Wolfgang Benz

 4 Sterne bei 52 Bewertungen
Autor von Der Holocaust, Enzyklopädie des Nationalsozialismus und weiteren Büchern.

Neue Bücher

Nie geht es nur um Vergangenheit

Neu erschienen am 15.12.2018 als Buch bei Dittrich.

Im Widerstand

Erscheint am 14.03.2019 als Hardcover bei C.H.Beck.

Nie geht es nur um Vergangenheit

Neu erschienen am 31.10.2018 als Buch bei Dittrich.

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Der Holocaust

Der Holocaust

 (5)
Erschienen am 17.05.2018
Enzyklopädie des Nationalsozialismus

Enzyklopädie des Nationalsozialismus

 (5)
Erschienen am 01.10.2007
Theresienstadt

Theresienstadt

 (4)
Erschienen am 12.03.2013
Geschichte des Dritten Reiches

Geschichte des Dritten Reiches

 (3)
Erschienen am 01.04.2003
Ausgrenzung, Vertreibung, Völkermord

Ausgrenzung, Vertreibung, Völkermord

 (2)
Erschienen am 01.11.2006
Geschichtsmythen

Geschichtsmythen

 (2)
Erschienen am 19.04.2004

Neue Rezensionen zu Wolfgang Benz

Neu

Rezension zu "Die Kindertransporte 1938/39" von Wolfgang Benz

Der Sicherheit wegen in ein völlig fremdes Land
Bellis-Perennisvor 2 Monaten

Dieses Buch beschäftigt sich mit einem wissenschaftlich noch nicht gänzlich aufgearbeiteten Thema: Mit der Evakuierung tausender jüdischer Kinder aus Deutschland, Österreich und Tschechien nach England.

 

Wie wurden diese Kinder ausgewählt? Kamen alle zu jüdischen Familien? Wie ist die Integration gelungen? Ist sie gelungen?

 

In diesem Buch kommen noch lebende Betroffene zu Wort, die deshalb der Vernichtung der Nazis entkamen. Doch auch an Hand von Akten, Tagebüchern und Berichten lassen sich die Hintergründe dieser Aktion, die mit dem Überfall von Nazi-Deutschland auf Polen und dem Beginn des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 ihr Ende fand, nachvollziehen.

 

Man liest von Frauen, die jene Kinder in England betreuten, genauso wie von strenggläubigen Juden, die verhindern wollten, dass jüdische Kinder bei christlichen Familien untergebracht werden. Es ist von Ehepaaren zu lesen, die kleine, blonde Mädchen gerne adoptieren wollten und von halbwüchsigen Burschen, die keiner wollte. Es gibt auch Schilderungen der Abschiede auf den Bahnhöfen. Kaum eines der Kinder wussten, dass sie ihre Eltern und/oder Geschwister nicht mehr wiedersehen würden.

 

Ein Teil des Buches beschäftigt sich auch mit den traumatischen Erfahrungen der Kinder, die zu ihrem Schutz plötzlich aus ihrer gewohnten Umgebung herausgerissen wurden. Manche fanden Aufnahme in liebevoller Umgebung, andere wurden als billige Arbeitskräfte eingesetzt.

 

Fazit:

 

Ein aufwühlendes Buch, das unbedingt gelesen werden sollte. Gerne gebe ich 5 Sterne.

 


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M

Rezension zu "Wie es zu Deutschlands Teilung kam" von Wolfgang Benz

Trocken im Stil, aber umfassend und fundiert im Inhalt
michael_lehmann-papevor 7 Monaten

Trocken im Stil, aber umfassend und fundiert im Inhalt

„Das Interesse des Publikums und auch der Historiker hat sich seit der Vereinigung der Bundesrepublik mit der DDR von der Entstehungsgeschichte der beiden deutschen Nachkriegsstaaten abgewendet“.

Eine Beobachtung, die schlicht und einfach stimmt. Die Jahre nach dem Zusammenbruch des „Deutschen Reiches“ haben ihre kollektive Erinnerung in Trümmern, Flucht von Millionen von Menschen, in Hunger und beinharten Wintern, im Hamstern und im Wiederaufbau.

Dass mit diesem Wideraufbau aber Pläne verbunden waren, dass erst der Marshall-Plan den drohenden Rückfall in einen reinen Agrarstaat für Deutschland durch Demokratisierung und Teilhabe an der „modernen neuen Welt“ für Deutschland in den Raum setzte, das der Verzicht nach einiger Zeit auf existenzbedrohende Reparationen und Abbau der Industrie in Deutschland erst die „Erfolgsgeschichte“ der Nachkriegszeit ermöglichte (an der Ludwig Erhard von Beginn an bereits beteiligt war) und das im Osten der Republik eine gegenläufige Entwicklung stattfand, all das gerät leicht in Vergessenheit, ist aber in diesem Werk von Wolfgang Benz akribisch nachzulesen und damit in Erinnerung zu holen.

