Wolf Wondratschek

 4.2 Sterne bei 56 Bewertungen
Autor von Lied von der Liebe, Die Gedichte. und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Wolf Wondratschek

Der Rebell im Literaturbetrieb: Wolf Wondratschek wurde 1943 in Rudolstadt geboren und verbrachte seine Kindheit in Karlsruhe. Von 1962 bis 1967 studierte er unter anderem in Heidelberg, Göttingen und Frankfurt Literaturwissenschaft, Soziologie und Philosophie. Seit 1967 lebt er als freier Schriftsteller in München, zuvor war Redakteur bei der renommierten Zeitschrift für Literatur TEXT+KRITIK. Bereits im Frühwerk drückt sich in experimentellen Gedichten und Kurztexten seine oppositionelle Haltung gegenüber dem konventionellen Literaturbetrieb aus. Diese Ablehnung zieht sich durch sein gesamtes literarisches Schaffen. Seine unkonventionelle Beziehung zum Literaturbetrieb sowie seine Nähe zur Musikszene tragen zu seiner Popularität bei. Aufsehen erregte die „Veröffentlichung“ seines Romans „Selbstbildnis mit Ratte“, den er 2014 exklusiv als Unikat lediglich einmal verkaufte – für 40.000 Euro. Zu seinen bekanntesten Werken gehören unter anderem sein Prosa-Debüt „Früher begann der Tag mit einer Schußwunde“ von 1969, der 2013 erschienene Roman „Mittwoch“ oder seine Gedichtreihen und Lyriksammlungen, wie beispielsweise „Letzte Gedichte“ von 1980. 1968 wurde er für seine schriftstellerische Tätigkeit mit dem renommierten Leonce- und-Lena-Preis ausgezeichnet. Zudem ist er Träger des Literaturpreises der Wilhelm und Christine Hirschmann-Stiftung sowie des alternativen Georg-Büchner-Preises.

Alle Bücher von Wolf Wondratschek

Sortieren:
Buchformat:

Neue Rezensionen zu Wolf Wondratschek

Neu
Duffys avatar

Rezension zu "Gedichte /Lieder" von Wolf Wondratschek

Happy Birthday
Duffyvor 3 Monaten

Wondratschek wird 75 und der Ullstein-Verlag wirft eine Kassette mit seinen gesammelten Gedichten auf de Markt. Verdient hat er sich die Kollektion, die liebevoll aufgemacht ist, in jedem Fall. Schließlich war er doch der erste und wahrscheinlich einzige deutschsprachige Autor, der den Rock'n Roll lyrisch erfasst hat. Fauser war ja ein ähnliches Kaliber, doch dessen Schwerpunkte lagen doch mehr im Prosabereich.
Um diese Kollektion geht es jedoch nicht, denn Wondratschek hat früher seine Gedichte bei Zweitausendeins veröffentlicht und nun, pünktlich zum 75. hat der Verlag sein Lager geöffnet und noch einige der großen Bände, die so berühmte Werke wie "Chucks Zimmer" oder "Männer und Frauen" enthalten, für einen angenehmen Preis herausgegeben. Wenn auch die Ullstein-Version "vollständiger" ist (bei Zweitausendeins erschienen eben nur die Werke, die dort auch ursprünglich verlegt wurden), ist diese symphatische Großausgabe mit Klebeheftung irgendwie authentischer und erinnert an die Zeiten, wo der Autor noch so ein richtiger "Szenepoet" war und Muttis und Pappis angewidert die Augen verdrehten, wenn sie so einen Klamauk lesen sollten.
Nett von Zweitausendeins, die Exemplare herauszugeben. Viele werden es nicht gewesen sein, aber antiquarisch waren sie eigentlich nie weg.

