Wolfgang Bergmann Sterben lernen: Notierungen zu Krebs und Not und Tod

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Inhaltsangabe zu „Sterben lernen: Notierungen zu Krebs und Not und Tod“ von Wolfgang Bergmann

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    Sterben lernen: Notierungen zu Krebs und Not und Tod
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    22. November 2011 um 11:34

    „Oh Herr, gib jedem seinen eigenen Tod. Das Sterben, das aus jenem Leben geht, darin es Liebe hatte, Sinn und Not.“ Mit dieser Gedichtzeile Rainer Maria Rilkes haben die Kinder des Therapeuten und Pädagogen Wolfgang Bergmann nach seinem Tod am 19. Mai 2011 eine Todesanzeige überschrieben. Sie drücken damit genau den Wunsch aus und jene Suche, die ihren Vater etwa ein Jahr lang umgetrieben hat. In dem hier vorliegenden kleinen in Leinen gebundenen Büchlein hat er der Nachwelt etwas von dieser existentiellen und auch spirituellen Suche hinterlassen. Als 2010 bei ihm ein unheilbarer Knochenkrebs diagnostiziert wurde, versuchte er sich dieser niederschmetternden Nachricht in doppelter Hinsicht zu stellen. Er gründete im September 2010 die Stiftungsinitiative „Für Kinder“, die es ermöglichen soll, dass nach seinem Tod seine Arbeiten weitergetragen und umgesetzt werden. Und er begibt sich in die Obhut einer Palliativstation. Dort schreibt er in den folgenden Monaten insgesamt 23 kurze Texte, die sich alle mit dem Sterben auseinandersetzen: „Ich schreibe. Der Tod ist das Nichts, die reine Negation, es ist lächerlich, in ihm nach Sinn zu suchen.“ Und er spürt: indem er den Tod so heftig ablehnt, empfängt er die größtmögliche Ermutigung. Obwohl es keine Antworten gibt, auch keine ihn wirklich überzeugenden spirituellen, fragt er weiter, ringt um Worte, die ausdrücken können, was er fühlt und was doch sich dem sprachlichen Verstehen immer wieder entzieht. Es sind ehrliche, stellenweise harte Worte der Introspektion, die er notiert, Worte die sich dem schnellen Trost entziehen wollen: „Keine Begütigung, keine Beschwichtigung, kein verschwiemelter Trost, das macht alles nur noch dumpfer und leerer.“ Und in diesem Erkennen des Todes als Erlöschen der Zeit, als Gleichmacher, als dem Gegenprinzip der Liebe, erinnert er sich an Jesu zitternde Knie am Leichnam von Lazarus und an seine Todesangst in der Nacht von Gethsemane. In dichter Sprache nähert er sich immer mehr seinem Ende, wehrt sich und wird doch mit jedem Eintrag mehr auf eine bewegende und auch dem Leser Trost vermittelnde Weise mit ihm eins. Mechthild von Magdeburg, die „von Liebesgewissheit durchströmten Sätze des Johannes“ und der Apostel Paulus sind ihm dabei späte Lehrer, an die er sich erinnert und er fragt sich erstaunt: „Was ist das für eine Wahrheit, die ich nur zaghaft am Zipfel zu fassen bekomme? Sie ist immer noch da, wie eine unerschütterliche Realität. Ich begreife sie nicht, So wenig wie das Sterben. Aber sie trägt. Gott trägt sie? Aber wohin?“ Diese persönlichen Texte gehen tief. Ihr Versuch, das „Sterben lernen“ in Worte zu fassen, konfrontiert den bewussten und sensiblen Leser mit der eigenen Endlichkeit. Mehr als einmal habe ich beim Lesen an mein gegenwärtiges Leben gedacht, und wie es wäre, mich nach einer ähnlichen Nachricht von ihm schnell verabschieden zu müssen. Die von Oliver Weiss entworfenen Illustrationen zwischen den einzelnen Texten helfen, chinesischen Schriftzeichen ähnlich, immer wieder innezuhalten und nachzudenken und nachzuspüren. Das Nachwort von Annelie Keil, die Wolfgang Bergmann im Hospiz begleitete, zitiert am Ende den Theologen Dietrich Bonhoeffer: „Wir müssen lernen, den Menschen weniger auf das was er tut oder lässt, als auf das, was er leidet anzusprechen.“ Das wäre ein Umgang mit dem Leid, dem Sterben und dem Tod, wie er Menschen in der Jesusnachfolge gemäß wäre, denkt ein nach der Lektüre und nach dem Schreiben dieser Rezension sehr nachdenklich gewordener Rezensent.

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