Was nicht nur für historisch an diesen Vorgängen Interessierte von Wert ist, sondern auch allgemeiner auf einen „erfolgreichen“ Umgang von „Mächtigen“ mit „Ohnmächtigen“ verweist und noch einmal verdeutlicht, wie sehr die kooperative Nähe vor allem Amerikas zum Deutschland Ende der vierziger, Anfang der fünfziger Jahre für eine lange Zeit von Frieden und Wohlstand sorgte, die inzwischen die Landkarte Europas stark verändert hat.

Wobei im Werk auch mit alten „Mythen“ aufgeräumt wird und die deutsche Teilung als Ergebnis eines Prozesses dargelegt wird, die wenig mit dem (späteren) „kalten Krieg“ zu tun hat, sondern bereits in der Konferenz von Potsdam angelegt war, sich folgerichtig fast zwangsläufig entfaltete und in der Währungsreform dann unumkehrbar die „zwei Wege“ der deutschen Staaten zementiert. Die von den Besatzungsmächten „diktiert“ wurden. Denn, auch daran erinnert Benz, die Gegenwahr gegen die „soziale Marktwirtschaft“ war in der deutschen Bevölkerung groß (bis hin zum Generalstreik von 9 Millionen Arbeitern und massiver Kritik an Ludwig Erhard selbst).

Wobei Benz ebenfalls klar herausarbeitet, dass die USA der „Antreiber“ war, sie Sowjetunion mit ihrer Besatzungszone im reaktiven Bereich verblieb, verharren musste, kann man am Ende sagen.

Reagieren auf die Bizone, den Marshall-Plan, die Währungsreform, die dann folgende Staatsgründung der Bundesrepublik Deutschland.

Wobei die russische Besatzungsmacht dennoch nicht als „Opfer“ zu verstehen ist, sondern mit ihren eigenen Interessen an Vergrößerung der eigenen Einflusszone in Osteuropa und an strikten Reparationen durch Deutschland und mit ihrer eigenen Ideologie ganz eigene Ziele verfolgte und damit schnell bereits aus dem gemeinsamen Interessensverbund mit den anderen Siegermächten ausscherte. Interessen, die Stalin bereits 1941 in Moskau gegenüber Englands Außenminister Eden formulierte und im Kern an dieser Haltung festhielt, während die anderen Besatzungsmächte ihre Haltungen durchaus auch grundlegend im Lauf der Jahre neu bedachten.

So ist der 20 Juni 1948, der „Tag X“ der Währungsreform nur das Ende einer folgerichtigen Entwicklung, die spätestens während der Konferenz in Potsdam begann und zwangsläufig, in Betracht der verschiedenen Haltungen der Siegermächte, in einer Teilung des Landes münden musste.

Das Ganze stellt Wolfang Benz fundiert und sachgerecht dar, nutzt hierzu zwar einen trockenen, ganz sachorientierten Stil in Sprache und Ausdruck, bringt jedoch dem Leser den Zusammenhang im Großen und in den kleineren Teilen der Entwicklung eindeutig nahe.

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Rezension zu "Theresienstadt" von Wolfgang Benz

Theresienstadt zwischen Mythos und Realität
Ein LovelyBooks-Nutzervor 3 Jahren

Theresienstadt hat im Kontext des Nationalsozialismus eine besondere Stellung inne. War es ein Konzentrationslager? War es ein Ghetto? Noch heute erfährt der Ort eine gewisse Mythifiziertung, da besonders in Theresienstadt viele Intellektuelle und Künstler gelebt haben, die das kulturelle Leben dort gefördert haben. Theresienstadt wurde "Vorzeigeghetto". Aber was ist wahr und was ist Mythos? Wo wurden Dinge inszeniert und wo nicht?



