Wolf Lepenies Sainte-Beuve

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Inhaltsangabe zu „Sainte-Beuve“ von Wolf Lepenies

Das 19.Jahrhundert, das Jahrhundert der Kritik, sah in Sainte-Beuve seinen größten Kritiker; er wurde verehrt und angefeindet und war unvorstellbar einflußreich. In einer wissenschaftsgläubigen und optimistischen Epoche war Sainte-Beuve - "ein gemütvoller, ja gemütlicher Autor", wie Walter Benjamin ihn nannte - ein von Angst erfüllter und zerissener Mensch, der vieles vorausahnte von den Schrecken, in die sich die moderne Welt bald stürzen sollte. Sainte-Beuve ist bis heute umstritten. Mit Nietsche mag man in ihm den kratzbürstigen und rachsüchtigen Kritiker sehen - und mit Henry James seine Urteilsschärfe bewundern. Mit Marcel Proust mag man ihm vorwerfen, vor lauter Begeisterung für die Oberfläche einer Biographie das "moi profond" des Autors zu erkennen - und mit George Steiner in ihm den einzigen Kritiker sehen, der auch als Autor, als großer Erzähler von Literaturgeschichten, lebendig geblieben ist. Sainte-Beuve ist ein scharfer und klarsichtiger Kritiker der Moderne. Er is t konservativ, aber nicht reaktionär: er nimmt die Prozesse, in denen sich die Gesellschaft seiner Zeit demokratisiert und industrialisiert, verweltlicht und verwissenschaftlicht, mit Bedauern zur Kenntnis, aber er weiß auch, daß sie unumkehrbar sind. Radikal in seinen Enttäuschungen, in seinen Erwartungen Realist, war Sainte-Beuve kein Fanatiker. Er war nicht feige, wie Nietsche behauptete, sondern vorsichtig, und von allen Ideologien probierte er, ein großer Neugieriger des 19. Jahrhunderts, nur ein wenig, um schnell zur Hausmannskost des "bon sens" zurückzukehren.

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  • Rezension zu "Sainte-Beuve" von Wolf Lepenies

    Sainte-Beuve

    Sokrates

    13. August 2011 um 11:04

    Saint-Beuve – nur wenige werden ihn kennen, und doch war er die Person der französischen Literaturwelt des 19. Jahrhunderts. 1804 in Boulogne-sur-Mer geboren, wollte Saint-Beuve zunächst Medizin studieren, entfloh hierfür der Enge der ländlichen Heimatstadt nach Paris, trotz der dortigen Wohnungspreise. Er war schulisch ein Überflieger, erhielt ein Stipendium und versuchte sich schon früh an eigenen literarischen Werken; hinzu kamen Rezensionen zu Werken anderer Schriftsteller. Ein erster Gedichtband erschien unter Pseudonym. Mit den Julitumulten 1930 in Paris lies er sich philosophisch vom Saint-Simonismus mitreißen. In dieser Zeit beginnt er auch in Pariser Blättern über aktuelle Lite-ratur zu schreiben: der Beginn seiner Karriere als Literaturkritiker. . Wolf Lepenies zeigt bereits in den einleitenden Kapiteln, dass Saint-Beuve ein Leuchtturm in der Literaturlandschaft Frankreichs im 19. Jahrhundert war. Indem er die namhaftesten Autoren dieser Jahre zitiert, wird deutlich, wer alles über Saint-Beuve Notiz meckerte, wer hoffte, eine positive Kritik seiner Werke zu erhalten, und: wer ziemliche Probleme mit der von Saint-Beuve ausgesprochenen Ablehnung hatte. Selbst Marcel Proust schrieb einen ganzen Aufsatz (neben Auf der Suche nach der verlorenen Zeit hatte Proust wenig Muße und Zeit für andere Texte) über Saint-Beuve. Zola wurde verrissen, Balzac bewertete Saint-Beuve völlig unter dem, was die Nachwelt schließlich von ihm hielt. Mit Victor Hugo überwarf er sich, nachdem erst Hugo’s Frau mit Saint-Beuve eine Affäre einging, ihr folgte die eigene Tochter Adéle. Zum literarischen Schaffen Hugo’s hatte Saint-Beuve ebenfalls eine recht ambivalente Einstellung. Die Brüder Goncourt mussten auch mit scharfer Kritik rechnen, ebenso George Sand oder Guy de Maupassant – also: eigentlich alle literarischen Größen hatten mehrheitlich mit beißender Kritik seitens Saint-Beuve zu rechnen. Wolf Lepenies stellt jedoch fest, dass Saint-Beuve bei aller Kritik sehr wohl erkannte, dass sich Gesellschaft, Zeitgeist und Literatur im 19. Jahrhundert in einer Phase des Umbruchs befanden. Diese „Schwelle zur Moderne“ wird ihm – zumindest wohl als ‚Bauchgefühl‘ – bewusst; Lepenies arbeitet gut heraus, dass Saint-Beuve ob dieser Erkenntnis innerlich zerrissen war. Das Verharren auf der Schwelle in etwas Neues lässt Unbehagen auf-kommen; die Zukunft erscheint düster, weil nicht klar vorhersehbar. Man wird unsicher. Nicht nur die politischen Verhältnisse in Frankreich künden von Veränderungen – in Ganz Europa formieren sich Ideen, die spätestens mit Nietzsches paradigmatischen Philosophie offenkundig wurde, der auch zu Saint-Beuve Kontakt hatte. Dass sich die gesamte europäische Kultur einschließlich ihrer Literatur am Ende des 19. Jahrhunderts massiv wandeln würde, ahnte Saint-Beuve bereits beim redigieren und rezensieren der ihm vorliegenden aktuellen Literatur. . Wolf Lepenies hat mit seiner Saint-Beuve-Biographie, die 2006 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt, eine sehr interessante, umfassende und ein Kaleidoskop von Eindrücken vielschichtiger Art schaffende Biographie geschrieben. Wer sich im Allgemeinen für die Literatur Frankreichs im 19. Jahrhundert interessiert und – nebenbei – gerne die Klassiker wie Balzac, Flaubert, Zola oder Maupassant liest, wird sich wohl aufgehoben fühlen zwischen all den großen Personen, ob sie Saint-Beuve nun verrissen hat oder nicht. Zumindest liefert Saint-Beuve unvergleichliche Zeitdokumente über Schriftsteller, die die europäische Kultur im 19. Jahrhundert entscheidend geprägt und literarisch abgebildet haben.

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