu kamen Rezensionen zu Werken anderer Schriftsteller. Ein erster Gedichtband erschien unter Pseudonym. Mit den Julitumulten 1930 in Paris lies er sich philosophisch vom Saint-Simonismus mitreißen. In dieser Zeit beginnt er auch in Pariser Blättern über aktuelle Lite-ratur zu schreiben: der Beginn seiner Karriere als Literaturkritiker.
.
Wolf Lepenies zeigt bereits in den einleitenden Kapiteln, dass Saint-Beuve ein Leuchtturm in der Literaturlandschaft Frankreichs im 19. Jahrhundert war. Indem er die namhaftesten Autoren dieser Jahre zitiert, wird deutlich, wer alles über Saint-Beuve Notiz meckerte, wer hoffte, eine positive Kritik seiner Werke zu erhalten, und: wer ziemliche Probleme mit der von Saint-Beuve ausgesprochenen Ablehnung hatte. Selbst Marcel Proust schrieb einen ganzen Aufsatz (neben Auf der Suche nach der verlorenen Zeit hatte Proust wenig Muße und Zeit für andere Texte) über Saint-Beuve. Zola wurde verrissen, Balzac bewertete Saint-Beuve völlig unter dem, was die Nachwelt schließlich von ihm hielt. Mit Victor Hugo überwarf er sich, nachdem erst Hugo’s Frau mit Saint-Beuve eine Affäre einging, ihr folgte die eigene Tochter Adéle. Zum literarischen Schaffen Hugo’s hatte Saint-Beuve ebenfalls eine recht ambivalente Einstellung. Die Brüder Goncourt mussten auch mit scharfer Kritik rechnen, ebenso George Sand oder Guy de Maupassant – also: eigentlich alle literarischen Größen hatten mehrheitlich mit beißender Kritik seitens Saint-Beuve zu rechnen. Wolf Lepenies stellt jedoch fest, dass Saint-Beuve bei aller Kritik sehr wohl erkannte, dass sich Gesellschaft, Zeitgeist und Literatur im 19. Jahrhundert in einer Phase des Umbruchs befanden. Diese „Schwelle zur Moderne“ wird ihm – zumindest wohl als ‚Bauchgefühl‘ – bewusst; Lepenies arbeitet gut heraus, dass Saint-Beuve ob dieser Erkenntnis innerlich zerrissen war. Das Verharren auf der Schwelle in etwas Neues lässt Unbehagen auf-kommen; die Zukunft erscheint düster, weil nicht klar vorhersehbar. Man wird unsicher. Nicht nur die politischen Verhältnisse in Frankreich künden von Veränderungen – in Ganz Europa formieren sich Ideen, die spätestens mit Nietzsches paradigmatischen Philosophie offenkundig wurde, der auch zu Saint-Beuve Kontakt hatte. Dass sich die gesamte europäische Kultur einschließlich ihrer Literatur am Ende des 19. Jahrhunderts massiv wandeln würde, ahnte Saint-Beuve bereits beim redigieren und rezensieren der ihm vorliegenden aktuellen Literatur.
.
Wolf Lepenies hat mit seiner Saint-Beuve-Biographie, die 2006 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt, eine sehr interessante, umfassende und ein Kaleidoskop von Eindrücken vielschichtiger Art schaffende Biographie geschrieben. Wer sich im Allgemeinen für die Literatur Frankreichs im 19. Jahrhundert interessiert und – nebenbei – gerne die Klassiker wie Balzac, Flaubert, Zola oder Maupassant liest, wird sich wohl aufgehoben fühlen zwischen all den großen Personen, ob sie Saint-Beuve nun verrissen hat oder nicht. Zumindest liefert Saint-Beuve unvergleichliche Zeitdokumente über Schriftsteller, die die europäische Kultur im 19. Jahrhundert entscheidend geprägt und literarisch abgebildet haben.

Kommentieren0
10
Teilen

Gespräche aus der Community

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks