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JenniferKrieger

vor 4 Jahren

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Klappentext:
Die Wobotniks sind ganz besondere Roboter. Sie sehen aus wie Menschen, und über einen Emotionschip haben sie auch menschliche Gefühle. Als Roboterkrieger sind sie nicht mehr zu gebrauchen und müssen fliehen. Im Hamburg tauchen sie unter, aber ein fetter Detektiv ist ihnen hart auf den Fersen. In der städtischen Kanalisation kommt es zur Entscheidung.
Der 12-jährige Patrick erzählt ihre Geschichte – und die seine, die bald untrennbar mit dem Los der Wobotniks verbunden ist.

Rezension:
Das Buch hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Obwohl der 12-jährige Patrick Niemann der Ich-Erzähler der Geschichte ist, berichtet im Prolog der Roboterwissenschaftlicher Yamamoto Hirochika. Die Tatsache, dass der Chef der Yamamoto Robotics Ltd., der weltweit führenden Firma zur Herstellung und Entwicklung von Robotern, ein Japaner ist, halte ich für sehr authentisch. Selbst die amerikanische Regierung wendet sich an Yamamoto, um für das Army und Marine Corps neue Kampfroboter zu bekommen.
Diese Details sind es, die mich von Anfang an beeindruckt haben. Obwohl es ein Kinderbuch ist, werden die Personen und Institutionen korrekt benannt und nicht vereinfacht. Das gefällt mir ausgesprochen gut. Es lässt sich schon aus dem Beginn der Geschichte viel lernen, auch über das Wesen der Japaner, denn da hier Yamamoto Hirochika der Ich-Erzähler ist, erfährt der Leser seine Gefühle und Gedanken hautnah.

Der Konflikt des Buches wird im Prolog ausführlich dargestellt. Yamamoto hatte die Aufgabe, für die U.S. Army Roboter zur Aufklärung, Spionage, Minenräumung und Zielbekämpfung zu entwickeln. Ausgestattet sollten sie sein mit künstlicher Intelligenz und der Fähigkeit, in Kampfsituationen zu entscheiden, auf wen sie zu schießen haben. Zu diesem Zweck hat der Japaner einen Emotionschip entwickelt. Bei einem Test der sieben existierenden Prototypen sollten sie Aufständische niederschießen, die ihre Waffen weggeworfen hatten. Der Oberst wollte, dass sie die Menschen trotzdem erschießen, doch der Emotionschip hat sie mit Gefühlen überflutet, sodass sie nicht dazu in der Lage waren.
Hier wird sehr schön deutlich, was Moral ist und dass die Roboter in gewisser Weise menschlicher sind als echte Menschen. Jedoch hat dieses Verhalten zur Folge, dass der Oberst befiehlt, sie zu verschrotten. Yamamoto hat jedoch Freundschaft mit den Robotern geschlossen und möchte sie nicht zerstören. So bleibt ihnen nur eine Chance: Flucht. So bekommen sie menschliches Aussehen, werden zu einer richtigen Familie mit allen zugehörigen Mitgliedern und machen sich auf den Weg.

Ab dem ersten Kapitel berichtet Patrick über das Geschehen. Er ist vollkommen begeistert von Robotern. Haushaltsroboter sind weit verbreitet und jede Stunde läuft ein Werbespot zu ihnen im Fernsehen. Patricks Mutter, die seit einiger Zeit Witwe ist, mag die Roboter dagegen überhaupt nicht, zumal die Familie kaum genug Geld zum Leben hat, sich also keinen Roboter leisten könnte. In diesen verschiedenen Einstellungen steckt sehr viel Konfliktpotenzial, das über das ganze Buch hinweg immer wieder aufgegriffen wird. Dass die Mutter, die als Krankenschwester arbeitet, oftmals mehrere Schichten nacheinander übernimmt, so kaum Zuhause ist und offensichtlich unter enormem psychischen Stress steht, verschärft die Situation nur noch weiter.

Eine weitere Figur, die mir sehr gefällt, ist Frau Carstensen. Sie wohnt in der Wohnung über Patrick und seiner Mutter. Die alte Dame sitzt den ganzen Tag am Fenster und späht durch die Vorhänge nach draußen. Ihr entgeht nichts. Obwohl das natürlich eine Menge Probleme verursacht, mochte ich sie sofort. Sie ist verschroben und sehr direkt, hat jedoch ein gutes Herz.

Schon bald, nachdem die Wobotniks in die riesige Villa gegenüber der Wohnung eingezogen sind, spricht der dicke Detektiv Duclot Patrick an und bietet ihm viel Geld dafür, dass er die Wobotniks ausspioniert. Doch Patrick, der von Jonathan, dem Jungen der Wobotniks, freundlich behandelt und nicht, wie von allen anderen, gemobbt wird, will seinen Freund nicht verraten, obwohl er bereits die Vermutung hat, dass mit der Familie etwas nicht stimmt.

Während Patricks Mutter immer seltener Zuhause ist und Patrick sich richtig mit Jonathan anfreundet, wird die Gefahr, die von Duclot ausgeht, immer größer. Die Spannung, die über die gesamte Geschichte aufrechterhalten wird, erreicht ihren Höhepunkt, als der Detektiv und Patrick allein in der Kanalisation sind. Letzterer hat sich dabei auch noch den Fuß gebrochen.

Das Buch ist von Anfang bis Ende durchdacht. Detailreiche Beschreibungen, ordentlich abgeschlossene Handlungsstränge und ausgearbeitete Konsequenzen erhöhen den Lesespaß, der allein schon aufgrund der schönen Geschichte besteht. Der Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen. Für die Handlung wichtige Dinge hat der Autor nicht bloß aneinander gereiht, sondern auch immer wieder unwichtige Alltagssituationen eingestreut, wie beispielsweise Patricks Schreck, als er feststellt, dass er die Kakaotüte versehentlich auf die heiße Herdplatte gestellt hat, sodass sie geschmolzen ist.

Fazit:
Das Buch vereint Spannung, schönen Schreibstil und eine gute Idee. Im Laufe der Geschichte lernt der Leser Charaktere zum Lieben und zum Hassen kennen, die manchmal viel tiefgründiger sind, als sie auf den ersten Blick erscheinen. Traurige Augenblicke fließen in die Handlung ein, ebenso wie Momente zum Lachen. Ich finde, „Die Roboter kommen“ verdient auf jeden Fall alle fünf Sterne.

Autor: Wolfgang Bellaire
Buch: Die Roboter kommen
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