Kommentieren0
23
Teilen
Duffys avatar

Rezension zu "Orpheus in der Sonne / Coda" von Wolf Wondratschek

Fragwürdige Veröffentlichungspolitik
Duffyvor 4 Monaten

Über Wondratscheks Gedichte muss man auch hier wenig Worte verlieren, denn sein Werk ist so beeindruckend wie bekannt. In diesem Fall möchte ich einige kritische Anmerkungen zur Veröffentlichungspolitik des Ullstein-Verlages machen. Dieser Tage ist eine Gesamtausgabe von Wondratschek in einer schönen und ansprechenden Edition herausgekommen. Mit 59 Euro sicher nicht in der Abteilung Schnäppchen zu finden, dennoch lohnt es sich, alle Werke des Autoren zusammenzustellen und dem Leser anzubieten. Gerade auch, wenn man nun dieses Werk gleichzeitig in Einzelausgaben anbietet, was an sich nicht unüblich oder schlecht ist. Denn es gibt immer Leser, die erst mal einen Eindruck haben wollen, oder das eine oder andere schon im Regal haben. Dann allerdings nur einen so minimalen Band anzubieten, ist zumindest fragwürdig. Es handelt sich hier um das knappe und in fünfzehn Abschnitte aufgeteilte Opus "Orpheus in der Sonne", das mit gerade einmal genauso vielen Seiten aufwartet. Mit zwei Zitaten an Anfang und Ende, sowie 3 Fotos (Coda) streckt der Verlag das ganze Büchlein auf angestrengte 32 Seiten. Da zählen Deckblatt, Titel/Impressum schon mit. Ob das nun sein so muss, kann man hinterfragen. Befremdlich ist das schon, denn wenn Einzelausgaben, dann sollte man auf diese Miniaturen ganz verzichen oder zwei zusammenfügen. Da hilft auch der Preis von 5 Euro nichts, denn substantiell erhält man nur 15 halbe Seiten und das nenne ich fragwürdig.
Der Inhalt wird von dieser formalen Kritik nicht berührt.

Kommentieren0
27
Teilen
J

Rezension zu "Selbstbild mit russischem Klavier" von Wolf Wondratschek

Befohlene Reue
jamal_tuschickvor 4 Monaten

„Meine Generation war nicht darauf vorbereitet, alt zu werden.“ Wolf Wondratschek 


