Wolfgang Benz Theresienstadt

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Inhaltsangabe zu „Theresienstadt“ von Wolfgang Benz

Nirgendwo kam der Zynismus der Nationalsozialisten deutlicher zum Ausdruck als in Theresienstadt. Die Weltöffentlichkeit und die zur Deportation bestimmten Juden wurden planmäßig über den Zweck der Einrichtung getäuscht. Bis heute hält sich das Bild des privilegierten "Altersghetto", in dem vor allem musiziert und gemalt wurde. Wolfgang Benz zeichnet in diesem Buch ein Bild von Theresienstadt, das der Realität zwischen Hoffnung und Vernichtung, zwischen Illusion und Untergang nahe kommt. Die Nationalsozialisten sind mit ihren Lügen über Theresienstadt nicht erfolglos geblieben: In der Literatur findet man immer wieder Hinweise darauf, dass hier die Lebensbedingungen besser waren als in anderen Lagern, dass die Kinder und Jugendlichen in den Genuss von Schulbildung gekommen seien, nirgendwo fehlt der Verweis auf das kulturelle Leben im Ghetto. Dies alles gab es, doch wird dabei ein entscheidender Teil der Wirklichkeit ausgeblendet. Denn Theresienstadt war in das Programm der "Endlösung" eingebunden und von Hunger, Elend und einer hohen Sterblichkeit geprägt. Das Ghetto war hoffnungslos überfüllt und immer wieder gingen Transporte in die Vernichtungslager im Osten. Insgesamt wurden 141 000 Juden, vor allem aus der Tschechoslowakei, Deutschland und Österreich, nach Theresienstadt deportiert, nur 23 000 von ihnen überlebten den Holocaust.

Sehr interessant und informativ, aber nicht immer ganz eingängig geschrieben. Schade, dass die kleine Festung nur nebenbei angesprochen wird

— Larischen
Larischen

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  • Theresienstadt zwischen Mythos und Realität

    Theresienstadt
    sternblut

    sternblut

    08. February 2016 um 23:32

    Theresienstadt hat im Kontext des Nationalsozialismus eine besondere Stellung inne. War es ein Konzentrationslager? War es ein Ghetto? Noch heute erfährt der Ort eine gewisse Mythifiziertung, da besonders in Theresienstadt viele Intellektuelle und Künstler gelebt haben, die das kulturelle Leben dort gefördert haben. Theresienstadt wurde "Vorzeigeghetto". Aber was ist wahr und was ist Mythos? Wo wurden Dinge inszeniert und wo nicht? Das Buch besteht aus 17 Kapitel, ergänzt duch eine Einleitung und einen Anhang. Dabei stellt die Reihenfolge eine Art chronologische Abfolge dar, die bei der Erbauung beginnt und letztlich über erste Nutzungszeiträume zur Einsetzung als Ghetto gelangt. Dort werden verschiedene Aspekte behandelt, meist mit Hinblick auf eine bestimmte Person, die diesen Aspekt verdeutlichen soll. Es werden Veränderungen verbildlicht, aber auch Kontinuitäten. Einen großen Bereich macht die Kultur aus, die Theresienstadt stark geprägt hat, es gibt aber auch Beschreibungen des Alltagslebens, der Religionspraktik, über die Kinder und Zwangsarbeit. Gesondert wird von den Verschönerungsarbeiten gesprochen, vom Filmdreh, der in Theresienstadt stattgefunden hat. Dass diese beiden Aspekte herausgehoben und in gesonderten Kapiteln beschrieben werden finde ich in der Hinsicht gerechtfertigt, dass in den anderen Bereichen mehr über die tatsächliche Wahrnehmung der Opfer gesprochen wird. Hier hat man das Gefühl, dass der Aspekt der Illusion, die durch die Nationalsozialisten in Theresienstadt für die Außenwelt hergestellt werden sollte, am besten herausgearbeitet wird. Es wird klar, wie Theresienstadt für die Außenwelt gewirkt haben muss und damit auch, wieso bis heute noch der Mythos Bestand hat, dass es in Theresienstadt (vergleichsweise) human zugegangen sei, wobei das auch an der Architektur und dem Eindruck der Umgebung gelegen haben kann. Das Buch geht in aller Ernsthaftigkeit verschiedene Lebensgeschichten durch und arbeitet mit vielen schriftlichen Quellen, die einen Eindruck von den Opfern und ihren erlebnissen, aber auch vom Eindruck der Begutachter hinterlassen. Leider wiederholen sich manche Passagen immer wieder, vielleicht der Eindrücklichkeit wegen oder weil es sich eben ergeben hat - meiner Meinung nach wäre das nicht nötig gewesen. So zum Beispiel wird in der Biographie von Jo Singer erklärt, dass sie als Krankenschwester und Pflegerin in Theresienstadt eingesetzt und zuletzt in der Typhusstation beschäftigt war - in einem anderen Kapitel wird wiederum beschrieben, dass sie in der Station beschäftigt war und deswegen auch Sorge um die ausgebrochenen Insassen trug. Eine Wiederholung, die sich meiner Meinung nach hätte sparen lassen, die zusätzlichen Informationen wären in der Biographie besser aufgehoben gewesen. Schön fand ich, dass teilweise auch über das Ghetto hinaus Bezüge hergestellt wurden, so zum Beispiel zu Auschwitz, wo es das "Theresienstädter Familienghetto" gab oder zu der allgemeinen Situation von Juden in der Welt und ihren Beziehungen untereinander - immerhin war Theresienstadt ein internationales Gebilde. Teilweise schießt er dabei aber für meinen Geschmack etwas über das Ziel hinaus, so sind zum Beispiel die ersten acht bis neun Seiten der Biographie des Rabbiner Leo Baeck (von 17) voll von der Situation der Juden, der Geschlossenheit der Juden, von Glaubensfragen und Zionismusgedanken. Sowas hätte ich vermutlich eher gesondert betrachtet (und auch gerne gesondert betrachtet gesehen), weil es irgendwie den Eindruck des Abschnittes etwas trübt. Man erwartet einfach etwas ganz anderes. Was das Buch allerdings auf jeden Fall ist: informativ. Wir erfahren, was dort alles abgegangen ist, wie sich die Menschen, ob Kinder oder Erwachsene, gefühlt haben, welche Schicksale bestimmte Menschen, ob Opfer oder Täter, hatten. Schön fand ich die Darstellung der Umkehrung der Zustände in Theresienstadt, als nach der Befreiung die Deutschen dort interniert wurden, auch wenn hier das Gleiche passiert ist wie bei den Juden: dass "Unschuldige" zu büßen hatten. Allgemein hatte ich beim Lesen ab und an das Gefühl, dass die Welt manchmal ganz schön ironisch sein kann - im negativen Sinne. Sprachlich war das Buch teilweise recht anstrengend zu verfolgen, aber vielleicht lag das an meiner Übermüdung und dem Druck, das Buch so schnell wie möglich durchzubekommen, denn eigentlich war der Sprachstil von der Wissenschaftlichkeit her sehr ansprechend. Das Buch ist eine sehr gute Rundumdarstellung über Theresienstadt von seinen Anfängen bis heute. Alle wichtigen Punkte werden angesprochen, die notwendig sind, um das Leben dort zu verstehen. Ich persönlich bin der Meinung, dass es von Vorteil wäre, schon ein wenig in die allgemeine Geschichte des Holocaust eingelesen zu sein, auch wenn hier das ein oder andere noch eingebracht wird. Bis auf ein paar Kleinigkeiten also durchaus ein Buch, das ich zur vertieften Lektüre empfehlen würde.

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