Das Buch besteht aus 17 Kapitel, ergänzt duch eine Einleitung und einen Anhang. Dabei stellt die Reihenfolge eine Art chronologische Abfolge dar, die bei der Erbauung beginnt und letztlich über erste Nutzungszeiträume zur Einsetzung als Ghetto gelangt. Dort werden verschiedene Aspekte behandelt, meist mit Hinblick auf eine bestimmte Person, die diesen Aspekt verdeutlichen soll. Es werden Veränderungen verbildlicht, aber auch Kontinuitäten. Einen großen Bereich macht die Kultur aus, die Theresienstadt stark geprägt hat, es gibt aber auch Beschreibungen des Alltagslebens, der Religionspraktik, über die Kinder und Zwangsarbeit. Gesondert wird von den Verschönerungsarbeiten gesprochen, vom Filmdreh, der in Theresienstadt stattgefunden hat. Dass diese beiden Aspekte herausgehoben und in gesonderten Kapiteln beschrieben werden finde ich in der Hinsicht gerechtfertigt, dass in den anderen Bereichen mehr über die tatsächliche Wahrnehmung der Opfer gesprochen wird. Hier hat man das Gefühl, dass der Aspekt der Illusion, die durch die Nationalsozialisten in Theresienstadt für die Außenwelt hergestellt werden sollte, am besten herausgearbeitet wird. Es wird klar, wie Theresienstadt für die Außenwelt gewirkt haben muss und damit auch, wieso bis heute noch der Mythos Bestand hat, dass es in Theresienstadt (vergleichsweise) human zugegangen sei, wobei das auch an der Architektur und dem Eindruck der Umgebung gelegen haben kann.

Das Buch geht in aller Ernsthaftigkeit verschiedene Lebensgeschichten durch und arbeitet mit vielen schriftlichen Quellen, die einen Eindruck von den Opfern und ihren erlebnissen, aber auch vom Eindruck der Begutachter hinterlassen. Leider wiederholen sich manche Passagen immer wieder, vielleicht der Eindrücklichkeit wegen oder weil es sich eben ergeben hat - meiner Meinung nach wäre das nicht nötig gewesen. So zum Beispiel wird in der Biographie von Jo Singer erklärt, dass sie als Krankenschwester und Pflegerin in Theresienstadt eingesetzt und zuletzt in der Typhusstation beschäftigt war - in einem anderen Kapitel wird wiederum beschrieben, dass sie in der Station beschäftigt war und deswegen auch Sorge um die ausgebrochenen Insassen trug. Eine Wiederholung, die sich meiner Meinung nach hätte sparen lassen, die zusätzlichen Informationen wären in der Biographie besser aufgehoben gewesen.

Schön fand ich, dass teilweise auch über das Ghetto hinaus Bezüge hergestellt wurden, so zum Beispiel zu Auschwitz, wo es das "Theresienstädter Familienghetto" gab oder zu der allgemeinen Situation von Juden in der Welt und ihren Beziehungen untereinander - immerhin war Theresienstadt ein internationales Gebilde. Teilweise schießt er dabei aber für meinen Geschmack etwas über das Ziel hinaus, so sind zum Beispiel die ersten acht bis neun Seiten der Biographie des Rabbiner Leo Baeck (von 17) voll von der Situation der Juden, der Geschlossenheit der Juden, von Glaubensfragen und Zionismusgedanken. Sowas hätte ich vermutlich eher gesondert betrachtet (und auch gerne gesondert betrachtet gesehen), weil es irgendwie den Eindruck des Abschnittes etwas trübt. Man erwartet einfach etwas ganz anderes.

Was das Buch allerdings auf jeden Fall ist: informativ. Wir erfahren, was dort alles abgegangen ist, wie sich die Menschen, ob Kinder oder Erwachsene, gefühlt haben, welche Schicksale bestimmte Menschen, ob Opfer oder Täter, hatten. Schön fand ich die Darstellung der Umkehrung der Zustände in Theresienstadt, als nach der Befreiung die Deutschen dort interniert wurden, auch wenn hier das Gleiche passiert ist wie bei den Juden: dass "Unschuldige" zu büßen hatten. Allgemein hatte ich beim Lesen ab und an das Gefühl, dass die Welt manchmal ganz schön ironisch sein kann - im negativen Sinne.

Sprachlich war das Buch teilweise recht anstrengend zu verfolgen, aber vielleicht lag das an meiner Übermüdung und dem Druck, das Buch so schnell wie möglich durchzubekommen, denn eigentlich war der Sprachstil von der Wissenschaftlichkeit her sehr ansprechend.



Das Buch ist eine sehr gute Rundumdarstellung über Theresienstadt von seinen Anfängen bis heute. Alle wichtigen Punkte werden angesprochen, die notwendig sind, um das Leben dort zu verstehen. Ich persönlich bin der Meinung, dass es von Vorteil wäre, schon ein wenig in die allgemeine Geschichte des Holocaust eingelesen zu sein, auch wenn hier das ein oder andere noch eingebracht wird. Bis auf ein paar Kleinigkeiten also durchaus ein Buch, das ich zur vertieften Lektüre empfehlen würde.

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