Angeblich gibt es in Wien „nur zwei Sorten Russen: Millionäre und Musiker“. Suvorin hat eine Vergangenheit als Pianist. Nun sieht er aus wie ein Bettler. Der Erzähler trifft einen solventen Greis. „Ich bin, teilte er mir mit, ein Mann, der zu langsam stirbt. Ich habe, was ich haben wollte, gehabt, und was mich hätte umbringen können, überlebt.“ Ein kryptisches Zitat verbirgt sich vielleicht im Abgesang. Man könnte Suvorin und seinen Betrachter mit einem Gedicht von Heiner Müller kurzschließen: „Etwas frißt an mir/ Ich rauche zu viel/ Ich trinke zu viel/ Ich sterbe zu langsam.“
Allerdings verzichtet Suvorin auf Alkohol und verstößt lediglich gegen ein ärztliches Kaffeeverbot. Was Genuss war, ist jetzt Gift für ihn. Ein trockener Trinker sucht Zuflucht in anekdotischer Evidenz. Seine Erinnerungen könnten einem Stück von Tschechow entnommen sein: „Jenseits von Moskau waren Künstler eine Erfindung und Pferde real.“ In der Gegenwart des beschworenen Damals geben Leute einen Monatslohn für zwei Konzertkarten her. Ihre Nöte schmieden sie zu Komödien.
Sie leben in einer Proponentengesellschaft und werden zur Selbstkritik angehalten. Reue kann befohlen werden. Der Alltag eines UdSSR-Untertanen verlangt gegenüber den administrativen Instanzen einen Vorsprung an dummer Schläue. In den Duellen mit ewigen Instanzen ist das zu wenig.
Am Präsens der Verknappung haftet die Patina von fünfzig Jahren. In der Handlungsgegenwart steht Suvorin mit seiner realsozialistischen Prägung und lauter Untergangserfahrungen auf verlorenem Posten. Die Welt hat sich an ihm vorbeigedreht, der Musiker erscheint wie ein plapperndes Nachbild.
Er spielt schon lange nicht mehr, bezeichnet sich als „trockenen Pianisten“. Sein Schöpfer gestattet ihm ein paar grandiose Züge, die das Depot nicht mehr verlassen. Die Frau ist tot, die Kinder sind weg … Suvorin ist allein und muss sterben. Etwas anderes gibt es nicht mehr, sieht man ab von einem italienischen Restaurant mit freundlicher Bedienung und von dem fahlen Interesse des Erzählers, der Suvorin seelisch nicht überragt. Das Paar spiegelt sich in seiner Indolenz. Es spiegelt Wondratscheks musikalische Vorlieben. Für den Autor ist Wien die Stadt des Mozartsaals. Was interessieren ihn Geschichten? Er spürt der Sprache nach, wie sie sich an der Musik versucht. Am 14. August wird er fünfundsiebzig. Ich sehe ihn trotzdem noch, den behänden jungen Mann, der von Frankfurt am Main nach München gezogen war und da angefangen hatte zu boxen, um das Muhammad Ali Gefühl zu begreifen. Der Dichter wusste schon, dass die Ali Shuffle ein Meilenstein der Kampfkunstevolution war, als die einschlägigen Großereignisse noch zu Milieustudien einluden und Henry Maske ein Mann des DDR-Systems war.
Ich denke an Wondratscheks Gedicht über einen, der nicht sein Freund war - Rolf Dieter Brinkmann.
Er war too much für Euch, Leute
Brinkmann hatte wirklich was drauf, aber glaubt nicht, daß ich das hier beweisen will, dieses Abschiedsgedicht auf einen, der nicht mein Freund war und den ich persönlich nur wenige Male getroffen habe, gilt der Zukunft, für die Brinkmann jetzt verloren ist, vielleicht (und die Anzeichen sprechen dafür, haufenweise Gedichte, haufenweise Prosamanuskripte, die keiner zu drucken wagte, weil der Mann keinen Welterfolg vorweisen konnte und der Reibach für solche extremen Schriftstellerbemühungen wie die, die Brinkmann in den letzten Jahren unternahm, zu gering sein würde) vielleicht hätte er die Szene noch mal aufgerollt, schweigsamer als früher, an einem Tisch auf einem Stuhl sitzend …
Behalten habe ich Wondratscheks Bemerkungen oder eine entsprechende Phantasie zu Nelson Algren, dem Simone de Beauvoirs vereinnahmendes Interesse zu viel wurde. – Zurück geblieben ist der romanhafte Eindruck einer Stern-Reportage über John Hustons Verfilmung von Malcolm Lowrys Roman „Unter dem Vulkan“.
Wondratschek war nie aufgeschmissen. Als desolate Erscheinung im Fauserstil kam er nicht vor. Einmal traf ich ihn in einer Frankfurter Lobby beim Frühstück mit dem Autorpiloten Jürgen Ploog. Er äußerte sich schneidend und verjüngte lächelnd den Korridor gemäßigter Sprechweisen. Das wäre nicht nötig gewesen.
Im Nebelwald der Verzerrungen fand ich Wondratschek in eine Reihe mit Handke und Brinkmann gestellt. Der Laudator zitierte richtig Handkes Beschreibungsimpotenz-Verdikt und behauptete falsch weiter, Brinkmann habe Reich-Ranicki mit einer Maschinenpistole bedroht. Dieses Literaturbetriebsmärchen ist schon zig Mal Richtung Wahrheit umgeschrieben worden. Reich-Ranicki verweigerte aus Angst, vorgeführt zu werden, den direkten Schlagabtausch mit Brinkmann. Der Schriftsteller und Kritiker Rudolf Hartung bekam als Juror dann einen Satz ab, der Breton zitiert: „Wäre das hier ein Maschinengewehr“, sagte Brinkmann in einer Berliner Akademie 1969, „würde ich Sie alle über den Haufen schießen.“
„Das hier“ war sein (einziger) Roman „Keiner weiß mehr“. Wenn keiner mehr weiß, wer Heinrich Böll war, werden Wondratscheks frühe Gedichte wie letzte Botschaften eines Jahrhundertsommers der Liebe in einer neuen Keilschrift in den Katakomben der Überlebenden gleich welcher Katastrophen kursieren. 

Kommentieren0
1
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Zusätzliche Informationen

Wolf Wondratschek wurde am 14. August 1943 in Rudolstadt, Thüringen (Deutschland) geboren.

Community-Statistik

in 68 Bibliotheken

auf 8 Wunschlisten

von 1 Lesern aktuell gelesen

von 1 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks